Javier Milei und der Kulturkampf: Eine Analyse aus libertärer Perspektive
_ Prof. Dr. Philipp Bagus, Gastforscher, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). Erstveröffentlichung beim Mises Institut Deutschland. München, 22.10.2025.*
Der Kulturkampf um Begriffe und kulturelle Macht
Deutschlands größtes Problem stellt ein kulturelles dar: Die Gesellschaft ist mit Ideen des Etatismus und der Staatsgläubigkeit infiziert. Um diesen Etatismus wirksam zu bekämpfen, muss der Kulturkampf angenommen werden, von dem Javier Milei spricht. Dieser Kulturkampf versteht sich als langfristiger Kampf um die besseren Ideen und Werte, der die Verbreitung der Freiheitsideen und das Verdrängen etatistischer Ideen zum Ziel hat. Er ist keine kurzfristige Wahlkampftaktik, sondern zielt auf die besten Ideen und Werte für das soziale, moralische, spirituelle und wirtschaftliche Gedeihen einer Gesellschaft ab. Dabei geht es nicht allein um die ökonomische Produktivität und den Wohlstand eines Systems, sondern ebenso um dessen Gerechtigkeit sowie um die moralischen und spirituellen Werte, die für das langfristige Gedeihen einer Gesellschaft erforderlich sind.
Die Kultur formt den Interpretationsrahmen, durch den Individuen die Welt wahrnehmen und auf dessen Grundlage sie handeln. Dieser Rahmen entsteht durch Bilder, Vorbilder, Kunst, Geschichten, Narrative, Symbole, Mythen, Traditionen, Ideen, Werte und Wörter. Begriffe prägen die Wahrnehmung entscheidend: Derselbe Sachverhalt erscheint unterschiedlich, je nachdem, ob er als „soziale Gerechtigkeit“ oder als „Raub“ bezeichnet wird. Etatisten haben erfolgreich die staatliche Umverteilung unter Gewaltandrohung als „soziale Gerechtigkeit“ positiv umgedeutet und niedere Instinkte wie Neid, Hass und Missgunst zur Tugend erhoben. Politiker werden positiv als „Volksvertreter“ dargestellt, während Milei sie als „Parasiten“ bezeichnet – ein aus dem Griechischen stammender Begriff für jemanden, der auf Kosten anderer lebt. Der Mythos „Der Staat sind wir alle“ erzeugt eine andere Weltsicht als die klare Unterscheidung zwischen Obrigkeit und Untertan. Der marxistische Klassenkampf, der Kapitalisten als Ausbeuter der Arbeiter darstellt, unterscheidet sich grundlegend vom libertären Klassenkampf, in dem die Politklasse und das Team Staat die produktiven Bürger durch Steuern und Regulierungen ausbeuten. Wer die libertäre Perspektive einnimmt, erkennt diese Ausbeutung deutlicher.
Religiöse Überzeugungen formen ebenfalls die Weltsicht: Der christliche Glaube an einen Gott, der den Menschen nach seinem Ebenbild schuf, an Nächstenliebe, rationale Schöpfungsgesetze, unverrückbare moralische Grundsätze sowie an Gut und Böse und ein Leben nach dem Tod führt zu anderen Handlungen als ein atheistischer Relativismus, der demokratisch beschlossene Gesetze als legitim ansieht, keine absolute Wahrheit kennt und den Tod als Ende alles betrachtet. Im Kulturkampf gilt es zu zeigen, dass Etatismus und Sozialismus ökonomisch katastrophal sind. Ebenso wesentlich ist die Verteidigung der moralischen Werte, Narrative und Institutionen, auf denen der Kapitalismus beruht, da jedes System eine moralische Rechtfertigung benötigt, ohne die es zusammenbricht. Letztlich dreht sich der Kulturkampf um Macht, insbesondere um kulturelle Macht.
