Wer gefährdet Deutschlands Energieinfrastruktur wirklich?
_ Christopher Kofner, Gastforscher, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). München, 7. November 2026.
Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen
- Das Narrativ einer angeblich vorrangig russischen und chinesischen Bedrohung der deutschen Energieinfrastruktur dominiert die öffentliche Sicherheitsdebatte. Führende Politiker von CDU/CSU, SPD und Grünen warnen wiederholt vor Sabotage und Angriffen durch Russland und China. Die IKW-Analyse zeigt jedoch, dass erhebliche Gefahren in erster Linie von der eigenen Energiepolitik und linksmotivierten Straftaten ausgehen.
- Die IKW-Auswertung der Bundesnetzagentur-Kraftwerksliste dokumentiert einen dramatischen Rückbau konventioneller Erzeugungskapazitäten. Bis Ende 2025 waren 33 Kern-, Kohle- und Gaskraftwerksblöcke mit knapp 10 GW endgültig stillgelegt, die bei typischer Betriebsdauer noch innerhalb ihrer Laufzeit gelegen hätten. Bei verlängerten Betriebsdauern betrifft dies 102 Blöcke mit 35 GW. Ihr hypothetisches jährliches Erzeugungspotenzial beträgt 54 bis 204 TWh, entsprechend 10 bis knapp 40 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs 2025 und einer Leistung von 18 bis 66 Prozent der durchschnittlichen Netzlast.
- Die politisch verantwortete Energiewende ist selbst ein gravierender Risikofaktor für Deutschlands Energieversorgung. CDU/CSU, SPD und Grüne haben durch Kernenergie- und Kohleausstieg, CO₂-Bepreisung und regulatorische Eingriffe den Rückbau steuerbarer Kraftwerkskapazitäten maßgeblich vorangetrieben. Diese energiepolitische Selbstschwächung muss beendet werden. Erforderlich sind eine Abkehr von der bisherigen Energiewende, die Rückkehr zu einer technologieoffenen, wettbewerbsfähigen, preiswerten und zuverlässig regelbaren Energieversorgung sowie die Prüfung einer Rückführung geeigneter Reservekraftwerke in den regulären Strommarkt.
- Auch die dokumentierte linksmotivierte Gewalt widerlegt eine ausschließlich auf ausländische Akteure konzentrierte Bedrohungsdebatte. Laut Bundesregierung entfielen 70 Prozent von 6.927 politisch motivierten Brandstiftungen, Sachbeschädigungen und Sprengstoffdelikten gegen Infrastruktur, Unternehmen und weitere ausgewählte Einrichtungen im Zeitraum 2019–2025 auf PMK-links. Bei Brandstiftungen erreichte dieser Anteil sogar knapp 88 Prozent, gegenüber lediglich 0,7 Prozent PMK-rechts und 1,5 Prozent PMK-ausländische Ideologie. Die politische Vernachlässigung dieser erheblichen linken Gewaltbelastung ist scharf zu kritisieren. Angriffe aus dem linksextremistischen Milieu auf kritische Infrastruktur müssen konsequent verfolgt werden.
- Der Nord-Stream-Anschlag zeigt, dass bei konkreten ausländischen Sabotagevorwürfen die Ukraine in den Mittelpunkt der Aufklärung gehört. Der Bundesgerichtshof hielt eine fremdstaatliche Steuerung des Sprengstoffanschlags vom 26. September 2022 für hochwahrscheinlich; der Generalbundesanwalt geht in seiner Anklage von einer Planung im Auftrag staatlicher Stellen in der Ukraine aus. Dennoch sind für 2026 rund 11,5 Milliarden Euro deutsche Finanzleistungen vorgesehen. Angesichts dieses schwerwiegenden Verdachts bedürfte es einer lückenlose strafrechtliche Aufklärung, Prüfung staatlicher Verantwortlichkeiten und der sofortigen Aussetzung deutscher Finanz- und Militärhilfen an die Ukraine. Die Bundesregierung muss ihre sicherheitspolitischen Prioritäten an nachgewiesenen Gefahren und konkreten Ermittlungsergebnissen statt an einseitigen Bedrohungsnarrativen ausrichten.
Russland und China als angeblich größte Bedrohung – eine falsches Narrativ?
