Europas Stabilitätskauf aus Schwäche: Das asymmetrische USA-EU-Handelsabkommen im Kontext der Trump-Miran-Strategie
_ Christopher Kofner, Geschäftsführer, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). München, 18.06.2026.
Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen
- Das USA-EU-Handelsabkommen schafft kurzfristig Planbarkeit, institutionalisiert aber eine deutliche Asymmetrie: Die EU öffnet ihren Markt für US-Industriegüter, während viele EU-Waren in den USA mit einem kombinierten Zollsatz von bis zu 15 Prozent belastet bleiben.[1]
- Das Abkommen gehört in die größere Trump-Miran-Strategie eines möglichen Mar-a-Lago-Ansatzes: Zölle erzeugen Verhandlungsdruck, die EU akzeptiert zunächst asymmetrische Handelsbedingungen, und im nächsten Schritt könnten US-Partner und Gläubiger über sogenannte Century Bills beziehungsweise Jahrhundertanleihen zur langfristigen, niedrig verzinsten Finanzierung amerikanischer Staatsschulden gedrängt werden. Dieser Mechanismus verbindet Dollarabwertung, günstigere US-Kreditaufnahme, europäische Währungsaufwertung, höhere Verteidigungsbeiträge und die Sicherung amerikanischer Dominanz.[22][27][71]
- Deutschland und Bayern tragen ein besonderes Risiko, weil die deutsche Außenhandelsquote bei rund 79 Prozent des BIP liegt, während die USA nur bei rund 25 Prozent liegen; industrielle Standorte wie Dingolfing-Landau und Ingolstadt zählen laut ifo zu den besonders betroffenen Regionen.[10][12][13]
- Die EU hätte ihre eigene Verhandlungsmacht entschlossener einsetzen müssen: Das IW Köln zeigt, dass die USA 2024 in 3.120 Warengruppen mindestens 50 Prozent ihrer Importe aus der EU bezogen; in 179 strategisch relevanten Warengruppen besteht eine besonders bedeutsame US-Abhängigkeit von EU-Lieferungen.[34]
- Der Abbau von EU-Bürokratieauflagen wie Entwaldungsverordnung, CBAM, Lieferkettenrichtlinie, CSRD, Methanverordnung, Digital Services Act, Digital Markets Act, Taxonomie-, ESG-, Verpackungs-, Ökodesign- und REACH-Pflichten sollte nicht als einseitiges Zugeständnis erfolgen, sondern als Verhandlungsmasse gegen echte Zollreziprozität genutzt werden.[1][7][19][38]
- Digitale Souveränität ist ein zentraler Bestandteil wirtschaftlicher Souveränität: 51 Prozent der deutschen Unternehmen sehen sich stark abhängig von den USA, während der US-Dienstleistungsüberschuss gegenüber der EU 2024 bei 88,6 Milliarden US-Dollar lag. Europa besitzt daher Marktmacht, darf sie aber erst nach Aufbau eigener Cloud-, KI-, Open-Source- und Verwaltungs-IT-Strukturen offensiv einsetzen.[44][46]
- Energie-Souveränität ist die materielle Grundlage digitaler und industrieller Souveränität. Deutschlands Energieimportabhängigkeit lag 2024 bei 67 Prozent; zugleich verlangt die Bundesnetzagentur bis 2035 bis zu 35,5 GW zusätzliche steuerbare Kapazität im Szenario „Verzögerte Energiewende“. Ohne gesicherte Leistung, bezahlbaren Strom und eigene Energiequellen bleiben Rechenzentren, KI, Cloud-Infrastruktur und Industrieproduktion strukturell verwundbar.[59][60]
- Deutschland muss Energie-Souveränität durch Diversifizierung, heimische Potenziale und steuerbare Grundlast wiederherstellen: Nord Stream 2 muss politisch enttabuisiert und russisches Pipelinegas wieder als Option in eine interessengeleitete Energiepolitik einbezogen werden; zugleich sind heimische Ressourcen zu nutzen – darunter technisch förderbare Schiefergasvorkommen von rund 320 bis 2.030 Milliarden Kubikmetern, rund 36 Milliarden Tonnen förderfähige Braunkohlereserven, etwa 8 Milliarden Tonnen abbaubare Steinkohle-Ressourcen, mögliche natürliche Wasserstoffvorkommen in Nordbayern sowie die Wiederinbetriebnahme geeigneter Kernkraftwerke. Radiant Energy hält den Restart mehrerer Reaktoren technisch und praktisch für möglich; je nach Anlage werden Investitionen von bis zu 3 Milliarden Euro und laufende Betriebskosten von nur 22 bis 30 Euro/MWh genannt.[57][66][67][68]
- Eine souveräne Verhandlungsposition gegenüber den USA setzt voraus, dass Deutschland nicht gleichzeitig bei Energie, digitaler Infrastruktur, KI, Cloud, Rüstung und industriellen Lieferketten abhängig bleibt. Energiepolitik, Handelspolitik, Digitalpolitik und Industriepolitik müssen deshalb gemeinsam gedacht werden: bezahlbare Grundlast, eigene IT-Infrastruktur, Open Source, europäische KI, Bürokratieabbau und handelspolitische Reziprozität gehören strategisch zusammen.
Einleitung
Das USA-EU-Handelsabkommen markiert keinen gewöhnlichen handelspolitischen Kompromiss zwischen zwei gleich starken Wirtschaftsräumen. Es ist kein klassisches Freihandelsabkommen, sondern ein politisches Rahmenabkommen zur Deeskalation eines drohenden Zollkriegs zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. Kurzfristig schafft es Planbarkeit. Langfristig institutionalisiert es jedoch ein asymmetrisches Handelsmodell, in dem die EU weitreichende Marktzugeständnisse gegenüber US-Produkten macht, während europäische Exporte in die USA weiterhin mit erheblichen Zöllen belastet werden.[1] Diese Asymmetrie ist nicht nur zollpolitisch relevant. Sie berührt industrielle Wertschöpfung, Energieversorgung, Rüstungsbeschaffung, digitale Infrastruktur, KI-Zugang, Datenhoheit und die grundsätzliche Frage, ob Europa seine wirtschaftlichen und politischen Interessen noch mit strategischer Härte vertreten kann.
Ein echter Kompromiss hätte anders ausgesehen: beide Seiten hätten Zölle gesenkt, beide Seiten hätten fairen Marktzugang erhalten und beide Seiten hätten von einer Deeskalation profitiert. Das beschlossene Modell folgt dagegen einer Vasallenlogik: Die EU gibt Marktzugang, während die USA ihre Schutzinstrumente behalten. Genau darin liegt die strategische Bedeutung des Deals. Er stabilisiert nicht nur kurzfristig Handelsbeziehungen, sondern zementiert die Unterordnung der europäischen Industrie-, Energie-, Digital- und Rüstungspolitik unter amerikanische Verhandlungsziele.
Die politische Einigung vom 27. Juli 2025 zwischen US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Turnberry, Schottland, wurde von der Kommission als „Schritt zu Stabilität, Vorhersehbarkeit und Deeskalation“ dargestellt.[2] Die gemeinsame EU-USA-Erklärung vom 21. August 2025 konkretisierte diese Vereinbarung und gab ihr den Titel eines „Framework Agreement on Reciprocal, Fair, and Balanced Trade“.[1] Der Wortlaut suggeriert Gegenseitigkeit und Fairness. Der materielle Inhalt zeigt jedoch eine andere Logik: Die EU schafft Zölle auf US-Industriegüter ab und gewährt zusätzlichen Marktzugang für ausgewählte US-Agrar- und Fischereiprodukte, während die USA auf die meisten EU-Waren grundsätzlich einen Gesamtzollsatz von 15 Prozent anwenden.[1] Gerade darin liegt der Kern des Problems. Die EU akzeptiert Stabilität zu Bedingungen, die den USA mehr industrie-, energie-, rüstungs- und digitalpolitischen Spielraum eröffnen, während die europäische Exportwirtschaft, insbesondere Deutschland und Bayern, strukturell belastet bleibt.
Chronologie, Inhalt und wirtschaftlicher Schaden des asymmetrischen USA-EU-Handelsabkommens Die Eskalation begann am 2. April 2025 mit der Ankündigung neuer US-Zölle durch Präsident Trump. Diese Ankündigung ordnete sich bereits in eine breitere handelspolitische Strategie ein, in der Zölle nicht nur als Einnahmeinstrument, sondern als Druckmittel zur Neuordnung globaler Wirtschaftsbeziehungen eingesetzt werden.[3] Am 27. Juli 2025 folgte die politische Einigung in Turnberry. Am 21. August 2025 wurde das gemeinsame EU-USA-Statement veröffentlicht. Am 28. August 2025 legte die Europäische Kommission zwei Verordnungsvorschläge zur Umsetzung der EU-Zollverpflichtungen vor. Am 16. Juni 2026 stimmte das Europaparlament dem Umsetzungspaket zu. Danach stehen noch die formale Billigung durch den Rat und die Veröffentlichung im Amtsblatt aus.[1][4]
Das Europaparlament billigte den Hauptvorschlag am 16. Juni 2026 mit 440 Ja-Stimmen, 151 Nein-Stimmen und 50 Enthaltungen. Der zweite Vorschlag zu Hummerimporten wurde mit 444 Ja-Stimmen, 152 Nein-Stimmen und 54 Enthaltungen angenommen.[4] Der parlamentarische Beschluss ändert jedoch nichts daran, dass der Inhalt des Abkommens wirtschaftlich asymmetrisch bleibt. Die EU verpflichtet sich, Zölle auf alle US-Industriegüter abzuschaffen und US-Seafood- sowie Agrarwaren bevorzugten Zugang zum europäischen Markt zu gewähren. Genannt werden unter anderem Baumnüsse, Milchprodukte, frisches und verarbeitetes Obst und Gemüse, verarbeitete Lebensmittel, Pflanzensaatgut, Sojaöl, Schweinefleisch und Bisonfleisch.[1] Zudem verlängert die EU die zollfreie Behandlung bestimmter US-Hummerprodukte und dehnt sie auf verarbeiteten Hummer aus.[4]
Demgegenüber wenden die USA für Waren mit EU-Ursprung grundsätzlich den höheren Wert aus dem normalen Meistbegünstigungszollsatz oder einem Gesamtzollsatz von 15 Prozent an. Dieser Gesamtzoll besteht aus dem regulären MFN-Zoll und einem zusätzlichen „reciprocal tariff“.[1] Der reguläre US-MFN-Zoll für Industriegüter liegt im Durchschnitt deutlich unter diesem Satz. Der USTR nennt für Industriegüter einen handelsgewichteten durchschnittlichen US-Importzoll von rund 2 Prozent; etwa die Hälfte aller US-Industriegüterimporte erfolgt zollfrei.[5] Gegenüber diesem normalen US-Zollniveau stellt ein 15-Prozent-Satz auf viele EU-Waren einen erheblichen Aufschlag dar.
