Deutschlands demografische Substitution bis 2100
_ Christopher Kofner, Geschäftsführer & Ökonom, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). München, 1. August 2026.
Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen
Der Forscher und Autor Leo Pier hat mit Replacement Clock eine umfassende Rekonstruktion der europäischen Abstammungsstruktur für 45 historisch europäisch geprägte Staaten über den Zeitraum von 1950 bis 2100 geschaffen. Das IKW greift diese Forschungsarbeit auf, ergänzt sie um amtliche Daten für Deutschland und Europa und leitet daraus politische Konsequenzen ab.- Die Prognosen der Replacement Clock weisen für Deutschland einen Rückgang des europäischstämmigen Bevölkerungsanteils von 80,7 Prozent im Jahr 2026 auf 55,9 Prozent im Jahr 2100 aus. Für Österreich sinkt der Wert von 86,1 auf 57,9 Prozent, für Frankreich von 77,7 auf 53,6 Prozent, für Italien von 83,3 auf 55,0 Prozent und für Polen von 98,2 auf 73,0 Prozent.
- In Deutschland lebten 2025 bereits 21,8 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte, entsprechend 26,3 Prozent der Bevölkerung in privaten Hauptwohnsitzhaushalten. Unter den 25- bis 34-Jährigen lag der Anteil bei 36 Prozent, unter den über 65-Jährigen dagegen bei nur 14 Prozent.
- Zwischen 2005 und 2025 erhöhte sich die Zahl der Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland von 13,0 auf 21,8 Millionen und damit um 67 Prozent. Gleichzeitig werden Menschen der dritten und späterer Einwanderergenerationen in dieser amtlichen Kategorie nicht mehr erfasst.
- Deutschland verzeichnete 2025 nur noch rund 654.000 Geburten, eine zusammengefasste Geburtenziffer von 1,32 Kindern je Frau und ein Geburtendefizit von mehr als 352.000 Menschen. Die Geburtenziffer deutscher Frauen betrug 1,20, diejenige ausländischer Frauen 1,78 Kinder je Frau.
- Das gesamte Bevölkerungswachstum der Europäischen Union beruhte 2025 auf Migration. Einem natürlichen Bevölkerungsverlust von 1,35 Millionen Menschen stand ein positiver Wanderungssaldo von 2,05 Millionen gegenüber.
- Eurostat erwartet im Basisszenario bis 2100 insgesamt 253,0 Millionen Geburten, aber 409,8 Millionen Sterbefälle. Der natürliche Verlust von 156,7 Millionen Menschen wird zu einem erheblichen Teil durch einen angenommenen Wanderungssaldo von 103,7 Millionen ausgeglichen.
- Die Masseneinwanderung nach Deutschland muss beendet werden. Erforderlich sind wirksame Grenzkontrollen, Zurückweisungen illegaler Einreisen, Asylverfahren außerhalb Deutschlands, die Ablehnung verpflichtender europäischer Aufnahmequoten und eine maßvolle, streng qualifikationsbezogene Erwerbsmigration.
- Vollziehbar ausreisepflichtige Personen, ausländische Gefährder und schwere Straftäter müssen konsequent zurückgeführt werden. Befristeter Schutz darf nach Wegfall des Schutzgrundes nicht automatisch in einen dauerhaften Aufenthalt übergehen.
- Deutschland benötigt eine aktive Familien- und Bevölkerungspolitik. Familiensplitting, höhere Kinderfreibeträge, familiengerechter Wohnraum, Betreuungsfreiheit und eine deutliche finanzielle Entlastung von Eltern müssen die Gründung und Vergrößerung deutscher Familien erleichtern.
- Deutsche Sprache, Geschichte, Kultur und Rechtsordnung müssen als verbindliche Leitkultur bewahrt werden. Integration bedeutet die Eingliederung in die bestehende deutsche Gesellschaft und darf nicht in die schrittweise Auflösung ihrer kulturellen Identität münden.
- Deutschland und die Europäische Union benötigen eine harmonisierte, generationenübergreifende Herkunftsstatistik sowie eine verbindliche demografische Folgenabschätzung für Änderungen des Einwanderungs-, Asyl-, Familiennachzugs-, Aufenthalts- und Staatsangehörigkeitsrechts.
Die Studie und ihre Bedeutung für Deutschland
Der Forscher und Autor Leo Pier hat mit dem Projekt Replacement Clock eine umfassende demografische Untersuchung vorgelegt, die die langfristige Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung in 45 historisch europäisch geprägten Staaten, mehreren europäischen Regionen und auf globaler Ebene rekonstruiert. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich der Anteil der Bevölkerung überwiegend europäischer Abstammung seit 1950 entwickelt hat und unter den zugrunde gelegten demografischen Annahmen bis zum Jahr 2100 verändern könnte.