Führende Politiker von CDU, CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen warnen regelmäßig vor Russland und China als zentralen Bedrohungen für Deutschland und Europa. Zunehmend stehen dabei Sabotage, Cyberangriffe und Anschläge auf kritische Infrastruktur im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte am 27. August 2025: „Russland ist und bleibt auf lange Zeit die größte Bedrohung für Freiheit, Frieden und Stabilität in Europa.“ [1] Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete Russland und China im Oktober 2025 ausdrücklich als maßgebliche Urheber zunehmender Angriffe auf die deutsche kritische Infrastruktur. [2]
Auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) warnte im Dezember 2024 vor russischer hybrider Kriegsführung einschließlich Angriffen auf Infrastruktur und Energieversorgung. [3] Konstantin von Notz (Grüne) erklärte im August 2026, Russland gehe gegenüber Deutschland immer aggressiver vor, und verwies auf Spionage, Sabotage und Angriffe auf kritische Infrastrukturen. [4]
Diese Aussagen prägen die öffentliche Diskussion. Doch die politische Konzentration auf die behaupteten Bedrohungen durch diese beiden Staaten wirft eine grundlegende Frage auf: Welche Gefahren für Deutschlands Energieinfrastruktur sind tatsächlich dokumentiert – und welche entstehen durch staatliche Entscheidungen sowie gewaltsame Angriffe im Inland?
Das Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW) hat hierzu drei Datenkomplexe untersucht: die Stilllegung konventioneller Kraftwerke seit 2011, politisch motivierte Angriffe auf Energieversorgungsanlagen sowie die Ermittlungen zur Sprengung der Nord-Stream-Pipelines.
Die Energiepolitik des Staates: Vorzeitige Stilllegung konventioneller Kraftwerke
Während führende Bundespolitiker vor fremdstaatlicher Sabotage warnen, haben Bundesregierungen aus CDU/CSU, SPD und Grünen selbst maßgeblich zum Rückbau steuerbarer Stromerzeugung beigetragen. Der Kernenergieausstieg wurde von der rot-grünen Bundesregierung eingeleitet, 2011 unter einer unionsgeführten Regierung gesetzlich beschleunigt und 2023 unter der Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP vollzogen. Der gesetzliche Kohleausstieg, steigende CO₂-Kosten, EEG-Förderung und der Einspeisevorrang erneuerbarer Energien verschlechtern zusätzlich die wirtschaftlichen Einsatzbedingungen der Gas- und Kohlekraftwerke. [5–7]
Diese Entwicklung ist somit zu wesentlichen Teilen Ergebnis konkreter Entscheidungen und politischer Verantwortung der jeweiligen Bundesregierungen.
Wie viele stillgelegte Kraftwerke hätten 2025 noch innerhalb ihrer Laufzeit gelegen?
Die IKW-Auswertung verwendet die Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur mit Datenstand 26. Juni 2026 und betrachtet ausschließlich bis zum 31. Dezember 2025 endgültig stillgelegte Kern-, Gas- und Kohlekraftwerksblöcke. Entscheidend ist, ob eine Anlage unter den jeweiligen Laufzeitannahmen im Referenzjahr 2025 rechnerisch noch innerhalb ihrer Betriebsdauer gelegen hätte.
Die Vergleichswerte orientieren sich an der Internationalen Energieagentur (IEA). In ihrem Bericht Energy Technology Perspectives 2020 nennt sie typische Betriebsdauern von 40 Jahren für Kernkraftwerke, 25 Jahren für Gas-und-Dampf-Kombikraftwerke (GuD) und 35 Jahren für Kohlekraftwerke. Zugleich dokumentiert die IEA deutlich größere mögliche Lebensdauerspannen, die insbesondere durch Modernisierung, Instandhaltung und technische Erneuerungen ausgeschöpft werden können. [20]
Darauf aufbauend untersucht das IKW zwei Szenarien:
| Kraftwerkstyp | Szenario A: Typische Betriebsdauer laut IEA | Szenario B: Verlängerte Betriebsdauer |
| Kernenergie | 40 Jahre | 60 Jahre |
| Erdgas | 25 Jahre | 40 Jahre |
| Kohle | 35 Jahre | 50 Jahre |
Szenario B verwendet eigene konservative Modellannahmen innerhalb der von der IEA dokumentierten technischen Lebensdauerspannen. Der 25-Jahre-Referenzwert für GuD-Anlagen wird vereinfachend auch für die weiteren erfassten Gaskraftwerkstechnologien verwendet.