Auch die Ausnahmen bestätigen die Schieflage. Für Automobile und Autoteile sollen die USA ihre Section-232-Zölle so anpassen, dass für betroffene EU-Waren mit einem MFN-Zoll unter 15 Prozent ein kombinierter Satz von 15 Prozent gilt. Bei MFN-Sätzen von 15 Prozent oder mehr sollen keine zusätzlichen Section-232-Zölle erhoben werden.[1] Für bestimmte EU-Produkte sollen die USA ab dem 1. September 2025 nur den regulären MFN-Zoll erheben; dazu zählen nicht verfügbare natürliche Ressourcen einschließlich Kork, Flugzeuge und Flugzeugteile, generische Arzneimittel sowie deren Inhaltsstoffe und chemische Vorprodukte.[1] Für Arzneimittel, Halbleiter und Holz soll die kombinierte Belastung aus MFN-Zoll und Section-232-Zoll grundsätzlich auf 15 Prozent begrenzt werden.[1] Diese punktuellen und vermeintlichen „Entlastungen“ beseitigen jedoch nicht den Grundmechanismus: Die EU öffnet ihren Markt wesentlich weiter, als die USA ihren Markt für EU-Produkte öffnen.
Besonders gravierend bleibt der Bereich Stahl, Aluminium und daraus hergestellte Derivate. Das Europaparlament verweist ausdrücklich darauf, dass die USA im August 2025 rund 407 Kategorien von Derivaten zu den 50-prozentigen Zöllen auf Stahl und Aluminium nach Section 232 hinzufügten.[6] Für Stahl und Aluminium gilt damit außerhalb des 15-Prozent-Rahmens weiterhin ein hartes US-Sonderregime. Die Kommission kann zwar Zollpräferenzen für US-Produkte aussetzen, falls die USA bis zum 31. Dezember 2026 weiterhin Zölle von mehr als 15 Prozent auf EU-Stahl- und Aluminiumderivate anwenden.[4] Diese Klausel ist jedoch nur ein nachträgliches Sicherungsinstrument; sie macht die ursprüngliche Asymmetrie nicht ungeschehen.
Der wirtschaftliche Gehalt des Abkommens geht weit über klassische Zölle hinaus. Die EU verpflichtet sich, bis 2028 US-Flüssiggas, Öl und Nuklearenergieprodukte mit einem erwarteten Abnahmevolumen von 750 Milliarden US-Dollar zu beschaffen.[1] Sie plant zudem den Kauf von mindestens 40 Milliarden US-Dollar an US-KI-Chips für europäische Rechenzentren.[1] Europäische Unternehmen sollen bis 2028 zusätzlich 600 Milliarden US-Dollar in strategischen Sektoren in den USA investieren.[1] Die EU sagt außerdem zu, ihre Beschaffung von militärischer und verteidigungsindustrieller Ausrüstung aus den USA deutlich zu erhöhen.[1] Das Abkommen ist damit nicht nur ein Zollkompromiss. Es ist ein industrie-, energie-, rüstungs- und digitalpolitisches Abhängigkeitsarrangement.
Hinzu kommt die regulatorische Dimension. Die EU sagt zu, US-Bedenken gegen zentrale EU-Regulierungsprojekte wie die Entwaldungsverordnung, den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM, die Lieferkettenrichtlinie CSDDD und die Nachhaltigkeitsberichterstattung CSRD aufzugreifen.[1][7] Damit wird die europäische Regulierungsagenda selbst Teil der transatlantischen Verhandlungsmasse. Diese Entwicklung bestätigt wieder einmal, dass nichttarifäre Handelshemmnisse genauso wichtig sind wie Zölle. Wer Regeln, Standards, Berichtspflichten, Lieferkettenvorgaben und CO₂-Kosten setzt, entscheidet über reale Marktzugänge.
Die EU-Kommission argumentiert, die EU-Zollsenkungen auf US-Waren würden EU-Importeuren und Verbrauchern rund 5 Milliarden Euro Zölle pro Jahr ersparen.[2] Diese Zahl beschreibt jedoch nur die Entlastung auf der Importseite. Sie sagt nichts über die dauerhafte Belastung der europäischen Exportwirtschaft durch US-Zölle aus.
Das Kiel Institut für Weltwirtschaft bewertet den Deal daher als „kein guter Deal“, sondern als „Appeasement“, weil die EU kurzfristig einen Handelskrieg vermeidet, dafür aber langfristig das regelbasierte WTO-Handelssystem beschädigt.[9] Das IfW erwartet für Deutschland zunächst ein um 0,13 Prozentpunkte verringertes Wachstum.[9] Der größere Schaden liegt nach dieser Bewertung nicht in der kurzfristigen Wachstumsdelle, sondern im Präzedenzfall: Ein großer Partner erzwingt mit Zolldruck Sonderkonditionen, während die EU die eigenen Prinzipien des regelbasierten Handels preisgibt.
Auch das ifo Institut sieht erhebliche regionale Belastungen. US-Zölle von 15 Prozent auf EU-Waren treffen besonders industrielle Standorte in Süddeutschland, weil dort Automobilwirtschaft, Metallerzeugung und exportorientierte Zulieferketten stark konzentriert sind.[10] Das ifo Institut berechnet die höchsten Wertschöpfungsverluste für Salzgitter mit minus 1,16 Prozent, Dingolfing-Landau mit minus 1,08 Prozent, Wolfsburg mit minus 1,06 Prozent, Böblingen mit minus 1,05 Prozent und Ingolstadt mit minus 0,98 Prozent.[10] Für Bayern ist dieser Befund besonders relevant, weil Dingolfing-Landau und Ingolstadt zu den am stärksten betroffenen deutschen Industriestandorten zählen. Die Zölle wirken damit nicht abstrakt, sondern konkret gegen bayerische Automobil- und Zulieferarbeitsplätze.
Eine ZDF-Auswertung einer ifo-Studie berichtet zudem, dass deutsche Ausfuhren in die USA im ifo-Szenario dauerhaft um durchschnittlich 15 Prozent sinken könnten. Besonders betroffen sind die Autoindustrie mit minus 22 Prozent und der Maschinenbau mit minus 30 Prozent bei US-Exporten.[11] Gleichzeitig zeigt das ifo Institut, dass neue Handelsabkommen ein Gegenmittel sein könnten: Einfache Abkommen mit sieben Staaten und Regionen könnten das deutsche BIP um 0,24 Prozent erhöhen, tiefere Abkommen mit zusätzlichem Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse sogar um 0,52 Prozent.[11] Der Schaden des USA-EU-Abkommens liegt daher auch darin, dass es die falsche handelspolitische Richtung stabilisiert: mehr Abhängigkeit von Washington statt Diversifizierung und Stärkung alternativer Märkte.
Die strukturelle Verwundbarkeit Deutschlands erklärt sich aus seiner Außenhandelsabhängigkeit. Deutschlands Außenhandelsquote lag 2024 bei rund 79 Prozent des BIP, während die USA 2024 nur bei rund 25 Prozent lagen.[12][13] China lag 2024 mit rund 37 Prozent des BIP deutlich unter Deutschland.[14] Betrachtet man die EU nur im Extra-EU-Handel mit Nicht-EU-Staaten, liegt ihre außenwirtschaftliche Exposition näher bei rund 49 Prozent des BIP.[15] Die vereinfachte Reihenfolge der Außenhandelsabhängigkeit lautet damit: Deutschland mit rund 79 Prozent vor der EU beim Extra-EU-Handel mit rund 49 Prozent, vor China mit rund 37 Prozent und vor den USA mit rund 25 Prozent.[12][13][14][15] Genau daraus ergibt sich die strategische Asymmetrie: Die USA können Handelskonflikte leichter eskalieren, weil rund drei Viertel ihrer Wirtschaftsleistung ohne direkten Außenhandelsbezug erbracht werden. Deutschland und große Teile Europas sind dagegen stärker export-, import- und lieferkettenabhängig.
Rechts-konservative Bewertung: Souveränitätsverlust, Unterordnung und falsche Lehren aus der EU-Integration
Aus rechts-konservativer, souveränitätsorientierter Sicht ist das EU-USA-Abkommen kein Ausdruck transatlantischer Partnerschaft auf Augenhöhe, sondern ein Symptom europäischer Schwäche. Die USA verhandeln hart entlang eigener nationaler Interessen, während die EU Marktöffnung, Energiezusagen, Investitionsverlagerungen und digitale Abhängigkeiten akzeptiert, ohne echte Zollreziprozität zu erhalten.[1][16] Damit widerlegt der Deal das EU-Narrativ „Stärke durch Einheit“: Zentralisierte EU-Handelspolitik hat keine besseren Konditionen geschaffen, sondern ein asymmetrisches Ergebnis, bei dem die EU ihren Markt öffnet und die USA zentrale Schutzinstrumente behalten.[16]
Die AfD bewertet das Abkommen als einseitige Niederlage der EU. Peter Boehringer bezeichnete den Deal als „Bankrott-Erklärung für die EU“, Alice Weidel als „Offenbarungseid für die EU“.[17][18] Kritisiert werden vor allem 15 Prozent US-Zölle auf viele EU-Waren, zusätzliche Belastungen für Stahl und Aluminium, weitreichende EU-Zollzugeständnisse, 600 Milliarden US-Dollar EU-Investitionen in den USA, 750 Milliarden US-Dollar US-Energieabnahmen sowie zusätzliche Rüstungsbeschaffung.[17] Die Folge ist eine Schwächung europäischer und deutscher Industrieinteressen.