Pier führt hierfür historische Volkszählungen, Bevölkerungsregister, amtliche Statistiken, wissenschaftliche Untersuchungen und demografische Projektionen zu länderbezogenen Zeitreihen zusammen. Die Replacement Clock schafft damit eine Gesamtschau, die von den amtlichen europäischen Statistikbehörden bislang nicht bereitgestellt wird. Ihre besondere Leistung besteht darin, dass sie nicht bei den üblichen Kategorien von Staatsangehörigkeit, Geburtsland oder Migrationshintergrund stehen bleibt, sondern die generationenübergreifende Veränderung der Abstammungsstruktur untersucht. [1–2]
Für die meisten europäischen Staaten beginnt die Rekonstruktion im Jahr 1950 bei einem Anteil von ungefähr 98 bis 99 Prozent europäischstämmiger Bevölkerung. Die europäischen Regionalwerte werden nicht als einfacher Durchschnitt der einzelnen Länderquoten berechnet, sondern nach der jeweiligen Einwohnerzahl gewichtet. Bevölkerungsreiche Staaten wie Deutschland, Frankreich, Italien oder das Vereinigte Königreich beeinflussen das europäische Gesamtergebnis deshalb stärker als kleinere Länder.
Das Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW) greift diese bemerkenswerte Forschungsarbeit auf, weil sie eine herkunftsbezogene Bevölkerungsverschiebung sichtbar macht, die in der amtlichen Statistik und in der öffentlichen Debatte nur unzureichend abgebildet wird. Die von Pier entwickelten Definitionen, Zeitreihen und Projektionen bilden den Ausgangspunkt der nachfolgenden Analyse. Das IKW ergänzt sie um aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes und von Eurostat, richtet den Blick besonders auf Deutschland und Europa und untersucht die gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Konsequenzen der dargestellten demografischen Substitution.
Europäische Abstammung als demografische Messgröße
Pier versteht unter europäischer Abstammung die Herkunft von den historisch auf dem europäischen Kontinent ansässigen Bevölkerungen vor Beginn der modernen interkontinentalen Massenmigration. Diese Messgröße ist weder mit Staatsangehörigkeit noch mit Geburtsort, Sprache, Religion oder subjektiver Selbstidentifikation gleichzusetzen. Ein in Großbritannien lebender Pole wird innerhalb des Modells daher als europäischstämmig erfasst. Die Einbürgerung eines Einwohners außereuropäischer Abstammung verändert dessen Zuordnung innerhalb der Studie hingegen nicht.
Für diese Abgrenzung greift Pier auf archäogenetische und populationsgenetische Forschung zurück. Lazaridis und Haak führen die Abstammungsstruktur der heutigen europäischen Populationen im Wesentlichen auf die Vermischung westlicher Jäger und Sammler, früher Bauern anatolischer Herkunft und später eingewanderter Steppenpopulationen zurück. Li weist zugleich großräumige genetische Strukturen nach, die eng mit der geografischen Herkunft der untersuchten Populationen zusammenhängen. [3–5]
Als operative Zuordnungsschwelle verwendet Pier einen Anteil von ungefähr 75 Prozent europäischer Abstammung. Diese Schwelle wird nicht bei jedem Einwohner genetisch untersucht. Stattdessen nutzt die Studie verfügbare Gruppenmerkmale wie ethnische Herkunft, nationale Abstammung, Geburtsregion, Volkszählungskategorien und wissenschaftlich untersuchte Abstammungsprofile. Gezählt werden vollständige Personen und keine rechnerisch addierten genetischen Teilanteile.
Religion ist für diese Einordnung ohne Bedeutung. Bosniaken, Albaner und andere muslimische Balkanbevölkerungen werden als europäischstämmig erfasst, weil ihre historische Herkunft auf dem europäischen Kontinent liegt. Gruppen nahöstlicher, nordafrikanischer, südasiatischer oder überwiegend turkstämmiger Herkunft sowie weitere Bevölkerungen, deren durchschnittlich geschätzter europäischer Abstammungsanteil unterhalb der festgelegten Schwelle liegt, werden dem europäischstämmigen Zähler nicht zugerechnet. Sie bleiben vollständig Bestandteil der gesamten Wohnbevölkerung und damit des Nenners. Diese transparent offengelegten Gruppenregeln bilden eine zentrale Grundlage der Zeitreihen. [2]
Die Lücke der amtlichen Statistik
Kein europäisches Statistikamt führt eine langfristige und international einheitliche Zeitreihe über den Anteil der Bevölkerung europäischer Abstammung. Erhoben werden vor allem Staatsangehörigkeit, Geburtsland, frühere Staatsangehörigkeit, Migrationshintergrund oder Einwanderungsgeschichte. Diese Merkmale sind für viele Fragestellungen relevant, erfassen die generationenübergreifende Veränderung der Herkunftsstruktur jedoch nur unvollständig.
