Fachkräftesicherung für Deutschland: Analyse und Lösungen aus rechts-konservativer Sicht
_ Christopher Kofner, Geschäftführer und Chefökonom, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). Forschungsbericht für die österreichische FREILICH-Zeitschrift . München – Graz, 24. März 2024.
Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen
Trotz einer historisch niedrigen Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent fehlen deutschen Unternehmen rekordverdächtige 533.000 Fachkräfte, was sie 2,1 bis 2,5 Prozent des BIP kostet. Angesichts der aktuellen demografischen Entwicklung wird erwartet, dass die Fachkräftelücke bis 2030 auf 3 bis 5 Millionen unbesetzte Stellen ansteigt, was das deutsche Wirtschaftswachstum in den 2020er Jahren um insgesamt 14 Prozent dämpfen wird.
Die Sektoren mit dem größten relativen Fachkräftemangel sind Sozialarbeit, Bildung, Pflege, Handwerk, Fahrer und IT sowie mittelfristig der Maschinenbau und die Elektronik.
Das Ausmaß des Fachkräftemangels verhält sich proportional zum erforderlichen Qualifikationsniveau: Die Quote offener Stellen liegt bei Fachkräften bei 40,8 Prozent, bei Spezialisten bei 44,3 Prozent und bei Experten bei fast 60 Prozent. Demgegenüber herrscht auf dem Arbeitsmarkt ein Überangebot von über einer Million unqualifizierter Arbeitskräfte.
Ob Zuwanderung den Fachkräftemangel lindern kann, hängt stark vom Herkunftsland ab. Zuwanderer aus West- und Ostasien verfügen in der Regel über ein sehr hohes Bildungsniveau und gute Berufsqualifikationen, insbesondere Chinesen, Inder und Amerikaner. Diese Bevölkerungsgruppen weisen in Deutschland auch die höchsten Durchschnittseinkommen auf.
Das Gegenteil gilt für Einwanderer, insbesondere Asylsuchende, aus Afrika und dem Nahen Osten, wo zwischen 55,5 und drei Viertel der Menschen im erwerbsfähigen Alter keine Berufsqualifikation besitzen und 31 Prozent nicht einmal einen Schulabschluss haben.
Ein ähnliches Bild ergibt sich hinsichtlich der fiskalischen Auswirkungen der Zuwanderung auf den Staatshaushalt. Einheimische und Zuwanderer aus West- und Ostasien leisten in der Regel einen positiven Nettobeitrag zum Staatshaushalt, d. h. sie zahlen im Allgemeinen mehr Steuern, als sie an öffentlichen Leistungen erhalten. Bei Zuwanderern, insbesondere Asylsuchenden aus Afrika und dem Nahen Osten, ist meist das Gegenteil der Fall: Sie kosten den Sozialstaat über ihr gesamtes Leben deutlich mehr, als sie jemals an Steuern zahlen, da ein großer Teil von ihnen entweder arbeitslos ist (fast 30 Prozent der Zuwanderer aus Herkunftsländern von Asylsuchenden) oder in schlecht bezahlten Jobs mit geringen oder gar keinen Qualifikationsanforderungen arbeitet, die nur sehr geringe Steuern einbringen.
Obwohl die Zuwanderung billiger Arbeitskräfte tatsächlich einen geringen negativen Lohndruck auf einheimische Arbeitnehmer ausübt, liegt das weitaus größere Problem im deutschen Fall darin, dass die gegenwärtige Zuwanderung hauptsächlich nicht in den Arbeitsmarkt, sondern direkt in das Sozialsystem fließt. Jeder vierte Hartz-IV-Empfänger (Bürgergeld) ist Ausländer, und die Hälfte aller Staatsangehörigen von Herkunftsländern von Asylsuchenden bezieht Arbeitslosengeld.
Unkontrollierte und irreguläre Zuwanderung ist daher absolut der falsche Weg, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Andere Maßnahmen wie staatlich verordnete Lohnerhöhungen, längere Arbeitszeiten und eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen sind aus verschiedenen, in der Studie erläuterten Gründen ebenfalls weniger geeignet, den Fachkräftemangel zu beheben.
Nach Ansicht des Autors wären effektivere bzw. aus konservativer Sicht, geeignetere Maßnahmen:
- Eine Verkleinerung des Staatsapparates auf das Niveau von 2005 könnte 166.000 größtenteils gut qualifizierte Verwaltungsangestellte freisetzen.
- Anreize, um die durchschnittliche jährliche Nettoabwanderung von 46.600 hochqualifizierten deutschen Staatsbürgern im besten Erwerbsalter (fast 800.000 seit 2005 bis 2021) zu stoppen und umzukehren.
- Einführung einer kontrollierten Einwanderungspolitik nach kanadischem, australischem, japanischem und koreanischem Vorbild, die vorrangig nur die Einwanderung hochqualifizierter Nettosteuerzahler entsprechend den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes (sowie Studenten) zulässt.
- Eine Weiterbildungs- und Qualifizierungskampagne zur Anhebung des Bildungs- und Qualifikationsniveaus der bereits in Deutschland lebenden Arbeitskräfte, insbesondere der mehr als 1 Million ungelernten Arbeitskräfte, die derzeit keine Arbeit finden können.
- Die Einführung einer familienfreundlichen Politik mit großzügigen Steuervergünstigungen, Wohnungsbaumaßnahmen und verbesserter Kinderbetreuung sowie die Beschränkung von Schwangerschaftsabbrüchen auf solche mit medizinischer oder strafrechtlicher Indikation (die nur 5,6 Prozent aller Abtreibungen ausmachen) würden der Wirtschaft allein über einen Zeitraum von 30 Jahren rund 3,3 Millionen neue Arbeitskräfte bescheren. Politische Anreize zur Anhebung der Geburtenrate deutscher Frauen über die Reproduktionsrate von 2,1 würden die deutsche Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 12,5 Millionen Menschen vergrößern.
- Letztlich könnte Deutschland auch dem Beispiel Koreas oder Japans folgen und den Fachkräftemangel nicht nur als Problem, sondern auch als Chance begreifen, dem demografischen Wandel durch Digitalisierung und Robotisierung entgegenzuwirken. Eine verstärkte Automatisierung mit den heutigen Technologien könnte bereits jetzt den Bedarf an 1,4 Millionen gering qualifizierten, zuwanderungsintensiven Berufen wie Reinigung, Lagerlogistik, landwirtschaftlichen Dienstleistungen und Lebensmittelproduktion reduzieren.
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Kapitel 1. Fachkräftemangel und Zuwanderung
Ausmaß des Fachkräftemangels
Die deutsche Wirtschaft leidet unter einem erheblichen Fachkräftemangel. Dies wurde unabhängig voneinander von verschiedenen Instituten, Studien und Umfragen bestätigt.
