Arbeitsmarkt unter Druck: Produktivität hoch, Arbeitszeit kurz – Bürokratie und Abgaben bremsen Deutschlands Wohlstand

_ Christopher Kofner, Geschäftsführer und Ökonom, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). München, 19.01.2026.

Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen

  • Dauerstagnation statt Erholung: Das BIP-Wachstum von nur 0,2% in 2025 und kumuliert 0,2% seit 2019 markiert eine Seitwärtsbewegung, weit unter dem Vereinigten Königreich (5,5%) und den USA (15%); Handlungsempfehlung: Angebotspolitik priorisieren statt pseudo-Erholung zu feiern.
  • Hohe Produktivität entlasten, nicht Fleiß kritisieren: Deutsche arbeiten 33,2 Std./Woche bei hoher Produktivität, verlieren 1 Tag/Woche an Bürokratie (Führungskräfte 2 Tage); Kritik von Merz/Söder ignoriert stagnierendes Anlagenvermögen und real sinkende Investitionen (910 Mrd. € 2022 → 855 Mrd. € 2024); empfehlen: Bürokratieabbau und Investitionsanreize.
  • Falsche Einwanderung & Abwanderung: Asylgruppen weisen eine Quote von 55-75 % Unqualifizierten auf, eine Beschäftigungsquote von lediglich 50 % sowie eine Bürgergeld-Abhängigkeit von 41 bis 50 % (Ausländeranteil im Bürgergeld: knapp 50 Prozent, Migrationshintergrund: 65 Prozent, Ukrainer: über 50 Prozent), was den Arbeitsmarkt nicht bereichert und das Sozialsystem erheblich belastet; gleichzeitig sind seit 2005 über eine Million qualifizierter deutscher Staatsbürger abgewandert. Lösung: Eine strenge Migrationspolitik und die Rückholung dieser Leistungsträger durch Steuersenkungen.
  • Politische Blockaden: SPD und EU blockieren tiefgreifende Reformen, etwa durch minimale Einsparungen beim Bürgergeld von nur 100 Millionen Euro bei jährlichen Kosten von über 55 Milliarden Euro; zudem bremsen EU-gestützte Gesetze wie das Lieferkettengesetz und das Heizungsverbot (Gebäudeenergiegesetz) das Wirtschaftswachstum erheblich. Dringend erforderlich: Umkehrung der Energiewende durch Reaktivierung der Kernenergie und Rückkehr zu günstigem russischem Gas, Senkung der Steuer- und Abgabenlast sowie Erhöhung des Lohnabstands zum Bürgergeld, um Arbeit attraktiver zu gestalten.
  • Die kernursachen der Stagnation sind angebotseitig und umfassen exorbitante Energiekosten, eine Steuer- und Abgabenlast von 50 Prozent beim Lohn eines durchschnittlichen Arbeitnehmers, bürokratische Belastungen sowie einen akuten Fachkräftemangel – nicht etwa einen Mangel an Arbeitsbereitschaft; eine ganzheitliche Lösung erfordert Deregulierung, Steuerentlastung und Senkung der Energiepreise, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen.

***

Laut den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes wuchs das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt Deutschlands im Jahr 2025 lediglich um 0,2 Prozent. Diese minimale Entwicklung wird als Erholung nach zwei Rezessionsjahren dargestellt, doch in Realität befindet sich die deutsche Wirtschaft seit 2019 in einer Dauerrezession mit einer Krabbenbewegung bzw. Seitwärtsbewegung des Wachstums.[1] Zum Vergleich erreichte das Wirtschaftswachstum im Vereinigten Königreich trotz angeblicher Brexit-Probleme 1,4 Prozent im Vorjahr und in den USA 2,5 Prozent, wobei das kumulierte Wachstum seit 2019 (letztes Vorkorona-Jahr) im Vereinigten Königreich bei 5,5 Prozent, in den USA bei 15 Prozent und in Deutschland bei nur 0,2 Prozent liegt. Somit handelt es sich nicht um eine echte Erholung, sondern um anhaltende Stagnation.[2]