Eingebürgerte Personen und deren Nachkommen gehen mit der Zeit in amtliche Kategorien wie „deutsch“, „inländisch“ oder „im Inland geboren“ ein. Spätestens ab der dritten Generation wird ihre Einwanderungsgeschichte vielfach nicht mehr statistisch ausgewiesen. Umgekehrt gelten europäische Binnenmigranten in nationalen Statistiken häufig als Ausländer oder im Ausland Geborene, obwohl ihre Zuwanderung den europäischstämmigen Anteil Europas nicht vermindert.
Pier behandelt amtliche Statistiken deshalb als unverzichtbares Ausgangsmaterial, nicht aber als fertige Antwort. Er ergänzt den europäischstämmigen Zähler um Gruppen, die von nationalen Statistiken lediglich als ausländisch erfasst werden, und bereinigt ihn um außereuropäische Bevölkerungen, die in einzelnen Staaten in weit gefassten Sammelkategorien enthalten sind. Als Nenner dient die tatsächlich ansässige Bevölkerung einschließlich solcher Einwohner, die in Melderegistern, Aufenthaltsstatistiken oder Volkszählungen nicht vollständig erfasst werden. [2]
Administrative Kategorien sind zudem international nicht vergleichbar. In den Vereinigten Staaten wurden Menschen nahöstlicher und nordafrikanischer Herkunft in der Volkszählung von 2020 noch der Kategorie „weiß“ zugeordnet. Der Begriff „nicht-hispanisch weiß“ schließt dagegen auch Lateinamerikaner überwiegend europäischer Abstammung aus. Untersuchungen von Carmi und Xue weisen für aschkenasische Juden sowohl erhebliche europäische als auch nahöstliche Abstammungskomponenten nach. Paschetta und Ruiz-Linares zeigen für Lateinamerika wiederum, dass ethnische Selbstbeschreibung, äußeres Erscheinungsbild, sozialer Status und genetisch bestimmte Abstammung erheblich voneinander abweichen können. [6–11]
Auch Frankreich verfügt über keine kontinuierliche amtliche Abstammungsstatistik. Das französische Datenschutzrecht beschränkt grundsätzlich die Verarbeitung personenbezogener Daten, aus denen eine angenommene rassische oder ethnische Herkunft hervorgeht. Wissenschaftliche und statistische Sondererhebungen sind zwar möglich, begründen aber keine jährlich fortgeschriebene Langzeitreihe. [12–15]
Die statistische Nichterfassung beseitigt die herkunftsbezogene Bevölkerungsverschiebung nicht. Sie erschwert lediglich ihre Messung und ihre öffentliche Nachvollziehbarkeit. Gerade darin liegt der besondere Wert der Replacement Clock.
Aufbau und Prüfung der Zeitreihen
Die Länderzeitreihen werden aus empirischen Ankerjahren aufgebaut. Pier verwendet Volkszählungen, Melderegister, große amtliche Erhebungen, wissenschaftliche Studien sowie klar datierbare demografische Einschnitte. Dazu gehören größere Einwanderungswellen, Änderungen des Staatsangehörigkeitsrechts, Erweiterungen des Familiennachzugs und neue Aufenthalts- oder Einbürgerungsregelungen.
Zwischen zwei ausreichend belegten Ankerjahren erfolgt eine Interpolation. Diese Zwischenwerte werden nicht als eigenständige Messungen behandelt. Für frühere Zeiträume ohne hinreichend detaillierte Erhebungen verwendet Pier begründete Rückrechnungen. Die Werte nach der Gegenwart sind Projektionen. Sie beruhen auf Annahmen zur Altersstruktur, zur Fertilität unterschiedlicher Herkunftsgruppen, zum Kohortenersatz und zur künftigen Zusammensetzung der Migration. [2]
Zur technischen Recherche und Kontrolle setzt das Projekt außerdem KI-gestützte Verfahren ein. Pier nennt unter anderem Opus 4.8, Fable 5, GPT-5.5 und GPT-5.6 Sol. Diese Systeme unterstützen Datenbankabfragen, Tabellenverknüpfungen, die Texterkennung historischer Dokumente, die Rekonstruktion beschädigter Tabellen und wiederholte Rechenprüfungen. Die Primärdaten stammen jedoch aus Volkszählungen, Statistikämtern und wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Die Quellenwahl, die Gruppenabgrenzungen und die methodischen Entscheidungen verantwortet Pier.
Die Länderprognosen bis 2100
Die von Replacement Clock dargestellten Projektionspfade zeigen erhebliche Unterschiede zwischen West-, Mittel- und Osteuropa. Besonders schnell sinkt der nach der Methodik des Projekts berechnete europäischstämmige Bevölkerungsanteil in den großen westeuropäischen Einwanderungsländern. Deutschland folgt weitgehend dieser Entwicklung. Polen bewahrt seinen hohen Ausgangswert wesentlich länger, weist langfristig jedoch ebenfalls eine deutliche demografische Substitution auf.