Im Dezember 2022 erreichte die Zahl der offenen Stellen für Fachkräfte laut Umfragen des Instituts für Wirtschaftsforschung Köln (IW Köln) fast 1,2 Millionen – der höchste Stand seit 2011. Die Qualifikationslücke, also die Zahl der offenen Stellen ohne entsprechend qualifizierte Arbeitslose, lag bei knapp 533.000. [1] Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) zufolge erreichte die Gesamtzahl der offenen Stellen sogar fast 2 Millionen – ein Rekordwert. [2]
Laut einer ifo-Umfrage gaben im Januar 2023 43,6 Prozent der befragten Unternehmen an, von einem Fachkräftemangel betroffen zu sein. [3] Einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) zufolge gaben 2022 mehr als die Hälfte (53 Prozent) aller Unternehmen an, nicht in der Lage zu sein, die benötigten Mitarbeiter zur Besetzung offener Stellen zu finden. [4]
Laut Prognos AG (2017) wird sich die Qualifikationslücke aufgrund der demografischen Alterung und trotz des beispiellosen Zuwanderungstrends von rund 200.000 Einwanderern pro Jahr künftig deutlich vergrößern: auf 3 Millionen unbesetzte Stellen bis 2030 und 3,3 Millionen bis 2040. [5] Eine neuere Studie des IW Köln aus dem Jahr 2022 geht davon aus, dass bereits 2030 ein Mangel von 5 Millionen qualifizierten Arbeitskräften bestehen könnte. [6]
Wirtschaftliche Auswirkungen des Fachkräftemangels
Angesichts der aktuellen Arbeitsintensität der deutschen Wirtschaft dämpft der Fachkräftemangel das langfristige Wachstum. Laut Studien der Boston Consulting Group (BCG) belief sich der durch den Fachkräftemangel bedingte Wachstumsverlust im Jahr 2022 auf 2,1 bis 2,5 Prozent des BIP (97,3 Milliarden Euro) (80,4 Milliarden Euro). [7]
Wenn die heimische Wirtschaft ihre Kapitalintensität (K) oder ihr technologisches Niveau (a) nicht erhöht, wird der zunehmende Fachkräftemangel (L) den Produktionsausfall künftig weiter verschärfen. Die Unternehmensberatung Korn Ferry (2018) schätzt den kumulierten Produktionsausfall aufgrund des Fachkräftemangels bis 2030 auf rund 525 Milliarden Euro, was einem Wirtschaftswachstumsverlust von rund 14 Prozent im Jahrzehnt der 2020er Jahre entspricht. [8]
Einwanderung als Lösung für den Fachkräftemangel?
Interessengruppen aus Politik und Wirtschaft behaupten, verstärkte Zuwanderung sei notwendig, um den Fachkräftemangel zu beheben. Doch stimmt das? Hat beispielsweise der Zuwanderungsanstieg seit 2015 dazu beigetragen, die rekordverdächtige Qualifikationslücke zu schließen? Um diese Hypothese zu überprüfen, vergleichen wir im ersten Abschnitt die Arbeitsmarktnachfragestruktur mit der Qualifikationsstruktur der einheimischen und der zugewanderten Bevölkerung in Deutschland. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, muss das Qualifikationsniveau von Migranten, einschließlich Asylsuchenden, den Anforderungen der Stellenanzeigen entsprechen.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die vorliegende Analyse sich ausschließlich mit den wirtschaftlichen und fiskalischen Aspekten des Fachkräftemangels im Zusammenhang mit Migration befasst. Andere wichtige Aspekte wie rechtliche Fragen, beispielsweise ob irregulären Migranten ein (erleichterter) Zugang zum Arbeitsmarkt gewährt werden sollte, sowie soziokulturelle Aspekte oder Fragen der öffentlichen Sicherheit werden hier nicht behandelt. [9]
Struktur der Arbeitsnachfrage
Untersuchungen des IW Köln zeigen, dass folgende Branchen am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen sind: Sozialwesen, Bildung und Pflege (fünf der zehn am stärksten unterbesetzten Berufe), Handwerk, Fahrberufe und die IT-Branche. [10] Bis 2026 werden auch der Maschinenbau und die Elektronikindustrie stärker vom Fachkräftemangel betroffen sein. [11]
Wichtiger als die Branchenklassifizierung ist die Differenzierung des Fachkräftemangels nach Qualifikationsniveau, wobei ein deutlicher positiver Zusammenhang erkennbar ist: Im Dezember 2022 lag die Überschussquote bei Experten bei fast 60 Prozent (Fachkräftemangel: 154.000 Stellen). Die Überschussquote beschreibt den Anteil offener Stellen, für die keine entsprechend qualifizierten Arbeitslosen vorhanden sind, bezogen auf alle offenen Stellen. Bei Spezialisten betrug dieser Anteil 44,3 Prozent (Fachkräftemangel: 73.000 Stellen) und bei Facharbeitern 40,8 Prozent (306.000 Stellen). Demgegenüber steht ein Überschuss von fast einer Million Arbeitslosen unter den ungelernten Hilfskräften, was auf eine erhebliche Asymmetrie auf dem Arbeitsmarkt hindeutet. [12] Anders ausgedrückt: Die heimische Wirtschaft benötigt hochqualifizierte Experten, erfahrene Spezialisten und gut ausgebildete Facharbeiter, ist aber mit unqualifizierten Hilfskräften übersättigt, von denen viele keine Arbeit finden können oder wollen.
Insbesondere in den MINT-Berufen, die für den Erhalt des Industriestandorts Deutschland von grundlegender Bedeutung sind, beträgt die Fachkräftelücke 325.290 unbesetzte Stellen. [13] „MINT“ ist ein Sammelbegriff für die Studienfächer Mathematik, Informationstechnologie, Naturwissenschaften und Technik.
Struktur des Arbeitskräfteangebots
Zusammensetzung nach ethnischer Zugehörigkeit und Nationalität
Im Jahr 2021 lebten in Deutschland 82,3 Millionen Menschen, davon waren nur 59,7 Millionen Deutsche ohne Migrationshintergrund. 22,6 Millionen Einwohner hatten einen Migrationshintergrund, davon waren 53 Prozent deutsche Staatsbürger und 47 Prozent ausländische Staatsbürger. [14]
Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) verließen zwischen 2015 und 2021 netto 446.000 deutsche Staatsbürger Deutschland, während netto 3.777.000 Ausländer nach Deutschland zogen. [15] Fast zwei Drittel, rund 61 Prozent, der Zuwanderer waren Asylsuchende.
In diesen sieben Jahren kamen die meisten Ausländer aus folgenden Ländern: Syrien (630.774), Rumänien (386.956), sogenannte „unbekannte Länder“ (226.421), [16] Afghanistan (217.452), Irak (192.892), Bulgarien (180.083), Polen (161.736), Kroatien (150.987), Italien (145.671) und Türkei (106.869). [17]
Zwischen 2015 und 2021 kamen über 2,3 Millionen Asylsuchende nach Deutschland. [18] Davon wurden nur 138.725 (6 Prozent) abgeschoben. [19]
Bildungsniveau
Laut Destatis-Mikrozensus verfügten im Jahr 2021 36,4 Prozent der Deutschen im erwerbsfähigen Alter ohne Migrationshintergrund über eine Hochschulzugangsberechtigung oder das Abitur, weitere 34,4 Prozent über einen Realschulabschluss oder eine gleichwertige Qualifikation, 27,3 Prozent über einen Hauptschul- oder Volksschulabschluss und nur 1,8 Prozent über keinen Schulabschluss. [20]
Das Bildungsniveau der in Deutschland lebenden Ausländer im erwerbsfähigen Alter war sehr unterschiedlich: Zwar verfügten 1,3 Prozent mehr, nämlich 37,7 Prozent, über eine Fachhochschulreife oder ein Abitur, aber nur 18 Prozent hatten eine Realschule oder eine gleichwertige Qualifikation, nur 22,4 Prozent hatten einen Hauptschul- oder Volksschulabschluss und mehr als ein Fünftel, ganze 21,8 Prozent, hatten überhaupt keinen Schulabschluss (Abbildung 1.).