Ein Kraftwerksblock wird berücksichtigt, wenn seine endgültige Stilllegung bis einschließlich 2025 dokumentiert ist und sein Alter im Jahr 2025 die jeweilige Vergleichsgrenze noch nicht erreicht hatte.
Die Auswertung ergibt folgende Ergebnisse:
| Energieträger | A: Blöcke | A: GW | A: TWh/Jahr | B: Blöcke | B: GW | B: TWh/Jahr |
| Kernenergie | 4 | 5,47 | 41,5 | 17 | 20,50 | 155,7 |
| Erdgas | 14 | 0,33 | 0,9 | 36 | 0,86 | 2,2 |
| Kohle (Stein- und Braunkohle) | 15 | 3,91 | 11,8 | 49 | 13,63 | 46,1 |
| Insgesamt | 33 | 9,70 | 54,2 | 102 | 34,98 | 204,0 |
Quelle: Eigene IKW-Auswertung anhand der Bundesnetzagentur-Kraftwerksliste, ergänzt um die acht Kernreaktoren von 2011. Nettoleistungen; gerundete Werte. Erfasst sind endgültig stillgelegte Kraftwerksblöcke, die 2025 ihre angenommene Laufzeitgrenze noch nicht erreicht hätten.
Unter der typischen Laufzeitannahme wurden somit 33 Kraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 9,70 GW endgültig stillgelegt, die rechnerisch 2025 noch innerhalb ihrer Betriebsdauer gelegen hätten. Bei einer technisch verlängerten Betriebsdauer erhöht sich die Zahl auf 102 Blöcke mit 34,98 GW.
Bei den Kohlekraftwerken entfallen im Szenario A zehn Blöcke auf Steinkohle und fünf auf Braunkohle; im Szenario B sind es 36 Steinkohle- und 13 Braunkohleblöcke.
Besonders deutlich werden die Konsequenzen des staatlich beschlossenen Kernenergieausstiegs: Von den 17 seit 2011 endgültig abgeschalteten Reaktorblöcken hätten nach einer Betriebsdauer von 40 Jahren im Jahr 2025 noch vier Reaktoren innerhalb ihrer Laufzeit gelegen. Bei einer Verlängerung auf 60 Jahre wären es alle 17 Reaktoren gewesen.
Die gesetzlichen Abschaltentscheidungen haben damit erhebliche technische Erzeugungspotenziale vor Erreichen international vergleichbarer möglicher Betriebsdauern aus dem deutschen Stromsystem entfernt.

Hypothetische Jahreserzeugung und Bedeutung für die Versorgungssicherheit
Zur Abschätzung des jährlichen Stromerzeugungspotenzials verwendet das IKW historische Vollaststunden des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE). Grundlage ist die Veröffentlichung Electricity Generation in Germany in 2023 mit einer eigenen Mittelwertberechnung über die Jahre 2015 bis 2022. Daraus ergeben sich durchschnittlich 7.598 Vollaststunden für Kernenergie, 2.619 für Erdgas, 2.910 für Steinkohle und 5.728 für Braunkohle. [9]
Unter diesen Annahmen hätten die erfassten Kraftwerksblöcke rechnerisch 54,2 TWh (Szenario A) beziehungsweise 204,0 TWh Strom pro Jahr (Szenario B) erzeugen können.
Der deutsche Bruttostromverbrauch betrug 2025 rund 526 TWh. Das modellierte Stromerzeugungspotenzial entspricht damit 10,3 beziehungsweise 38,8 Prozent des gesamten deutschen Jahresstromverbrauchs. [10]

Auch der Vergleich mit der durchschnittlichen Netzlast verdeutlicht die Größenordnung: Bei rund 53,2 GW durchschnittlicher Netzlast im Jahr 2025 entspricht die Leistung der erfassten Kraftwerksblöcke 18,2 beziehungsweise 65,8 Prozent dieser mittleren Nachfrage. [11]

Die Frage der Importabhängigkeit
Deutschland importierte 2025 im kommerziellen Stromhandel 76,2 TWh und exportierte 54,3 TWh; der Nettoimport betrug 21,9 TWh. [12] Eine größere verfügbare konventionelle Kraftwerksleistung hätte in geeigneten Marktstunden zusätzliche inländische Stromerzeugung ermöglichen und den Importbedarf reduzieren können. Dies gilt insbesondere für Zeiten geringer Wind- und Solarstromproduktion.