Diese Position ist kein blinder Protektionismus. Die AfD setzt auf interessengeleitete Deeskalation: positive Anreize zur Rücknahme der US-Zölle, Abbau europäischer Handelshemmnisse wie CBAM, Digital Services Act, Nachhaltigkeitsberichterstattung und Lieferkettenrichtlinie sowie vorbereitete reziproke Gegenmaßnahmen als Druckmittel.[19] Zugleich warnt sie vor einem überflüssigen Zollkrieg, weil Zölle und Gegenzölle Handelsvolumen, Wohlstand, Kaufkraft und Preisstabilität belasten.[20] Die Linie lautet: kein naiver Freihandel um jeden Preis, kein eskalierender Zollkrieg, sondern Reziprozität, nationale Interessenvertretung, Bürokratieabbau, Schutz deutscher Schlüsselindustrien, Diversifizierung der Handelspartner und Wiederherstellung wirtschaftlicher Souveränität.
Auch die ESN und die AfD-Delegation im Europaparlament kritisieren das Turnberry-Abkommen als unausgewogen: Die EU ist bereit, Zölle auf US-Industriegüter abzuschaffen, während europäische Exporte in die USA pauschal belastet bleiben.[21] Markus Buchheit fordert deshalb, EU-Zugeständnisse auszusetzen, solange die USA ihre Verpflichtungen nicht einhalten.[21]
Trump handelt aus amerikanischer Sicht strategisch und konsequent. Daraus folgt aber nicht, dass seine Politik deutschen Interessen dient. Deutschland kann von der Methode lernen, Interessen hart zu vertreten, darf aber nicht amerikanische Ziele übernehmen. Die Maxime muss nicht „America First“, sondern „Deutschland zuerst“ lauten.[3][22]
Das Abkommen lässt sich aber als wirtschaftspolitische Analogie zu kolonialen Handelsmustern beschreiben. Wie einst Großbritannien gegenüber Indien nutzt heute der stärkere Akteur Handelsregeln, Zölle und Marktzugang, um Wertschöpfung zu seinen Gunsten zu verschieben.[1][23][24] Großbritannien machte Indien zum Rohstofflieferanten und Absatzmarkt; die USA sichern sich gegenüber der EU bessere Zollkonditionen, Energieabnahmen, Investitionszusagen und industrielle Standortvorteile.[1][23]
Das Abkommen im Rahmen der größeren Trump-Miran-Strategie des Mar-a-Lago-Ansatzes
Die Zollpolitik Trumps ist nicht als isolierte handelspolitische Laune zu verstehen, sondern als Teil einer umfassenderen Strategie zur Neuordnung des globalen Handels- und Finanzsystems. Stephen Miran, promovierter Harvard-Ökonom, war ab März 2025 Vorsitzender des Council of Economic Advisers im Weißen Haus und damit einer der zentralen wirtschaftspolitischen Chefberater Trumps; von September 2025 bis Mai 2026 gehörte er zudem dem Board of Governors der Federal Reserve an.[27] In seinem Papier „A User’s Guide to Restructuring the Global Trading System“ beschreibt Miran Zölle, Währungspolitik, Reservewährungsfragen und Sicherheitsgarantien als miteinander verknüpfte Instrumente amerikanischer Machtpolitik.[27]
Die Mar-a-Lago-Logik setzt an einem Grundwiderspruch der amerikanischen Weltmachtstellung an. Der Dollarstatus verschafft den USA günstigere Kreditaufnahme, weltweite Nachfrage nach US-Staatsanleihen, Sanktionsmacht und finanzielle Dominanz. Dieses „exorbitante Privileg“, das Valéry Giscard d’Estaing bereits in den 1960er Jahren kritisierte, hat aber aus amerikanischer Industriesicht einen Preis: Die dauerhafte Auslandsnachfrage nach Dollar und sicheren US-Anlagen stützt den Wechselkurs, verteuert US-Exporte, verbilligt Importe und verschärft die Erosion des verarbeitenden Gewerbes.[27] Mirans Ansatz versucht deshalb, zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen: Der Dollar soll abgewertet werden, damit amerikanische Exporte wettbewerbsfähiger werden; zugleich sollen die Finanzierungskosten der US-Staatsschulden sinken, damit Washington fiskalischen Spielraum für Steuersenkungen, Industriepolitik und Verteidigungsausgaben erhält.[27]
Zölle sind in dieser Strategie kein Selbstzweck. Sie dienen als Drohkulisse und Verhandlungsinstrument. Erst werden Partner wie die EU mit hohen Zöllen, Marktzugangsdrohungen und Sicherheitsargumenten unter Druck gesetzt. Dann wird ein asymmetrischer Deal angeboten, der kurzfristig Planungssicherheit verspricht, aber die Gegenseite wirtschaftlich belastet. Im nächsten Schritt kann Washington Nachverhandlungen anbieten: niedrigere Zölle, weniger Druck oder fortgesetzten Sicherheitszugang – aber nur gegen finanzielle und geopolitische Gegenleistungen. Genau an dieser Stelle wird der sogenannte Mar-a-Lago-Ansatz für Europa gefährlich.[22][27]
Der Kern dieses Ansatzes sind ultralangfristige US-Staatsanleihen, die in der politischen Debatte als Century Bills oder Jahrhundertanleihen bezeichnet werden. Ausländische Gläubiger und sicherheitspolitisch abhängige Verbündete sollen ihre Bestände an US-Schuldtiteln nicht einfach marktwirtschaftlich halten oder verkaufen, sondern politisch dazu gebracht werden, sie in extrem lang laufende, niedrig verzinste Papiere mit Laufzeiten von etwa 100 Jahren umzuwandeln.[22][27] Deutschland hielt zuletzt US-Langfrist-Treasuries in der Größenordnung von rund 100 Milliarden US-Dollar; damit ist Deutschland zwar kein größter Gläubiger wie Japan oder China, aber ein relevanter Teil des westlichen Gläubigerblocks.[71] Für die USA hätte eine solche Umwandlung zwei Vorteile: Die kurzfristige Refinanzierungslast würde sinken, und die US-Regierung könnte Staatsschulden real entwerten, ohne offen zu restrukturieren.
Die Mechanik ist perfide. Die USA nutzen zuerst den eigenen Markt, den Dollar, Sicherheitsgarantien, Rüstungslieferungen, KI-Chips, Energieexporte und digitale Infrastruktur als Druckmittel. Danach werden Verbündete zur „gerechten Lastenteilung“ aufgefordert: mehr US-Rüstung kaufen, mehr US-Energie abnehmen, mehr in den USA investieren und zusätzlich amerikanische Staatsfinanzierung über Jahrhundertanleihen absichern.[1][22][27] Öffentlich erscheint das als Beitrag zur Stabilität des Bündnisses. Materiell zahlen die Verbündeten einen wirtschaftlichen Tribut: Sie finanzieren amerikanische Staatsschulden zu ungünstigen Konditionen, tragen höhere Verteidigungslasten, werten ihre eigenen Währungen relativ zum Dollar auf und verbessern damit indirekt die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Exporte.
Für Europa wäre dies eine doppelte Belastung. Erstens würde eine erzwungene oder koordinierte Euro-Aufwertung europäische Exporte zusätzlich verteuern, während die USA über einen schwächeren Dollar Marktanteile zurückgewinnen könnten. Zweitens würden europäische Staaten und Institutionen Kapital langfristig in US-Schuldtitel binden, statt es für eigene Infrastruktur, Energieversorgung, Verteidigungsfähigkeit, KI, Rechenzentren, Industrieansiedlungen und Steuersenkungen zu nutzen. Das Mar-a-Lago-Modell wäre deshalb kein neutrales Währungsarrangement, sondern ein finanzpolitisches Lastenverschiebungsprogramm zugunsten Washingtons.
Das EU-USA-Handelsabkommen wirkt vor diesem Hintergrund wie die erste Stufe dieser Strategie. Die EU akzeptiert höhere Belastungen ihrer Exporte, öffnet ihren Markt für US-Produkte, bindet sich an US-Energie, kauft US-KI-Chips, erhöht US-Rüstungsbeschaffung und fördert zusätzliche europäische Investitionen in den USA.[1] Damit entstehen genau jene Abhängigkeiten, die in einer späteren Nachverhandlungsrunde als Hebel genutzt werden können. Washington könnte dann anbieten, Teile der Zollbelastung zu reduzieren oder regulatorischen Druck zu mildern, wenn Europa im Gegenzug Century Bills akzeptiert, US-Schulden längerfristig finanziert, mehr Verteidigungsbeiträge leistet oder eine währungspolitische Anpassung mitträgt.[22][27]
Die politische Botschaft lautet: Wer jetzt nur auf die 15-Prozent-Zölle blickt, unterschätzt die Tragweite des Deals. Die Zollfrage ist der sichtbare Teil eines größeren Machtarrangements. Dahinter stehen Dollarpolitik, Staatsfinanzierung, Sicherheitsgarantien, digitale Abhängigkeit, Energiebindung und Rüstungsbeschaffung. Die USA versuchen, die Kosten ihres Weltmachtstatus auf Verbündete zu verlagern, ohne die eigene Dominanz aufzugeben. Europa soll nicht Partner auf Augenhöhe sein, sondern Zahler, Absatzmarkt, Investitionsquelle, Energiekunde, Rüstungskäufer und Gläubiger.