Abbildung 1. Bildungsniveau der Deutschen ohne Migrationshintergrund und der in Deutschland lebenden Ausländer (2021)

Quelle: Eigene Darstellung. Destatis (2021), Brücker H. et al. (2020).
Laut einer IAB-Studie aus dem Jahr 2020 verfügten nur 11 Prozent der Asylsuchenden im erwerbsfähigen Alter vor ihrer Ankunft in Deutschland über eine höhere technische oder universitäre Ausbildung. Weitere 5 Prozent hatten einen Abschluss einer Berufsfachschule oder eine duale Ausbildung. 31 Prozent der Asylsuchenden kamen ohne Schulabschluss nach Deutschland. Mehr als jeder Zehnte (11 Prozent) hatte nie eine Schule besucht. [21]
Niveau der beruflichen Qualifikation
Betrachtet man den Grad der beruflichen Qualifikation, werden die Unterschiede noch deutlicher: 21,7 Prozent der erwerbsfähigen Deutschen ohne Migrationshintergrund verfügten über einen höheren Berufs- oder Hochschulabschluss, ihr Bildungsniveau entsprach also den Anforderungen des Arbeitsmarktes an Fachkräfte. Bei Ausländern lag dieser Wert bei 20,3 Prozent. 11,3 Prozent der einheimischen Deutschen besaßen einen Meister-, Techniker- oder Fachhochschulabschluss oder eine vergleichbare Qualifikation, die den Anforderungen eines Spezialisten entsprach. Bei Ausländern lag dieser Wert bei lediglich 5,6 Prozent. Mehr als die Hälfte (52,2 Prozent) der Einheimischen hatte mindestens zwei Jahre Ausbildung absolviert und entsprach damit dem Niveau eines Spezialisten, verglichen mit nur 21,7 Prozent der Ausländer. Ganze 14,6 Prozent der erwerbsfähigen Deutschen besaßen überhaupt keine berufliche Qualifikation, während mehr als die Hälfte (52,5 Prozent) der in Deutschland lebenden Ausländer keine hatte.
Bei genauerer Betrachtung der Einwanderergruppen zeigen sich deutliche panregionale Unterschiede im Bildungsniveau für den Arbeitsmarkt zwischen westlichen und ostasiatischen Ländern einerseits und Ländern der MENA-Region (Naher Osten und Nordafrika) andererseits.
Die Mehrheit, nämlich 34 bis 42,5 Prozent der in Deutschland lebenden Personen aus den USA, Großbritannien und Österreich, verfügte über eine Qualifikation auf Expertenniveau. Bei vielen in Deutschland lebenden Ostasiaten war der Anteil sogar noch höher: So besaßen beispielsweise über die Hälfte (53 Prozent) der Inder und zwei Drittel (66,7 Prozent) der Chinesen einen höheren Berufs- oder Hochschulabschluss.
Interessanterweise zeigt eine aktuelle Studie des IW Köln, dass genau diese Nationalitätengruppen in Deutschland die höchsten monatlichen Bruttomedianeinkommen erzielen. An erster Stelle stehen Inder (knapp 5.000 Euro), gefolgt von Österreichern (4.716 Euro), Amerikanern (4.616 Euro), Briten (4.537 Euro), Chinesen (4.331 Euro) usw. Deutsche Staatsbürger verdienen im Durchschnitt 3.643 Euro brutto im Monat, Ausländer hingegen nur 2.728 Euro insgesamt. [22]
Am anderen Ende des Spektrums verfügte die überwiegende Mehrheit der Auswanderer aus dem Nahen Osten und Afrika über keinerlei Berufsqualifikation: 55,5 Prozent aller Afrikaner, 73 Prozent der Syrer, 74,3 Prozent der Iraker und fast drei Viertel (74,4 Prozent) der Afghanen. Auch fast 60 Prozent der Angehörigen der türkischen Gemeinschaft in Deutschland besitzen keine Berufsausbildung.
Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Verteilung zwischen Spezialisten und Fachkräften unter den Einwanderergruppen der drei oben genannten Regionen (Abbildung 2.).
Abbildung 2. Berufliches Bildungsniveau von Deutschen ohne Migrationshintergrund und von Ausländern, die in Deutschland leben (2021)

Quelle: Eigene Darstellung. Destatis (2021).
Zwischenergebnis
Der deutsche Arbeitsmarkt ist mit unqualifizierten Arbeitskräften übersättigt, gleichzeitig herrscht jedoch ein historisch gewachsener Mangel an hochqualifizierten Fachkräften mit Experten-, Spezialisten- und Facharbeiterqualifikationen. Um diese Qualifikationslücke zu schließen, muss das Arbeitskräfteangebot diesen Anforderungen entsprechen. Idealerweise sollte der Anteil unqualifizierter Arbeitskräfte daher sehr gering und der Anteil akademisch oder fachlich ausgebildeter Arbeitskräfte hoch sein. Die Analyse ergab diesbezüglich erhebliche Unterschiede zwischen den Nationalitäten in den verschiedenen Regionen.
Migranten aus der MENA-Region, insbesondere Asylsuchende, sind im Allgemeinen ungeeignet, den Fachkräftemangel zu beheben, da diese Einwanderergruppen überwiegend unterqualifiziert oder unqualifiziert sind. Besorgniserregend ist, dass dies sogar für Angehörige der türkischen Gemeinschaft gilt, die seit den 1970er Jahren in Deutschland leben und deren Qualifikationsniveau eigentlich hätte angepasst sein müssen.
Im Gegensatz dazu eignen sich Zuwanderer aus west- und ostasiatischen Ländern, die in Deutschland leben, hervorragend zur Deckung des Fachkräftemangels, da sie in der Regel hochqualifiziert sind, insbesondere jene aus Fernost im Vergleich zu denen aus Europa und Nordamerika. Vor allem belasten sie die heimische Wirtschaft nur in geringem Maße (höchstens 22 bis 27 Prozent) mit unqualifizierten Arbeitskräften.
Obwohl der Anteil von Akademikern und hochqualifizierten Personen unter den Deutschen ohne Migrationshintergrund geringer ist als unter den Einwanderern aus West- und Ostasien, weisen sie – ähnlich wie die Österreicher – einen hohen Anteil an ausgebildeten Fachkräften und einen niedrigen Anteil an unqualifizierten Arbeitskräften auf.
Die Frage, ob Zuwanderung zur Behebung des Fachkräftemangels in Deutschland beiträgt, lässt sich empirisch fundiert nur beantworten, wenn man die Herkunftsregion der Migranten berücksichtigt, da diese maßgeblich für deren Qualifikationsniveau verantwortlich ist. Die nationale Migrationspolitik sollte daher klar differenzierte Regeln festlegen, die die Zuwanderung gering- und unqualifizierter Arbeitskräfte verhindern und die Zuwanderung hochqualifizierter Fachkräfte bedarfsgerecht fördern.