Die nachfolgende Tabelle gibt die Werte wieder, die auf den Kartendarstellungen der Replacement Clock für 2026, 2030, 2040, 2070 und 2100 ausgewiesen werden. Für 2050 lag in den ausgewerteten Darstellungen kein eigener Wert vor und wurde deshalb nicht rechnerisch ergänzt.
| Land | 2026 | 2030 | 2040 | 2070 | 2100 | Veränderung 2026–2100 |
| Deutschland | 80,7 % | 78,7 % | 73,2 % | 63,2 % | 55,9 % | −24,8 Prozentpunkte |
| Österreich | 86,1 % | 83,8 % | 77,7 % | 66,3 % | 57,9 % | −28,2 Prozentpunkte |
| Frankreich | 77,7 % | 75,7 % | 70,5 % | 60,8 % | 53,6 % | −24,1 Prozentpunkte |
| Italien | 83,3 % | 81,2 % | 75,5 % | 64,1 % | 55,0 % | −28,3 Prozentpunkte |
| Polen | 98,2 % | 97,2 % | 94,6 % | 84,5 % | 73,0 % | −25,2 Prozentpunkte |
Für Deutschland weist die Replacement Clock im Jahr 2026 einen Anteil von 80,7 Prozent aus. Bis 2030 sinkt dieser Wert im Modell auf 78,7 Prozent und bis 2040 auf 73,2 Prozent. Für 2070 werden nur noch 63,2 Prozent, für 2100 schließlich 55,9 Prozent prognostiziert. Innerhalb von 74 Jahren entspräche dies einem Rückgang um 24,8 Prozentpunkte. Deutschland würde sich damit von einem weiterhin klar europäisch geprägten Land zu einer Gesellschaft entwickeln, in der der nach der Projektdefinition europäischstämmige Bevölkerungsanteil nur noch knapp über der Hälfte liegt.
Österreich beginnt 2026 bei 86,1 Prozent. Bis 2030 sinkt der Wert auf 83,8 Prozent, bis 2040 auf 77,7 Prozent. Für 2070 werden 66,3 Prozent und für 2100 nur noch 57,9 Prozent ausgewiesen. Der Rückgang um 28,2 Prozentpunkte fällt damit noch stärker aus als in Deutschland.
Frankreich besitzt bereits zu Beginn des Prognosezeitraums den niedrigsten Wert der fünf betrachteten Staaten. Replacement Clock weist für 2026 einen Anteil von 77,7 Prozent aus. Dieser sinkt bis 2030 auf 75,7 Prozent, bis 2040 auf 70,5 Prozent, bis 2070 auf 60,8 Prozent und bis 2100 auf 53,6 Prozent. Frankreich nähert sich damit nach dem Modell einer demografischen Situation, in der die europäischstämmige Bevölkerung nur noch eine knappe Mehrheit bildet.
Italien liegt 2026 mit 83,3 Prozent zunächst über Deutschland und Frankreich. Bis 2030 sinkt der Wert auf 81,2 Prozent, bis 2040 auf 75,5 Prozent. Für 2070 werden 64,1 Prozent, für 2100 nur noch 55,0 Prozent prognostiziert. Der Rückgang um 28,3 Prozentpunkte ist unter den fünf Staaten am stärksten.
Polen hebt sich deutlich von den übrigen Ländern ab. Der für 2026 ausgewiesene Anteil liegt bei 98,2 Prozent und sinkt bis 2030 lediglich auf 97,2 Prozent. Auch 2040 werden noch 94,6 Prozent prognostiziert. Erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts beschleunigt sich der modellierte Rückgang auf 84,5 Prozent im Jahr 2070 und 73,0 Prozent im Jahr 2100. Polen bliebe damit auch am Ende des Jahrhunderts erheblich stärker europäisch geprägt als Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien.
Der Ländervergleich verdeutlicht den engen Zusammenhang zwischen Einwanderungspolitik, Altersstruktur, Geburtenentwicklung und langfristigem Kohortenersatz. Frankreich weist bereits gegenwärtig den niedrigsten Anteil der fünf Staaten auf. Deutschland, Österreich und Italien folgen einem ähnlichen, stark fallenden Substitutionspfad. Polen bewahrt seine demografische Kontinuität wesentlich länger.
Deutschland im Zentrum der demografischen Substitution
Für Deutschland besitzt die Studie besondere Bedeutung. Als bevölkerungsreichster Mitgliedstaat der Europäischen Union beeinflusst die deutsche Entwicklung nicht nur den nationalen Wert, sondern auch das gesamteuropäische Ergebnis erheblich. Gleichzeitig gehört Deutschland seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Einwanderungsländern der Welt.
