Beruf, Fertilität und politische Orientierung: Analyse amerikanischer Berufsgruppen

_ Emil O. W. Kirkegaard, Gastbeitrag für das Institut für konservative Wirtschaftspolitik, 31.05.2026.*

Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen

  • Berufsgruppen in den USA unterscheiden sich systematisch in ihrer Fertilität; diese Unterschiede verlaufen nicht zufällig, sondern hängen mit beruflicher Kultur, politischer Orientierung, Geschlechterzusammensetzung und Lebensstilmilieus zusammen.
  • „Demokratisch“ beziehungsweise linksgerichtet spendende Berufsgruppen weisen tendenziell niedrigere Fertilität auf; bei Frauen beträgt der einfache Zusammenhang zwischen demokratischer Orientierung und Fertilität r = -0,23.
  • Die Analyse politischer Berufsneigung über Spenden ist aussagekräftig, aber sozial selektiv, weil sie vor allem politisch aktive und wohlhabendere Spender abbildet und nicht alle Beschäftigten eines Berufs.
  • Männliche und weibliche Fertilität auf Berufsebene hängen zusammen; die einfache Korrelation beträgt 0,30, steigt nach Korrektur von Messfehlern aber auf 0,45.
  • Fertilitätspolitik sollte nicht nur materielle Kosten betrachten, sondern auch berufliche und kulturelle Milieus, in denen Ehe, Kinder und Familiengründung entweder sozial gestützt oder kulturell entwertet werden.
  • Weitere Forschung sollte Berufsgruppen nicht nur nach Einkommen, Bildung und Arbeitszeit analysieren, sondern auch nach politischer Homogenität, Partnerwahlstrukturen, Familiennormen und sozialer Reproduktionskultur.

Ausgangspunkt: Fertilität nach Beruf und die politische Struktur der Erwerbswelt

Die Unterschiede der Fertilität zwischen Berufsgruppen lassen sich nicht allein durch Einkommen, Bildung, Arbeitszeit oder allgemeine sozioökonomische Faktoren erklären. Eine zweite Betrachtung der berufsspezifischen Fertilitätsraten amerikanischer Frauen zeigt, dass politische Orientierung ein zusätzlicher, empirisch relevanter Zusammenhang sein könnte. Nachdem zunächst die Fertilitätsraten amerikanischer Frauen nach Beruf untersucht wurden, ergibt sich aus den Nachfragen nach männlichen Ergebnissen und aus Hinweisen auf politische Muster eine erweiterte Fragestellung: Berufsgruppen mit stärker linksgerichteter politischer Orientierung weisen tendenziell niedrigere Fertilitätsraten auf, während stärker rechtsgerichtete oder weniger progressiv geprägte Berufsgruppen im Durchschnitt höhere Fertilität zeigen.

Die Analyse nutzt Fertilitätsschätzungen auf Berufsebene und verbindet diese mit externen Daten zur politischen Orientierung von Berufsgruppen. Der wichtigste verfügbare Datensatz stammt von Verdant Labs. Diese Auswertung ordnet Berufe nach dem Verhältnis von Spenden an Demokraten und Republikaner. Die zugrunde liegenden Daten beruhen auf Wahlkampfspenden an Kandidaten und politische Akteure, wie sie in den USA von der Federal Election Commission erfasst werden. Verdant Labs veröffentlichte für das Jahr 2016 beziehungsweise für den Zeitraum um 2016 politische Neigungen für 549 Berufsgruppen. Diese Zahl ist größer als die im verwendeten ACS-Berufsdatensatz enthaltenen 311 Berufsgruppen. Mithilfe automatisierter Zuordnung konnten 515 der Verdant-Labs-Berufe den ACS-Berufscodes, also den OCCP-Codes, zugeordnet werden.

Diese Zusammenführung erlaubt eine berufsbezogene Analyse von Fertilität und politischer Neigung. Die Fertilitätsdaten beziehen sich auf den Zeitraum 2013 bis 2022. Die politische Spendenstruktur von Verdant Labs stammt ungefähr aus der Zeit vor oder um 2016 und liegt damit zeitlich nahe genug an den Fertilitätsdaten, um für eine solche Analyse plausibel einsetzbar zu sein. Zugleich muss berücksichtigt werden, dass sich die republikanische Partei in den USA nach 2016 stärker in Richtung Populismus verschoben hat. Einzelne Berufsgruppen könnten seitdem politisch stärker gewandert sein. Dennoch bleibt der Zeitraum für die Fragestellung sinnvoll, weil die Fertilitätsschätzungen denselben politischen und sozialen Abschnitt teilweise überlappen.