Max Weber definiert Macht als die Chance, in einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen. Er unterscheidet bewaffnete Macht (durch Waffengewalt), legale Macht (durch Gesetze), wirtschaftliche Macht (durch finanzielle Anreize) sowie traditionelle oder kulturelle Macht (durch Beeinflussung von Traditionen, Wörtern, Narrativen und Weltsicht). Die kulturelle Macht erweist sich als effektivste, da sie meist unbemerkt wirkt und geringeren Widerstand hervorruft. Wenn Etatisten und Sozialisten die Kultur mit Begriffen wie Solidarität, soziale Gerechtigkeit oder Klimaschutz beherrschen, bestimmen sie die Wahrnehmung und das Handeln der Menschen. Das Verbot von Verbrennungsmotoren in Deutschland trotz technologischer Führerschaft und wirtschaftlicher Abhängigkeit von der Automobilindustrie lässt sich rational nicht erklären. Es resultiert aus einer verzerrten Weltsicht, in der wirtschaftlicher Selbstschaden als notwendiges Opfer zur Abwendung eines Klimakollapses gilt – als religiöser Ersatz, Buße und Wiedergutmachung für die „Sünde“ des CO₂-Ausstoßes. In der Coronakrise unterwarfen sich die meisten Menschen freiwillig Einschränkungen, vor allem durch kulturelle Macht via Medien und Kulturträger, nicht primär durch bewaffnete oder legale Zwangsmaßnahmen.
Die Gegner im Kulturkampf
Um einen Kampf zu gewinnen, muss man den Gegner und das Schlachtfeld genau kennen. Im Kulturkampf stehen sich zwei Seiten gegenüber: Die eine umfasst jene, die Freiheit anstreben, Verantwortung übernehmen, hart arbeiten, sparen und sich anstrengen wollen. Die andere Seite bildet die staatliche Politkaste, die durch Steuern und Regulierungen die Gesellschaft ausbeutet – das Team Staat gegen die Verfechter der Freiheit.
Zum Team Staat gehören primär Politiker und Bürokraten, die von Steuergeldern leben und etatistische sowie sozialistische Ideen verbreiten. Sie suggerieren, die Bürger könnten ohne ihre Hilfe in allen Lebensbereichen nicht überleben, obwohl sie selbst von den Bürgern abhängig sind. Zweitens zählen große Teile der traditionellen Medien dazu, einschließlich Journalisten, öffentlich-rechtlicher Sender wie ARD und ZDF, Spiegel, FAZ sowie staatlicher Anzeigenkunden; diese Medien sind durch soziale Medien geschwächt und zunehmend verachtet. Drittens gehören Gewerkschaften hinzu, die an Relevanz verlieren und als Staatsbestandteil wahrgenommen werden. Viertens umfassen staatlich verbundene Unternehmer, die Privilegien oder Subventionen erhalten und primär für den Staat statt für Konsumenten produzieren – etwa in der Asyl- oder wetterabhängigen Energiewirtschaft. Fünftens zählen Mainstream-Ökonomen wie Marcel Fratzscher und Keynesianer, die den Staat als Problemlöser preisen und höhere Staatsausgaben fordern. Sechstens gehören indirekt staatlich finanzierte Experten, Akademiker, pseudointellektuelle Politikwissenschaftler und Prominente, die zu Themen wie Klima, Gender, Antifaschismus und Corona Stellung nehmen und vor allem im staatlichen Bildungssektor und an Universitäten angesiedelt sind. Siebtens zählen staatlich finanzierte NGOs, die den Kulturkampf in die Massen tragen und Meinungen beeinflussen. Achtens gehören Globalisten und internationale Organisationen wie UNO und WHO, die vorgeblich für Frieden, gegen Armut, für Menschenrechte und Umwelt eintreten, in Wahrheit jedoch mit Agenda 2030 und Pakt 2045 neue Posten für Etatisten schaffen, finanziert aus Steuergeldern.