Kapitel 2. Wohlfahrtsstaat und Einwanderung
Auswirkungen der Einwanderung auf den öffentlichen Haushalt
Neben der irreführenden Behauptung, Zuwanderung sei nützlich, um den Fachkräftemangel im Inland zu beheben – der, wie wir gesehen haben, stark vom Herkunftsland abhängt –, existiert das Argument, Zuwanderung komme der Gesamtwirtschaft zugute. Im folgenden zweiten Abschnitt werden wir diese Hypothese indirekt analysieren, indem wir die Nettoauswirkungen von Einheimischen und Zuwanderern auf den Staatshaushalt vergleichen. Die Logik dahinter: Je höher die durchschnittliche Erwerbsbeteiligung und das Einkommen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe sind, desto höher sind ihre Steuerbeiträge an den Staat im Verhältnis zu den staatlichen Sozialleistungen. Das Verhältnis beider Komponenten ergibt die Nettoauswirkungen auf den Staatshaushalt.
Leider differenzieren deutsche Steuerstatistiken lediglich zwischen Staatsangehörigen und Ausländern, weder zwischen Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund noch zwischen Migranten nach Herkunftsland. [23] Glücklicherweise wurden in vergleichbaren nordeuropäischen Ländern – Dänemark, den Niederlanden und Schweden – entsprechende Studien durchgeführt, aus denen sich vergleichbare Schlussfolgerungen für Deutschland ziehen lassen.
Dänemark
In einer Studie aus dem Jahr 2021 analysierte das dänische Finanzministerium die Nettokosten bzw. Nettobeiträge verschiedener Bevölkerungsgruppen nach Nationalität. [24]
Zwischen 2014 und 2018 leisteten dänische Staatsbürger einen durchschnittlichen jährlichen Nettobeitrag zum Staatshaushalt von 5,5 Milliarden Euro, was fast 2 Prozent des BIP entsprach. Zuwanderer aus westlichen Ländern trugen durchschnittlich fast 1 Milliarde Euro (0,3 Prozent des BIP) zum Staatshaushalt bei. Gleichzeitig verursachten Migranten aus der MENAPT-Region (Naher Osten, Nordafrika, Pakistan und Türkei) durchschnittliche jährliche Nettokosten von 3,6 Milliarden Euro (1,3 Prozent des BIP) für den Staatshaushalt.
Im Untersuchungszeitraum trug der durchschnittliche Däne netto 1.100 Euro pro Jahr zum Staatshaushalt bei. Ein Einwanderer aus westlichen Ländern generierte durchschnittlich 4.700 Euro netto jährlich, während ein Migrant aus der MENAPT-Region den Staatshaushalt durchschnittlich 14.200 Euro netto jährlich kostete. Laut dem Königlichen Finanzministerium entfielen 77 Prozent der Nettoausgaben für Einwanderer auf Migranten aus muslimischen Ländern. Die Einwanderer mit den höchsten Nettobeiträgen zum dänischen Staatshaushalt kamen aus Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und den USA. Allerdings leisteten auch Einwanderer aus fernöstlichen Ländern, darunter aus Indien und China, Nettobeiträge zu den dänischen Staatsfinanzen.
Die Niederlande
Eine ähnliche Studie für die Niederlande wurde 2021 von der Universität Amsterdam im Auftrag der Partei Forum voor Democratie (FvD) durchgeführt. [25] Die Forscher analysierten Mikrodaten aus dem Jahr 2016, die vom niederländischen Statistikamt bereitgestellt wurden, und kamen zu folgenden Schlussfolgerungen:
Lediglich die legale Arbeitsmigration generiert einen positiven Nettobeitrag zum niederländischen Haushalt von durchschnittlich 125.000 Euro pro Einwanderer über dessen gesamte Lebenszeit. Studienmigration verursacht durchschnittliche Nettokosten von 75.000 Euro. Die Familienzusammenführung kostet den Haushalt durchschnittlich 275.000 Euro pro Einwanderer.
Die bereits bekannten signifikanten Unterschiede lassen sich auch nach Herkunftsregion feststellen. Zuwanderung aus den meisten westlichen und einigen ostasiatischen Ländern wirkt sich positiv auf den Staatshaushalt aus. Vor allem Zuwanderer aus den nordeuropäischen Nachbarländern, Nordamerika, Großbritannien, der Schweiz, Israel, Japan und Ozeanien leisten einen signifikanten positiven Beitrag von rund 200.000 Euro pro Person. Zuwanderer aus nicht-westlichen Ländern hingegen verursachen Kosten von fast 275.000 Euro pro Person, wobei insbesondere Asylsuchende mit durchschnittlich 475.000 Euro pro Person einen negativen Beitrag leisten. Migranten aus der Türkei, Marokko, dem Horn von Afrika und dem Sudan belasten den Staatshaushalt um 200.000, 550.000 bzw. 600.000 Euro zusätzlich zu ihrem durchschnittlichen Lebenszeitaufwand. Laut der Studie sind einheimische niederländische Staatsbürger haushaltsneutral.
Interessanterweise haben Migranten aus Südafrika auch einen positiven fiskalischen Nettoeffekt von 150.000 Euro pro Person. Obwohl dies in der Studie nicht explizit erwähnt wird, könnte es mit der Rückwanderung weißer niederländischer Siedler (Afrikaans) in die Niederlande zusammenhängen.
Schweden
Eine Studie der Universität Göteborg im Auftrag des schwedischen Finanzministeriums aus dem Jahr 2019 schätzte die fiskalischen Folgen der Aufnahme von Flüchtlingen für den schwedischen Haushalt. [26] Es wurden Daten aus dem Jahr 2015 verwendet. Insgesamt kosteten Asylsuchende den Staatshaushalt im Jahr 2015 netto 4,4 Milliarden Euro, was einem Prozent des BIP entspricht. Die jährlichen Nettokosten für Flüchtlinge mit der besten Arbeitsmarktintegration (ehemaliges Jugoslawien, Äthiopien, Eritrea und Iran) belaufen sich auf durchschnittlich 5.600 Euro, während sie für die Gruppen mit der geringsten Arbeitsmarktintegration (Somalia, Irak) durchschnittlich 9.900 Euro betragen. Über die gesamte Lebensspanne (durchschnittlich 58 Jahre nach der Ankunft) ergeben sich daraus durchschnittliche Kosten von 324.800 bis 574.200 Euro pro Flüchtling.
Zwischenergebnis und Vergleich mit Deutschland
Alle drei Studien aus Dänemark, den Niederlanden und Schweden zeigen, dass Einwanderer aus West- und Ostasien im Allgemeinen einen positiven Nettobeitrag zum Staatshaushalt leisten. Im Gegensatz dazu stellen Einwanderer aus dem Nahen Osten und Afrika im Allgemeinen eine erhebliche Nettobelastung für die Staatskasse dar, insbesondere wenn sie als Asylsuchende einreisen, da sie deutlich mehr Sozialversicherungsbeiträge erhalten, als sie jemals an Steuern zurückzahlen. Einheimische sind entweder haushaltsneutral oder leisten einen Nettosteuerbeitrag (Abbildung 3). Dies deckt sich mit der oben gemachten Beobachtung zu den regionalen Unterschieden im Bildungs- und Qualifikationsniveau.