Politische Spenden als Messgröße beruflicher Ideologie

Politische Spenden sind keine perfekte Messgröße für die politische Orientierung eines ganzen Berufs. Sie erfassen nicht alle Beschäftigten, sondern nur jene Personen, die tatsächlich an politische Kandidaten oder Organisationen spenden. Das sind typischerweise politisch stärker interessierte, stärker aktivierte und im Durchschnitt wohlhabendere Bürger. Diese Gruppe ist in den modernen USA nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Sie ist politisch überdurchschnittlich engagiert, sozial selektiv und tendenziell stärker demokratisch geprägt. Hinzu kommt, dass republikanische Wähler möglicherweise seltener öffentlich spenden, etwa wegen sozialer Kosten, beruflicher Risiken oder geringerer politischer Spendenbereitschaft. Umfragen zeigen zudem, dass demokratische Wähler im Durchschnitt stärker politisch interessiert sind.

Diese Selektionsprobleme erklären, warum bestimmte große Berufsgruppen in solchen Spendenstatistiken kaum sichtbar sind. Es gibt beispielsweise rund 600.000 amerikanische Frauen, die mit handwerklichem oder industriellem Verpacken beschäftigt sind; diese Berufsgruppe spendet aber offenbar so wenig an politische Kandidaten, dass ihre politische Orientierung mit dieser Methode kaum zuverlässig geschätzt werden kann. Das Fehlen großer Berufsgruppen bedeutet daher nicht, dass diese Gruppen politisch irrelevant wären, sondern dass sie im Spendenmarkt nicht hinreichend beobachtbar sind.

Die Spendenmethode bildet besonders gut den politisierten Teil der Berufsgruppen ab. Sie misst nicht einfach, wie alle Beschäftigten wählen würden, sondern wie die politisch spendenden Mitglieder eines Berufs ihre Ressourcen verteilen. Genau darin liegt zugleich ihre Stärke und ihre Schwäche. Sie ist präzise für die aktivierte Spenderklasse, aber weniger repräsentativ für stille, weniger politische oder sozial vorsichtige Beschäftigte. Gerade bei stark ideologisierten akademischen, kulturellen, pädagogischen oder journalistischen Berufen kann sie dennoch aufschlussreich sein, weil dort politische Mobilisierung und Spendenbereitschaft stärker ausgeprägt sind.

Auffällig ist die Asymmetrie der extremen Berufsgruppen. In der Liste der am stärksten demokratisch geprägten Berufe finden sich Berufsgruppen, bei denen nur 1 bis 9 Prozent der Spenden an Republikaner gehen. Die am stärksten republikanische Berufsgruppe, die Miners, weist dagegen noch etwa 10 Prozent demokratische Spenden auf. Jede einzelne Berufsgruppe in der demokratischen Spitzenliste ist damit stärker in Richtung Demokraten verzerrt als die republikanischste Berufsgruppe in Richtung Republikaner. Es fehlt eine ähnlich große Gruppe beruflicher Milieus mit nahezu vollständig republikanischem Spendenverhalten. Die linke „Aktivistenklasse“ erscheint in diesen Daten beruflich deutlicher, homogener und stärker institutionell verdichtet als ein entsprechendes republikanisches Gegenmilieu.

Linke Berufsgruppen und niedrigere weibliche Fertilität

Eine besonders niedrige weibliche Fertilität findet sich bei Bibliothekaren beziehungsweise verwandten bibliothekarischen Untergruppen. Gleichzeitig gehören Bibliothekare in den Verdant-Labs-Daten zu den stark demokratisch beziehungsweise linksgerichtet geprägten Berufsgruppen. Dieses Beispiel illustriert den zentralen Befund: Berufe mit starker demokratischer Spendenneigung haben tendenziell niedrigere Fertilitätsraten.

Bei der zusammengeführten Stichprobe der Berufe ergibt sich eine negative Korrelation zwischen demokratischer Orientierung und weiblicher Fertilität. Der einfache Zusammenhang liegt bei r = -0,23. Dieser Wert ist nicht groß, aber klar in der erwarteten Richtung und etwas stärker als andere getestete Einzelkorrelationen. Eine Korrelation dieser Größenordnung bedeutet nicht, dass politische Orientierung allein die Fertilität bestimmt. Sie zeigt aber, dass berufliche Kultur, politische Wertorientierung, Lebensstil, Partnerwahl, Familiennormen und soziale Umgebung offenbar gemeinsam einen beobachtbaren Zusammenhang mit Geburtenverhalten bilden.