Dieses Team Staat agiert koordiniert und unterstützt sich gegenseitig: Medien verbreiten verzerrte Berichte zu Argentinien, AfD, X oder Trump; Ökonomen prognostizieren Krisen für Argentinien oder loben die Energiewende; Experten begründen staatliche Eingriffe; Staatsunternehmer erhalten Subventionen und spenden Gewinne an Politik und Medien; Politiker finanzieren Medien, NGOs, Unternehmer, Experten und Ökonomen; Gewerkschaften und NGOs bekämpfen Widerstand gegen die linke Agenda.
Auf der Gegenseite stehen die Freiheitsverteidiger: hart arbeitende Bürger als wahre Partei der Arbeiter, fleißige Unternehmer – das Team des Fleißes, der Opferbereitschaft, des Verdienstes, der Verantwortung, der Freundschaft und Empathie sowie die Partei von Leben, Freiheit und Eigentum.
Um den Kulturkampf zu gewinnen, muss die Arbeitsteilung in der Ideenverbreitung genutzt werden. In der ersten Linie stehen Intellektuelle wie Akademiker und Professoren, die Ideen entwickeln. In der zweiten Linie folgen kulturelle Protagonisten wie Sänger, Stars, Entertainer, Schauspieler, Prominente, Models, Sportler, Musiker, Priester, Journalisten, Influencer, Schriftsteller und Künstler, die Ideen vereinfacht an die Massen weitergeben. Wichtige Träger des Kulturkampfs sind Universitäten, Lehrbücher, Schulen, Kindergärten, Kirchen, Künste, Fernsehen, Kino, Serien, Radio, Lieder, Romane, Zeitungen, soziale Medien, Stiftungen, Vereine, Familie, Musik, Sport, Massenmedien sowie Statuen, Brücken und Straßennamen. Massenmedien transportieren Ideen, Verhaltensmodelle, Werte und Stereotype besonders wirksam. Viele Ideen stammen von Agustín Laje in „La batalla cultural“. Kulturelle Elemente wie Lieder, Gedichte, Videos, Comedy, Fotos, Bilder, Memes, Bücher, Kommentare, Essays, Zeichnungen, Diskurse, Pamphlete und Veranstaltungen formen die individuelle Weltsicht. Heute sind soziale Medien fundamental, während traditionelle Massenmedien an Bedeutung verlieren. Ideen dienen als Machtinstrument; wer Kulturträger beherrscht, beherrscht die Kultur. Übertragene Ideen sichern Herrschaft.
Gründe für den Sieg der Linken im Kulturkampf
Die Geschichte des Kulturkampfs zu kennen, ist entscheidend für seinen Erfolg. Freiheitsverteidiger vernachlässigten ihn lange, da der Kalte Krieg auf Wirtschaftssysteme fokussierte: Kommunismus versus Kapitalismus. Der Kommunismus kollabierte, der Kapitalismus siegte scheinbar, und Francis Fukuyama proklamierte das „Ende der Geschichte“. Nach dem Mauerfall und der ökonomischen Niederlage des Sozialismus verlegten Linke sich auf die Kultur – daher der Begriff Kulturmarxismus. Dieser konzentriert sich nicht mehr primär auf die Ausbeutung der Arbeiter, da diese entgegen Marx‘ Prognose wohlhabender wurden. Stattdessen lautet das Argument: Kapitalismus ist effizient, aber ungerecht mit Konflikten und Unterdrückung. Künstliche Konflikte umfassen Reichtum auf Kosten der Armen, Patriarchat, Unterdrückung sexueller Minderheiten, strukturellen Rassismus und Ausbeutung der Natur. In diesen Konflikten soll der Staat den Schwachen helfen und mehr Macht erhalten. Kulturmarxisten schwächen Institutionen wie Familie und Christentum, die Werte wie Fleiß, Sparsamkeit, Opferbereitschaft, Verantwortung, Freundschaft, Nächstenliebe, Wahrheit und Gerechtigkeit sowie Leben, Freiheit und Eigentum vermitteln.