Die amtlichen deutschen Statistiken messen nicht dieselbe Abstammungskategorie wie Replacement Clock. Sie bestätigen jedoch eindeutig die Richtung und Geschwindigkeit der herkunftsbezogenen Bevölkerungsverschiebung. Im Jahr 2025 lebten in Deutschland 21,8 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Dies entsprach 26,3 Prozent der Bevölkerung in privaten Hauptwohnsitzhaushalten. Als Menschen mit Einwanderungsgeschichte gelten nach der Definition des Statistischen Bundesamtes Personen, die selbst oder deren beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind. [16]
Von diesen 21,8 Millionen Menschen waren 16,4 Millionen beziehungsweise 19,8 Prozent der Gesamtbevölkerung selbst eingewandert. Weitere 5,4 Millionen beziehungsweise 6,5 Prozent waren in Deutschland geborene Kinder zweier eingewanderter Eltern. Hinzu kamen 4,2 Millionen Menschen mit nur einem eingewanderten Elternteil. Diese werden in der engeren Destatis-Definition nicht zur Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte gerechnet. Dritte und spätere Generationen erscheinen ebenfalls nicht mehr in dieser Kategorie.
Zwischen 2005 und 2025 erhöhte sich die Zahl der Menschen mit Einwanderungsgeschichte von 13,0 auf 21,8 Millionen. Dies entspricht einem Zuwachs von 67 Prozent innerhalb von zwei Jahrzehnten. Gleichzeitig sank die Zahl der Einwohner ohne Einwanderungsgeschichte allein 2025 um 488.000 auf 56,8 Millionen. [16]
Besonders aussagekräftig ist die Altersstruktur. Unter den 25- bis 34-Jährigen besaßen 2025 bereits 36 Prozent eine Einwanderungsgeschichte. Unter den über 65-Jährigen lag der Anteil dagegen bei lediglich 14 Prozent. Die demografische Substitution vollzieht sich damit nicht gleichmäßig über alle Altersgruppen, sondern vor allem durch den Austausch der Generationen.
Eurostat erfasste zum 1. Januar 2025 in Deutschland 17,2 Millionen im Ausland geborene Einwohner. Dies entsprach 20,5 Prozent der Gesamtbevölkerung und war die höchste absolute Zahl innerhalb der Europäischen Union. Auch diese Kategorie ist nicht mit außereuropäischer Abstammung gleichzusetzen, weil sie europäische Zuwanderer einschließt und in Deutschland geborene Nachkommen nicht erfasst. Sie verdeutlicht dennoch das außergewöhnliche Ausmaß der Einwanderung. [17]
Geburtendefizit und demografische Substitution
Die starke Einwanderung trifft auf eine historisch schwache Reproduktionsbasis. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland nur noch rund 654.000 Kinder geboren. Die zusammengefasste Geburtenziffer sank auf 1,32 Kinder je Frau. Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit lag sie bei 1,20, bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit bei 1,78 Kindern je Frau. Die Staatsangehörigkeit ist kein vollständiges Abstammungsmerkmal, verdeutlicht aber unterschiedliche gegenwärtige demografische Dynamiken. [18–19]
Den rund 654.000 Lebendgeborenen standen 1.006.346 Sterbefälle gegenüber. Das Geburtendefizit erreichte damit mehr als 352.000 Menschen. Die Nettozuwanderung betrug zugleich 235.000 Personen und fiel um 45 Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Da sie den Sterbeüberschuss nicht mehr vollständig ausglich, sank die Einwohnerzahl Deutschlands um ungefähr 110.000 Menschen auf 83,5 Millionen. [18, 20–21]
Seit der deutschen Wiedervereinigung übersteigt die Zahl der Sterbefälle in jedem Jahr die Zahl der Geburten. Das Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahrzehnte beruhte daher nicht auf einem natürlichen Überschuss, sondern weitgehend auf Zuwanderung. Eine auf diese Weise stabilisierte Einwohnerzahl verdeckt den Substitutionsprozess: Fehlende Geburten werden rechnerisch durch Einwanderung ausgeglichen, während sich durch dauerhaften Aufenthalt, Familiennachzug, Einbürgerung und die Geburt nachfolgender Generationen zugleich die Herkunftsstruktur verändert.
Die Bevölkerung wird dadurch nicht lediglich größer oder kleiner. Sie verändert sich in ihrer demografischen, kulturellen und gesellschaftlichen Zusammensetzung. Genau auf diesen Unterschied lenkt Replacement Clock den Blick.
Europa wächst nur noch durch Migration
Die deutsche Entwicklung ist Teil eines gesamteuropäischen Substitutionsprozesses. Im Jahr 2024 wurden in der Europäischen Union nur noch 3,55 Millionen Kinder geboren. Die durchschnittliche Geburtenziffer sank auf 1,34 Kinder je Frau und damit auf den niedrigsten Stand seit Beginn der vergleichbaren EU-Zeitreihe im Jahr 2001. [22]
Im Jahr 2025 standen in der EU 3,46 Millionen Geburten insgesamt 4,81 Millionen Sterbefällen gegenüber. Daraus ergab sich ein natürlicher Bevölkerungsverlust von 1,35 Millionen Menschen. Der positive Wanderungssaldo belief sich gleichzeitig auf 2,05 Millionen, sodass die Bevölkerung der Europäischen Union insgesamt um rund 706.000 Menschen zunahm. Das gesamte EU-Bevölkerungswachstum des Jahres 2025 beruhte damit auf Migration. [23]
In 21 der 27 Mitgliedstaaten überstieg die Zahl der Sterbefälle die Zahl der Geburten. Seit 2012 ist der natürliche Bevölkerungssaldo der Europäischen Union negativ. Bereits seit den 1990er-Jahren bildet die Nettomigration den wichtigsten Faktor ihres Bevölkerungswachstums.