Abbildung 3. Netto-Fiskalbeiträge und -kosten von Einheimischen und Einwanderern zum öffentlichen Haushalt

Quelle: Eigene Darstellung. Finansministeriet (2021), van de Beek J. et al. (2021), Ruist J. (2019).
Wie bereits erwähnt, differenzieren die deutschen Steuerstatistiken leider nicht zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die verfügbaren Daten zur Erwerbsbeteiligung und zum Bezug von Sozialleistungen legen jedoch nahe, dass die obigen Aussagen zu den unterschiedlichen fiskalischen Nettoeffekten sehr wahrscheinlich auch für Deutschland gelten.
Laut Destatis-Mikrozensus lag die Arbeitslosenquote 2021 bei 2,6 Prozent für Deutsche ohne Migrationshintergrund, bei 6,2 Prozent für Deutsche mit Migrationshintergrund und bei 7,6 Prozent für Ausländer. [27] Laut IAB betrug die Arbeitslosenquote für Migranten aus Asylländern (Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia, Syrien, Ukraine) im Dezember 2021 29,4 Prozent. Unter EU-Bürgern mit Wohnsitz in Deutschland lag die Quote bei 7,9 Prozent. [28]
Im Jahr 2021 verdienten fast 46,7 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund den Großteil ihres Lebensunterhalts aus eigener Erwerbstätigkeit, während der Anteil bei ausländischen Staatsangehörigen etwas niedriger lag: 41,3 Prozent.
Während mehr als jeder zehnte Ausländer (10,6 Prozent) Arbeitslosengeld I und II vom Staat bezog (12,6 Prozent bei Personen mit Migrationserfahrung), waren es bei den Deutschen nur 2,6 Prozent. Weitere 2,8 Prozent der Ausländer bezogen „andere staatliche Unterstützung“ (ohne Renten und Pensionen), während der Anteil bei den Deutschen 6,5 Prozent betrug (7,6 Prozent bei direkten Zuwanderern). Laut einer parlamentarischen Anfrage des AfD-Abgeordneten René Springer hat sich der Anteil der ausländischen SGB-II-Empfänger (Hartz IV) zwischen 2010 und 2021 von 20 auf fast 40 Prozent verdoppelt – wobei zu berücksichtigen ist, dass Ausländer „nur“ 13,1 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. [29] Dem IAB Immigration Monitor zufolge bezogen im Dezember 2021 fast die Hälfte (49,3 Prozent) der Staatsangehörigen von Asylländern SGB-II-Leistungen (Hartz IV). [30]
In seiner Übersicht über die fiskalischen Folgen der Zuwanderung nach Deutschland zwischen 1955 und Februar 2015 kam Moldenhauer (2018) zu dem Schluss, dass die Zuwanderung, insbesondere aus außereuropäischen Kulturen, insgesamt einen negativen Einfluss auf den Wohlfahrtsstaat hatte. [31]
Lohndumping oder Zuwanderung in das Sozialsystem?
Die Frage, ob Zuwanderung zu Lohndumping führt oder gar Arbeitsplätze von Einheimischen verdrängt, ist Gegenstand hitziger akademischer Debatten. Die Mehrheit der wissenschaftlichen Literatur zum US-Arbeitsmarkt weist jedoch auf eine relativ geringe Lohnelastizität der Zuwanderung von etwa -0,1 hin, d. h., würde die Zahl der Zuwanderer um 10 Prozent steigen, würden die Löhne im Durchschnitt um 1 Prozent sinken. [32] Viele Studien belegen deutlich stärkere negative Auswirkungen auf die Löhne von weniger qualifizierten einheimischen Arbeitskräften. [33]
Dies hängt jedoch stark von der aktuellen Struktur des nationalen und regionalen Arbeitsmarktes ab. In Italien beispielsweise, wo die Arbeitslosenquote landesweit bei rund 10 Prozent und in der Region Mezzogiorno bei bis zu 20 Prozent liegt, ist es politisch notwendig, zunächst die einheimischen Arbeitslosen in Arbeit zu bringen, anstatt weitere Arbeitsmigration zuzulassen. [34] In Deutschland hingegen ist die Arbeitsmarktsituation, wie bereits erwähnt, anders.
Die Arbeitslosenquote unter Deutschen ohne Migrationshintergrund ist mit 2,7 Prozent bereits sehr niedrig, während sie unter Asylsuchenden mit knapp 30 Prozent sehr hoch ist. Dies deutet darauf hin, dass die Migrationsströme in den inländischen Arbeitsmarkt in der Vergangenheit und Gegenwart weniger stark ausgeprägt waren und ein möglicher Lohndumping-Effekt daher weniger stark ins Gewicht fällt. Deutlich mehr Zuwanderung hat in das deutsche Sozialsystem stattgefunden und findet weiterhin statt.
Kapitel 3. Konservative Fachkräftepolitik
Lösungen für den Fachkräftemangel
Nachdem festgestellt wurde, dass die Auswirkungen der Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt und den Sozialstaat maßgeblich vom Herkunftsland abhängen, werden in diesem dritten Abschnitt mögliche politische Maßnahmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels erörtert. Es sei darauf hingewiesen, dass die vorgestellte Liste der Maßnahmen nicht abschließend ist und vielmehr als beratender Beitrag zur Debatte aus rechtskonservativer Perspektive verstanden werden soll.
Lohnerhöhungen?
Kürzlich schlugen der Präsident des ifo Instituts, Clemens Fuest, und der Leiter des Forschungsinstituts für die Zukunft der Arbeit, Simon Jäger, die einfache, aber logische Antwort vor, einfach höhere Löhne dort zu zahlen, wo Fachkräftemangel herrscht. [35] Tatsächlich sind die Reallöhne in Deutschland zwar im letzten Jahrzehnt um fast ein Viertel (24 Prozent) gestiegen, doch aufgrund der Corona-Beschränkungen und der jüngsten Preisexplosion sind sie zwischen 2020 und 2022 um beispiellose 4,5 Prozent gesunken. Dadurch wurden die Wohlfahrtsgewinne der arbeitenden Bevölkerung seit 2015 zunichtegemacht.
Doch die bloße Erhöhung der Löhne ist nicht so einfach und vielversprechend, wie behauptet wird. Erstens werden nominale Lohnerhöhungen ohne reales Produktivitätswachstum lediglich von der bestehenden Inflation aufgefangen und führen künftig zu weiteren Preissteigerungen. Zweitens hat der bereits deutliche Anstieg des Mindestlohns von 10,45 auf 12 Euro pro Stunde im Jahr 2022 die Inflation nur weiter angeheizt [36] und nicht dazu beigetragen, die Qualifikationslücke zu schließen, die, wie wir gesehen haben, vor allem die anspruchsvolleren Positionen mit entsprechenden Qualifikationen betrifft.