Javier Milei erkennt die Bedeutung des Kulturkampfs am klarsten und führt ihn konsequent. Er betont, Etatismus sei nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial (Familienzerstörung), moralisch (Gewaltlegitimation), kulturell (Gleichmacherei) und ästhetisch (Plattenbauten) desaströs. Auf Sozialismus entfallen über 150 Millionen Tote. Trotz dieser Bilanz bekennen sich viele als links, was den brillanten linken Kulturkampf zeigt. Antonio Gramsci, italienischer Kommunistenführer, den Mussolini 1929–1935 einsperrte, entwickelte in seinen Gefängnisheften das Ziel kultureller Hegemonie als politischen Kampf um immaterielle Macht. Herrschaft erfolgt durch Gewalt oder kulturelle Hegemonie, bei der Unterdrückte Werte internalisieren. Ähnlich argumentierte Étienne de La Boétie um 1549 in seinem „Discours de la servitude volontaire“: Tyrannen besitzen keine Macht, wenn Beherrschte sie nicht durch Gehorsam verleihen. Macht basiert auf Zustimmung durch Gewohnheit, psychologische Angst und Sicherheitsversprechen, ideologische Mythen (früher Gottesgnadentum, heute Demokratie) sowie Abhängigkeit durch Wohlfahrtsstaat und Parasitenschichten. Ausweg: Nicht-Mitmachen – Entzug von Gehorsam, Ressourcen und Legitimation lässt Macht zerfallen.
Gramsci sah im Christentum das größte Hindernis für Marxismus durch gemeinsame Moral. Kulturmarxismus untergräbt kapitalismusstützende Werte durch Delegitimation und neue Werte. Gramsci bevorzugt Stellungskrieg: Kooptierung von Intellektuellen, auch in Kirchen (in Deutschland links unterwandert). Die Frankfurter Schule (Adorno, Marcuse, Horkheimer) entwickelte mit der Kritischen Theorie einen Ansatz, der traditionelle Normen, Moralvorstellungen, das Christentum, die Familie sowie gesellschaftliche Hierarchien relativiert. Indirekt lassen sich dabei folgende Positionen erkennen: Freiheit wird grundsätzlich bejaht, jedoch mit dem Anspruch sozialer Gerechtigkeit verknüpft; biologische Geschlechter werden anerkannt, zugleich wird die soziale Konstruktion von Geschlecht betont; die traditionelle Familie gilt als legitim, andere Lebensformen werden ihr als gleichwertig zur Seite gestellt; Gleichheit vor dem Recht wird akzeptiert, jedoch werden Gruppenrechte als vorrangig betrachtet; christliche Werte werden anerkannt, zugleich werden alle Religionen als gleichwertig angesehen; die Marktwirtschaft wird akzeptiert, jedoch als ergänzungsbedürftig durch staatliche Planung und Umverteilung verstanden; Eigentum wird grundsätzlich bejaht, während die Begrenzung von Reichtum als notwendig erachtet wird.
Diese Relativierung begünstigte den sogenannten Marsch durch die Institutionen und erleichterte die gesellschaftliche Akzeptanz linker Ideen. Ihr Erfolg beruht sowohl auf einer langfristig angelegten linken Strategie als auch auf Versäumnissen der Freiheitsseite. Javier Milei und Axel Kaiser verweisen in diesem Zusammenhang häufig auf das Beispiel Chile: Trotz der wirtschaftlich erfolgreichsten Entwicklung in Südamerika gelangten linke Kräfte ohne vorausgehende ökonomische Krise an die Macht, nachdem sie über Jahre hinweg eine kulturelle und diskursive Dominanz in Schulen, Universitäten und Medien aufgebaut hatten. Die daraus gezogene Lehre lautet, dass selbst bei guter wirtschaftlicher Lage der kulturelle Konflikt nicht vernachlässigt werden darf und nicht-ökonomische Fragen aktiv aufgegriffen werden müssen. Klassische Marxisten scheiterten ökonomisch, wandelten sich jedoch zu Kulturmarxisten und errangen auf diesem Feld weitgehend widerstandslos Erfolge.
