Mehrheit der DAX-Aktien im Ausland – US-Institutionelle halten 15,2 Prozent des gesamten DAX-Kapitals

_ Dr. Daniel Hoffmann, Forschungsreferent, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). Berlin, 18. Oktober 2026.

IKW-Datenimpuls

Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen

  • Die Internationalisierung der „Deutschland AG“ ist weit fortgeschritten: Nach EY befanden sich im Geschäftsjahr 2024 mindestens 52,6 Prozent der DAX-Aktien in ausländischer Hand, während deutsche Anleger 33,1 Prozent hielten. S&P Global weist für 2025 innerhalb des institutionellen DAX-Kapitals sogar 88,2 Prozent ausländische gegenüber nur noch 11,8 Prozent deutschen Investoren aus.
  • Auf ergänzende Anfrage des IKW beziffert S&P Global Market Intelligence für 2025 den Anteil ausschließlich US-amerikanischer institutioneller Investoren am gesamten DAX-Kapital auf 15,2 Prozent. BlackRock werden 4,8 Prozent, Vanguard 2,4 Prozent zugerechnet – zusammen 7,2 Prozent des gesamten DAX-Kapitals.
  • Die Daten widerlegen eine vermeintliche US-amerikanische „Totalkontrolle“ des DAX, zeigen wohl aber einen erheblichen und langfristig steigenden ausländischen Kapitaleinfluss. Eine stärkere deutsche Aktienkultur, kapitalgedeckte Altersvorsorge, Mitarbeiterbeteiligungen und langfristiges heimisches Beteiligungskapital könnten die inländische Eigentumsbasis verbreitern.

Ausgangsbefund

S&P Global Market Intelligence und der DIRK – Deutscher Investor Relations Verband untersuchen in der inzwischen 13. Ausgabe von „Who owns the German DAX?“ insbesondere den institutionellen Streubesitz der DAX-Unternehmen. 2025 erreichte der institutionelle Anteil 60,2 Prozent; innerhalb des institutionellen Kapitals entfielen 41,9 Prozent auf Nordamerika, aber nur noch 11,8 Prozent auf Deutschland.

EY betrachtet mit einer anderen Methodik den Aktienbestand der DAX-Unternehmen insgesamt. Für das Geschäftsjahr 2024 ordnet EY 52,6 Prozent ausländischen und 33,1 Prozent deutschen Anlegern zu; 14,3 Prozent konnten regional nicht eindeutig zugeordnet werden. Der Auslandsanteil von 52,6 Prozent ist daher ausdrücklich eine Mindestangabe. Bei 24 der 40 DAX-Unternehmen liegt bereits die Mehrheit der Aktien in ausländischer Hand.

IKW-Auswertung & Einordnung

Eine ergänzende IKW-Datenanfrage bei S&P Global Market Intelligence ermöglicht erstmals eine präzisere Einordnung des US-Anteils mit Bezug auf das gesamte DAX-Kapital. S&P Global teilte dem IKW mit, dass US-amerikanischen institutionellen Investoren 15,2 Prozent des gesamten DAX-Kapitals zuzurechnen sind. Für die BlackRock-Gruppe nennt S&P 4,8 Prozent und für die Vanguard-Gruppe 2,4 Prozent – zusammen 7,2 Prozent. Die Zuordnung orientiert sich nach Auskunft von S&P insbesondere an der Investmentinstanz, welche die Anlageentscheidung trifft. Die Werte sind deshalb nicht mit dem letztendlichen wirtschaftlichen Eigentum sämtlicher Fondsanleger gleichzusetzen.