Drittens wären Lohnerhöhungen ein natürliches Marktsignal der Unternehmen als Reaktion auf den Arbeitskräftemangel und würden daher keine weiteren staatlichen Eingriffe erfordern. Dass dies nicht im gewünschten Umfang geschieht, liegt weniger am widersprüchlichen Interesse der Unternehmer an der Gewinnmaximierung als vielmehr am steigenden Anteil von Steuern und Verwaltungskosten an den Unternehmensausgaben. Seit Angela Merkel (CDU) 2005 ihr Amt antrat, ist die deutsche Steuer- und Beitragsquote im Verhältnis zum BIP von 34,4 auf 39,5 Prozent im Jahr 2021 gestiegen und liegt seither im oberen Drittel der OECD-Länder. [37] Im Jahr 2021 machten Lohnsteuern und Sozialversicherungsbeiträge 48,1 Prozent der durchschnittlichen Arbeitskosten einer Einzelperson aus, womit Deutschland hinter Belgien an zweiter Stelle lag. [38] Im Jahr 2017 (leider hat das deutsche Statistikamt die Datenerhebung zu diesem Thema danach eingestellt) beliefen sich die gesetzlichen Sozialabgaben und Kostenabgaben auf 4,1 bis 5 Prozent der Kostenstruktur von KMU im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland. [39] Um höhere Löhne zahlen zu können, sollten Unternehmer von Steuer- und Bürokratiebelastungen entlastet werden. Arbeitsmarktstudien in Norwegen [40] , Finnland [41] und Schweden [42] haben übereinstimmend gezeigt, dass eine Senkung der Lohnnebenkosten neue Arbeitsplätze schafft und in einigen Fällen das Lohnniveau erhöht.
Viertens, wie Ökonomen des IW Köln zu Recht feststellen, ist Arbeit im Allgemeinen eine Dienstleistung mit unelastischer Substituierbarkeit. [43] Beispielsweise kann ein ungelernter Bäckergehilfe nicht einfach zu einer besser bezahlten Stelle als IT-Spezialist in der Automobilindustrie wechseln. Und kein Personalmanager würde das zulassen. Eine Lohnerhöhung in Mangelberufen hätte daher nur begrenzte Auswirkungen in einer Marktsituation, in der qualifizierte Arbeitskräfte schlichtweg nicht verfügbar sind. Zunächst wären ausreichende Umschulungen und Weiterbildungen von anders oder unqualifizierten Arbeitnehmern erforderlich.
Schließlich muss auch erwähnt werden, dass Deutschland im Vergleich zu internationalen Standards bereits relativ hohe Lohnstückkosten im verarbeitenden Gewerbe aufweist (Platz 7 im Jahr 2021). [44] Weitere Lohnerhöhungen würden die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands weiter schwächen.
Längere Arbeitszeiten?
Ein weiterer Vorschlag von Arbeitgeberverbänden lautet, bei fehlenden Fachkräftemangels die Arbeitszeit der vorhandenen Fachkräfte „einfach“ zu erhöhen. Tatsächlich sank die durchschnittliche Jahresarbeitszeit pro Beschäftigtem zwischen 2011 und 2021 von 1.427 auf 1.349 Stunden, wodurch Deutschland im OECD-Vergleich ans Ende der Skala rückte. [45] Allerdings weist Deutschland eine höhere Arbeitsproduktivität auf: Gemessen am BIP pro Arbeitsstunde liegt es im oberen Drittel der OECD-Länder. [46] Mögliche Maßnahmen zur Erhöhung der Arbeitszeit wären flexiblere Arbeitszeitbegrenzungen und ein flexibleres Renteneintrittsalter. Eine Reduzierung der gesetzlichen Feiertage würde den Fachkräftemangel jedoch nicht verringern, sondern ihn im Gegenteil sogar verschärfen.
Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen?
Politische Interessengruppen und Forschungsinstitute setzen sich für eine stärkere Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt ein. Sie begründen dies nicht nur mit der Linderung des Fachkräftemangels und der Steigerung des Wirtschaftswachstums, sondern sehen darin auch einen Schritt hin zur Emanzipation und zum „Fortschritt“. [47] Tatsächlich würde eine Angleichung der Erwerbsbeteiligung von Frauen an die von Männern 1,3 Millionen (Deutsche ohne Migrationshintergrund) bis 2,4 Millionen (Gesamtbevölkerung) zusätzliche Frauen in den Arbeitsmarkt bringen.
Konservative sehen dies hingegen kritisch – als Angriff auf traditionelle Familienwerte – und befürchten, dass es den Bevölkerungsrückgang beschleunigen wird. Ihr Argument lautet, dass eine erhöhte Erwerbsbeteiligung von Frauen unter sonst gleichen Bedingungen die Wahrscheinlichkeit verringert, dass eine Frau Kinder bekommt, und somit die Gesamtfruchtbarkeitsrate eines Landes senkt. Maßnahmen zur Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen tragen zwar dazu bei, den aktuellen Fachkräftemangel zu lindern, könnten ihn aber in 15 bis 20 Jahren sogar verschärfen, wenn die dadurch nicht geborenen Kinder das Erwerbsalter erreicht haben.
Empirische Studien zu diesem Thema sind sehr interessant. Für die OECD-Länder wurden folgende Trends identifiziert. [48] Anfänglich war die Korrelation zwischen der Familienplanungsrate (FLFP) und der Gesamtfruchtbarkeitsrate (TFR) tatsächlich stark negativ. In den 1980er Jahren kehrte sich dieser Zusammenhang jedoch um. Zwischen 2005 und 2021 stieg die Fruchtbarkeitsrate der deutschen Staatsbürger von 1,3 auf 1,5, obwohl die Erwerbsbeteiligungsquote deutscher Frauen ohne Migrationshintergrund im gleichen Zeitraum von 70 auf 81 Prozent zunahm. [49]
Forscher erklären dies sowohl mit einer entgegenkommenderen gesellschaftlichen Haltung gegenüber berufstätigen Müttern als auch mit verstärkten politischen Bemühungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, beispielsweise durch Kindergeld und eine bessere Kinderbetreuung. [50]
Es gibt jedoch zwei wichtige Einschränkungen: Der Trend zu einer positiven Korrelation zwischen Familienplanungsrate (FLFP) und Gesamtfruchtbarkeitsrate (TFR) trat im Allgemeinen erst ein, nachdem die TFR unter die notwendige Reproduktionsrate von 2,1 gesunken war. Diese ist in den untersuchten Ländern weiterhin niedriger. Das bedeutet, dass die Bevölkerung der Industrieländer und damit auch deren Erwerbsbevölkerung weiter schrumpft. Darüber hinaus haben frühere Studien, soweit dem Autor bekannt, die Auswirkungen der Zuwanderung aus Kulturen mit traditionell höheren Geburtenraten auf den untersuchten Zusammenhang nicht berücksichtigt. Beispielsweise differenziert die Bundesstatistik bei der Berechnung der TFR nicht zwischen Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund, sondern lediglich zwischen Staatsbürgern und Ausländern insgesamt.
Solange diese beiden Fragen nicht besser erforscht sind, sollte die Bundesregierung, insbesondere im Falle einer möglichen konservativen Koalition, nicht voreilig die Erhöhung der weiblichen Beschäftigung als möglichen Ansatz zur Behebung des Fachkräftemangels in Betracht ziehen.
