IKW schult AfD-Nachwuchs in Sachsen: Soziale Marktwirtschaft und Vorbereitung auf Regierungsverantwortung
_ IKW. Leipzig, 18. Oktober 2026. Am 17. Oktober 2026 veranstaltete die Generation Deutschland Sachsen in Leipzig ein wirtschaftspolitisches Weiterbildungsseminar mit elf ausgewählten Teilnehmern. Als Referent vermittelte Christopher Kofner, Geschäftsführer des Instituts für konservative Wirtschaftspolitik (IKW), die theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungen der Sozialen Marktwirtschaft. Die Veranstaltung orientierte sich am Ausbildungskonzept der politischen Akademien verschiedener AfD-Landesverbände und diente der fachlichen Qualifizierung des politischen Nachwuchses.
Die Weiterbildung gewinnt angesichts der politischen Entwicklung in Sachsen zunehmend an Bedeutung. Bei der nächsten Landtagswahl im Herbst 2029 könnte die AfD erstmals die Regierungsverantwortung im Freistaat übernehmen. In einer INSA-Umfrage vom Mai 2026 erreichte sie bereits 42 Prozent und lag damit deutlich vor der CDU mit 21 Prozent. Die systematische Vorbereitung künftiger politischer Verantwortungsträger auf Regierungs- und Verwaltungsaufgaben rückt damit verstärkt in den Mittelpunkt.
Wirtschaftspolitik verstehen statt politische Schlagworte wiederholen
Das Seminar behandelte die historischen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft, die ordoliberalen Prinzipien Walter Euckens, die wirtschaftspolitischen Vorstellungen von Alfred Müller-Armack, Wilhelm Röpke und Alexander Rüstow sowie die Reformpolitik Ludwig Erhards. Weitere Schwerpunkte bildeten Wettbewerbs- und Industriepolitik, Arbeitsmarkt und Sozialstaat, öffentliche Daseinsvorsorge, Staatsverschuldung und europäische Wirtschaftsintegration.
Kofner legte besonderen Wert darauf, den Teilnehmern nicht lediglich wirtschaftspolitische Lehrsätze zu vermitteln. In Anlehnung an den realistischen Politikansatz Niccolò Machiavellis müsse die Ausgangsfrage lauten, wie Wirtschaft, Gesellschaft und Politik tatsächlich funktionieren – und nicht, wie sie unter idealen Bedingungen funktionieren sollten.
Ziel der Weiterbildung war es deshalb, den jungen Nachwuchspolitikern ein eigenständiges wirtschaftswissenschaftliches Analyseinstrumentarium an die Hand zu geben. Wirtschaftsnachrichten, statistische Kennzahlen, politische Reformvorhaben und staatliche Eingriffe sollen künftig differenziert beurteilt werden können. Vereinfachte Schwarz-Weiß-Bilder und ideologische Pauschalurteile ersetzen keine fundierte ordnungspolitische Analyse.
Eigentümerkapitalismus, Managerherrschaft und neue Herausforderungen
Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt war die von James Burnham beschriebene „Managerial Revolution“, also die zunehmende Trennung von Eigentum und tatsächlicher Verfügungsgewalt über Unternehmen und Institutionen aus Sicht der Sozialen Marktwirtschaft. Diskutiert wurden Unterschiede zwischen einem managergeprägten, stärker kapitalmarktorientierten angelsächsischen Kapitalismus und dem traditionellen rheinischen Kapitalismus beziehungsweise der früheren „Deutschland AG“, die stärker durch langfristige Unternehmensbeziehungen, Eigentümerverantwortung und Sozialpartnerschaft geprägt war.
Darüber hinaus beschäftigten sich die Teilnehmer mit neuen Herausforderungen für die Soziale Marktwirtschaft im 21. Jahrhundert. Dazu zählen die geoökonomische Fragmentierung der Weltwirtschaft, die zunehmende Bedeutung strategischer Lieferketten und wirtschaftlicher Abhängigkeiten sowie die wachsende Marktmacht großer digitaler Plattformunternehmen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich freier Wettbewerb, unternehmerische Verantwortung, wirtschaftliche Souveränität und sozialer Ausgleich unter veränderten internationalen Rahmenbedingungen miteinander verbinden lassen.
Was eine AfD-Landesregierung wirtschaftspolitisch verändern kann
Besondere Aufmerksamkeit galt der Übertragung ordnungspolitischer Grundsätze auf die sächsische Landespolitik und die künftige Landtagsprogrammarbeit der AfD. Kofner erläuterte die verfassungsrechtlichen Möglichkeiten und Grenzen einer Landesregierung. Wesentliche Rahmenbedingungen der Energie-, Steuer-, Geld- und europäischen Regulierungspolitik werden auf Bundes- und EU-Ebene festgelegt. Dennoch verfügen die Bundesländer über eigene Gestaltungsspielräume.
Zu den diskutierten Handlungsfeldern zählten die Verschlankung von Ministerien und Behörden, der Abbau unnötiger Verwaltungsstellen und Berichtspflichten, schnellere Genehmigungsverfahren sowie der verstärkte Einsatz künstlicher Intelligenz und des Once-Only-Prinzips in der Verwaltung.
Weitere Ansatzpunkte bildeten eine vereinfachte Landesbauordnung, eine mittelstandsorientierte Wirtschaftsförderung, technologieoffene Forschungs- und Innovationspolitik sowie die Nutzung landesrechtlicher Spielräume bei der Grunderwerbsteuer. Hierzu wurden auch steuerliche Entlastungsmöglichkeiten beim erstmaligen Erwerb betrieblich genutzter Immobilien erörtert.
Dabei stand nicht allein die Entwicklung politischer Forderungen im Vordergrund, sondern deren rechtliche Umsetzbarkeit, Finanzierung und administrative Durchführbarkeit.
Fazit: Fachliche Kompetenz als Voraussetzung für Regierungsfähigkeit
Das Leipziger Seminar verdeutlichte den wachsenden Stellenwert systematischer wirtschaftspolitischer Weiterbildung innerhalb der AfD-Nachwuchsorganisation. Angesichts der politischen Ausgangslage in Sachsen genügt es nicht, wirtschaftspolitische Missstände zu benennen. Wer Regierungsverantwortung übernehmen will, muss wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen, staatliche Handlungsspielräume realistisch einschätzen und konkrete, rechtlich tragfähige Reformen entwickeln können.
Mit seiner wissenschaftlichen Expertise und ordnungspolitischen Ausrichtung unterstützt das Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW) die fachliche Auseinandersetzung mit den Grundlagen einer wettbewerbsfähigen, sozial verantwortlichen und zukunftsfähigen Wirtschaftsordnung.

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