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Der zentrale Befund: Kernenergieausstieg, Kohleausstieg und staatliche Regulierung sind wesentliche Bestandteile des von Bundesregierungen politisch verantworteten Rückbaus konventioneller Erzeugungsmöglichkeiten. Insbesondere SPD und Grüne müssen sich die grundlegende Frage gefallen lassen, warum sie die Stilllegung steuerbarer Kapazitäten vorangetrieben oder mitgetragen haben, während sie gleichzeitig vor einer zunehmenden Verwundbarkeit der deutschen Energieinfrastruktur warnen.
Politisch motivierte Angriffe auf Infrastruktur und Unternehmen: PMK-links dominiert
Eine Auswertung politisch motivierter Straftaten gegen Infrastruktur, Unternehmen und weitere ausgewählte Einrichtungen zeigt eine deutliche Dominanz linksmotivierter Delikte.
Grundlage ist die Antwort der Bundesregierung vom 24. Februar 2026 auf eine schriftliche Frage des AfD-Bundestagsabgeordneten Dr. Rainer Rothfuß (Drs. 21/4372). Sie erfasst bundesweit Brandstiftungen, Sachbeschädigungen und Sprengstoffdelikte von 2019 bis 2025, unter anderem gegen Energieversorgungsbetriebe, Kraftwerke, Verkehrs- und sonstige Infrastruktureinrichtungen sowie Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. [13]
Politische Zuordnung der Straftaten 2019–2025
| PMK-Zuordnung | Fälle | Anteil |
| PMK-links | 4.874 | 70,4 % |
| PMK-rechts | 206 | 3,0 % |
| PMK-ausländische Ideologie | 225 | 3,2 % |
| PMK-religiöse Ideologie | 17 | 0,2 % |
| PMK-sonstige Zuordnung | 1.605 | 23,2 % |
| Insgesamt | 6.927 | 100,0 % |
Quelle: Deutscher Bundestag, Drs. 21/4372, S. 19; eigene Berechnungen.
Von insgesamt 6.927 Straftaten wurden 4.874 beziehungsweise 70,4 Prozent PMK-links zugeordnet. Auf PMK-rechts entfielen lediglich 3,0 Prozent, auf PMK-ausländische Ideologie 3,2 Prozent. Damit wurden rund 22-mal so viele linksmotivierte wie rechtsmotivierte beziehungsweise der ausländischen Ideologie zugeordnete Straftaten registriert.
Brandstiftungen, Sachbeschädigungen und Sprengstoffdelikte
| Deliktart | Gesamt | PMK-links | PMK-rechts | PMK-ausländische Ideologie |
| Brandstiftungen | 586 | 515 (87,9 %) | 4 (0,7 %) | 9 (1,5 %) |
| Sachbeschädigungen | 6.326 | 4.355 (68,8 %) | 201 (3,2 %) | 216 (3,4 %) |
| Sprengstoffdelikte | 15 | 4 (26,7 %) | 1 (6,7 %) | 0 (0,0 %) |
| Insgesamt | 6.927 | 4.874 (70,4 %) | 206 (3,0 %) | 225 (3,2 %) |
Quelle: Deutscher Bundestag, Drs. 21/4372, S. 19. Übrige Fälle: religiöse Ideologie und sonstige Zuordnung.
Besonders ausgeprägt ist die Dominanz bei Brandstiftungen: 515 von 586 Fällen (87,9 Prozent) wurden PMK-links zugeordnet, gegenüber lediglich vier rechtsmotivierten und neun der ausländischen Ideologie zugeordneten Fällen. Damit wurden rund 129-mal so viele linksmotivierte wie rechtsmotivierte Brandstiftungen registriert.
Auch bei Sachbeschädigungen dominiert PMK-links mit 4.355 von 6.326 Fällen (68,8 Prozent) deutlich gegenüber PMK-rechts (3,2 Prozent) und PMK-ausländische Ideologie (3,4 Prozent). Von den 15 Sprengstoffdelikten entfielen vier auf PMK-links, eines auf PMK-rechts und zehn auf die sonstige Zuordnung.