Am 1. Januar 2025 lebten in der Europäischen Union 46,7 Millionen Menschen, die außerhalb der EU geboren worden waren. Das entsprach 10,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Weitere 18,0 Millionen Menschen beziehungsweise 4,0 Prozent waren in einem anderen Mitgliedstaat geboren. Insgesamt lebten damit 64,7 Millionen im Ausland geborene Personen in der Europäischen Union. [17]
Diese Zahlen messen Migration und nicht Abstammung. Die Gruppe der außerhalb der Europäischen Union Geborenen enthält auch europäischstämmige Personen aus Nicht-EU-Staaten oder aus Übersee. Gleichzeitig werden in Europa geborene Kinder und Enkel außereuropäischer Einwanderer nicht mehr als im Ausland geboren ausgewiesen. Die amtlichen Zahlen bilden deshalb nur einen Teil der herkunftsbezogenen Bevölkerungsverschiebung ab.
Europas Entwicklung bis 2100
Eurostats Basisszenario EUROPOP2025 zeigt, wie stark Europas demografische Zukunft vom Verhältnis zwischen Geburtendefizit und Migration abhängt. Die Bevölkerung der Europäischen Union steigt in diesem Szenario von 451,8 Millionen im Jahr 2025 zunächst auf 453,3 Millionen im Jahr 2029. Danach sinkt sie auf 445,0 Millionen im Jahr 2050 und auf 398,8 Millionen im Jahr 2100. [24]
Zwischen 2025 und 2100 unterstellt Eurostat insgesamt 253,0 Millionen Geburten, aber 409,8 Millionen Sterbefälle. Daraus ergibt sich ein kumulierter natürlicher Bevölkerungsverlust von 156,7 Millionen Menschen. Ein angenommener positiver Wanderungssaldo von 103,7 Millionen gleicht einen erheblichen Teil dieses Verlustes aus. Dennoch verbleibt bis 2100 ein Rückgang von 53,0 Millionen Menschen beziehungsweise 11,7 Prozent.
In den Staaten, deren Einwohnerzahl langfristig wächst, ist eine hohe und dauerhafte Nettomigration der einzige Wachstumstreiber. Migration verändert damit nicht nur die Gesamtgröße, sondern zwangsläufig auch die Herkunftsstruktur der Bevölkerung. Eine kontinuierliche Zuwanderung überwiegend jüngerer Menschen trifft auf eine alternde einheimische Bevölkerung mit dauerhaft niedriger Geburtenrate. Über nachfolgende Generationen verstärkt sich dieser Substitutionsprozess.
Der politisch verursachte Kohortenersatz
Pier führt den Rückgang des europäischstämmigen Bevölkerungsanteils nicht auf ein unabwendbares Naturereignis zurück. Die Entwicklung ist wesentlich das Ergebnis konkreter historischer und politischer Entscheidungen. Dazu gehören die staatlich organisierte Gastarbeiteranwerbung nach dem Zweiten Weltkrieg, die Einwanderung im Zuge der Entkolonialisierung, die Ausweitung des Familiennachzugs, die Verstetigung ursprünglich vorübergehender Aufenthalte, Veränderungen des Asyl- und Einwanderungsrechts, erleichterte Einbürgerungen und die europäische Freizügigkeit. [2]
Akgündüz dokumentiert die organisierte Gastarbeiterwanderung nach Europa zwischen 1946 und 1974. De Haas beschreibt den Wandel Europas von einem Auswanderungs- zu einem dauerhaften Einwanderungskontinent und untersucht die Rolle politischer Entscheidungen. Der Anwerbestopp beendete die Zuwanderung nicht. Familiennachzug, bestehende Migrationsnetzwerke, dauerhafte Aufenthaltsrechte und spätere Einbürgerungen verwandelten eine ursprünglich als zeitlich begrenzt dargestellte Arbeitsmigration in dauerhafte Bevölkerungseinwanderung. [25–26]
Coleman bezeichnet die langfristige Veränderung der ethnischen und kulturellen Zusammensetzung niedrigfertiler Einwanderungsländer als eine „dritte demografische Transition“. Eine anhaltende Nettozuwanderung stabilisiert in alternden Gesellschaften nicht nur die Einwohnerzahl, sondern verändert zwangsläufig auch deren Herkunftsstruktur. [27]
Die Fertilitätsentwicklung innerhalb der Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte verläuft dabei nicht einheitlich. Kulu, Milewski, Hannemann und Mikolai weisen erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Herkunftsgruppen und Einwanderergenerationen nach. Entscheidend sind Herkunft, Altersstruktur, Zeitpunkt der Einwanderung, Familienbildung und Generationenzugehörigkeit. [28]
Für Europa als Gesamtregion verändert die Binnenwanderung europäischstämmiger Einwohner lediglich deren räumliche Verteilung. Erst dauerhafte außereuropäische Einwanderung, die Auswanderung europäischer Bevölkerungsgruppen, unterschiedliche Geburtenraten und die nachfolgende Generationenbildung verändern den europäischen Gesamtanteil. Die demografische Substitution ist deshalb politisch beeinflussbar und wird entscheidend durch Einwanderungs-, Aufenthalts-, Familiennachzugs-, Asyl- und Einbürgerungspolitik gestaltet.