Die wahre Unterdrückung
Heute verfügen linke Akteure über kulturelle Hegemonie, gestützt auf Narrative wie radikalen Feminismus, Genderideologie, unbegrenzte Einwanderung, invertierten Rassismus und radikalen Umweltschutz. Die Gesellschaft wird dabei in Unterdrücker und Unterdrückte eingeteilt. Kulturmarxistische Ansätze interpretieren Unterdrückung in sämtlichen Hierarchien, auch in als natürlich verstandenen: Arbeitgeber gegenüber Arbeitnehmern, Eltern gegenüber Kindern (woraus weitreichende Kinderschutzgesetze und staatliche Eingriffe abgeleitet werden), Männer gegenüber Frauen (Patriarchat), Heterosexuelle gegenüber Homosexuellen, Cisgender gegenüber Transgender, Weiße gegenüber Dunkelhäutigen, Schlanke gegenüber Übergewichtigen sowie die Menschheit gegenüber der Natur. Demgegenüber beruht der Kapitalismus auf Gleichheit vor dem Gesetz.
Linke Politik erzeugt aus dieser Perspektive künstliche Konfliktlinien aus vier Gründen: zur Ablenkung von realer Umverteilung und tatsächlichen Machtverhältnissen (Nettosteuerzahler versus Nettosteuerempfänger bzw. Politkaste), zur Schwächung gesellschaftlichen Widerstands durch Spaltung von Familien, Freundeskreisen und sozialen Netzwerken („divide et impera“), zur Legitimation eines expandierenden Staates als vermeintlichem Retter sowie zur Erosion kapitalistischer Grundlagen durch Privilegien und „woke“ Ideologie – insbesondere von Familie, Rechtsgleichheit, Eigentum und Unternehmertum.
Im Kulturkampf stehen damit die Werte eines „Teams Staat“ – Machtstreben, Herrschaft, parasitäre Abhängigkeit, Bequemlichkeit, Anspruchsdenken, Opferkultur, Verantwortungslosigkeit, Relativismus, Nihilismus, Atheismus, Egozentrismus und Hedonismus – den Werten der Freiheit gegenüber: Arbeitsmoral, Nächstenliebe, Anstrengungsbereitschaft, Opferfähigkeit, Optimismus, Sparsamkeit, Ehrlichkeit, Wahrheitsorientierung, Fleiß, Verlässlichkeit, Dienstbereitschaft, Verantwortlichkeit, Ordnung und Eigeninitiative.
Zentral ist die Frage objektiver Werte. Linke Theorien verstehen Werte als subjektiv und relativ, was in Nihilismus und permanente kulturelle Revolution mündet, oft getrieben von Neid und Ressentiment. Ohne absolute Werte wie das Recht auf Leben oder Eigentum werden Menschen zu bloßen Objekten politischer Zwecke. Demgegenüber existieren objektive Wahrheit und Ethik: Mord, Raub und Freiheitsberaubung sind immer falsch, auch wenn sie staatlich legitimiert werden. Objektive Werte sind Voraussetzung einer freien Gesellschaft. Wirtschaftliche Freiheit allein genügt nicht; sie bedarf einer tragfähigen Werte- und Kulturbasis. Eine formal freie Ordnung kann scheitern, wenn sie von hedonistischen und egoistischen Einstellungen dominiert wird. Ideen wirken stets im kulturellen Kontext – Werte wie Wahrheit, Nächstenliebe, Ehrlichkeit, Leistungsbereitschaft und die traditionelle Familie stärken Freiheit dauerhaft.