Ein schlankerer Staat
Eine relativ einfache und schnelle Möglichkeit, das Angebot an Fachkräften zu erhöhen, wäre die Entlassung von Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes. Zwischen 2005 und 2021 stieg die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Sektor von 4,6 auf 5,1 Millionen. Der Autor plädiert natürlich nicht unbedingt für Stellenstreichungen im Gesundheits- und Bildungswesen oder im Bereich der inneren Sicherheit. Man könnte beispielsweise die über 166.000 neuen, größtenteils gut qualifizierten Verwaltungsangestellten (im Bereich „politische Führung und Zentralverwaltung“), die seit 2005 eingestellt wurden, wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. [51]
Rückkehr deutscher Auswanderer
Bevor die Zuwanderung durch Ausländer motiviert wird, die Deutsch lernen, sich integrieren und gegebenenfalls eine Ausbildung absolvieren müssten, sollte die Bundesregierung Anreize schaffen, um die Auswanderung von Deutschen zu stoppen und umzukehren. Bis zur Großen Koalition (Union/SPD) war die Migrationsbilanz deutscher Staatsbürger nach Deutschland positiv, d. h. mehr Deutsche kehrten in die Bundesrepublik Deutschland zurück als sie verließen. Seit Merkels Amtsantritt ist die Migrationsbilanz jedoch negativ: Zwischen 2005 und 2021 verließen netto 792.633 Deutsche ihre Heimat. [52] Laut einer umfassenden Erhebung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung sind rund drei Viertel (73,4 Prozent) dieser Auswanderer Deutsche ohne Migrationshintergrund und die dringend benötigten Akademiker mit Hochschulabschluss (76 Prozent). Über zwei Drittel (68,2 Prozent) der Auswanderer befinden sich im besten Erwerbsalter zwischen 20 und 40 Jahren. Insgesamt sind 94,5 Prozent im erwerbsfähigen Alter.
17,4 Prozent der Auswanderer geben „Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland“ als Hauptgrund für ihre Auswanderung an, die Mehrheit verlässt Deutschland jedoch aus beruflichen Gründen (57,5 Prozent). Auswanderer verdienen nach ihrem Umzug durchschnittlich 1.200 Euro mehr als zuvor. Die wichtigsten Herkunftsländer sind die Schweiz, die USA, Österreich und Großbritannien. [53] , [54]
Die Frage, wie die Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte am besten gestoppt und umgekehrt werden kann, ist komplex und lässt sich nicht durch einzelne Anreize allein lösen, da sie letztlich Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit als Wirtschafts- und Lebensstandort beeinträchtigt. Die oben erwähnte Studie legt jedoch nahe, dass hohe Steuerbelastungen ein erhebliches Hindernis für die Gewinnung hochqualifizierter Arbeitskräfte darstellen. Wie bereits erwähnt, hat Deutschland die zweithöchste Lohnsteuerbelastung weltweit. Die Bundesregierung könnte daher erwägen, die durchschnittliche Lohnsteuerbelastung auf das Niveau der USA und Großbritanniens von maximal 30 Prozent zu senken.
Qualifizierte Einwanderung
Nachdem die Bundesregierung die Rückkehr deutscher Auswanderer gefördert hat, könnte sie gegebenenfalls auch Maßnahmen zur Anwerbung geeigneter ausländischer Fachkräfte in Erwägung ziehen. Diese sollten nach Kriterien wie den erforderlichen beruflichen Qualifikationen, einem voraussichtlichen positiven fiskalischen Beitrag zum Staatshaushalt und einer relativ guten Integrationsfähigkeit in die deutsche Gesellschaft ausgewählt werden. Wie wir in den ersten beiden Teilen unserer Analyse gesehen haben, stammen diese Fachkräfte überwiegend aus west- und ostasiatischen Ländern. Selbstverständlich wäre es einseitig, die Einwanderungspolitik ausschließlich auf der Grundlage der Nationalität zu gestalten, da es in jeder nationalen Einwanderergruppe auch geringqualifizierte Arbeitskräfte gibt, die den Anforderungen des Arbeitsmarktes nicht entsprechen und Kosten für den Sozialstaat verursachen. Daher sollte Deutschland, wie bereits erwähnt, eine kontrollierte Einwanderungspolitik verfolgen, die auf Qualifikation, Integration und Arbeitsmarkt basiert.
Erhöhung des Bildungsniveaus
Laut den PISA-Tests sind die Kompetenzen deutscher Schülerinnen und Schüler seit 2012 bis 2018 (letzte Erhebung) kontinuierlich gesunken, von 514 auf 500 Punkte in Mathematik und von 524 auf 503 Punkte in den Naturwissenschaften. Damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld. Zwischen den Studienjahren 2011/12 und 2021/22 ging die Zahl der Studienanfänger im MINT-Studiengang an deutschen Universitäten um über 17 Prozent zurück, von 208.000 auf 172.000. Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der MINT-Absolventen an allen Schulabgängern von 35 auf 31,8 Prozent. Seit dem Amtsantritt von Angela Merkel ist der Anteil der 30- bis 34-Jährigen und der 35- bis 39-Jährigen mit MINT-Berufsausbildung kontinuierlich gesunken, von 22,3–24 Prozent im Jahr 2005 auf 16,3–18,3 Prozent im Jahr 2019. [55]
Die Zahl der bestandenen Meisterprüfungen in deutschen Handwerksberufen sank um 11 Prozent von 22.000 im Jahr 2005 auf 19.600 im Jahr 2021. [56]
Wie bereits eingangs erwähnt, vergrößert sich die Qualifikationslücke mit steigendem Bildungs- und Berufserfahrungsniveau, während gleichzeitig ein Überangebot von einer Million ungelernter Arbeitskräfte besteht. Bund und Länder sollten daher eine neue, ambitionierte Bildungspolitik mit Programmen zur Anhebung des Bildungsniveaus der inländischen Arbeitskräfte bereits in Deutschland entwickeln. Detaillierte Empfehlungen hierzu würden jedoch den Rahmen dieser Studie sprengen.
Willkommenskultur für Kinder
Wie bereits erwähnt, ist der Fachkräftemangel größtenteils auf den demografischen Wandel zurückzuführen. Die geburtenstarken Jahrgänge der Deutschen gehen in Rente, und es stehen immer weniger junge Menschen zur Verfügung, um sie zu ersetzen. Dies ist die aktuelle Situation. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich dieser Trend zwangsläufig fortsetzen muss. Anstatt ihn einfach hinzunehmen, sollte die Bundesregierung alles daransetzen, die gesunde Reproduktion der deutschen Bevölkerung so weit zu sichern, dass der künftige Bedarf des Arbeitsmarktes gedeckt werden kann. Eine familienfreundliche Politik ist dafür unerlässlich.
