Testosteron macht US-Demokraten konservativer

_ Florian Müller, Gastforscher, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW); Chefredakteur, Krautzone. 31.03.2026. Erstveröffentlichung als Folge auf dem YouTube-Kanal der Krautzone. *

Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen

  • Die randomisierte, doppelblinde Studie von Alogaily et al. (2025) mit Datenerhebung 2011 belegt, dass eine einmalige Testosteron-Applikation bei schwachen Demokraten die Sympathie für die eigene Partei um 12,5 % senkte und die Sympathie für republikanische Politiker um durchschnittlich 45 % steigerte – ein statistisch signifikanter Red Shift, der auf eine akute biologische Beeinflussbarkeit politischer Präferenzen hinweist.
  • Basale Testosteronspiegel unterschieden sich nicht signifikant zwischen den politischen Gruppen, was gegen einfache „Low-T“-Erklärungen für linke Präferenzen spricht und stattdessen auf eine erhöhte Sensibilität schwacher Demokraten gegenüber exogen zugeführtem Testosteron hindeutet.
  • Starke Demokraten erwiesen sich als weitgehend resistent gegenüber der hormonellen Intervention, während schwache Demokraten – deren Einstellungen möglicherweise stärker konformitäts- und bequemlichkeitsgetrieben sind – eine deutliche Verschiebung hin zu republikanischen Positionen zeigten.
  • Erhöhtes Testosteron scheint Konfliktbereitschaft und Durchsetzungsfähigkeit zu fördern und kann dadurch sozial erwünschte linke Positionen zugunsten selbstbewussterer, potenziell rechter Einstellungen verdrängen.
  • Die Ergebnisse unterstreichen die Relevanz biologischer und psychologischer Faktoren in der politikwissenschaftlichen Forschung. Weitere replikative Studien mit repräsentativeren Stichproben, längeren Beobachtungszeiträumen und diverseren Populationen sind erforderlich, um die Robustheit, Generalisierbarkeit und potenzielle Langfristigkeit der beobachteten Effekte zu klären.

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In den Sozial- und Politikwissenschaften stellt die Frage, warum Individuen linke oder rechte Parteien wählen, ein zentrales Forschungsdesiderat dar. Klassische Erklärungsansätze konzentrieren sich vornehmlich auf soziale, wirtschaftliche und gesellschaftliche Faktoren wie Einkommen, Bildungsniveau, berufliche Erfahrungen oder religiöse Zugehörigkeit. Psychologische und biologische Determinanten, die individuelle politische Präferenzen mitbeeinflussen, werden hingegen häufig vernachlässigt. Seit den 2000er Jahren hat sich insbesondere in den Vereinigten Staaten die Forschung zu biologischen Korrelaten politischer Einstellungen intensiviert, da die Integration biologischer Argumentationslinien dort weniger tabuisiert ist als in manchen europäischen akademischen Kontexten.

Eine bemerkenswerte Studie zu diesem Themenfeld trägt den Titel „Testosterone Administration induces Red Shift in Democrats“. Die Arbeit wurde von Rana Alogaily und vier weiteren Ko-Autoren der Claremont University in Kalifornien durchgeführt. Die Datenerhebung fand bereits 2011 statt. Das Manuskript wurde im Dezember 2024 überarbeitet und im Juni 2025 vom Journal Brain and Behavior akzeptiert und veröffentlicht (Alogaily, R. et al., 2025). Der ungewöhnlich lange Zeitraum zwischen Datenerhebung und Publikation wirft Fragen auf. Eine plausible Erklärung liegt darin, dass das Ergebnis im akademischen Umfeld einer linksliberal geprägten kalifornischen Universität 2011 als unbequem empfunden worden sein dürfte. Erst das veränderte Meinungsklima in den USA infolge der Präsidentschaft Donald Trumps scheint den Weg für die Veröffentlichung geebnet zu haben.

Studiendesign und Stichprobencharakteristika

Die Untersuchung bezog 164 männliche Probanden ein, überwiegend Studenten. Die Teilnehmer wurden per Zufall einer Test- oder Kontrollgruppe zugewiesen, ohne dass eine exakte Matching-Strategie zur Sicherstellung vergleichbarer Gruppen angewandt wurde. Dies resultierte in einer deutlichen Überrepräsentation von Anhängern der Demokratischen Partei, während Republikaner lediglich 8 % der Stichprobe ausmachten. Weitere 29 % der Teilnehmer bezeichneten sich als Independents. Auch die ethnische Zusammensetzung spiegelte nicht die Zusammensetzung der US-amerikanischen Gesamtbevölkerung wider. Trotz dieser Limitationen verdient das experimentelle Vorgehen wissenschaftliche Beachtung.