Politische Konsequenzen für Deutschland
Deutschland darf das eigene Geburtendefizit nicht länger durch fortgesetzte Masseneinwanderung überdecken. Eine statistisch stabile Einwohnerzahl ist kein gesellschaftlicher Erfolg, wenn sie mit einem fortschreitenden Verlust historischer, kultureller und demografischer Kontinuität verbunden ist. Deutschland benötigt eine grundlegende bevölkerungspolitische Wende, die die eigene Bevölkerung stärkt, Familien entlastet und den dauerhaften Ersatz fehlender Geburten durch Einwanderung beendet.
Die daraus folgenden Maßnahmen entsprechen in wesentlichen Punkten der Programmatik der Alternative für Deutschland. Erforderlich sind die Wiederherstellung der nationalen Kontrolle über die Zuwanderung, wirksame Grenzkontrollen und die Zurückweisung illegaler Einreisen aus sicheren Drittstaaten. Asylverfahren müssen möglichst außerhalb Deutschlands durchgeführt werden. Pauschale europäische Aufnahmequoten, die den Mitgliedstaaten zusätzliche Einwanderung unabhängig vom nationalen Interesse auferlegen, sind abzulehnen. [29]
Asyl, humanitärer Schutz und arbeitsmarktbezogene Einwanderung müssen rechtlich und politisch wieder klar voneinander getrennt werden. Erwerbsmigration darf nicht als allgemeines Instrument zur Stabilisierung der Einwohnerzahl missbraucht werden. Sie muss maßvoll, streng ausgewählt und auf tatsächlich benötigte sowie nachweislich qualifizierte Fachkräfte begrenzt bleiben.
Gleichzeitig ist eine konsequente rechtsstaatliche Rückführungspolitik erforderlich. Vollziehbar ausreisepflichtige Personen müssen tatsächlich zurückgeführt werden. Ausländische Gefährder, Extremisten und schwere Straftäter sind vorrangig auszuweisen. Entfällt der anerkannte Schutzgrund, darf ein ursprünglich befristeter Schutzstatus nicht automatisch in einen dauerhaften Aufenthalt übergehen. Fehlanreize für einen illegalen oder lediglich geduldeten Aufenthalt müssen beseitigt und die freiwillige Rückkehr wirksamer gefördert werden.
Eine solche Remigrationspolitik ist keine Abkehr vom Rechtsstaat, sondern seine konsequente Anwendung. Aufenthaltsentscheidungen, Ausreisepflichten und befristete Schutzregelungen verlieren ihren Sinn, wenn sie politisch oder administrativ nicht vollzogen werden.
Familienpolitik statt demografischer Substitution
Die Begrenzung der Einwanderung allein genügt nicht. Deutschland benötigt zugleich eine eigenständige Familien- und Bevölkerungspolitik. Familien müssen steuerlich, sozialpolitisch und wohnungspolitisch wesentlich stärker unterstützt werden. Familiensplitting, höhere Kinderfreibeträge, bezahlbarer familiengerechter Wohnraum, Betreuungsfreiheit und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf können dazu beitragen, dass vorhandene Kinderwünsche tatsächlich verwirklicht werden. [29]
Das deutsche Geburtendefizit darf nicht als unveränderliche Naturkonstante behandelt werden. Politische Rahmenbedingungen beeinflussen, ob junge Menschen Familien gründen, wie viele Kinder sie bekommen und ob Elternschaft mit beruflicher und wirtschaftlicher Sicherheit vereinbar ist. Eine langfristige Bevölkerungspolitik muss deshalb die Gründung deutscher Familien erleichtern, statt niedrige Geburtenzahlen lediglich durch eine immer höhere Nettozuwanderung auszugleichen.
Ein größerer Teil der öffentlichen Mittel muss künftig der Stärkung einheimischer Familien, der Senkung ihrer Steuer- und Abgabenlast und der Schaffung von Wohneigentum zugutekommen. Die eigene demografische Erneuerung muss wieder als legitimes und vorrangiges nationales Ziel anerkannt werden.
Kulturelle Identität und gesellschaftliche Kontinuität
Demografische Stabilisierung erfordert neben der Begrenzung der Einwanderung und der Förderung von Familien auch kulturelle Selbstbehauptung. Integration kann nur gelingen, wenn deutsche Sprache, Geschichte, Rechtsordnung, Traditionen und gesellschaftliche Normen als verbindlicher Orientierungsrahmen gelten.