Besonders deutlich wird die Entwicklung im Langfristvergleich. In der S&P/DIRK-Vorgängerreihe von Ipreo entfielen 2013 noch 18,4 Prozent des institutionellen Kapitals auf Deutschland und 31,8 Prozent auf Nordamerika; damit lagen rechnerisch 81,6 Prozent bei ausländischen Institutionellen. 2025 beträgt der deutsche Anteil nur noch 11,8 Prozent, der ausländische entsprechend 88,2 Prozent und Nordamerika 41,9 Prozent. Seit 2013 sank Deutschlands Anteil somit um 6,6 Prozentpunkte beziehungsweise rund 36 Prozent, während Nordamerika um 10,1 Prozentpunkte zulegte.

Auch die davon unabhängige EY-Reihe bestätigt den Internationalisierungstrend. Der von EY ermittelte Auslandsbesitz an DAX-Aktien stieg in der langfristigen Reihe von rund 36 Prozent im Jahr 2001 auf 52 Prozent 2022 und liegt aktuell bei mindestens 52,6 Prozent. Bei den Unternehmen, für die seit 2010 durchgängige Daten vorliegen, sank zugleich der deutsche Inlandsanteil seitdem um weitere 2,1 Prozentpunkte. Besonders stark nahm der nordamerikanische Anteil zu: von 17,1 Prozent im Jahr 2010 auf zuletzt 25,4 Prozent – ein Plus von 8,3 Prozentpunkten beziehungsweise knapp 49 Prozent.

Damit versachlichen die Daten die Debatte über einen „Ausverkauf der Deutschland AG“. Behauptungen, der DAX befinde sich nahezu vollständig unter US-amerikanischer Kontrolle, werden durch die verfügbaren Zahlen nicht gestützt. Ebenso wenig lässt sich aus Aktienverwaltung automatisch einheitliche gesellschaftsrechtliche Kontrolle ableiten. Der gegenteilige Schluss wäre jedoch ebenfalls verfehlt: Wenn ausländische Investoren bereits die Mehrheit des identifizierten DAX-Aktienbestands halten, Nordamerika langfristig stark an Gewicht gewinnt und allein US-Institutionelle 15,2 Prozent des gesamten DAX-Kapitals repräsentieren, ist der ausländische – insbesondere amerikanische – Kapitaleinfluss auf Deutschlands größte börsennotierte Unternehmen wirtschaftlich erheblich. Allein die beiden US-Vermögensverwalter BlackRock und Vanguard vereinen zusammen 7,2 Prozent des gesamten DAX-Kapitals auf sich und verfügen damit über ein beachtliches Gewicht innerhalb der Eigentümerstruktur der größten deutschen börsennotierten Unternehmen.

Quellen & Literatur

[1] S&P Global Market Intelligence; DIRK – Deutscher Investor Relations Verband e. V. (2026): Who owns the German DAX? The Ownership Structure of the German DAX in 2025, 13. Ausgabe, Juni 2026. https://www.dirk.org/wp-content/uploads/2026/06/26062_DAX-Ownership-Study-2025_SPGI_DIRK.pdf

[2] S&P Global Market Intelligence, (2026): Schriftliche Auskünfte an das Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW), 14. Juli 2026.

[3] Ipreo Ltd.; DIRK – Deutscher Investor Relations Verband e. V. (2016): Investoren der Deutschland AG 3.0 – Die Aktionärsstruktur des deutschen Leitindex DAX 30, Mai 2016; historische Daten ab Dezember 2013. https://www.dirk.org/wp-content/uploads/2020/11/160512-Die-Investoren-der-Deutschland-AG-3.0-DAX-Studie-2015-Ipreo_DIRK.pdf

[4] EY (2025): DAX-Konzerne überwiegend in ausländischer Hand, 4. August 2025. https://www.ey.com/de_de/newsroom/2025/08/ey-wem-gehoert-der-dax-2025

[5] Bundeszentrale für politische Bildung (2025), auf Basis von Ernst & Young (2023): Aktionärsstruktur der DAX-Unternehmen – Auslandsbesitzanteil 2001 bis 2022, 7. Juli 2025. https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/globalisierung/52596/aktionaersstruktur-der-dax-unternehmen/

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