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Die amtlichen Zahlen offenbaren eine erhebliche Diskrepanz zwischen der öffentlichen Bedrohungsrhetorik und den dokumentierten Straftaten: Während führende Politiker von CDU/CSU, SPD und Grünen immer wieder Russland und China in den Mittelpunkt ihrer Sicherheitswarnungen rücken, entfallen 70,4 Prozent der untersuchten Delikte und sogar 87,9 Prozent der Brandstiftungen auf PMK-links. Die Gefährdung von Infrastruktur und Unternehmen geht damit keineswegs nur von außen aus, sondern in erheblichem Umfang auch von linksmotivierten Tätern im Inland. Neben den Folgen der eigenen Energiepolitik muss deshalb insbesondere die Gefahr aus dem linksextremistischen Milieu stärker in den Fokus rücken. Eine Bundesregierung, die vor ausländischer Sabotage warnt, aber die dokumentierte linke Gewalt nicht mit vergleichbarer Entschlossenheit bekämpft, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, auf dem linken Auge blind zu sein.
Nord Stream: Terroristischer Anschlag auf Deutschlands Energieinfrastruktur – Verdacht gegen ukrainische Staatsstellen
Wenn schon von ausländischen Bedrohungen für Deutschlands strategische Energieinfrastruktur die Rede ist, sollte ausgerechnet die Ukraine nicht ausgeblendet werden. Denn beim Sprengstoffanschlag auf Nord Stream 1 und 2 vom 26. September 2022, der drei von vier Pipeline-Strängen zerstörte, verdichtet sich der Verdacht einer staatlich beauftragten Sabotageoperation aus der Ukraine.
Der Bundesgerichtshof bewertete im Beschluss StB 60/25 vom 10. Dezember 2025 eine fremdstaatliche Beauftragung und Steuerung als hochwahrscheinlich. Der Generalbundesanwalt geht in seiner Anklage vom 30. Juni 2026 ausdrücklich davon aus, dass ukrainische Militärangehörige den Anschlag im Auftrag staatlicher Stellen in der Ukraine planten. Angeklagt sind unter anderem ein Kriegsverbrechen gegen zivile Objekte und das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion. [15–16]
Der politische Widerspruch ist gravierend: Während führende Politiker von CDU/CSU, SPD und Grünen wiederholt Russland und China als Infrastrukturbedrohungen hervorheben, erhebt die deutsche Bundesanwaltschaft einen schwerwiegenden Sabotagevorwurf gegen staatliche Stellen der Ukraine. Gleichzeitig stellt Deutschland der Ukraine weiterhin Milliardensummen zur Verfügung – allein 2026 sind rund 11,5 Milliarden Euro militärische Unterstützung vorgesehen. [17–18]
Angesichts dieses Verdachts ist die Bundesregierung aufgefordert, die mutmaßliche staatliche Beteiligung der Ukraine unmissverständlich zu verurteilen, sofern sie sich bestätigt, und vollständige Aufklärung einzufordern. Politisch wäre eine sofortige Aussetzung sämtlicher staatlicher Finanz- und Militärhilfen an die Ukraine zu fordern. Die fortgesetzte Unterstützung eines ausländischen Staates, der mutmaßlich einen Anschlag auf strategisch bedeutsame deutsche Energieinfrastruktur ausgeübt hat, ist nicht hinnehmbar.