Diese Korrelation ist außerdem wahrscheinlich nach unten verzerrt. Die Fertilitätsraten auf Berufsebene sind Schätzungen und enthalten Messfehler. Je ungenauer Fertilitätsraten für einzelne Berufe gemessen werden, desto schwächer fallen beobachtete Zusammenhänge statistisch aus. Eine perfekte Erhebung mit unendlich vielen Beobachtungen pro Beruf würde wahrscheinlich stärkere Modellzusammenhänge ergeben. Dass der beobachtete Zusammenhang trotz Messfehlern sichtbar bleibt, spricht dafür, dass politische Berufsstruktur nicht nur eine zufällige Begleiterscheinung ist.

Methodische Probleme: Messfehler, Gewichtung und Repräsentativität

Die Modellierung berufsbezogener Fertilität steht vor mehreren methodischen Problemen. Zunächst sind die Fertilitätsraten selbst Schätzungen. Sie beruhen auf Stichprobendaten und besitzen Standardfehler. Je kleiner eine Berufsgruppe ist, desto unsicherer ist ihre Fertilitätsschätzung. Eine naheliegende Lösung besteht darin, Präzisionsgewichte zu verwenden, also Beobachtungen mit geringerem Standardfehler stärker zu gewichten. Technisch entspricht dies einer Gewichtung mit 1 / Standardfehler oder verwandten Größen.

Diese Lösung schafft jedoch ein neues Problem. Die Präzision einer Schätzung hängt direkt von der Stichprobengröße ab, und die Stichprobengröße hängt direkt von der Größe des Berufs ab. Wer nach Präzision gewichtet, gewichtet daher nicht nur nach Messqualität, sondern indirekt auch nach Arbeitsmarktgröße. Dadurch verändert sich die Forschungsfrage. Ohne Gewichtung wird eher die „Welt der Berufe“ modelliert, also jede Berufsgruppe als eigener sozialer Typ. Mit starker Präzisionsgewichtung wird eher die „Welt der Beschäftigten“ modelliert, also Berufe entsprechend ihrer Größe im Arbeitsmarkt.

Beide Perspektiven sind legitim, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen. Wenn kleine, hochideologische Berufe sehr niedrige Fertilität aufweisen, sind sie für die Kulturdiagnose wichtig, aber für die Gesamtfertilität des Arbeitsmarktes zahlenmäßig begrenzt. Wenn große Berufe stärker gewichtet werden, verlieren kleine akademisch-kulturelle Milieus an Einfluss auf das Modell. Genau dies zeigt sich in den Ergebnissen: Die negativen Effekte demokratischer Orientierung sind in ungewichteten Modellen größer, während sie in gewichteten Modellen kleiner oder statistisch unsicherer ausfallen. Das liegt daran, dass viele extrem demokratische Berufe zahlenmäßig klein sind und damit bei präzisionsgewichteten Verfahren weniger Gewicht erhalten.

Ein weiteres Problem entsteht durch die Zusammenführung zusätzlicher Variablen. Jede zusätzliche Datenquelle reduziert den gemeinsamen Nenner der Berufe. Nicht jeder Beruf aus den Fertilitätsdaten lässt sich sicher einem Verdant-Labs-Beruf zuordnen. Nicht jeder Verdant-Labs-Beruf lässt sich sicher in OCCP-Codes übersetzen. Dadurch schrumpft die verwendbare Stichprobe. Die Modelle mit politischer Variable beruhen deshalb nur auf 143 Berufsgruppen. Sobald Gewichte eingesetzt werden, sinkt die effektive Stichprobengröße noch weiter, weil wenige große und präzise gemessene Berufsgruppen besonders stark ins Gewicht fallen. Die Ergebnisse werden dadurch instabiler und empfindlicher gegenüber Modellwahl.