Aus deutscher Sicht ist die Mar-a-Lago-Strategie deshalb hochriskant. Sie ist aus amerikanischer Sicht konsequent und interessengeleitet, aber sie ist nicht im deutschen Interesse. Deutschland darf diese Strategie nicht imitieren, indem es blind protektionistisch wird. Es muss jedoch die Konsequenz amerikanischer Interessenpolitik ernst nehmen und selbst wieder souverän handeln.[3][22] Die strategische Schlussfolgerung lautet: Wer über Industrie, Energie, Technologie, Daten, Währung und Sicherheitsarchitektur nicht selbst verfügt, verhandelt nie auf Augenhöhe. Das EU-USA-Abkommen zeigt deshalb nicht nur handelspolitische Schwäche, sondern eine umfassende Souveränitätskrise Europas.
Was die Europäische Kommission anders hätte machen können
Die Europäische Kommission hätte den Deal nicht als alternativlose Schadensbegrenzung behandeln dürfen. Sie hätte die eigene Verhandlungsmacht systematisch bündeln müssen: strategische US-Abhängigkeiten von EU-Lieferungen, Gegenmaßnahmenlisten, das Anti-Coercion Instrument, Digitalmarktzugang, Bürokratieabbau als Verhandlungsangebot, Energiepolitik und Koalitionen mit anderen betroffenen Wirtschaftsräumen.[9][29] Das Kiel Institut für Weltwirtschaft kritisierte, dass die EU stärker mit anderen betroffenen Volkswirtschaften wie Kanada, Mexiko, Brasilien oder Südkorea hätte kooperieren können, statt den Druck der USA bilateral abzufedern. Eine solche Koalition hätte die US-Strategie geschwächt, einzelne Handelspartner nacheinander unter Druck zu setzen.[9]
Bruegel argumentierte bereits vor Abschluss des Deals, dass Retorsion – also gezielte Gegenmaßnahmen – für die EU im Ernstfall die einzige realistische Option sei, wenn die USA auf einseitigen Zöllen bestehen.[29] Genannt wurden drei Optionen: keine Gegenmaßnahmen und reine Verhandlungen, gezielte Maßnahmen gegen politisch sensible US-Produkte und US-Bundesstaaten oder proportionale Gegenmaßnahmen gegen einen großen Teil der US-Importe in Verbindung mit dem Anti-Coercion Instrument.[29] Die EU hatte 2025 bereits eine große Gegenmaßnahmenliste vorbereitet, die US-Importe im Wert von rund 93 Milliarden Euro erfassen sollte, falls die Verhandlungen mit den USA scheitern.[30][31] Zu den politisch sensiblen US-Produkten, die in Gegenmaßnahmenlisten genannt wurden, gehörten unter anderem Bourbon, Flugzeuge, Autos, Soja, Boote, Motorräder, Smartphones, Rindfleisch, Wein, Cider, Oliven und bestimmte Agrarprodukte.[32]
Solche Gegenmaßnahmen sind politisch wirksam, weil sie gezielt Branchen und Bundesstaaten treffen können, die für die Trump-Regierung oder republikanische Mehrheiten innenpolitisch relevant sind. Beispiele sind Bourbon aus Kentucky, Motorräder, Agrarprodukte aus republikanisch geprägten Bundesstaaten und Boeing-Flugzeuge.[29][32] Hinzu kommt das Anti-Coercion Instrument der EU. Die Verordnung 2023/2675 erlaubt der EU, auf wirtschaftlichen Zwang durch Drittstaaten zu reagieren, um solchen Zwang abzuschrecken oder seine Beendigung zu erreichen.[33] Mögliche EU-Reaktionen reichen über Warenzölle hinaus und können auch Einschränkungen bei Dienstleistungen, Investitionen, öffentlicher Beschaffung, geistigem Eigentum und Marktzugang umfassen.[33] Dieses Instrument hätte nicht als abstrakte Option im Hintergrund bleiben dürfen, sondern glaubwürdig in eine umfassende Verhandlungsstrategie eingebunden werden müssen.
4a. Strategische US-Abhängigkeiten von EU- und Deutschlandlieferungen
Die USA sind nicht nur der stärkere Akteur. In bestimmten Warengruppen sind sie erheblich von EU- und deutschen Lieferungen abhängig. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat auf Basis der US-Warenhandelsstatistik auf detaillierter 10-Steller-Ebene ermittelt, dass die USA im Jahr 2024 in 3.120 Warengruppen mindestens 50 Prozent ihrer Importe aus der EU bezogen. Das entspricht rund 17,5 Prozent aller etwa 17.800 Warengruppen, in denen die USA weltweit importierten. Diese 3.120 Warengruppen standen für rund 290 Milliarden US-Dollar und damit für gut 46 Prozent aller US-Importe aus der EU.[34]
Noch deutlicher wird die Verwundbarkeit bei höheren Schwellenwerten. In mehr als 1.440 Warengruppen lag der EU-Anteil an den US-Importen bei mindestens 75 Prozent, in 726 Warengruppen bei mindestens 90 Prozent und in 293 Warengruppen sogar bei 100 Prozent.[34] In zahlreichen Nischen- und Spezialprodukten sind die USA kurzfristig kaum substituierbar auf EU-Lieferungen angewiesen. Über die letzten fünf Jahre erreichten mehr als 1.300 Warengruppen durchgehend einen EU-Anteil von mindestens 50 Prozent; diese Warengruppen hatten 2024 ein US-Importvolumen von rund 132 Milliarden US-Dollar.[34] Solche stabilen Abhängigkeiten sind handelspolitisch besonders wichtig, weil sie auf schwer ersetzbare Lieferketten hindeuten.
Der für die Industrie entscheidende Fokusbereich umfasst 790 Waren, bei denen die USA über Jahre hinweg mindestens 50 Prozent ihrer Importe aus der EU beziehen, die vor allem industriell genutzt werden und bei denen die USA insgesamt ein Handelsdefizit haben. Diese 790 Waren standen 2024 für rund 92,2 Milliarden US-Dollar und damit für rund 15 Prozent aller US-Importe aus der EU.[34] Die wichtigsten Kategorien sind chemische und verwandte Erzeugnisse, Maschinen, Anlagen, elektrotechnische Güter sowie in geringerem Umfang Basismetalle und daraus hergestellte Waren. Diese drei Kategorien machen fast 79 Prozent der Zahl der betroffenen Waren und rund 73 Prozent des Importwerts im industriellen Fokusbereich aus.[34]
Bei strategisch relevanten Gütern ist die Abhängigkeit ebenfalls erheblich. Das IW Köln identifiziert 179 strategisch wichtige Warengruppen, bei denen die USA dauerhaft stark von EU-Lieferungen abhängen; diese hatten 2024 ein Importvolumen von rund 38,5 Milliarden US-Dollar.[34] Deutschland ist innerhalb der EU besonders relevant. Bei 466 Warengruppen importierten die USA 2024 mindestens 50 Prozent aus Deutschland; diese standen für rund 18 Milliarden US-Dollar und rund 11 Prozent aller US-Importe aus Deutschland. Bei mehr als 190 Warengruppen lag der deutsche Anteil bei mindestens 75 Prozent, bei mehr als 100 Warengruppen bei mindestens 90 Prozent und bei 43 Warengruppen sogar bei 100 Prozent.[34]
Besonders empfindlich wären die USA bei Pharmazeutika und medizinischen Produkten. Medizinische und pharmazeutische Produkte waren 2024 die wichtigste EU-Exportkategorie in die USA.[8] Die USA importierten 2024 pharmazeutische Produkte im Wert von rund 177 Milliarden US-Dollar, unter anderem aus Irland mit 34,2 Milliarden US-Dollar und aus Deutschland mit 24,6 Milliarden US-Dollar; zugleich exportierten die USA pharmazeutische Produkte im Wert von rund 96,1 Milliarden US-Dollar.[35] Neben Pharma wären Maschinen, elektrotechnische Güter, Spezialchemikalien, Präzisionsinstrumente, Medizintechnik, industrielle Vorprodukte, hochwertige Fahrzeugteile und bestimmte Basismetallprodukte besonders relevante Hebel.[34]
Lieferstopps wären ein sehr scharfes Instrument und müssten als letztes Mittel betrachtet werden. Aber schon die glaubwürdige Androhung gezielter Exportbeschränkungen für kritische EU-Waren könnte den Verhandlungsdruck erhöhen, weil die USA Gefahr liefen, sich selbst von schwer ersetzbaren Industrie-, Chemie-, Pharma- und Technologielieferungen abzuschneiden. Das IW Köln weist ausdrücklich darauf hin, dass Exportbeschränkungen im Eskalationsfall als Ultima Ratio für Produkte mit kritischen US-Abhängigkeiten in Betracht gezogen werden könnten.[36]
4b. Bürokratieabbau als Verhandlungschip gegen echte Zollreziprozität
Der stärkste konstruktive Verhandlungschip Europas liegt nicht in immer neuen Gegenzöllen, sondern im Abbau eigener nichttarifärer Handelshemmnisse. Die USA kritisieren seit Jahren, dass europäische Regeln faktisch wie Marktzugangshürden wirken.[1][7] Die EU hat im Joint Statement selbst zugesagt, US-Bedenken bei Regulierungen wie Entwaldungsverordnung, CBAM, CSDDD und CSRD aufzugreifen.[1][7] Damit sind diese Regelwerke faktisch bereits Teil der transatlantischen Verhandlungsmasse geworden.
