Strukturelle Krise des deutschen Wirtschaftsstandorts: Analyse und Reformbedarf

_ Christopher Kofner, Geschäftsführer und Ökonom, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). München, 17.01.2026.

Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen

  • Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer strukturellen Krise, gekennzeichnet durch sinkende Umsätze, abnehmende Wettbewerbsfähigkeit und historische Produktionsverluste; laut ifo-Institut meldeten 36,6 % der Industrieunternehmen Wettbewerbsrückgänge gegenüber Nicht-EU-Ländern, während das EY-Industriebarometer für Q3 2025 den neunten Umsatzrückgang in Folge von −0,5 % registrierte.
  • Hohe Kostenstrukturen bremsen die Investitionsbereitschaft: Bruttoinvestitionen sanken inflationsbereinigt von 910 Mrd. € 2022 auf rund 855 Mrd. €, im Mittelstand von 222 Mrd. € auf 200 Mrd. €, während seit 2019 netto über 700 Mrd. € Kapital aus Deutschland abflossen.
  • Standortfaktoren wie hohe Steuern und Abgaben, teure Energiepreise infolge der Energiewende und der Kernkraft-Abschaltung, sowie massive Bürokratiebelastungen treiben Produktions- und Betriebskosten in die Höhe; Deutschland liegt nach Belgien in der Steuerlast unter den höchsten EU-Staaten, und Regelungen wie Lieferkettengesetz, CO2-Abgabe und Heizungsverbot verschärfen die Belastungen.
  • Arbeitsmarkt und Unternehmensplanung stehen unter Druck: Laut IAB-Studie betrifft die Mindestlohnerhöhung von über 8 % rund 4 Mio. Jobs; Folgen für Unternehmen umfassen Stellenabbau bei 22 %, Kürzung von Minijobs bei 20 %, sozialversicherungspflichtige Jobs bei 19 %, Preiserhöhungen bei fast 50 %, Wettbewerbsfähigkeitseinbußen bei 40 % und Profitabilitätsverluste bei 51 %.
  • Reformbedarf ist umfassend: Die AfD schlägt die Einführung einer einheitlichen Ertragssteuer von maximal 25 %, Reaktivierung von Kernkraftwerken und kostengünstige Gasimporte, Bürokratieabbau sowie gezielte Fachkräftesicherung durch verbesserte Arbeits- und Lebensbedingungen vor, um Standortattraktivität, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.

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Trotz milliardenschwerer staatlicher Investitionen bleibt die Stimmung in der deutschen Wirtschaft nach wie vor trüb, wobei Unternehmer über nahezu alle Branchen hinweg einen pessimistischen Ausblick äußern, wie das ifo-Institut warnt. Die Lage erscheint dramatisch, da selbst umfangreiche Subventionen durch hohe bürokratische Vorgaben weitgehend verpuffen: Im Baugewerbe belaufen sich die staatlich verursachten Kosten durch Bürokratie, Steuern und Abgaben in Deutschland auf 37 Prozent, während Österreich lediglich 7 Prozent aufweist, wodurch Fördermittel stark aufgefressen werden.[1]

Anhaltende Industrierezession und sinkende Umsätze

Das EY-Industriebarometer für das dritte Quartal 2025 meldet den neunten Quartalsrückgang der Umsätze in Folge mit minus 0,5 Prozent, was die anhaltende Industrierezession treffend widerspiegelt.[2] Die Umsätze brechen vor allem aufgrund sinkender inländischer und insbesondere ausländischer Nachfrage ein, wobei die deutsche Industrie ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit auf einem Rekordtief einschätzt: Laut Umfrage des ifo-Instituts berichtete mehr als jedes dritte Industrieunternehmen (36,6 Prozent) von einem Rückgang seiner Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Ländern außerhalb der EU.[3] Die Hauptgründe hierfür sind hohe strukturelle Kosten infolge der Energiewende, bürokratischer Vorgaben, Klimaschutzmaßnahmen, Steuern und Abgaben. Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen nimmt dramatisch ab: 2022 betrugen die Bruttoinvestitionen noch 910 Milliarden Euro, heute liegen sie inflationsbereinigt bei rund 855 Milliarden Euro,[4] während im Mittelstand das Investitionsvolumen preisbereinigt von 222 auf 200 Milliarden Euro gesunken ist.[5] Seit 2019 bis 2025 sind netto über 700 Milliarden Euro Kapital aus Deutschland abgeflossen.[6]

Freier Fall des Standorts und historische Krise

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) spricht vom „freien Fall“ des Standorts Deutschland und einer „historisch tiefsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik“, mit einem Produktionsrückgang von zwei Prozent in 2025 – im scharfen Kontrast zum EU-Anstieg um ein Prozent.[7] Zu den strukturellen Faktoren, die am stärksten zu diesem Abstieg beitragen, zählen laut einer Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung die Schließung von rund 200.000 Betrieben im vergangenen Jahr[8] sowie der Verlust von rund 400.000 Industriearbeitsplätzen seit 2019, wie die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen.[9]

Deutschland weist nach Belgien die mitunter höchsten Steuern und Abgaben auf;[10] die Energiewende mit dem Verzicht auf Kernkraftwerke und günstiges russisches Erdgas treibt Strom- und Gaspreise in die Höhe. Hinzu kommt eine massive Bürokratiebelastung, wobei Deutschland die EU-Vorhaben noch früher umsetzt als eigentlich nötig, etwa das Lieferkettengesetz (2023), die CO2-Abgabe (2021) oder das Heizungsverbot (2024).