Modellierungsstrategien und robuste Befunde

Es wurden mehrere Modellierungsansätze geprüft. Das einfache OLS-Modell ohne Gewichtung ist die Standardmethode und entspricht dem ursprünglichen Verfahren. Das WLS-Modell gewichtet die Berufe nach der Präzision, mit der ihre Fertilität gemessen wurde, und damit faktisch nach Arbeitsmarktgröße. Das FGLS-Modell ist ebenfalls gewichtet, aber weniger stark; es fügt dem Nenner eine Konstante hinzu, damit große Berufe nicht fast das gesamte Gewicht erhalten. Dieses Vorgehen ähnelt einer Random-Effects-Metaanalyse. Das HLM-Modell nutzt eine Mehrebenenstruktur und berücksichtigt, dass Berufe in 25 Berufscluster eingebettet sind, von denen nach der Datenzusammenführung 23 Cluster nutzbar bleiben. Schließlich wird SIMEX verwendet, also eine Methode, bei der künstliche Zusatzfehler simuliert werden, um die Effekte auf den hypothetischen Zustand ohne Messfehler zurückzurechnen.

SIMEX ist hier besonders interessant, weil nicht nur die Fertilitätsvariable Messfehler enthält, sondern auch die politische Spendenvariable. Ein Beruf mit 100 Spendern, von denen 90 Prozent an Demokraten spenden, ist nicht gleich präzise gemessen wie ein Beruf mit 10.000 Spendern, von denen ebenfalls 90 Prozent an Demokraten spenden. Im ersten Fall kann die beobachtete Quote erheblich schwanken; im zweiten Fall ist sie deutlich stabiler. SIMEX erlaubt, solche Zellfehler in mehreren Variablen zu berücksichtigen und ihre verzerrende Wirkung zu schätzen.

Über die verschiedenen Modelle hinweg entstehen mehrere konsistente Befunde. Erstens sagt der Frauenanteil eines Berufs höhere weibliche Fertilität voraus. Der Effekt liegt in den Modellen ungefähr bei 0,25 und bleibt relativ stabil. Berufe, in denen mehr Frauen arbeiten, haben im Durchschnitt höhere weibliche Fertilität. Das kann mehrere Ursachen haben: familienkompatiblere Arbeitszeiten, geschlechtsspezifische Selbstselektion, andere soziale Milieus, andere Partnerwahlmuster oder andere berufliche Normen.

Zweitens finden ungewichtete Modelle starke negative Effekte des demokratischen Spendenanteils. Je stärker ein Beruf demokratisch geprägt ist, desto niedriger fällt die Fertilität aus. In gewichteten Modellen werden diese Effekte kleiner und liegen teilweise nicht mehr klar oberhalb des Zufallsniveaus. Das bedeutet nicht, dass der Zusammenhang verschwindet, sondern dass er stark von kleinen, politisch sehr links geprägten Berufsgruppen getragen wird.

Drittens sagen künstlerische Berufe niedrigere Fertilität voraus. Die Steigungen liegen relativ stabil um -0,30, auch wenn die p-Werte zwischen den Modellen variieren. Künstlerische Milieus weisen damit unabhängig von der politischen Spendenvariable eine eigene negative Beziehung zur Fertilität auf. Diese Berufe sind typischerweise stärker individualistisch, statusunsicher, akademisch-kulturell geprägt und mit Lebensentwürfen verbunden, die Familiengründung aufschieben oder reduzieren können.

Ergebnisse für Männer: Messprobleme und parallele Struktur

Die Analyse männlicher Fertilität ist schwieriger als die Analyse weiblicher Fertilität. Für Frauen enthält die ACS-Datenstruktur eine direkte Variable, ob sie in den letzten 12 Monaten ein Kind geboren haben. Für Männer gibt es keine symmetrisch gleichwertige Geburtsvariable. Eine Annäherung erfolgt über die Variable für einen mitwohnenden gegengeschlechtlichen Partner, der dann als Vater angenommen wird. Nicht mitwohnende Väter werden dadurch nicht erfasst. Eine alternative Methode besteht darin, die Zahl der im Haushalt wohnenden Kinder unter 1 Jahr zu zählen. Diese Methode dürfte zu ähnlichen, aber nicht identischen Ergebnissen führen. Beide Ansätze unterschätzen männliche Fertilität, sofern Väter nicht im gleichen Haushalt leben oder Familienstrukturen komplexer sind.