Aus rechts-konservativer Sicht wäre es richtig, diese Verhandlungsmasse nicht nur als Zugeständnis an die USA zu begreifen, sondern als industriepolitische Befreiung Europas. Viele dieser Regelwerke belasten europäische Unternehmen selbst stärker als amerikanische Anbieter und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Standorts.[19] Die EU-Entwaldungsverordnung ist ein naheliegender Verhandlungschip, weil sie umfangreiche Nachweis-, Rückverfolgungs- und Sorgfaltspflichten für Rohstoffe und Produkte wie Soja, Rindfleisch, Holz, Kaffee, Kakao, Kautschuk und Palmöl vorsieht.[37] Der CO₂-Grenzausgleichsmechanismus CBAM ist ein weiterer zentraler Konfliktpunkt, weil er Importen in CO₂-intensiven Sektoren zusätzliche Berichtspflichten und perspektivisch CO₂-Kosten auferlegt.[38] Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive, also das EU-Lieferkettengesetz, ist ebenfalls verhandlungsrelevant, weil sie Unternehmen zu menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten entlang globaler Lieferketten verpflichtet und dadurch extraterritoriale Wirkungen gegenüber Drittstaaten entfalten kann.[38][39] Die Corporate Sustainability Reporting Directive, also die EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung, belastet Unternehmen mit zusätzlichen Berichtspflichten und wirkt über Lieferketten und Konzernstrukturen auch auf Drittstaatenunternehmen.[38][7]
Die EU-Methanverordnung ist insbesondere für den LNG-Handel relevant, weil sie Emissions-, Mess-, Berichts- und Nachweispflichten auf Energieimporte und Lieferketten ausweiten kann.[40] Weitere mögliche Verhandlungschips sind der Digital Services Act, der Digital Markets Act, die Taxonomie-Verordnung, ESG-Offenlegungspflichten, die Batterieverordnung, die Ökodesign-Verordnung, die Zwangsarbeitsverordnung, die Verpackungsverordnung, die Chemikalienregulierung REACH, Berichtspflichten im Rahmen der Sustainable-Finance-Regulierung sowie produktbezogene CO₂- und Lieferkettendokumentationen.[19][38][39]
Die richtige Verhandlungslogik wäre daher nicht einseitige Unterwerfung unter Washington, sondern ein Tausch gegen echte Reziprozität: Rückkehr zu normalen MFN-Zöllen, Aufhebung der 15-Prozent-Zölle, Aufhebung der 50-Prozent-Stahl- und Aluminiumzölle und rechtlich belastbare Nichtdiskriminierung europäischer Exporte.[1][9] Die Linie müsste lauten: Gleiche Zölle für gleiche Marktzugänge; wer nichttarifäre Belastungen abbaut, muss im Gegenzug echte Zollentlastungen erhalten. Dieser Ansatz hätte einen doppelten Vorteil. Er würde den USA ein gesichtswahrendes Entgegenkommen bei nichttarifären Handelsbarrieren bieten und gleichzeitig Europas eigene Unternehmen von ideologischen Bürokratielasten befreien.
4c. Digitale Infrastruktur: Abhängigkeit, Erpressbarkeit und Marktgegenmacht
Der Zollkonflikt zwischen den USA und der EU betrifft längst nicht mehr nur Autos, Stahl, Aluminium, Maschinen oder Agrarprodukte. Die eigentliche strategische Verwundbarkeit Europas liegt inzwischen in der digitalen Infrastruktur. Cloud, KI-Modelle, Betriebssysteme, Suchmaschinen, soziale Netzwerke, App-Ökosysteme, Cybersicherheitslösungen, Bürosoftware, Plattformdienste und Rechenzentrumsarchitekturen werden in Deutschland und Europa in weiten Teilen von US-Konzernen kontrolliert.
Der Fall Anthropic zeigt diese neue Machtlage exemplarisch. Am 12. Juni 2026 teilte Anthropic mit, dass die US-Regierung unter Berufung auf nationale Sicherheitsbefugnisse eine Exportkontrollanordnung erlassen habe, wonach ausländische Staatsangehörige keinen Zugang mehr zu den Modellen Fable 5 und Mythos 5 erhalten dürfen – unabhängig davon, ob sie sich innerhalb oder außerhalb der USA befinden; sogar ausländische Anthropic-Mitarbeiter in den USA waren erfasst. Anthropic deaktivierte daraufhin Fable 5 und Mythos 5 für alle Kunden, um die Vorgabe einhalten zu können.[28] Die Begründung der US-Regierung bezog sich nach Anthropic auf nationale Sicherheitsbedenken und angebliche Möglichkeiten, Schutzmechanismen von Fable 5 zu umgehen. Anthropic widersprach der Bewertung und erklärte, es handele sich um eine enge, nicht universelle Jailbreak-Frage, die auch bei anderen öffentlich verfügbaren Modellen auftrete.[28] Die Europäische Kommission warnte daraufhin, solche Exportkontrollen dürften nicht diskriminierend gegen Partner wirken.[41]
Der Vorgang ist politisch brisant, weil hier nicht nur physische Güter wie Chips oder Maschinen kontrolliert werden, sondern der Zugang zu cloudbasierten KI-Dienstleistungen selbst. Damit wird KI-Zugang zu einem geopolitischen Schalter. Wer von US-KI-Infrastruktur abhängig ist, kann im Konfliktfall von Washington oder US-Anbietern abgeschnitten werden. Technologische Kontrolle ersetzt klassische Sanktionen zunehmend als Machtinstrument. Nicht nur Bankkonten, Zahlungsdienstleister oder Exportlizenzen können politisch gesteuert werden, sondern auch KI-Zugänge, Cloud-Dienste, E-Mail-Konten, Sicherheitssoftware und digitale Arbeitsumgebungen.
Diese Abhängigkeit ist für Deutschland real. Bitkom stellte 2025 fest, dass deutsche Unternehmen eine hohe Abhängigkeit von Importen digitaler Schlüsseltechnologien aufweisen und eine Stärkung der digitalen Souveränität fordern.[42] 93 Prozent der deutschen Unternehmen sehen Deutschland als stark oder eher stark abhängig von digitalen Technologien und Leistungen aus dem Ausland.[43] 51 Prozent der Unternehmen sehen sich stark abhängig von den USA; Anfang 2025 waren es noch 41 Prozent.[44] Unter den Unternehmen, die digitale Technologien oder Leistungen aus dem Ausland importieren, wären 17 Prozent bei einem Importstopp nur bis zu sechs Monate überlebensfähig, 36 Prozent sieben bis zwölf Monate und nur 3 bis 4 Prozent dauerhaft überlebensfähig.[45]
Zugleich ist der europäische Markt für US-Digitalkonzerne ein zentraler Absatzraum. Nach Angaben des U.S. Trade Representative belief sich der gesamte Dienstleistungshandel der USA mit der EU 2024 auf 500,9 Milliarden US-Dollar. Die USA exportierten Dienstleistungen im Wert von 294,7 Milliarden US-Dollar in die EU und importierten Dienstleistungen im Wert von 206,1 Milliarden US-Dollar aus der EU; daraus ergab sich ein US-Dienstleistungsüberschuss gegenüber der EU von 88,6 Milliarden US-Dollar.[46] Deutschland ist für die globale Digitalwirtschaft einer der wichtigsten europäischen Absatzmärkte. Der Handelsverband Deutschland erwartete für 2025 einen E-Commerce-Umsatz von 92,4 Milliarden Euro und für 2026 einen Anstieg auf 96,3 Milliarden Euro.[47] Der HDE-Online-Monitor 2026 beziffert den Onlinehandel im vergangenen Jahr auf 92,3 Milliarden Euro netto.[48] Auch digitale Werbung zeigt die ökonomische Bedeutung des deutschen Marktes: Bitkom bezifferte die Werbeausgaben im digitalen Marketing in Deutschland für 2024 auf 30,9 Milliarden Euro.[49]
Daraus folgt ein doppelter Befund. Europa ist kurzfristig stark abhängig von US-Digitalinfrastruktur, aber die USA sind zugleich stark am europäischen Digitalmarkt interessiert. Das eröffnet Verhandlungsmacht – aber nur, wenn Europa sie strategisch und vorsichtig nutzt. Deutschland und die EU könnten in Handelsverhandlungen nicht nur mit klassischen Warenzöllen arbeiten, sondern auch mit Marktzugang, öffentlicher Beschaffung, Digitalsteuer, Plattformregulierung, Datenzugang, Interoperabilitätspflichten und Einschränkungen für besonders sensible staatliche IT-Vergaben drohen. Diese Instrumente würden die USA stärker treffen als viele klassische Zollmaßnahmen, weil der US-Dienstleistungsüberschuss gegenüber der EU erheblich ist.[33][46] Gleichzeitig ist hier besondere Vorsicht geboten: Ein überhasteter digitaler Konfrontationskurs könnte Deutschland kurzfristig stärker schaden als den USA, weil Verwaltung, Wirtschaft, Hochschulen, Mittelstand und kritische Infrastrukturen noch tief in US-Clouds, US-Software, US-KI-Systeme und US-Plattformen eingebunden sind.
Die Risiken für Bayern sind real. US-Gesetze wie der CLOUD Act, der USA PATRIOT Act, Section 702 FISA oder der Stored Communications Act erlauben beziehungsweise erleichtern US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen den Zugriff auf Daten, selbst wenn sie in europäischen Rechenzentren liegen. Ein Gutachten der Universität zu Köln kam 2025 zu dem Ergebnis, dass US-Behörden weitreichende Zugriffsbefugnisse auf europäische Cloud-Daten haben; entscheidend ist dabei nicht allein der Serverstandort, sondern die rechtliche Kontrolle durch US-Anbieter.[50][51] Das Beispiel des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag zeigt die politische Sprengkraft. Nach US-Sanktionen gegen ICC-Vertreter verlor Chefankläger Karim Khan Berichten zufolge zeitweise den Zugriff auf sein Microsoft-E-Mail-Konto; Microsoft bestritt zwar, Dienste für den ICC eingestellt zu haben, dennoch entschied sich der ICC später, Microsoft Office durch die europäische Open-Source-Lösung openDesk zu ersetzen.[52][53]
Bayern darf nicht in die gleiche Falle tappen. Wenn Justiz, Polizei, Ministerien, Kommunen, Schulen, Hochschulen oder kritische Infrastrukturen auf US-Clouds und proprietäre US-Software angewiesen sind, entsteht ein politisches Erpressungspotenzial. Es reicht nicht, Daten formal in europäischen Rechenzentren zu speichern, wenn der Anbieter selbst US-Recht unterliegt. Erforderlich sind eigene IT-Infrastrukturen, Open-Source-Standards wie openDesk, unabhängige Cloud-Lösungen in Europa, europäische KI-Modelle, souveräne Verwaltungs-IT und Notbetriebe für den Krisenfall. Nur so kann die Verwaltung ihre Datenhoheit und politische Unabhängigkeit sichern.