Kritik an der Arbeitsmoral: Produktivität statt Fleißmangel

Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Arbeitsmoral der Deutschen kritisiert und längere Arbeitszeiten sowie mehr Einsatz gefordert, um den Wohlstand zu sichern[3] – eine Haltung, die auch Ministerpräsident Markus Söder teilt.[4] Tatsächlich arbeiten Deutsche im EU-Vergleich durchschnittlich weniger, nämlich 33,2 Stunden pro Woche, während ein Bulgare 38,7 Stunden leistet.[5]

Dies hat jedoch nichts mit geringerem Fleiß oder schlechterer Arbeitsmoral zu tun, sondern resultiert primär aus der deutlich höheren Produktivität pro Arbeitsstunde in Deutschland, wo das Land zu den Vorreitern in Europa gehört, im Gegensatz zu Ländern wie Bulgarien.[6]

Die höhere Produktivität speist sich aus einem umfangreicheren Anlagenvermögen mit mehr Maschinen, Fabriken und stärkerer Digitalisierung, das allerdings seit 2019 stagniert: Es werden weniger oder gar keine neuen Fabriken gebaut, beim nichtwohnungswirtschaftlichen Bauen sinkt das Anlagenvermögen, und bei Ausrüstungen bewegt es sich seitwärts – genau wie das BIP.[7] Deutsche Unternehmen investieren real betrachtet nicht mehr: Die Bruttoinvestitionen sanken preisbereinigt von 910 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf 855 Milliarden Euro im Jahr 2024,[8] ein Trend, der auch bei Mittelständlern zu beobachten ist.[9]

Ergänzend mindert die geringere Attraktivität von Arbeit in Deutschland die Arbeitszeiten: Der Lohnabstand zum Bürgergeld ist hier enger als in anderen Ländern wie Bulgarien, wo die Anreize zum Arbeiten stärker sind.

Eine kürzlich erschienene Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln unterstreicht dies: Umfragen zeigen, dass ein durchschnittlicher Arbeitnehmer etwa einen Tag pro Woche allein für Berichts- und Informationspflichten – also Bürokratie – aufwendet, Führungskräfte sogar zwei Tage.[10] Statt mehr zu arbeiten, müssten Deutsche hier entlastet werden, um wieder Mehrwert zu produzieren.

Verlagerung der Verantwortung: Politik als wahrer Stagnationsverursacher

Kritiker werfen der Politik vor, strukturelle Probleme auf die Bürger abzuwälzen, und fragen, ob mehr Arbeiten ein sozialpolitisch fairer Ansatz sei. Der Tenor von Bundeskanzler Merz und Ministerpräsident Söder, die Deutschen leisteten zu wenig und müssten mehr arbeiten, um die Wirtschaft anzukurbeln, ist frech und unberechtigt, da die Stagnation selbstverschuldet durch vorherige Regierungskoalitionen wie die Ampel und nun die Schuldenkoalition aus CDU/CSU und SPD entstanden ist. Statt Arbeitnehmern die Schuld zuzuschieben, gäbe es gerechtere Ansatzpunkte am Arbeitsmarkt. Die angeblich notwendige Einwanderung erweist sich als kontraproduktiv: Bei Asylsuchenden aus Afrika und dem Nahen Osten besitzen 55 bis über 75 Prozent im erwerbsfähigen Alter keine Berufsqualifikation, 31 Prozent nicht einmal einen Schulabschluss.[11] Der IAB-Arbeitsmonitor für Arbeitsforschung in Nürnberg zeigt eine Beschäftigungsquote von höchstens 50 Prozent bei Personen aus Asylherkunftsländern, mit einer Bürgergeld-Quote (SGB II) von 41 Prozent. Bei Ukrainern ist es noch gravierender: Über 50 Prozent beziehen Bürgergeld.[12] Insgesamt sind die Hälfte der Bürgergeldempfänger Ausländer,[13] 65 Prozent haben Migrationshintergrund.[14]  Dies belastet den Arbeitsmarkt massiv.

