Die fiskalischen Folgen der Immigration: Eine Analyse der Studie „Borderless Welfare State“
_ Florian Müller, Gastforscher am Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW); Chefredakteur, Krautzone. 08.01.2026. Erstveröffentlichung als Folge auf dem YouTube-Kanal der Krautzone. *
Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen
- Die Studie „Borderless Welfare State“ zeigt anhand detaillierter Mikrodaten, dass nicht-westliche Immigration der ersten Generation im Durchschnitt durchgehend fiskalisch negativ wirkt und selbst in der Erwerbsphase kein positives Saldo erzeugt; der Überschuss der einheimischen Bevölkerung (+16,1 Mrd. € im Jahr 2016) wird durch nicht-westliche Immigranten (-18,2 Mrd. €) vollständig neutralisiert.
- Über das gesamte Leben hinweg und unter Einbeziehung der zweiten Generation liegen die Netto-Kosten vieler Herkunftsregionen (z. B. Horn von Afrika –606.000 €, Marokko –540.000 €, Türkei –340.000 €) bei mehreren Hunderttausend Euro pro Person; nur sehr wenige Regionen (v. a. Nordamerika, Skandinavien, Südafrika weiß) erzeugen kumulativ positive Effekte.
- Selbst als „fleißig“ geltende Gruppen aus Ost- und Südostasien oder Polen/Baltikum weisen über zwei Generationen negative oder nur schwach positive Salden auf; die Annahme „wenn sie arbeiten, wird es schon positiv“ trifft fiskalisch nicht zu.
- Eine ehrliche ökonomische Bewertung von Immigration muss immer mindestens zwei Generationen umfassen, da positive Effekte der ersten Generation in der zweiten oft verschwinden oder negativ werden; eine Fokussierung nur auf die erste Generation ist irreführend.
- Aus fiskalischer Sicht wäre es rationaler, die Milliardenbeträge, die durch nicht-positive Immigration entstehen, stattdessen in die einheimische Bevölkerung (z. B. Geburtenförderung, Familienpolitik) zu investieren, da jeder neue Einheimische im Durchschnitt +95.000 € beiträgt – ein Betrag, der bei vielen Immigrationsgruppen massiv unterschritten wird.
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Die umfassende Untersuchung „Borderless Welfare State: The Consequences of Immigration for Public Finances“ (2023) von Jan H. van de Beek, Hans Roodenburg, Joop Hartog und Gerrit W. Kreffer liefert eine detaillierte empirische Grundlage zur Beurteilung der langfristigen Auswirkungen von Zuwanderung auf die öffentlichen Haushalte der Niederlande. Die Autoren nutzen einzigartige, anonymisierte Mikrodaten von Statistics Netherlands (CBS), die sämtliche Einwohner des Landes umfassen, und wenden die Methode der Generationenrechnung an, um den netto lebenszeitlichen Beitrag verschiedener Bevölkerungsgruppen zur Staatskasse zu berechnen.
Hintergrund und methodische Grundlage
Die Studie knüpft an den CPB-Bericht „Immigration and the Dutch Economy“ aus dem Jahr 2003 an, der seinerzeit die fiskalischen Kosten und Nutzen insbesondere nicht-westlicher Zuwanderung quantifiziert hatte. Seitdem hat die niederländische Regierung keine vergleichbar umfassende Aktualisierung in Auftrag gegeben – ein Umstand, der vor dem Hintergrund der Größenordnung der Zuwanderung in den vergangenen Jahrzehnten als bemerkenswert erscheint.
Die Autoren führen die fehlende systematische Fortschreibung vor allem auf normative Hemmnisse zurück. Politische Akteure und Teile der Wissenschaft argumentierten wiederholt, eine monetäre Bewertung von Zuwanderung verletze ethische Prinzipien („man dürfe den Wert eines Menschenlebens nicht in Euro berechnen“), stelle eine Form der Opferbeschuldigung dar oder spiele populistischen Strömungen in die Hände. Diese Argumente werden in der Studie als wenig tragfähig zurückgewiesen: Kosten-Nutzen-Abwägungen seien in nahezu allen Politikfeldern (Medikamentenzulassung, Verkehrssicherheit, Hochwasserschutz, Verteidigungsausgaben) üblich und notwendig. Eine explizite und transparente Berechnung sei der impliziten, oft unreflektierten Abwägung vorzuziehen.
Typischer fiskalischer Lebenszyklus und Gruppenvergleich
Der typische Verlauf der Nettobeiträge zur Staatskasse zeigt bei Personen ohne Migrationshintergrund („Dutch Natives“) eine charakteristische Kurve: negative Beiträge in Kindheit und hohem Alter, deutliche positive Beiträge während der Erwerbsphase. Bei westlichen Zuwanderern der ersten Generation bleibt der Lebenszeitbeitrag zwar positiv, liegt jedoch deutlich unter dem der einheimischen Bevölkerung. Bei nicht-westlichen Zuwanderern der ersten Generation verläuft die Kurve hingegen durchgehend negativ – selbst in der Spitze der Erwerbsphase (ca. 30–45 Jahre) wird im Durchschnitt kein positiver Saldo erreicht.