Zur digitalen Souveränität gehört auch eine steuerpolitische Antwort. Digitale Plattformen erzielen erhebliche Umsätze in Deutschland und Europa, ohne hier immer entsprechend ihrer Marktmacht besteuert zu werden. Das Geschäftsmodell basiert auf Daten, Algorithmen, Netzwerkeffekten, Lock-in-Effekten und immateriellen Gütern; physische Betriebsstätten verlieren an Bedeutung. Die OECD-Säule I zielt auf dieses Problem: Große multinationale Konzerne sollen teilweise dort besteuert werden, wo ihre Märkte und Nutzer sitzen, nicht nur dort, wo sie formal ihren Sitz oder ihre Betriebsstätte haben.[54] Eine Marktlandbesteuerung oder Digitalsteuer wäre deshalb ein möglicher Verhandlungshebel gegenüber den USA. Deutschland und die EU könnten signalisieren: Wenn Washington asymmetrische Zölle erhebt und zugleich Europas Digitalmarkt für US-Konzerne offenbleiben soll, dann muss entweder echte Zollreziprozität hergestellt werden oder Europa schöpft einen Teil der digitalen Monopolrenten über eine Marktlandbesteuerung ab.
Die steuerpolitische Logik ist ordoliberal. Wer in Deutschland hohe digitale Monopolrenten erzielt, soll auch in Deutschland angemessen zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen. Digitale Plattformen sind inzwischen kritische Infrastruktur. Wer Suchmaschinen, Cloud, KI, App-Stores, Betriebssysteme, soziale Netzwerke, Zahlungsdienste und Werbemärkte kontrolliert, kontrolliert nicht nur Märkte, sondern auch Informationsflüsse, Verwaltungsfähigkeit und politische Handlungsspielräume.
4d. Energie-Souveränität als Voraussetzung digitaler und industrieller Souveränität
Digitale Souveränität ist ohne Energie-Souveränität nicht erreichbar. KI, Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur, Chipfertigung, Industrieautomation und militärisch relevante Hochtechnologie brauchen große Mengen grundlastfähigen, bezahlbaren und planbaren Strom.[55] Das Bundeswirtschaftsministerium verweist auf eine IT-Anschlussleistung deutscher Rechenzentren von über 2.700 MW im Jahr 2024 und erwartet bis 2030 einen Anstieg auf über 4.800 MW.[55] Nach dem Gutachten „Stand und Entwicklung des Rechenzentrumsstandorts Deutschland“ könnte der Stromverbrauch deutscher Rechenzentren von derzeit etwa 20 TWh auf bis zu 80 TWh jährlich bis 2045 steigen.[56] Digitalisierung und KI sind damit energiepolitisch nicht nebenbei zu behandeln, sondern setzen eine belastbare Energieinfrastruktur voraus.
Entgegen dem politischen Narrativ hat die Energiewende Deutschlands Importabhängigkeit nicht beseitigt, sondern in zentralen Bereichen verfestigt. Laut Eurostat beziehungsweise Destatis lag die deutsche Energieimportabhängigkeit 2024 bei 67 Prozent; der Anteil der Nettoimporte am Energieverbrauch deckte damit mehr als zwei Drittel des deutschen Energiebedarfs.[59] Für die EU insgesamt lag die Energieimportabhängigkeit 2024 bei 57 Prozent.[59] Die Energiewende hat Deutschland also nicht aus der Abhängigkeit von ausländischen Energieträgern herausgeführt, sondern die Abhängigkeit nur in neue Lieferketten, neue Importquellen und neue Infrastrukturen verschoben.
Diese Verschiebung zeigt sich auch im Stromsystem. Die Bundesnetzagentur stellte im Versorgungssicherheitsmonitoring 2025 fest, dass die Stromversorgung bis 2035 nur gewährleistet bleibt, wenn zusätzliche steuerbare Kapazitäten errichtet werden. Im Zielszenario beträgt der erforderliche Bruttozubau bis zu 22,4 GW, im Szenario „Verzögerte Energiewende“ sogar bis zu 35,5 GW.[60] Die Bundesnetzagentur verweist ausdrücklich darauf, dass Verzögerungen beim Ausbau erneuerbarer Erzeugung, eine ausbleibende Flexibilisierung des Stromverbrauchs und unzureichende steuerbare Kapazitäten den Bedarf an zusätzlichen Kraftwerken weiter erhöhen können.[60] Die politische Konsequenz ist eindeutig: Ein Stromsystem, das immer größere Mengen wetterabhängiger Erzeugung integriert, benötigt zugleich mehr gesicherte Leistung. Ohne grundlastfähige und steuerbare Kapazitäten bleibt Digitalisierung energiepolitisch verwundbar.
Auch der Stromaußenhandel zeigt den Strukturbruch. Deutschland war viele Jahre Nettoexporteur von Strom; seit 2023 ist Deutschland nach BDEW-Angaben Nettoimporteur von Strom.[61] Statista beziffert den deutschen Stromaustauschsaldo im Jahr 2025 auf rund 18,3 TWh Nettoimport.[62] Damit hat sich die Lage gegenüber den Jahren vor dem Atomausstieg und vor der massiven Zuspitzung der Energiekrise deutlich verschoben: Deutschland ist nicht mehr strukturell Stromexporteur, sondern zunehmend auf Stromimporte aus den Nachbarländern angewiesen. Für eine Industrie- und KI-Nation ist diese Entwicklung problematisch, weil Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur, Industrieprozesse und kritische Verwaltungssysteme nicht auf wetterabhängige oder importabhängige Restdeckung angewiesen sein dürfen.
Die Gasversorgung zeigt eine ähnliche Verschiebung. Die Bundesnetzagentur weist für 2022 aus, dass Deutschland 2021 insgesamt 1.652 TWh Erdgas importierte und Russland damals mit 52 Prozent der größte Lieferant war.[63] 2025 importierte Deutschland nach vorläufigen Zahlen 1.031 TWh Erdgas; zugleich stammten nach Angaben des BDEW rund 96 Prozent der deutschen LNG-Importe aus den USA.[64] LNG machte 2025 allerdings nur 106 TWh beziehungsweise 10,3 Prozent der gesamten deutschen Gasimporte aus.[64] Die Abhängigkeit von Russland wurde damit nicht durch echte Energieautarkie ersetzt, sondern durch neue Importabhängigkeiten, neue LNG-Infrastruktur, höhere Systemkosten und stärkere Bindungen an den transatlantischen Energiemarkt.
Die Energiesanktionen gegen Russland haben Deutschland von einer über Jahrzehnte gewachsenen, preisgünstigen Pipelineversorgung abgeschnitten und die Energieversorgung strukturell verteuert. Die Bundesnetzagentur bezifferte die deutschen Gasimporte 2021 auf 1.652 TWh; der Anteil Russlands lag damals bei 52 Prozent.[63] Im Jahr 2022 gingen russische Lieferungen drastisch zurück; Nord-Stream-1-Lieferungen sanken zunächst um 60 Prozent, dann um 80 Prozent und fielen Anfang September 2022 auf 0 TWh.[63] Die fehlenden russischen Lieferungen wurden durch zusätzliche Importe aus Norwegen, den Niederlanden, Belgien und anderen Ländern sowie später durch LNG ersetzt.[63] Diese Umstellung erhöhte die strukturellen Kosten und verringerte nicht die Abhängigkeit, sondern verlagerte sie.
Die Preisdaten bestätigen die Belastung. Die Bundesnetzagentur berichtet, dass der Großhandelspreis für Gas im Jahr 2022 seit März auf ein temporäres Rekordhoch von 315,9 Euro/MWh Ende August stieg und damit etwa viermal so hoch lag wie vor Ausbruch des russischen Krieges gegen die Ukraine.[63] Destatis weist ebenfalls deutlich erhöhte Erdgas- und Stromdurchschnittspreise aus.[65] Für Industrie, Mittelstand und Haushalte bedeutet dies eine doppelte Belastung: höhere Produktionskosten auf der einen Seite und sinkende Kaufkraft auf der anderen. Die energiepolitische Lage wird damit zu einem Standortproblem, das direkt auf Industrieproduktion, Rechenzentren, KI-Infrastruktur, Chemie, Metallverarbeitung, Automobilwirtschaft und private Haushalte durchschlägt.
Deutschland verfügt zugleich über erhebliche heimische Energieressourcen, die politisch kaum genutzt werden. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzte technisch förderbare Schiefergasressourcen in Deutschland auf 320 bis 2.030 Milliarden Kubikmeter.[57] Deutschlandfunk nennt auf Grundlage von BGR-Angaben für Schiefergasvorkommen eine Spanne von 380 bis 2.340 Milliarden Kubikmetern und einen Mittelwert von 700 Milliarden Kubikmetern; bei einem deutschen Jahresverbrauch von rund 90 Milliarden Kubikmetern könnten diese Ressourcen rechnerisch über viele Jahre zur Versorgung beitragen.[66] Die Gewinnung von heimischem Schiefergas ist in Deutschland politisch und rechtlich stark eingeschränkt; dadurch wird ein potenzieller Beitrag zur Reduzierung der Importabhängigkeit nicht genutzt.[58]
Auch die Kohleressourcen zeigen, dass Deutschland nicht rohstoffleer ist. Deutschlandfunk verweist auf BGR-Schätzungen von über 35.000 Millionen Tonnen Braunkohle im Boden; die darin enthaltene Energie würde rechnerisch ausreichen, den aktuellen deutschen Stromverbrauch etwa 150 Jahre lang abzudecken.[66] Für Steinkohle nennt Deutschlandfunk auf Grundlage der BGR-Schätzung 83.000 Millionen Tonnen im Boden und ein theoretisches Stromerzeugungspotenzial von 680.000 TWh, was den aktuellen Strombedarf für über 1.000 Jahre abdecken würde.[66] Diese Größenordnungen bedeuten nicht, dass Kohle dauerhaft unbeschränkt genutzt werden sollte; sie zeigen aber, dass Deutschland energiepolitisch nicht aus geologischer Not, sondern aus politischen Entscheidungen heraus auf Importabhängigkeit, volatile Stromerzeugung und teure Ersatzstrukturen gesetzt hat.