Abgehängtes Wachstum und globale Risiken

Die OECD hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland 2025 auf 0,3 Prozent gesenkt – das schwächste unter allen G20-Ländern –, was verdeutlicht, warum Deutschland dem globalen Wachstum hinterherhinkt;[11] Risiken wie US-Zölle könnten die Erholung weiter bremsen. Seit der Amtszeit von Angela Merkel ist Deutschland im Länderindex der Stiftung Familienunternehmen (2025) von Platz 9 auf Platz 17 von insgesamt 22 bewerteten Industrieländern abgerutscht.[12]

Pessimistischer Ausblick und Szenarien für 2026

Experten wie Klaus Wohlrabe vom ifo-Institut betonen, dass Unternehmen „nüchtern und besorgt“ in die Zukunft blicken, ohne Erholung über alle Branchen hinweg, wie Wohlrabe in seiner Analyse zum Geschäftsklima 2026 darlegt.[13]

Für 2026 zeichnet sich eine Vertiefung der Krise ab, da Bürger und Unternehmen zahlreiche neue Belastungen erwarten: Die CO2-Abgabe steigt von 55 auf 65 Euro pro Tonne CO2, der Mindestlohn wird um über 8 Prozent angehoben – stärker als die erwarteten Tarifsteigerungen von 3 Prozent. Laut IAB-Studie sind rund 4 Millionen Jobs betroffen, darunter jede zehnte Stelle, wobei der Einzelhandel besonders hart getroffen wird: 71 Prozent der Unternehmen sind direkt betroffen;[14] Folgen nach ifo-Umfrage umfassen Stellenabbau bei 22 Prozent, Kürzung von Minijobs bei 20 Prozent, sozialversicherungspflichtige Jobs bei 19 Prozent, Preiserhöhungen bei fast der Hälfte – ein echter Inflationsschub –, Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit bei vier von zehn und Profitabilitätsverlust bei 51 Prozent.[15] Die Beitragsbemessungsgrenzen (BBG) der Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung steigen 2026 um ca. 5-5,4 Prozent;[16] EU-Verordnungen wie die Bauprodukte-Verordnung, Nachhaltigkeitsberichterstattung und Gehaltstransparenzpflicht belasten zusätzlich. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt ab 2026 Änderungen bei Heizungen vor, wobei in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern der Einbau von Heizungen mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien Pflicht ist; strengere EU-Regeln für TÜV-Gutachten erschweren ab 2026 den Gebrauchtwagenverkauf, der einen gültigen TÜV-Bericht erfordert.

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Welche konkreten Reformen sind entscheidend, um den Standort Deutschland nachhaltig zu stärken? Die vier Hauptursachen der anhaltenden Wirtschaftskrise – hohe Steuer- und Abgabenlast, exorbitante Energiekosten, Bürokratiemonster sowie Fachkräftemangel – erfordern tiefgreifende Maßnahmen. Die Reformvorschläge der AfD beinhalten:

  1. Steuerreform „25“: Ersatz sämtlicher Steuern durch eine einheitliche Ertragssteuer von maximal 25 Prozent, um Bürokratie abzubauen und wirtschaftliche Anreize zu schaffen.[17]
  2. Energiepolitik: Reaktivierung von Kernkraftwerken und Import von kostengünstigem Erdgas, beispielsweise aus Russland, zur Senkung der Energiepreise.
  3. Bürokratieabbau: Abschaffung überbordender Vorschriften und Regulierungen aus Brüssel und Berlin, die Unternehmen belasten und Wachstum hemmen.
  4. Fachkräftesicherung: Schaffung attraktiver Lebens- und Arbeitsbedingungen, um ausgewanderte Fachkräfte zur Rückkehr nach Deutschland zu bewegen.

Quellen & Literatur

[1] ZIA (2024). „Wer baut, geht bankrott“: Experten erwarten weniger Bauvorhaben.. URL: https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/immobilien-experten-erwarten-weniger-bauvorhaben,U4q0eOp

[2] EY (2025). EY-Industriebarometer Q3 2025. EY Deutschland. URL: https://www.ey.com/de_de/newsroom/2025/12/ey-industriebarometer-q3-2025.