Quellen & Literatur
[1] Bundesregierung (2025). Pressekonferenz des Bundeskanzlers nach der Kabinettssitzung im Bundesministerium der Verteidigung, 27. August 2025. URL: https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kanzler-nach-kabinettsitzung-im-bmvg-2381762
[2] Dobrindt A. (2025). „Die AfD verhält sich wie eine deutsche Putin-Partei“. Interview, Der Tagesspiegel, 27. Oktober 2025. URL: https://www.tagesspiegel.de/politik/innenminister-alexander-dobrindt-die-afd-verhalt-sich-wie-eine-deutsche-putin-partei-14668730.html
[3] ZDFheute (2024). Pistorius warnt vor Russland: „Putin greift hybride an“. URL: https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/pistorius-warnung-hybride-gefahr-russland-100.html
[4] von Notz K. (2026). Statement: Das Vorgehen Russland uns gegenüber wird immer aggressiver. URL: https://von-notz.de/2026/08/22/statement-das-vorgehen-russland-uns-gegenueber-wird-immer-aggressiver/
[5] Bundesrepublik Deutschland (2026). Atomgesetz (AtG), insbesondere § 7. URL: https://www.gesetze-im-internet.de/atg/BJNR008140959.html
[6] Bundesrepublik Deutschland (2025). Kohleverstromungsbeendigungsgesetz (KVBG). URL: https://www.gesetze-im-internet.de/kvbg/BJNR181810020.html
[7] Bundesrepublik Deutschland (2026). Erneuerbare-Energien-Gesetz, § 11: Abnahme, Übertragung und Verteilung. URL: https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/__11.html
[8] Bundesnetzagentur (2026). Kraftwerksliste und Zu- und Rückbau von Kraftwerken, Datenstand 26. Juni 2026. URL: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Versorgungssicherheit/Erzeugungskapazitaeten/Kraftwerksliste/start.html
[9] Burger B. (2024). Electricity Generation in Germany in 2023. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, S. 37. URL: https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/en/documents/downloads/electricity_generation_germany_2023.pdf
[10] Umweltbundesamt (2026). Stromverbrauch. URL: https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/energie/stromverbrauch
[11] Bundesnetzagentur (2026). Der Strommarkt im Jahr 2025. SMARD. URL: https://www.smard.de/page/home/topic-article/444/218954/hoechste-pv-einspeisung-in-jedem-quartal
[12] Bundesnetzagentur (2026). Bundesnetzagentur veröffentlicht Daten zum Strommarkt 2025. URL: https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/20260105_Smard.html
[13] Deutscher Bundestag (2026). Schriftliche Fragen mit den in der Woche vom 23. Februar 2026 eingegangenen Antworten der Bundesregierung. Drucksache 21/4372, Frage 28 von Dr. Rainer Rothfuß, S. 18–20. URL: https://dserver.bundestag.de/btd/21/043/2104372.pdf
[14] Deutscher Bundestag (2025). Sabotageakte gegen kritische Infrastrukturen in Deutschland seit 2020 – Häufigkeit, Einordnung und Maßnahmen zur Resilienzsteigerung. Drucksache 21/2067, S. 5. URL: https://dserver.bundestag.de/btd/21/020/2102067.pdf
[15] Bundesgerichtshof (2025). Beschluss vom 10. Dezember 2025, StB 60/25. URL: https://www.hrr-strafrecht.de/hrr/2/25/stb-60-25.pdf
[16] Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (2026). Anklage wegen der Sprengung der Nord-Stream-Gaspipelines erhoben. Pressemitteilung vom 2. Juli 2026. URL: https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/14981/6306641
[17] Bundesregierung (2026). Bundeshaushalt 2026: Investitionen für die Zukunft. URL: https://www.bundesregierung.de/breg-de/schwerpunkte/wirksam-regieren/bundeshaushalt-2026-2374030
[18] Kiel Institut für Weltwirtschaft (2026). Ukraine Support Tracker: Von Deutschlands 100 Milliarden gingen nur 41 Milliarden in die Ukraine. URL: https://www.kielinstitut.de/de/medien/aktuelles/ukraine-support-tracker-von-deutschlands-100-milliarden-gingen-nur-41-milliarden-in-die-ukraine/
[19] Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt (2026). Monitoringbericht 2025, S. 15 und 61–68. URL: https://data.bundesnetzagentur.de/Bundesnetzagentur/SharedDocs/Mediathek/Monitoringberichte/MonitoringberichtEnergie2025.pdf
[20] International Energy Agency (2020). Energy Technology Perspectives 2020. Figure 1.12: Typical lifetimes for key energy sector assets, S. 56. IEA. URL: https://iea.blob.core.windows.net/assets/7f8aed40-89af-4348-be19-c8a67df0b9ea/Energy_Technology_Perspectives_2020_PDF.pdf
[21] Deutscher Bundestag (2026). Stärkung der kritischen Energieinfrastruktur. Antwort der Bundesregierung, Drucksache 21/4572, insbesondere Fragen 23 und 24. URL: https://dserver.bundestag.de/btd/21/045/2104572.pdf
[22] Fingerklopfer (2026). Von Berlin bis NRW: Angriffe auf Energieanlagen – und was die BKA-Zahlen tatsächlich zeigen. Veröffentlichung vom 16. September 2026 auf Grundlage einer BKA-Sonderauswertung. URL: https://www.fingerklopfer.de/de/blog/937-von-berlin-bis-nrw-angriffe-auf-energieanlagen-und-was-die-bka-zahlen-tatsaechlich-zeigen
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