Hinzu kommen neue technologische Perspektiven. Die FAU Erlangen-Nürnberg berichtet über Forschung zu natürlichem Wasserstoff in Nordbayern. Das GeoZentrum Nordbayern und das Fraunhofer IEG untersuchen dort Bodenluftmessungen; im August 2024 wurde ein Messwert von über 1.000 ppm Wasserstoff registriert. Projektleiter Jürgen Grötsch wertete hohe H₂-Werte als Hinweis auf möglicherweise kommerziell nutzbare Vorkommen von natürlichem Wasserstoff in Nordbayern.[67] Zugleich betont die FAU, dass der Wissensstand noch lückenhaft ist, dass rechtliche Rahmenbedingungen für Wasserstoffkonzessionen fehlen und dass technische Expertise sowie Förderung notwendig sind.[67] Natürlicher Wasserstoff ist daher kein kurzfristiger Ersatz für eine sichere Energiepolitik, aber ein Beispiel dafür, dass heimische Ressourcen und geologische Potenziale in Deutschland systematisch erforscht werden müssen.
Eine zentrale Option bleibt die Kernenergie. Die Radiant Energy Group kommt in ihrer Analyse „Restarting Germany’s Reactors: Feasibility and Schedule“ zu dem Ergebnis, dass die Wiederinbetriebnahme kürzlich stillgelegter deutscher Kernkraftwerke technisch und praktisch möglich sei, wenn Rückbauarbeiten gestoppt und das Atomgesetz geändert würden.[68] Radiant Energy unterscheidet verschiedene Restart-Klassen und stellt fest, dass Brokdorf potenziell besonders schnell wieder ans Netz gebracht werden könnte; Emsland und Grohnde könnten wegen begrenzter Rückbaufortschritte bereits 2028 wieder in Betrieb gehen.[68] Reaktoren der Restart Class 2 werden mit Investitionen von bis zu 3 Milliarden Euro je Anlage und einem möglichen Neustart bis 2032 veranschlagt.[68]
Die wirtschaftliche Logik spricht nach Radiant Energy ebenfalls gegen einen vorschnellen Ausschluss dieser Option. Für deutsche Reaktoren werden laufende Betriebskosten nach einmaligen Restart-Investitionen auf 22 bis 30 Euro/MWh geschätzt.[68] Bei einem Stromabnahmevertrag von 100 Euro/MWh könnten die neun Reaktoren der Restart Classes 1 und 2 gemeinsam rund 10 Milliarden Euro Jahresumsatz erzielen; über 20 Jahre ergäbe sich bei 20 Milliarden Euro Restart-Investitionen und konservativ angesetzten Betriebskosten von 30 Euro/MWh ein Gewinnpotenzial von über 100 Milliarden Euro.[68] Radiant Energy verweist außerdem darauf, dass alle deutschen Reaktoren in der Stilllegung weiterhin ihre ursprünglichen Betriebsgenehmigungen besitzen, auch wenn die kommerzielle Stromproduktion derzeit bundesrechtlich verboten ist.[68] Die wichtigsten Schritte wären ein sofortiges Rückbaumoratorium, eine Änderung des Atomgesetzes, technische Einzelprüfungen und die Requalifizierung beziehungsweise Wiedereinstellung von Personal.
Die nukleare Lieferkettenfrage erscheint nach Radiant Energy lösbar. Brennelemente könnten typischerweise innerhalb von bis zu 18 Monaten geliefert werden; für Brokdorf gebe es noch Brennstoff für etwa ein Jahr Volllastbetrieb.[68] Deutschland verfüge zudem mit Urenco in Gronau über eigene Urananreicherungskapazitäten, die einen erheblichen Anteil westlicher Anreicherungskapazität darstellen.[68] Auch der Personalbedarf erscheint nicht unüberwindbar: Deutsche Reaktoren arbeiteten in ihren letzten Betriebsjahren mit mehr als 90 Prozent Verfügbarkeit und einer Belegschaft von 300 bis 400 Mitarbeitern pro Reaktor; die Ausbildung neuer Ingenieure und Techniker für Schlüsselrollen wird auf etwa drei Jahre geschätzt.[68] Die Kernfrage ist damit weniger technisch als politisch.
Auch die öffentliche Meinung ist nicht mehr eindeutig atomkritisch. Radiant Energy verweist auf eine PACE-Umfrage aus dem Jahr 2023, nach der 67 Prozent der Befragten die weitere Nutzung der Kernenergie in Deutschland unterstützten und 42 Prozent den Bau neuer Kernkraftwerke befürworteten.[68] Diese Zahlen zeigen, dass eine ideologiefreie Neubewertung der Kernenergie politisch möglich wäre. Langfristig setzt eine souveränitätsorientierte Energiepolitik nicht nur auf Reaktivierung bestehender Anlagen, sondern auch auf neue Reaktorkonzepte wie Dual-Fluid-Reaktoren, moderne modulare Reaktoren und fortgeschrittene Kerntechnik. Entscheidend ist nicht Nostalgie, sondern die Fähigkeit, grundlastfähigen, bezahlbaren und souverän kontrollierbaren Strom für Industrie, Verwaltung, Rechenzentren und KI-Infrastruktur bereitzustellen.
Die energiepolitische Schlussfolgerung lautet: Wenn Deutschland KI-Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur, industrielle Automatisierung, Halbleiterproduktion und energieintensive Industrie erhalten oder zurückholen will, braucht es eine ideologiefreie Neubewertung aller heimischen Energiequellen einschließlich Kernenergie, Gas, Kohle als strategischer Reserve, Geothermie, natürlichem Wasserstoff und grundlastfähiger Kapazitäten. Einheimisches Erdgas, Kernenergie, Kohle als strategische Reserve, Rechenzentren, KI-Forschung, europäische Chips, Open-Source-Verwaltungssoftware und souveräne Cloud-Infrastruktur gehören zusammen. Ohne bezahlbaren Strom wird es keine souveräne KI geben.
Technologische Kontrolle ersetzt Sanktionen als neues Machtinstrument. Bei 5G, Cloud und KI ist die Zahl global relevanter Anbieter begrenzt. Wer seine Verwaltung, Wirtschaft und kritischen Infrastrukturen auf wenige außereuropäische Anbieter stützt, kann im Konfliktfall nicht frei handeln. Europa und Deutschland müssen daher eigene Technologien entwickeln, Open-Source-Ansätze priorisieren, Notbetriebe und computerunabhängige Reservelösungen für kritische Funktionen schaffen, europäische Cloud- und KI-Anbieter skalieren, energiepolitische Grundlagen sichern und öffentliche Beschaffung als Hebel für digitale Souveränität nutzen.
Gleichzeitig darf die EU ihre digitale Marktmacht nicht verschenken. Der europäische Markt ist für US-Digitalkonzerne zu wichtig, um ihn ohne Gegenleistung offenzuhalten. Marktzugang, Digitalsteuer, öffentliche Beschaffung und Datenregeln müssen als Verhandlungsmasse eingesetzt werden – aber erst flankiert durch den schnellen Aufbau eigener Alternativen, damit Deutschland und Europa nicht in eine digitale Selbstblockade geraten.
Schlussfolgerung
Das USA-EU-Handelsabkommen ist kurzfristig ein Deeskalationsinstrument, aber strategisch ein schlechter und unausgewogener Deal zulasten Europas. Der Preis für kurzfristige Planbarkeit ist hoch: Die EU öffnet ihren Markt weitgehend für US-Industriegüter, Agrarprodukte und Seafood, während europäische Exporte in die USA weiterhin mit bis zu 15 Prozent Zoll belastet werden und Stahl sowie Aluminium unter einem Sonderregime bleiben. Die Zusatzlasten – 750 Milliarden US-Dollar Energieabnahmen, 600 Milliarden US-Dollar Investitionszusagen, mindestens 40 Milliarden US-Dollar KI-Chips und zusätzliche US-Rüstungsbeschaffung – machen aus dem Zollkompromiss ein umfassendes Abhängigkeitsarrangement.[1]
Besonders gefährlich wird dieser Deal, wenn er als Vorstufe eines Mar-a-Lago-Arrangements verstanden wird. Dann endet die Eskalation nicht bei 15-Prozent-Zöllen, US-Energieabnahmen, KI-Chipkäufen und Rüstungsbeschaffung. Dann folgt der nächste Schritt: die finanzpolitische Einbindung Europas in die amerikanische Staatsfinanzierung über ultralangfristige Century Bills. Europa würde nicht nur seine Exportindustrie belasten lassen, sondern auch dazu beitragen, die amerikanischen Staatsschulden zu verbilligen und den Dollar im Interesse der US-Reindustrialisierung zu schwächen. Ein solches Modell wäre keine faire Lastenteilung, sondern die institutionalisierte Finanzierung amerikanischer Dominanz durch abhängige Verbündete.[22][27][71] Die USA verfolgen mit der Trump-Miran-Mar-a-Lago-Logik eine klare Strategie: Reindustrialisierung, Zolleinnahmen, Druck auf Verbündete, Nutzung des Dollar- und Sicherheitshebels, digitale Kontrolle, Lastenverschiebung und perspektivisch eine Umwandlung ausländischer Gläubigerpositionen in ultralangfristige Century Bills.[22][27][71] Die EU hat darauf nicht mit gleicher strategischer Härte reagiert. Sie hätte eigene Hebel nutzen müssen: US-Abhängigkeiten von europäischen Nischenprodukten, Retorsionslisten, Anti-Coercion Instrument, Abbau von EU-Bürokratiemonstern gegen echte Zollreziprozität, Digitalsteuer, Marktzugang, öffentliche Beschaffung, souveräne Cloud- und KI-Infrastruktur sowie energiepolitische Eigenständigkeit.