Eine Gesellschaft kann Neuankömmlinge nur integrieren, wenn sie selbst weiß, was sie bewahren und weitergeben will. Die deutsche Leitkultur muss deshalb gegenüber Multikulturalismus, Parallelgesellschaften und der bloßen Addition dauerhaft voneinander getrennter Bevölkerungsgruppen wieder Vorrang erhalten. Integration bedeutet die Eingliederung in die bestehende deutsche Gesellschaft und nicht deren schrittweise Auflösung.
Die Staatsangehörigkeit darf nicht als bloßes verwaltungstechnisches Integrationsinstrument eingesetzt werden. Sie muss am Ende einer nachgewiesenen, dauerhaften und erfolgreichen Integration stehen. Voraussetzung sind ausreichende Sprachkenntnisse, wirtschaftliche Eigenständigkeit, Loyalität zur deutschen Rechtsordnung und die Anerkennung der historisch gewachsenen kulturellen Grundlagen des Landes. [29]
Die Bewahrung kultureller Identität ist keine rückwärtsgewandte Forderung. Jede dauerhaft stabile Gesellschaft benötigt gemeinsame Bezugspunkte, historische Kontinuität und ein verbindendes Selbstverständnis. Eine schnelle demografische Substitution schwächt diese Voraussetzungen, wenn Integration und kulturelle Weitergabe mit ihrem Tempo nicht Schritt halten können.
Transparenz und demografische Folgenabschätzung
Die Studie von Pier zeigt, wie dringend eine bessere amtliche Datengrundlage erforderlich ist. Deutschland und die Europäische Union benötigen harmonisierte, anonymisierte und regelmäßig fortgeschriebene Angaben zur Herkunftsstruktur der Bevölkerung. Erfasst werden sollten mindestens das eigene Geburtsland, die Geburtsländer und ursprünglichen Staatsangehörigkeiten der Eltern, der Generationenstatus sowie die Herkunftsstruktur der Geburtenjahrgänge und Minderjährigen.
Eine Erfassung individueller genetischer Daten ist dafür nicht erforderlich. Entscheidend sind konsistente statistische Kategorien, nachvollziehbare Methoden, öffentlich dokumentierte Korrekturen und langfristig vergleichbare Zeitreihen. Die verwendeten Begriffe dürfen nicht ständig verändert oder so eng gefasst werden, dass dritte und spätere Einwanderergenerationen vollständig aus der Statistik verschwinden.
Jede wesentliche Änderung des Einwanderungs-, Asyl-, Familiennachzugs-, Aufenthalts- und Staatsangehörigkeitsrechts muss zudem einer verbindlichen demografischen Folgenabschätzung unterzogen werden. Diese darf sich nicht auf den kurzfristigen Wanderungssaldo beschränken. Sie muss Daueraufenthalt, Familiennachzug, Altersstruktur, Geburtenentwicklung, Einbürgerung und den generationenübergreifenden Kohortenersatz berücksichtigen.
Eine staatliche Statistik, die die demografische Substitution durch unvollständige oder ungeeignete Kategorien unsichtbar macht, verhindert diese Entwicklung nicht. Sie verhindert lediglich ihre demokratische Kontrolle. Replacement Clock leistet deshalb einen wertvollen Beitrag, indem das Projekt einen grundlegenden europäischen Substitutionsprozess methodisch rekonstruiert und öffentlich sichtbar macht.
Quellen & Literatur
- Pier, L. (2026a). Replacement Clock: European Ancestry – Europe. URL: https://replacementclock.org/?region=europe
- Pier, L. (2026b). Methodology. Replacement Clock. URL: https://replacementclock.org/methodology
- Lazaridis, I. et al. (2014). Ancient human genomes suggest three ancestral populations for present-day Europeans. Nature, 513, 409–413. DOI: https://doi.org/10.1038/nature13673
- Haak, W. et al. (2015). Massive migration from the steppe was a source for Indo-European languages in Europe. Nature, 522, 207–211. DOI: https://doi.org/10.1038/nature14317
- Li, J. Z. et al. (2008). Worldwide Human Relationships Inferred from Genome-Wide Patterns of Variation. Science, 319(5866), 1100–1104. DOI: https://doi.org/10.1126/science.1153717
- Coritz, A., Marks, R. und Jacobs, P. (2024). Reporting of Middle Eastern and North African Responses in the 2020 Census Race Question. U.S. Census Bureau, Working Paper POP-WP108.
- Pew Research Center (2021). Race, Ethnicity, Heritage and Immigration among U.S. Jews. In: Jewish Americans in 2020.
- Carmi, S. et al. (2014). Sequencing an Ashkenazi reference panel supports population-targeted personal genomics and illuminates Jewish and European origins. Nature Communications, 5, 4835.
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