Im Referenzjahr 2016 beliefen sich die gesamten staatlichen Ausgaben für die Bevölkerung auf rund 299,9 Mrd. €, die Einnahmen auf 298,8 Mrd. € – ein leichtes Defizit von 1,2 Mrd. €. Die Aufschlüsselung nach Gruppen ergibt jedoch ein dramatisches Bild:
- Die ca. 13,4 Millionen Niederländer ohne Migrationshintergrund erwirtschafteten einen Überschuss von 16,1 Mrd. €.
- Die ca. 1,67 Millionen westlichen Zuwanderer trugen netto +0,9 Mrd. € bei.
- Die ca. 2,12 Millionen nicht-westlichen Zuwanderer verursachten ein Defizit von 18,2 Mrd. €.
Der positive Beitrag der einheimischen Bevölkerung wurde somit vollständig durch die nicht-westliche Zuwanderung neutralisiert; der Wohlfahrtsstaat erzielte insgesamt nur noch ein geringes Minus.
Herkunftsregionen und Generationeneffekte
Die Studie differenziert die Nettobeiträge weiter nach Herkunftsregionen. Über das gesamte Leben hinweg reicht die Spannweite von etwa +210.000 € (Nordamerika, Kanada, Australien, Skandinavien, Schweiz, teilweise Südafrika – letzteres vor allem durch weiße Zuwanderer) bis zu –330.000 €.
Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die zweite Generation: Fast alle positiven Effekte der ersten Generation verschwinden. Nur noch wenige Herkunftsregionen (Japan, Skandinavien, Schweiz, teilweise China) weisen leicht positive oder neutrale Werte auf. Selbst Zuwanderer aus Nordamerika oder Kanada, die in der ersten Generation hochpositiv wirken, erzeugen in der zweiten Generation im Durchschnitt kein positives Saldo mehr.
Bei der kumulierten Betrachtung über beide Generationen (inklusive Remigrationseffekte) ergeben sich folgende durchschnittliche lebenszeitliche Nettobeiträge pro Person (in Euro, gerundet, 2016-Preise):
- Niederländer ohne Migrationshintergrund: +95.000
- Horn von Afrika / Sudan: –606.000
- Marokko: –540.000
- Afghanistan: –418.000
- Subsahara-Afrika: –361.000
- Westafrika: –350.000
- Türkei: –340.000
- Ehemalige Sowjetunion: –177.000
- Ehemaliges Jugoslawien: –161.000
- Ost- / Südostasien: –159.000
- Südamerika: –132.000
- Durchschnitt aller Zuwanderer: –150.000
- Polen / Baltikum: –70.000
- Philippinen: –66.000
- China: –50.000
- Deutschland / Österreich: +23.000
- Südafrika: +158.000
Die Differenz zwischen Einheimischen und den fiskalisch teuersten Gruppen beträgt bis zu 700.000 € pro Person.
Politische Implikationen und Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse legen nahe, dass der niederländische Wohlfahrtsstaat in seiner derzeitigen Form bei fortgesetzter Zuwanderung in der bisherigen Zusammensetzung und Größenordnung langfristig nicht tragfähig bleibt. Der durchschnittliche fiskalische Effekt der Immigration lag zwischen 2015 und 2019 bei etwa 3,8 % des BIP – mehr als doppelt so hoch wie der fiskalische Belastungseffekt der Alterung.
Eine ehrliche ökonomische Bewertung von Zuwanderung muss mindestens zwei Generationen umfassen, da positive Effekte der ersten Generation in der Regel nicht auf die zweite übertragen werden. Die Annahme, dass Arbeitsmigration per se fiskalisch vorteilhaft sei, hält einer Überprüfung über den Lebenszyklus nicht stand – selbst bei Gruppen, die als besonders arbeitsorientiert gelten.
Aus fiskalischer Perspektive wäre es rationaler, die erheblichen Summen, die durch nicht-positive Zuwanderung entstehen, stattdessen in Maßnahmen zur Stärkung der einheimischen Bevölkerung (Geburtenförderung, Familienpolitik, Bildung) zu investieren. Jeder zusätzliche Einheimische erzeugt im Durchschnitt einen Nettobeitrag von +95.000 € – ein Wert, der von zahlreichen Zuwanderergruppen massiv unterschritten wird.
Die Studie unterstreicht die Dringlichkeit einer kontinuierlichen, transparenten fiskalischen Evaluation der Zuwanderungspolitik – ein Monitoringsystem, das bislang in den Niederlanden fehlt.
Quellen & Literatur
- van de Beek, J. H., Roodenburg, H., Hartog, J. und Kreffer, G. W. (2023) Borderless Welfare State: The Consequences of Immigration for Public Finances. 2. überarbeitete Auflage. Demo-Demo Uitgever. Verfügbar unter: https://demo-demo.nl/en/ (Zugriff: März 2026).
- Roodenburg, H., Euwals, R. und ter Rele, H. (2003) Immigration and the Dutch Economy. Den Haag: CPB Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis.
Haftungsausschluss
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