Aus rechts-konservativer Sicht lautet die Lehre: Kein blinder Zollkrieg, aber auch keine Unterwerfung unter ein asymmetrisches Abkommen. Deutschland braucht Reziprozität im Handel, Schutz der eigenen Industrie, Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen, digitale Souveränität, Bürokratieabbau und eine Politik, die nicht Brüsseler Prestige, sondern deutsche Arbeitsplätze, deutsche Wertschöpfung und nationale Handlungsfähigkeit schützt. Dieses Abkommen ist deshalb kein Stabilitätsgewinn aus Stärke, sondern ein Stabilitätskauf aus Schwäche.
Quellen & Literatur
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[28] Anthropic (2026). Statement on the US government directive to suspend access to Fable 5 and Mythos 5. URL: https://www.anthropic.com/news/fable-mythos-access
[29] Bruegel (2025). Retaliation against US tariffs is the EU’s only real option. URL: https://www.bruegel.org/first-glance/retaliation-against-us-tariffs-eus-only-real-option
[30] Euronews (2025). EU adopts retaliatory hit list in response to US tariffs. URL: https://www.euronews.com/business/2025/07/24/eu-adopts-retaliatory-hit-list-in-response-to-us-tariffs
[31] The Brussels Times (2025). EU prepares €93 billion retaliation plan for USA. URL: https://www.brusselstimes.com/economics/1676496/eu-prepares-e93-billion-retaliation-plan-for-usa
[32] RTÉ (2025). EU-US trade dispute and retaliatory product lists. URL: https://www.rte.ie/news/world/2025/0715/1523598-eu-us-trade/
[33] Europäische Union (2023). Regulation (EU) 2023/2675 on the protection of the Union and its Member States from economic coercion by third countries. URL: https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/2675/oj/eng
[34] Sultan S. / Matthes J. / Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) (2025). U.S. dependence on imports from the EU. URL: https://www.iwkoeln.de/en/studies/samina-sultan-juergen-matthes-us-dependence-on-imports-from-the-eu.html
[35] Observatory of Economic Complexity (OEC) (2024). Pharmaceutical products – United States bilateral trade profile. URL: https://oec.world/en/profile/bilateral-product/pharmaceutical-products/reporter/usa
[36] Sultan S. / Matthes J. / Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) (2026). Wie abhängig sind die USA von Importen aus der EU? URL: https://www.iwkoeln.de/studien/samina-sultan-juergen-matthes-wie-abhaengig-sind-die-usa-von-importen-aus-der-eu.html
[37] Europäische Kommission (o. J.). Regulation on Deforestation-free products. URL: https://environment.ec.europa.eu/topics/forests/deforestation/regulation-deforestation-free-products_en
[38] Europäische Kommission (2025). Questions and answers on simplification and sustainability reporting. URL: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/api/files/document/print/en/qanda_25_615/QANDA_25_615_EN.pdf
[39] Harvard Law School Forum on Corporate Governance (2025). US and EU agree on trade framework agreement: implications for ESG/CSR compliance. URL: https://corpgov.law.harvard.edu/2025/09/07/us-and-eu-agree-on-trade-framework-agreement-implications-for-esg-csr-compliance/
[40] S&P Global (2025). EU methane law, US emissions stance challenge LNG sector. URL: https://www.spglobal.com/energy/en/news-research/latest-news/lng/093025-path-to-net-zeroeu-methane-law-us-emissions-stance-challenge-lng-sector
[41] Euronews (2026). US export controls on Anthropic should not be discriminatory, EU Commission warns. URL: https://www.euronews.com/my-europe/2026/06/14/us-export-controls-on-anthropic-should-not-be-discriminatory-eu-commission-warns
[42] Bitkom (2025). Digitale Souveränität 2025. URL: https://www.bitkom.org/Studienberichte/2025/Digitale-Souveraenitaet
[43] Welt / Bitkom (2025). Angaben zur digitalen Abhängigkeit deutscher Unternehmen. URL: https://www.welt.de/article69160776c1c11b27ab81f8d4
[44] Bitkom (2025). Europas Weg in die digitale Souveränität. URL: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Europas-Weg-digitale-Souveraenitaet
[45] Bitkom Research (2025). Digitale Souveränität – Abhängigkeit und Überlebensfähigkeit bei Importstopp. URL: https://bitkom-research.de/node/1110
[46] United States Trade Representative (USTR) (2026). European Union. URL: https://ustr.gov/countries-regions/europe-middle-east/europe/european-union
[47] Handelsverband Deutschland (HDE) (2025/2026). E-Commerce-Umsätze. URL: https://einzelhandel.de/presse/zahlenfaktengrafiken/861-online-handel/1889-e-commerce-umsaetze
[48] Handelsverband Deutschland (HDE) (2026). Online-Monitor 2026. URL: https://einzelhandel.de/publikationen-hde/13331-online-monitor2025
[49] Bitkom (2025). Digitales Marketing in Deutschland 2025. URL: https://www.bitkom.org/Themen/Maerkte-Technologien/Digital-Marketing/Digitales-Marketing-in-Deutschland-2025
[50] Heise (2025). Gutachten: US-Behörden haben weitreichenden Zugriff auf europäische Cloud-Daten. URL: https://www.heise.de/news/Gutachten-US-Behoerden-haben-weitreichenden-Zugriff-auf-europaeische-Cloud-Daten-11111043.html
[51] Datenrecht.ch (2026). US-Zugriffsbefugnisse auf Daten in der Cloud – Gutachten Universität Köln. URL: https://datenrecht.ch/us-zugriffsbefugnisse-auf-daten-in-der-cloud-gutachten-uni-koeln-vom-maerz-2025/
[52] The Register (2025). International Criminal Court dumps Microsoft Office. URL: https://www.theregister.com/software/2025/10/31/international_criminal_court_dumps_microsoft_office/680564
[53] Euractiv (2025). International Criminal Court to ditch Microsoft Office for European open-source alternative. URL: https://www.euractiv.com/news/international-criminal-court-to-ditch-microsoft-office-for-european-open-source-alternative/
[54] OECD (2023). Multilateral Convention to implement Amount A of Pillar One. URL: https://www.oecd.org/tax/beps/multilateral-convention-to-implement-amount-a-of-pillar-one.htm
[55] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) (2025). Wie Rechenzentren unseren Energiebedarf verändern. URL: https://energiewende.bundeswirtschaftsministerium.de/EWD/Redaktion/Newsletter/2025/07/Meldung/direkt-erfasst.html
[56] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) (2025). Stand und Entwicklung des Rechenzentrumsstandorts Deutschland. URL: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Publikationen/Technologie/stand-und-entwicklung-des-rechenzentrumsstandorts-deutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=10
[57] Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) (2016). Schieferöl- und Schiefergaspotenzial in Deutschland. URL: https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Rohstoffe/Downloads/Downloads_EN/Abschlussbericht_13MB_Schieferoelgaspotenzial_Deutschland_2016.pdf?__blob=publicationFile&v=1
[58] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) (o. J.). Fracking. URL: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Artikel/Industrie/fracking.html
[59] Eurostat / Destatis (2026). Energy import dependency by products (sdg_07_50); Energie: Importabhängigkeit der EU 2024 bei 57 %. URL: https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/sdg_07_50/default/table?lang=en; https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Umwelt-Energie/Energieabhaengigkeit.html
[60] Bundesnetzagentur (2025). Veröffentlichung des Versorgungssicherheitsmonitorings. URL: https://www.bundesnetzagentur.de/1072798
[61] Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) (2026). Stromaustausch mit dem Ausland. URL: https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/stromaustausch-mit-dem-ausland/
[62] Statista / BDEW (2025). Stromaustauschsaldo Deutschlands in den Jahren 1990 bis 2025. URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153533/umfrage/stromimportsaldo-von-deutschland-seit-1990/
[63] Bundesnetzagentur (2023). Bundesnetzagentur publishes gas supply figures for 2022. URL: https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/EN/2023/20230105_RueckblickGas2022.html
[64] Bundesnetzagentur / BDEW (2026). Rückblick: Gasversorgung im Jahr 2025. URL: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/a_2025/start.html
[65] Statistisches Bundesamt (Destatis) (2026). Erdgas- und Stromdurchschnittspreise. URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Erdgas-Strom-DurchschnittsPreise/_inhalt.html
[66] Kampmann A. / Deutschlandfunk (2022). Erdgas, Erdöl, Kohle und Uran – Welche Rohstoffe hat Deutschland? URL: https://www.deutschlandfunk.de/gas-fracking-oel-kohle-uran-bodenschaetze-deutschland-energie-100.html
[67] Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) (2024). Natürlicher Wasserstoff – der verborgene Schatz im Untergrund. URL: https://www.fau.de/2024/10/news/forschung/natuerlicher-wasserstoff-der-verborgene-schatz-im-untergrund/
[68] Radiant Energy Group (2025). Restarting Germany’s Reactors: Feasibility and Schedule. URL: https://www.radiantenergygroup.com/reports/restarting-germanys-reactors-feasibility-and-schedule
[69] Deutsche Welle (DW) (2022). Putin offers Europe gas through Nord Stream 2 – Germany declines. URL: https://www.dw.com/en/putin-offers-europe-gas-through-nord-stream-2-germany-declines/a-63416138
[70] Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW) / Kofner J. C. / Rothfuß R. (2025). Von Sanktionen zu Wohlstand: Wie die Normalisierung der Beziehungen zu Russland Deutschlands Wirtschaft ankurbeln würde. URL: https://institutkw.de/von-sanktionen-zu-wohlstand-wie-die-normalisierung-der-beziehungen-zu-russland-deutschlands-wirtschaft-ankurbeln-wuerde/
[71] Federal Reserve Bank of St. Louis / Treasury International Capital (TIC) (2026). Foreign Portfolio Holdings of U.S. Long-Term Treasury Securities: Germany. URL: https://fred.stlouisfed.org/series/FORLTTREASPOS11002
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