Zu Beginn der Studie wurde bei allen Probanden ein Bluttest durchgeführt, um den basalen Testosteronspiegel zu bestimmen. Entgegen vereinfachenden Annahmen ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den politischen Gruppen. Tatsächlich wiesen einige demokratische Probanden sogar leicht höhere Ausgangswerte auf, ohne dass dieser Unterschied Signifikanz erreichte. Die Probanden wurden anschließend in folgende Kategorien unterteilt: starke Demokraten, schwache („weekly“) Demokraten, schwache Republikaner, starke Republikaner sowie Independents.

Messung politischer Präferenzen und experimentelle Intervention

Politische Einstellungen wurden mit einem etablierten Instrument erfasst: Die Probanden bewerteten prominente Politiker der Demokraten und Republikaner auf einer Skala von 0 bis 100 (0 = starke Abneigung, 100 = starke Sympathie). Zum Erhebungszeitpunkt 2011 gehörten zu den referenzierten Figuren unter anderem Bill Clinton, Nancy Pelosi, Mitt Romney, Newt Gingrich, Sarah Palin und Mike Huckabee.

Die experimentelle Manipulation bestand in der einmaligen topischen Applikation einer Testosteron-haltigen Salbe bei der Versuchsgruppe beziehungsweise eines Placebos bei der Kontrollgruppe. Die Studie war doppelblind angelegt, sodass weder Probanden noch Untersucher wussten, welche Creme den aktiven Wirkstoff enthielt. Einen Tag nach der Applikation erfolgte die Nachmessung der Einstellungen. Die Testgruppe zeigte einen deutlichen Anstieg des totalen Testosteronspiegels um mehr als 50 % (ca. +300 ng/dl), während in der Placebogruppe keine relevante Veränderung beobachtet wurde.

Ergebnisse zur Veränderung der Parteiaffiliation

Die Auswertung ergab signifikante Veränderungen insbesondere bei den demokratischen Probanden. Nach der Testosteron-Gabe sank die Affiliation zu den Demokraten insgesamt. Dieser Effekt zeigte sich sowohl bei starken als auch bei schwachen Demokraten, erreichte jedoch nur bei den schwachen Demokraten statistische Signifikanz mit einer Reduktion der Sympathiewerte um 12,5 %.

Noch ausgeprägter fiel die Veränderung bei der Bewertung republikanischer Politiker aus. Bei starken Demokraten kam es zu einer leichten, nicht signifikanten Verschlechterung. Bei schwachen Demokraten hingegen stieg die Sympathie für republikanische Politiker im Durchschnitt um 45 %. Dieser Effekt war statistisch signifikant. Angesichts der geringen Ausgangssympathie für republikanische Politiker in dieser Gruppe bedeutet der Anstieg, dass sich die Einstellung bei einem Teil der Probanden substanziell verschob – im Extremfall von ausgeprägter Ablehnung hin zu deutlicher oder sogar starker Zustimmung.

Interpretation und zugrunde liegende Mechanismen

Die unterschiedliche Reaktion starker und schwacher Demokraten legt nahe, dass ideologisch gefestigte Individuen resistenter gegenüber akuten biologischen Interventionen sind. Starke Demokraten scheinen ihre politische Haltung so tief internalisiert zu haben, dass kurzfristige hormonelle Veränderungen keine messbare Verschiebung bewirken können. Schwache Demokraten hingegen, deren Präferenzen möglicherweise stärker durch soziale Konformität, kulturelle Erwartungen und Bequemlichkeit geprägt sind als durch tiefgehende ideologische Überzeugung, reagierten sensibel auf die Testosteron-Gabe.

Sowohl die Studienautoren als auch der Verfasser teilen die Einschätzung, dass Testosteron die Konfliktfähigkeit und Konfliktfreudigkeit steigert. Individuen mit erhöhtem Testosteronspiegel zeigen eine größere Bereitschaft, eigene Positionen gegen sozialen Widerstand zu verteidigen und sich durchzusetzen, ohne übermäßige soziale Ängste. Dies könnte erklären, warum konformistische oder sozial erwünschte linke Positionen bei schwachen Demokraten nach der Intervention an Attraktivität verloren und rechte bzw. republikanische Positionen an Zuspruch gewannen.

Interessanterweise blieb ein vergleichbarer Effekt bei republikanischen Probanden aus oder war nicht in gleicher Weise ausgeprägt. Die Frage, warum gerade schwache Demokraten eine besondere Sensibilität gegenüber exogenem Testosteron aufweisen – obwohl ihre basalen Spiegel sich nicht signifikant von denen anderer Gruppen unterschieden – bedarf weiterer systematischer Forschung.

Quellen

  1. Alogaily R. et al. (2025) “Testosterone Administration Induces a Red Shift in Democrats.” Brain and behavior 15,7 (2025): e70651. doi:10.1002/brb3.70651

Haftungsausschluss

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