Trotz dieser Messprobleme zeigen die männlichen Ergebnisse dieselbe grobe Richtung. Die einfache Korrelation zwischen männlicher und weiblicher Fertilität auf Berufsebene beträgt 0,30. Dieser Wert ist nicht sehr stark. Er ist jedoch durch Messfehler bei Frauen und noch stärkere Messfehler bei Männern nach unten verzerrt. Nach doppelter Korrektur für Reliabilität steigt die Korrelation auf 0,45, also um etwa 50 Prozent. Diese Korrektur beruht auf Reliabilitätswerten von 0,78 für Frauen und 0,67 für Männer. Die männlichen Fertilitätsschätzungen sind damit deutlich unzuverlässiger, was angesichts der indirekten Messung plausibel ist.

Bemerkenswert ist außerdem die zeitliche Stabilität. Die korrigierte Cross-Wave-Stabilität beträgt für beide Geschlechter 0,74. Die Veränderungen zwischen den Perioden 2013–2017 und 2018–2022 verlaufen damit bei Männern und Frauen ungefähr gleich schnell. Berufsbezogene Fertilitätsmuster sind also nicht bloß Momentaufnahmen, sondern besitzen erkennbare zeitliche Persistenz.

Die männlichen Berufslisten zeigen außerdem, dass selbst Männer in pflegeähnlichen oder krankenschwesterähnlichen Rollen relativ hohe Fertilität aufweisen können. Das spricht gegen eine einfache Erklärung, nach der nur männlich dominierte, körperliche oder traditionelle Berufe hohe Fertilität erzeugen. Vielmehr scheint es berufliche Milieus zu geben, in denen Familiengründung bei beiden Geschlechtern stärker sozial normalisiert bleibt.

Politische Orientierung sagt auch bei Männern niedrigere Fertilität voraus

Die Modelle für Männer zeigen, dass der demokratische Spendenanteil auch bei männlicher Fertilität negativ wirkt. Anders als bei Frauen erscheint dieser Zusammenhang über die Modellvarianten hinweg beständiger. Der Frauenanteil eines Berufs sagt männliche Fertilität dagegen nicht zuverlässig voraus, auch wenn er in 2 Modellen bei p < 5 Prozent liegt. Die Prädiktoren „konventionell“ und „künstlerisch“ treten auch bei Männern als negative Faktoren hervor, ähnlich wie bei Frauen. Die Modelle mit politischer Variable besitzen jedoch nicht genug Präzision, um zusätzlich nichtlineare Effekte der beruflichen Komplexität zuverlässig zu schätzen. Entweder existieren solche Effekte in der reduzierten Stichprobe nicht stark genug, oder sie sind durch die kleinere Fallzahl und zusätzliche Kovariaten nicht mehr erkennbar.

Das Gesamtbild bleibt dennoch klar. Die Fertilitätsunterschiede zwischen Berufen sind für Männer und Frauen nicht zufällig verteilt. Sie folgen verständlichen sozialen, kulturellen und politischen Mustern. Berufsgruppen unterscheiden sich nicht nur in Einkommen, Bildung und Arbeitsbedingungen, sondern auch in normativen Lebenswelten. Diese Lebenswelten beeinflussen Partnerschaft, Familiengründung, Kinderwunsch, Elternschaft und die soziale Akzeptanz von Fertilität.

Interpretation: Berufskultur, politische Klasse und Familienverhalten

Die Ergebnisse zeigen nicht, dass politische Orientierung kausal Kinderlosigkeit verursacht. Die Daten sind querschnittlich, und Kausalität lässt sich daraus nicht sicher ableiten. Es ist ebenso plausibel, dass Menschen mit bestimmten Lebensstilen bestimmte Berufe wählen, dass Berufsgruppen bestimmte politische Normen erzeugen oder dass beide Prozesse gleichzeitig wirken. Dennoch sind die Muster so konsistent, dass sie eine kultursoziologische Deutung nahelegen.

Berufe sind nicht nur Einkommensquellen, sondern Milieus. Sie bündeln Bildungswege, soziale Netzwerke, Wertvorstellungen, Heiratsmärkte, Arbeitszeiten, Statusnormen und politische Präferenzen. Ein Beruf kann daher indirekt anzeigen, welche Art von sozialem Leben wahrscheinlicher ist. Wenn bestimmte linke, künstlerische, akademische oder kulturelle Milieus systematisch niedrigere Fertilität aufweisen, dann liegt nicht nur eine ökonomische Erklärung nahe, sondern auch eine normative. Familiengründung ist in diesen Milieus möglicherweise weniger zentral, weniger prestigeträchtig oder stärker mit Karriere- und Selbstverwirklichungskonflikten verbunden.