[3] ifo Institut (ifo) (2025). Deutsche Industrie sieht eigene Wettbewerbsfähigkeit auf Rekordtief. ifo Institut. URL: https://www.ifo.de/pressemitteilung/2025-11-11/deutsche-industrie-sieht-eigene-wettbewerbsfaehigkeit-auf-rekordtief

[4] Statistisches Bundesamt. (2026). Bruttoinvestitionen in Deutschland von 1991 bis 2025 (in Milliarden Euro). URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/161379/umfrage/entwicklung-der-bruttoinvestitionen-in-deutschland/

[5] KfW. (2024). Investitionsvolumen von mittelständischen Unternehmen in Deutschland in gebrauchte und neue Güter von 2014 bis 2023 nach Branchen (in Milliarden Euro). URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12509/umfrage/investitionen-im-mittelstand-nach-branchen/

[6] Deutsche Bundesbank (2025). Zahlungsbilanzstatistik (PDF). Bundesbank. URL: https://www.bundesbank.de/resource/blob/958142/242d2bf7f99efa865c01304a6caa6644/472B63F073F071307366337C94F8C870/2025-05-20-08-59-08-zahlungsbilanzstatistik-data.pdf | Institut der deutschen Wirtschaft (IW) (2025). Immer mehr ausländische Unternehmen investieren in Deutschland. IW Köln. URL: https://www.iwkoeln.de/presse/iw-nachrichten/juergen-matthes-immer-mehr-auslaendische-unternehmen-investieren-in-deutschland.html

[7] Moring, A. (2025). Jeden Tag schließen bis zu 60 Unternehmen: Die Wirtschaft ist auf den Barrikaden, doch Schwarz‑Rot zieht weiter durch. NIUS.de. URL: https://www.nius.de/wirtschaft/news/jeden-tag-schliessen-bis-zu-60-unternehmen-die-wirtschaft-ist-auf-den-barrikaden-doch-schwarz-rot-zieht-weiter-durch

[8] ZEW – Leibniz‑Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) (2025). Deutsche Wirtschaft verlor 2024 fast 200.000 Unternehmen. URL: https://www.zew.de/presse/pressearchiv/deutsche-wirtschaft-verlor-2024-fast-200000-unternehmen

[9] Bundesagentur für Arbeit (BA) (2025). Einzelausgaben – Beschäftigung nach Wirtschaftszweigen (WZ 2008). Statistik der Bundesagentur für Arbeit. URL: https://statistik.arbeitsagentur.de/SiteGlobals/Forms/Suche/Einzelheftsuche_Formular.html?r_f=ur_Deutschland&topic_f=beschaeftigung-sozbe-monatsheft-wz

[10] Bundesministerium der Finanzen (BMF) (2024). Abgabenquoten im internationalen Vergleich. Monatsbericht März 2024. URL: https://www.bundesfinanzministerium.de/Monatsberichte/Ausgabe/2024/03/Inhalte/Kapitel-6-Statistiken/6-1-21-abgabenquoten-im-internationalen-vergleich.html

[11] Die Zeit (DIE ZEIT) (2025). Konjunktur: OECD senkt Erwartungen für deutsches Wirtschaftswachstum. URL: https://www.zeit.de/wirtschaft/2025-12/oecd-wirtschaft-wachstum-deutschland-prognose-gxe

[12] Die Familienunternehmer – ASU e. V. (2025). Länderindex Familienunternehmen (PDF). URL: https://www.familienunternehmen.de/media/pages/publikationen/laenderindex-familienunternehmen/32cafd4ce6-1742486618/pdf.pdf

[13] ifo Institut – Leibniz‑Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. (2025). Jedes vierte Unternehmen rechnet 2026 mit schlechteren Geschäften. Pressemitteilung 22. Dezember 2025. URL: https://www.ifo.de/pressemitteilung/2025-12-22/jedes-vierte-unternehmen-rechnet-2026-mit-schlechteren-geschaeften

[14] Institut für Arbeitsmarkt‑ und Berufsforschung (IAB) (2025). Kurzbericht 15/2025 (PDF). URL: https://doku.iab.de/kurzber/2025/kb2025-15.pdf

[15] ifo Institut – Leibniz‑Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. (2025). Unternehmen wollen Stellen und Investitionen kürzen, wenn Mindestlohn steigt. Pressemitteilung 2. Dezember 2025. URL: https://www.ifo.de/pressemitteilung/2025-12-02/unternehmen-wollen-stellen-und-investitionen-kuerzen-wenn-mindestlohn

[16] Deutsche Rentenversicherung (DRV) (2025). Bundeskabinett beschließt SV‑Rechengrößenverordnung 2026. URL: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-und-Presse/Presse/Meldungen/2025/25-10-08-bundeskabinett-sv-rechengroessen-vo-2026.html (Abgerufen am 17.01.2026).

[17] AfD‑Bundestagsfraktion (2025). Steuerrechner. URL: https://afdbundestag.de/steuerrechner/

Haftungsausschluss

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