Die Notwendigkeit, den Kulturkampf anzunehmen
Der Kulturkampf muss entschlossen geführt werden. Ludwig von Mises erkannte bereits den Trend zur etatistischen Hegemonie: In Die Bürokratie schrieb er, dass der Vormarsch staatlicher Allmacht im Keim erstickt worden wäre, hätte man die Jugend nicht indoktriniert und von der Nationalökonomie ferngehalten. Linke Akteure thematisieren Identitäten, Geschlechter, Ethnien, Natur sowie Unterdrücker und Unterdrückte und politisieren gesellschaftliche Unterschiede – begünstigt durch Appelle an Neid, Hass und Missgunst. Linke Ideen konnten dominieren, weil sie den Kulturkampf systematisch führten und gewannen. Konservative und Libertäre mussten dabei Niederlagen einräumen. Wissenschaftliche Arbeiten allein reichen nicht aus; der Kulturkampf muss breite Bevölkerungsschichten über Medien, Bildung, Kultur und Multiplikatoren erreichen. Er benötigt ein politisches Standbein zur Verbreitung von Ideen und zur Einschränkung linker Finanzierung, wie das Beispiel des Forums von São Paulo zeigt. Ziel ist die Massenbildung und das Bewusstsein der Unterdrückten. Libertäre vermitteln ein klares Gut-Böse-Bild: Der Staat ist Problem, nicht Lösung; Steuern sind Raub; Politiker agieren als Parasiten.
Jeder kann sich beteiligen: Zunächst die kulturelle Hegemonie und den Marsch durch die Institutionen anerkennen, dann Widerstand leisten. Javier Milei erkannte dies früh und führt den Kulturkampf beherzt; er zeigt, dass Libertäre gewinnen können. Der Kulturkampf ist eine Aufgabe aller für den Erhalt der Zivilisation. Mises bezeichnete ihn als „Kampf der Geister“: In Sozialismus betonte er, dass jeder Verantwortung trägt, niemand sich dem Kampf entziehen kann und alle hineingezogen werden. In Die Bürokratie stellte er fest, dass der Konflikt zwischen Kapitalismus und Totalitarismus ideell entschieden wird, durch öffentliche Meinung.
Der Kulturkampf beginnt in Familie, Freundeskreis, Schule, Universität, Unternehmen, Kunst und Sport. Veränderungen starten oft bei Minderheiten. Selbst bei scheinbar aussichtsloser Lage zählt der Weg selbst – wie Don Quijote, der unerschrocken gegen Windmühlen für Wahrheit und Freiheit kämpft; das Ergebnis ist zweitrangig, er bleibt Held. Kulturkampf ist nichts für Feiglinge, aber auch nicht nur für Eliten. Jeder kann mitwirken, auch ohne Ressourcen wie Gates oder Soros. Heute bedeutet das: Posten, Liken, Teilen in sozialen Medien. Keine Ausreden. Wer Freiheit verteidigt und alles für die Zukunft Deutschlands und der Welt gibt, hat Platz im Kampf.
Prinzipien müssen nicht diskutiert, sondern mit Herzblut hochgehalten werden. Es ist die Chance, die Welt freier zu machen. Etatisten werden Schritt für Schritt zurückgedrängt: Konferenz um Konferenz, Artikel um Artikel, Leserbrief um Leserbrief, Kommentar um Kommentar, Podcast um Podcast, Video um Video, Post um Post, Meme um Meme, Argument um Argument. Wir werden sie zurückdrängen.
Literaturverzeichnis
- Bagus, Philipp (2024). Die Ära Milei: Argentiniens neuer Weg. Langen Müller.
- Mises, Ludwig von (1944). Bureaucracy. Yale University Press.
- Mises, Ludwig von (1922). Socialism: An Economic and Sociological Analysis. Gustav Fischer Verlag.
- Gramsci, Antonio (1929–1935). Quaderni del carcere (Gefängnishefte). Einaudi (postum 1948–1951).
- La Boétie, Étienne de (ca. 1549). Discours de la servitude volontaire.
- Weber, Max (1922). Wirtschaft und Gesellschaft. Mohr Siebeck.
- Laje, Agustín (2022). La batalla cultural: Reflexiones críticas para una Nueva Derecha.
- Fukuyama, Francis (1992). The End of History and the Last Man. Free Press.
- Cervantes, Miguel de (1605/1615). El ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha.
- Horkheimer, Max und Adorno, Theodor W. (1944/1947). Dialektik der Aufklärung. Querido Verlag.
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