Die starke demokratische Verzerrung bestimmter Berufsgruppen verweist zudem auf eine aktivistische Klasse, deren Spendenverhalten politisch homogener erscheint als das der republikanischsten Berufe. Das politische Spendenmilieu ist in den USA nicht symmetrisch. Die am stärksten demokratischen Berufe sind politisch homogener als die am stärksten republikanischen. Genau diese Milieus sind häufig kulturell einflussreich: Bibliotheken, Bildung, Kultur, Medien, Kunst, Wissenschaftsrandbereiche, politische Verwaltung und verwandte akademische Dienstleistungen wirken nicht nur als Erwerbsorte, sondern auch als Produzenten gesellschaftlicher Normen. Wenn diese Milieus niedrige Fertilität besitzen und gleichzeitig kulturell stark in Richtung progressiver Politik tendieren, entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen normativer Macht und demografischer Reproduktion.

Grenzen der Analyse

Die Analyse besitzt klare Grenzen. Erstens beruhen die Fertilitätsraten auf Stichprobendaten und sind mit Messfehlern behaftet. Zweitens bildet die politische Orientierung der Verdant-Labs-Daten nur Spender ab, nicht alle Beschäftigten eines Berufs. Drittens ist die Zuordnung zwischen Verdant-Labs-Berufen und ACS-OCCP-Codes nicht perfekt. Viertens schrumpft die Stichprobe durch die Datenverknüpfung auf 143 Berufsgruppen. Fünftens sind gewichtete und ungewichtete Modelle inhaltlich verschieden, weil sie unterschiedliche Zielpopulationen modellieren. Sechstens sind männliche Fertilitätsmaße indirekter und weniger reliabel als weibliche.

Diese Einschränkungen schwächen nicht den gesamten Befund, sondern präzisieren seine Reichweite. Die Daten zeigen keine endgültige Kausalerklärung. Sie zeigen aber, dass berufliche Fertilitätsunterschiede bei Männern und Frauen in vernünftiger Weise erklärbar sind und weitgehend durch ähnliche Faktoren strukturiert werden. Politische Orientierung, berufliche Geschlechterzusammensetzung, künstlerische Tätigkeit und konventionelle Berufsmilieus stehen in wiederkehrendem Zusammenhang mit Fertilität.

Die Ergebnisse weisen damit auf eine wichtige Richtung weiterer Forschung. Fertilität sollte nicht nur als Ergebnis individueller Präferenzen oder materieller Kosten verstanden werden. Sie ist auch ein Produkt beruflicher und politischer Milieus. Wer die moderne Fertilitätskrise erklären will, muss den kulturellen Charakter von Berufen, die politische Homogenität bestimmter Wissens- und Kulturberufe und die soziale Normierung von Familiengründung stärker berücksichtigen.

Fazit

Die zweite Betrachtung von Beruf, Fertilität und politischer Orientierung bestätigt ein robustes Muster: Berufsgruppen unterscheiden sich stark in ihren Fertilitätsraten, und diese Unterschiede verlaufen nicht zufällig. Linksgerichtete beziehungsweise demokratisch spendende Berufe zeigen tendenziell niedrigere Fertilität. Der einfache Zusammenhang bei Frauen liegt bei r = -0,23. Bei Männern ist der Zusammenhang schwieriger zu messen, aber der demokratische Spendenanteil wirkt auch dort negativ. Die Korrelation zwischen männlicher und weiblicher Fertilität beträgt zunächst 0,30, steigt nach Korrektur von Messfehlern aber auf 0,45. Die zeitliche Stabilität der Muster liegt korrigiert bei 0,74 zwischen 2013–2017 und 2018–2022.

Die Daten zeigen keine einfache monokausale Erklärung. Sie zeigen aber, dass politische Kultur, berufliche Milieus und demografisches Verhalten zusammenhängen. Familiengründung ist nicht gleichmäßig über die Erwerbswelt verteilt. Sie konzentriert sich in bestimmten sozialen und beruflichen Umgebungen und wird in anderen Milieus schwächer. Die moderne Fertilitätskrise ist daher nicht nur eine Frage von Geld, Wohnraum oder Arbeitszeit. Sie ist auch eine Frage der kulturellen Milieus, in denen Kinder, Ehe, Familie und Reproduktion entweder sozial gestützt oder stillschweigend entwertet werden.

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