Deutsche Auswanderung: Der stille Verlust der Leistungsträger

_ Christopher Kofner, Geschäftsführer und Ökonom, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). München, 03.06.2026.

Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen

  • Die Auswanderung deutscher Staatsbürger erreichte 2025 mit mehr als 288.000 Personen einen neuen Höchststand; während berufliche Motive mit 57,5 Prozent dominieren, nennen 17,4 Prozent explizit Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland, und DeZIM-Daten zeigen, dass eine höhere Lebensqualität im Ausland bei mindestens 51 Prozent der Erwägungen der häufigste Grund ist.²⁹
  • Die Schweiz (329.900), Österreich (239.500) und Spanien (131.800) sind die Top-Zielländer Anfang 2025; Nähe und deutsche Amtssprache erklären die Attraktivität von Schweiz und Österreich, während Spanien stärker von Ruhestands- und Lebensstil-Migration (26,8 % über 65 Jahre) profitiert – mit der höchsten Lebenszufriedenheit deutscher Auswanderer in Südeuropa (7,7 Punkte).³⁰
  • 73,4 Prozent der Auswanderer sind Deutsche ohne Migrationshintergrund, 76 Prozent Akademiker mit Hochschulabschluss und 68,2 Prozent im Kern-Erwerbsalter 20–40 Jahre; zudem planen 21 Prozent der 14- bis 29-Jährigen konkret die Auswanderung und 41 Prozent können sie sich grundsätzlich vorstellen – mit der Folge von Fachkräftemangel, geringeren Steuereinnahmen und reduzierter Produktivität.³¹
  • Während 2005–2025 netto 1.127.294 Deutsche aus Deutschland ausgewandert sind (Ø 53.681/Jahr), lag die Netto-Zuwanderung von Ausländern 2015–2025 bei 6.902.362 Personen (Ø 627.487/Jahr); diese gegenläufigen Bewegungen stellen einen Bevölkerungsaustausch dar, wobei ein großer Teil der Zuwanderer aus der MENA-Region sehr niedrige Qualifikationen aufweist (55,5–75 % ohne Berufsabschluss, 31 % ohne Schulabschluss).³²
  • Nur ein umfassendes Maßnahmenpaket – Senkung von Steuern und Abgaben, Wiederherstellung früherer Bildungsqualität, Stärkung der inneren Sicherheit durch Begrenzung der Masseneinwanderung sowie weitere strukturelle Reformen – kann nach einigen Jahren die Rückkehrbereitschaft der mehr als drei bis fünf Millionen im Ausland lebenden Deutschen erhöhen und den stillen Verlust der Leistungsträger stoppen.³³

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Das Statistische Bundesamt meldet für das Jahr 2025 mit mehr als 288.000 ausgewanderten Deutschen einen neuen Höchststand, der den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2016 übertrifft.¹ Diese Entwicklung wirft die Frage auf, welche Faktoren dabei die größte Rolle gespielt haben.

Ursachen und Motive für die Rekordauswanderung

Untersuchungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigen, dass berufliche Gründe mit 57,5 Prozent den mit Abstand häufigsten Anlass darstellen.² Nach dem Umzug verdienen die Auswanderer durchschnittlich 1.200 Euro mehr als zuvor.³ Daneben geben 17,4 Prozent der Auswanderer explizit „Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland“ als einen Hauptgrund an.⁴

Ergänzende Befunde des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) zu Auswanderungserwägungen im Zeitraum Sommer 2024 bis Sommer 2025 bestätigen, dass eine höhere Lebensqualität im Ausland mit mindestens 51 Prozent in allen Gruppen der mit Abstand häufigste Grund ist.⁵ Finanzielle Motive nennen 31 Prozent der Menschen ohne Einwanderungsgeschichte, während Sicherheitsbedenken bei 26 Prozent der Befragten ohne Einwanderungsgeschichte (Stand Juli 2025) eine Rolle spielen.⁶

Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung aus dem Jahr 2024 weist nach, dass die Auswanderung die Lebenszufriedenheit im Durchschnitt deutlich steigert – um etwa 0,5 Punkte auf einer Skala von 0 bis 10.⁷ Der positive Effekt fällt besonders stark bei Personen aus, die die Migrationsentscheidung selbst stark beeinflussen konnten, insbesondere bei Singles.⁸

Ein weiterer struktureller Faktor ist der Rückgang der Bildungsqualität. Laut den PISA-Tests sind die Kompetenzen deutscher Schüler seit 2012 deutlich gesunken: in Mathematik von 514 Punkten auf 500 Punkte (2018) und weiter auf 475 Punkte (2022), in den Naturwissenschaften von 524 auf 503 und 492 Punkte sowie in der Lesekompetenz von 508 auf 498 und 480 Punkte.⁹ Die neueste veröffentlichte Erhebung ist PISA 2022; die Ergebnisse von PISA 2025, das im Frühjahr 2025 erhoben wurde, werden erst 2026 veröffentlicht. Deutschland liegt damit nicht mehr in der Spitzengruppe der relevanten Industrieländer, sondern im unteren Mittelfeld der OECD- und europäischen Industrieländer.¹⁰

Die attraktivsten Zielländer und deren Anziehungskraft

Die Schweiz bleibt mit Abstand das beliebteste Zielland für deutsche Auswanderer, gefolgt von Österreich und Spanien. Anfang 2025 lebten laut Destatis-Auswertung in der Schweiz rund 329.900 deutsche Staatsbürger, in Österreich gut 239.500 und in Spanien gut 131.800.¹¹ Die Schweiz bleibt damit klar das wichtigste europäische Zielland. Österreich verzeichnet jedoch ein deutlich stärkeres Wachstum von +40,5 Prozent binnen zehn Jahren, während die Schweiz nur +10,7 Prozent aufweist. Spanien erholt sich seit 2022 wieder, liegt 2025 aber noch 2,4 Prozent unter dem Stand von zehn Jahren zuvor.¹²

Destatis nennt für die Schweiz und Österreich ausdrücklich zwei harte Erklärungsfaktoren: die räumliche Nähe und die Tatsache, dass Deutsch Amtssprache ist, wodurch die Sprachbarriere entfällt.¹³ Für Spanien zeigt die Altersstruktur ein anderes Bild: Der Anteil der Deutschen ab 65 Jahren liegt dort 2025 bei 26,8 Prozent, in Österreich hingegen nur bei 13,3 Prozent.¹⁴ Dies deutet auf ein stärkeres Gewicht von Ruhestand, Klima und Lebensstil in Spanien hin, während Österreich stärker arbeits- und bildungsbezogen geprägt ist.¹⁵

Laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung leben 71 Prozent der deutschen Auswanderer in europäischen Ländern. Am zufriedensten sind Deutsche in Südeuropa mit durchschnittlich 7,7 Punkten auf der Lebenszufriedenheitsskala. Ebenfalls sehr zufrieden sind Deutsche in nichteuropäischen Niedrigeinkommensländern wie der Türkei, China oder Mexiko mit 7,6 Punkten; die hohe Zufriedenheit lässt sich hier durch die relativ höhere Kaufkraft deutscher Auswanderer in diesen Ländern erklären.¹⁶

Qualifikationsprofil der Auswanderer und wirtschaftliche Konsequenzen

Viele Auswanderer sind Studenten und Handwerker. Eine umfassende Erhebung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigt, dass rund drei Viertel (73,4 Prozent) dieser Auswanderer Deutsche ohne Migrationshintergrund sind und dass es sich zu einem erheblichen Anteil um die dringend benötigten Akademiker mit Hochschulabschluss handelt (76 Prozent).¹⁷ Über zwei Drittel (68,2 Prozent) der Auswanderer befinden sich im besten Erwerbsalter zwischen 20 und 40 Jahren; insgesamt sind 94,5 Prozent im erwerbsfähigen Alter.¹⁸

Besonders problematisch ist, dass laut der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“ jede fünfte junge Person fest vorhat, das Land zu verlassen, während 41 Prozent es sich grundsätzlich vorstellen können.¹⁹