Gleichzeitig haben seit Merkels Amtsantritt über eine Million deutsche Staatsbürger – vorwiegend hochqualifizierte Leistungsträger im besten Erwerbsalter – Deutschland netto verlassen,[15] da Arbeit sich hier nicht mehr lohnt, etwa durch höhere Nettobruttosätze in der Schweiz.[16] Die Steuer- und Abgabenbelastung ist exorbitant: Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer verliert rund 50 bis 60 Prozent seines Einkommens an Steuern, Abgaben und Mehrwertsteuer, sodass nur 40 Prozent netto verbleiben.[17] Hier anzusetzen wäre effektiver als die Deutschen für die Stagnation verantwortlich zu machen.

Reformunfähigkeit der Regierung: Koalitions- und EU-Hemmnisse

Merz betont, Reformen müssten schrittweise umgesetzt werden, und bittet um Geduld, da Erwartungen die Machbarkeit übersteigen; dennoch fordert die Regierung mehr Arbeit statt tiefgreifender, schneller Reformen. Weder Merz noch CDU/CSU sind jedoch in der Lage, strukturelle Reformen durchzusetzen – selbst bei vorhandenem Willen einiger Vertreter blockiert der Koalitionspartner SPD bei Rente, Steuersenkungen, Energiepolitik und sogar beim Bürgergeld: Arbeitsministerin Bärbel Bas Reförmchen sieht bei 55 Milliarden Euro Jahreskosten eine Einsparung von maximal 100 Millionen Euro vor, doch selbst dagegen laufen junge SPDler Sturm mit einer Petition dagegen.[18]

Ein noch größeres Hindernis sind die EU-Vorgaben: Selbst die nationale Abschaffung von Gesetzen auf Bundesebene wie Lieferkettengesetz, Heizungsverbot (Gebäudeenergiegesetz) oder Energieeffizienzgesetz würde nichts nützen, da die EU sie in 2–3 Jahren umsetzen ließe – pure Bürokratiemonster, die Wachstum bremsen und Wohlstand kosten. Daher war kein „Herbst der Reformen“ möglich und wird es keinen „Frühling der Reformen“ geben, solange diese Bundesregierung regiert.

Angebotspolitik statt Arbeitsverlängerung: Kernursachen bekämpfen

Mehr Arbeit allein löst die Krise nicht und führt nicht zu Wohlstand. Das Problem liegt nicht primär in der Nachfrage (z. B. abnehmende Exporterlöse durch US-Zölle), sondern angebotseitig in zu hohen Kosten für Unternehmen, insbesondere Lohnnebenkosten mit vier Hauptgründen: exorbitante Energiekosten durch Ausstieg aus Kernenergie und Verzicht auf günstiges russisches Gas seit den 1970er Jahren als Industriegrundlage; Steuer- und Abgabenlast von 50 Prozent beim Lohn eines Durchschnittsarbeitnehmers; massive Bürokratiebelastung mit mindestens einem Tag pro Woche „Papierkram“; sowie Abwanderung qualifizierter Fachkräfte. Deren Rückholung durch Steuersenkungen würde Deutschland angebotseitig attraktiver machen – dies ist die eigentliche Ursache der Stagnation, nicht der angebliche Leistungswillemangel der Deutschen, wie Merz und Söder insinuieren.

Quellen & Literatur

[1] Statistisches Bundesamt (Destatis) (2026). Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2025 um 0,2 % gewachsen. Statistisches Bundesamt. URL: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/01/PD26_017_811.html

[2] World Bank (2026). GDP growth (annual %): United States, United Kingdom. URL: https://data.worldbank.org/indicator/NY.GDP.MKTP.KD.ZG?locations=US-G

[3] ntv Redaktion (2026). Merz kritisiert die Arbeitsmoral der Deutschen. n‑tv.de. URL: https://www.n-tv.de/politik/Merz-kritisiert-die-Arbeitsmoral-der-Deutschen-id30242973.html

[4] BR24 (2026). Söder‑Vorstoß für längere Arbeit: Mehr Ablehnung als Zustimmung. BR24. URL: https://www.br.de/nachrichten/bayern/soeder-vorstoss-fuer-laengere-arbeit-mehr-ablehnung-als-zustimmung,V8DOYKX