Die Folgen für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Sozialsysteme sind gravierend: höherer Fachkräftemangel, weniger Steuereinnahmen, weniger Binnennachfrage und geringere Produktivität.²⁰

Ein internationaler Vergleich aus Dänemark illustriert die fiskalischen Dimensionen besonders deutlich. Im Untersuchungszeitraum trug der durchschnittliche Däne netto 1.100 Euro pro Jahr zum Staatshaushalt bei. Ein Einwanderer aus westlichen Ländern generierte durchschnittlich 4.700 Euro netto jährlich, während ein Migrant aus der MENAPT-Region den Staatshaushalt durchschnittlich 14.200 Euro netto jährlich kostete.²¹

Demografische Bilanz und gesellschaftliche Langzeitfolgen

Deutsche wandern in Rekordzahlen aus: Im Zeitraum 2005–2025 gab es bei deutschen Staatsbürgern eine Netto-Auswanderung von 1.127.294 Personen, was einem Jahresdurchschnitt von 53.681 Personen entspricht.²² Bei Ausländern lag die Netto-Zuwanderung 2015–2025 bei 6.902.362 Personen, also durchschnittlich 627.487 Personen pro Jahr.²³ Diese gegenläufigen Bewegungen stellen in der Summe einen Bevölkerungsaustausch dar.²⁴

Das Gegenteil gilt für Einwanderer, insbesondere Asylforderer aus Afrika und dem Nahen Osten: Zwischen 55,5 und drei Viertel der Menschen im erwerbsfähigen Alter besitzen keine Berufsqualifikation, und 31 Prozent haben nicht einmal einen Schulabschluss.²⁵

Die Gesellschaftliche Auswirkungen sind gravierend. Im Szenario mit hoher Migration werden die Anhänger des Islam bis 2050 fast 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland ausmachen. Im Hochmigrationsszenario, basierend auf einer Extrapolation der Zuwanderungsströme von 2017, werden Muslime im Jahr 2180 über 50 Prozent der Bevölkerung von Deutschland stellen.²⁶

Prognosen des Instituts für konservative Wirtschaftspolitik (IKW) zeigen, dass Migranten und ihre Nachkommen in Deutschland bis 2052 die Mehrheit der Bevölkerung stellen werden; das vollständige Verschwinden der autochthonen Bevölkerung wird bis 2116 erwartet.²⁷

Politische Maßnahmen zur Remigration deutscher Auswanderer

Das Problem der Auswanderung deutscher Staatsbürger besteht darin, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Die Gründe sind vielfältig, und der Hauptgrund liegt in einer grundlegenden Unzufriedenheit mit der Lebensqualität in Deutschland – verbunden mit zu hohen Steuern und Abgaben im Verhältnis zum Einkommen. Hinzu kommt eine zu geringe Bildungsqualität, die die Kinder in Deutschland erhalten, sowie Defizite bei der Sicherheit auf deutschen Straßen. Es gibt zahlreiche Politikfelder, in denen Verbesserungen notwendig sind.

Grundlegend erforderlich wäre es, Steuern und Abgaben in Deutschland zu senken, die Qualität der Bildung wieder auf ein früheres Niveau zu heben und Sicherheit auf deutschen Straßen wiederherzustellen – unter anderem durch eine Begrenzung der Masseneinwanderung. Nur das Zusammenwirken all dieser Maßnahmen würde, wenn auch nicht sofort, sondern erst nach einigen Jahren, das Gefühl erzeugen, dass die mehr als drei oder sogar mehr als fünf Millionen Deutschen, die im Ausland leben, wieder ernsthaft über eine Rückkehr nach Deutschland nachdenken könnten.²⁸

Quellen & Literatur

  1. Statistisches Bundesamt (Destatis) (2026). Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland. URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Wanderungen/Tabellen/wanderungen-zwischen-deutschland-und-dem-ausland-jahr-02.html.
  2. BIB (2019). Gewinner der Globalisierung. Individuelle Konsequenzen von Auslandsaufenthalten und internationaler Mobilität. URL: https://www.bib.bund.de/Publikation/2019/pdf/Policy-Brief-Gewinner-der-Globalisierung.pdf.
  3. Ebd.
  4. Ebd.; Erlinghagen M. et al. (2021). The Global Lives of German Migrants. Consequences of International Migration Across the Life Course. BIB. URL: https://www.bib.bund.de/Publikation/2021/The-Global-Lives-of-German-Migrants.html.
  5. DeZIM (2026). Auswanderung im Fokus: Wer bleibt, wer will gehen? (DeZIMinutes #16). URL: https://www.dezim-institut.de/fileadmin/user_upload/fis/publikation_pdf/FA-6470.pdf.
  6. Ebd.
  7. BIB (2024). Macht Auswandern glücklich? Warum der Schritt ins Ausland das Leben positiv verändern kann. URL: https://www.bib.bund.de/DE/Presse/Mitteilungen/2024/pdf/2024-12-18-Macht-Auswandern-gluecklich-Warum-der-Schritt-ins-Ausland-das-Leben-positiv-veraendern-kann.pdf.
  8. Ebd.
  9. Hechinger Report / OECD PISA-Daten (2023). Math rankings PISA 2022. URL: https://hechingerreport.org/wp-content/uploads/2023/12/Math-rankings-PISA-2022.pdf.
  10. Ebd.
  11. Destatis (2026). Leben im europäischen Ausland: Schweiz bei Deutschen weiterhin am beliebtesten. Pressemitteilung PD26_N031_12. URL: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/05/PD26_N031_12.html.
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  13. Ebd.
  14. Ebd.
  15. Ebd.
  16. BIB (2025). BiB-Monitor Wohlbefinden 2025: Wie zufrieden sind Ein- und Ausgewanderte. URL: https://www.bib.bund.de/DE/Presse/Mitteilungen/2025/2025-10-29-BiB-Monitor-Wohlbefinden-2025-Wie-zufrieden-sind-Ein-und-Ausgewanderte.html.
  17. BIB (2019); Erlinghagen et al. (2021), a.a.O.
  18. Ebd.
  19. Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026 – Zukunft unter Druck“ (Datajockey Verlag u.a.). Berichte in Forschung & Lehre, ZDFheute, Focus u.a. (März 2026).
  20. BIB (2019); Erlinghagen et al. (2021), a.a.O.
  21. Finansministeriet (2021). Økonomisk Analyse: Indvandreres nettobidrag til de offentlige finanser i 2018. URL: https://fm.dk/udgivelser/2021/oktober/oekonomisk-analyse-indvandreres-nettobidrag-til-de-offentlige-finanser-i-2018/.
  22. Destatis (2026). Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland (Tabellen 2005–2025). URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Wanderungen/Tabellen/wanderungen-zwischen-deutschland-und-dem-ausland-jahr-02.html.
  23. Ebd.
  24. Ebd. (eigene Interpretation der gegenläufigen Wanderungssalden).
  25. Kofner C. (2025) Fachkräftesicherung für Deutschland – Analyse und Lösungen aus rechts-konservativer Sicht. Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW).  URL: https://institutkw.de/fachkraeftesicherung-fuer-deutschland-analyse-und-loesungen-aus-rechts-konservativer-sicht/.
  26. Rostan P., Rostan A. (2019). When will European Muslim population be majority and in which country? Higher College of Technology Abu Dhabi. URL: https://www.emerald.com/insight/content/doi/10.1108/PRR-12-2018-0034/full/html; Hackett C. et al. (2017). Europe’s Growing Muslim Population. Pew Research Center.
  27. Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). Finis Germaniae – Düstere demografische Zukunft der ethnischen Deutschen. URL: https://institutkw.de/finis-germaniae-duestere-demografische-zukunft-der-ethnischen-deutschen/.
  28. Zusammenfassende Analyse basierend auf den dargestellten empirischen Befunden.
  29. Kombinierte Quellen: Destatis (2026), BIB (2019/2024), DeZIM (2026).
  30. Destatis (2026); BIB (2025).
  31. BIB (2019/2021); Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“.
  32. Destatis Wanderungstabellen; IKW (Fachkräftesicherung)

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