[5] Eurostat (2025). Wochenarbeitsstunden von Beschäftigten in der EU. URL: https://de.statista.com/infografik/34507/wochenarbeitsstunden-von-beschaeftigten-in-der-eu/

[6] OECD (2025). GDP per hour worked. URL: https://www.oecd.org/en/data/indicators/gdp-per-hour-worked.html

[7] Statistisches Bundesamt (Destatis) (2025). GENESIS‑Online‑Datenbank (FF5353B1). URL: https://www-genesis.destatis.de/datenbank/online/url/ff5353b

[8] Statistisches Bundesamt. (2026). Bruttoinvestitionen in Deutschland von 1991 bis 2025 (in Milliarden Euro). URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/161379/umfrage/entwicklung-der-bruttoinvestitionen-in-deutschland/

[9] KfW. (2024). Investitionsvolumen von mittelständischen Unternehmen in Deutschland in gebrauchte und neue Güter von 2014 bis 2023 nach Branchen (in Milliarden Euro). URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/12509/umfrage/investitionen-im-mittelstand-nach-branchen/

[10] Hammermann A., Röhl K.H. (2025). Ein Tag pro Woche für Bürokratie. IW Köln. URL: https://www.iwkoeln.de/studien/andrea-hammermann-klaus-heiner-roehl-ein-tag-pro-woche-fuer-buerokratie.html

[11] Kofner C. (2024). Fachkräftesicherung für Deutschland: Analyse und Lösungen aus rechts‑konservativer Sicht.IKW. URL: https://institutkw.de/fachkraeftesicherung-fuer-deutschland-analyse-und-loesungen-aus-rechts-konservativer-sicht/

[12] Institut für Arbeitsmarkt‑ und Berufsforschung (IAB) (2026). Zuwanderungsmonitor Dezember 2025. URL: https://doku.iab.de/arbeitsmarktdaten/Zuwanderungsmonitor_2512.pdf

[13] Bundesagentur für Arbeit. (2025). Anteil der ausländischen Leistungsempfänger von Arbeitslosengeld II bzw. Sozialgeld (Hartz IV) / Bürgergeld in Deutschland von 2005 bis 2025. URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1560171/umfrage/auslaenderanteil-bei-arbeitslosengeld-ii-buergergeld-in-deutschland/

[14] Brauer, M. (2024). Sozialleistungen in Deutschland – Bürgergeld: 63 Prozent der Bezieher haben Migrationshintergrund. Stuttgarter Nachrichten. URL: https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.sozialleistungen-in-deutschland-buergergeld-63-prozent-der-bezieher-haben-migrationshintergrund.d7d73f17-2b85-4d18-909a-91905a15009a.html

[15] Statistisches Bundesamt (Destatis) (o. J.). Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland von 1950 bis 2024 – Tabelle. URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Wanderungen/Tabellen/wanderungen-zwischen-deutschland-und-dem-ausland-jahr-02.html

[16] BIB (2019). Gewinner der Globalisierung Individuelle Konsequenzen von Auslandsaufenthalten und internationaler Mobilität. URL: https://www.bib.bund.de/Publikation/2019/pdf/Policy-Brief-Gewinner-der-Globalisierung.pdf

[17] OECD (2025). Taxing Wages 2025: Decomposition of Personal Income Taxes and the Role of Tax Reliefs. OECD Publishing. URL: https://www.oecd.org/en/publications/taxing-wages-2025_b3a95829-en.html

[18] Handelsblatt (2026). Grundsicherung: SPD‑Linke Klose kündigt Widerstand gegen Bürgergeldreform an. Handelsblatt. URL: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/grundsicherung-spd-linke-klose-kuendigt-widerstand-gegen-buergergeldreform-an/100191682.html

Haftungsausschluss

Die in dieser Veröffentlichung vertretenen Ansichten geben ausschließlich die Auffassung des Autors wieder und spiegeln nicht notwendigerweise die Positionen des Instituts für konservative Wirtschaftspolitik (IKW) wider.