Die empirische Forschung zeigt relativ deutlich, dass einerseits fiskalische Anreize – wie Direktzahlungen, Mutterschaftsgeld, zinslose Hypothekendarlehen für Wohneigentum, Steuervergünstigungen und die Aufteilung der Familiensteuer sowie verbesserte Rentenbedingungen – und andererseits eine verbesserte Kinderbetreuung zu den wirksamsten staatlichen wirtschaftspolitischen Instrumenten zur Steigerung der Geburtenrate zählen. [57] Wie bei der Bildungspolitik liegt eine detaillierte Bewertung jeder dieser Maßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Kosten und Durchführbarkeit außerhalb des Rahmens dieser Analyse.
In Deutschland gab es beispielsweise im Jahrzehnt zwischen 2012 und 2022 etwas mehr als eine Million Abtreibungen. Bis 2040 hätten diese Menschen theoretisch das Erwerbsalter erreichen können. Im Jahrzehnt zwischen 2003 und 2012 wurden in Deutschland 1,17 Millionen Abtreibungen vorgenommen, zwischen 1993 und 2002 waren es fast 1,32 Millionen. [58] Das bedeutet: Hätte es seit 1993 keine Abtreibungen gegeben – abgesehen von medizinischen oder strafrechtlichen Gründen, die durchschnittlich nur 5,6 Prozent aller Abtreibungen ausmachen –, hätte der vom IW Köln für 2040 prognostizierte Fachkräftemangel von 3,3 Millionen theoretisch ohne Zuwanderung, also mit der eigenen Geburtenrate, problemlos gedeckt werden können.
Zwischen 1993 und 2021 wurden in Deutschland über 21,3 Millionen Babys geboren. [59] Die Gesamtfertilitätsrate (TFR) deutscher Frauen lag in diesem Zeitraum durchschnittlich bei 1,33 (1,84 für in Deutschland lebende Ausländerinnen). [60] Wäre die TFR in diesem Zeitraum bei 2,1 gelegen, also über der Reproduktionsrate, wären über 12,5 Millionen zusätzliche Kinder geboren worden, die theoretisch bis 2040 das Erwerbsalter erreicht hätten.
Digitalisierung und Robotisierung
Schließlich sollte der zunehmende Fachkräftemangel nicht (nur) als Problem, sondern vielmehr als Chance zur Modernisierung betrachtet werden, wie Ragnitz (2023) zu Recht betont. [61] Wie bereits erwähnt, könnten die durch diesen Arbeitskräftemangel ausgelösten Preissignale die deutsche Produktionsstruktur dazu zwingen, sich von der Aufstockung der fehlenden Arbeitskräfte (L) hin zu einem verstärkten Einsatz von Kapital (K) und Technologie (a) zu verlagern. Anders ausgedrückt: Deutschland könnte dem demografischen Wandel im Inland nicht durch Zuwanderung begegnen, sondern dem Beispiel Japans und Koreas folgen und verstärkt auf Digitalisierung, KI und Roboter setzen. Japan beispielsweise hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 2,4 Millionen Arbeitsplätze durch Roboter zu ersetzen. [62]
Laut Bundesbank (2021) sank die durchschnittliche Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität zwischen 1975 und 2020 von 4,5 Prozent jährlich auf unter 1 Prozent. Neben dem demografischen Wandel sind die Hauptgründe für die niedrigeren Wachstumsraten das rückläufige Wachstum der Kapitalintensität und der durch die Klimapolitik erzwungene Strukturwandel der Wirtschaft, der zu einer Verlagerung von Arbeitskräften in weniger produktive Sektoren führt. [63] Verschiedene Studien, beispielsweise aus Dänemark [64] und Deutschland [65], haben im Übrigen gezeigt, dass die Zuwanderung billiger ausländischer Arbeitskräfte – unter sonst gleichen Bedingungen – die Anpassungsfähigkeit von Robotern bremst und somit das Produktivitätswachstum auf Unternehmensebene verringert.
In einer früheren Studie schätzte der Autor den Effekt möglicher politischer Maßnahmen zur Beschleunigung der Digitalisierung auf ein zusätzliches jährliches Wachstum von 0,4 Prozent des BIP. [66]
Obwohl Konservative die Entfremdung zwischenmenschlicher Beziehungen durch Technologie kritisieren, kann die Robotisierung angesichts eines schrumpfenden heimischen Arbeitskräftepools als potenzielles Mittel zur Verringerung des Bedarfs an Niedriglohnzuwanderung betrachtet werden. Länder mit einer alternden Bevölkerung, wie beispielsweise Deutschland, eignen sich zudem besser für die Robotisierung: Forscher der Boston University (2018) stellten eine leicht positive Korrelation zwischen der Einführung von Robotern und einem höheren Anteil an Arbeitnehmern mittleren Alters fest, da diese tendenziell höhere Löhne beziehen, wodurch der Einsatz von Robotern kosteneffizienter wird. [67]
Selbst mit dem aktuellen Stand der Robotertechnologie ließe sich der Bedarf an etwa 1,4 Millionen Ausländern, die derzeit in verschiedenen, auf Zuwanderung angewiesenen, gering qualifizierten Berufen wie Reinigung, Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion, Lagerlogistik usw. beschäftigt sind, decken (Abbildung 4.). [68]
Abbildung 4. Robotisierungspotenzial von stark von Zuwanderung geprägten Berufsgruppen in Deutschland (2021)

Hinweis: Pro 1.000 Beschäftigte (linke Achse), in Prozent (rechte Achse). Quelle: Bundesagentur für Arbeit, IAB, Bundesregierung (Pflegeberufe).
Quellen
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[2] IAB (2023). IAB-Stellenerhebung. URL: https://iab.de/das-iab/befragungen/iab-stellenerhebung/aktuelle-ergebnisse/
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[5] WirtschaftsWoche (2017). 2040 könnten in Deutschland 3,3 Millionen Fachkräfte fehlen. URL: https://www.wiwo.de/politik/deutschland/studie-warnt-vor-enormem-fachkraeftemangel-2040-koennten-in-deutschland-3-3-millionen-fachkraefte-fehlen/20257718.html
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[7] Wirtschafswoche (2022). Studie: Fehlende Arbeitskräfte kosten über 80 Milliarden im Jahr. URL: https://www.wiwo.de/politik/konjunktur/fachkraeftemangel-studie-fehlende-arbeitskraefte-kosten-ueber-80-milliarden-im-jahr/28732828.html | Harnoss J. et al. (2022). Migration Matters: A Human Cause with a
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[8] Handelsblatt (2018). Fachkräftemangel kostet deutsche Wirtschaft mehr als 500 Milliarden Euro. URL: https://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/studie-fachkraeftemangel-kostet-deutsche-wirtschaft-mehr-als-500-milliarden-euro/21250414.html | Korn Ferry (2018). The Global Talent Crunch. URL: https://infokf.kornferry.com/global_talent_crunch_web.html
[9] For example, on the cultural-religious aspect of continued mass immigration to Germany, see: Kofner Y. (2022). Islamization of Germany and Austria or Christian revival: status quo, outlook, and policy measures. MIWI Institute. URL: https://miwi-institut.de/archives/2461
[10] Hickmann H., Koneberg F. (2022). Die Berufe mit den aktuell größten Fachkräftelücken. IW Köln. URL: https://www.iwkoeln.de/studien/helen-hickmann-filiz-koneberg-die-berufe-mit-den-aktuell-groessten-fachkraefteluecken.html
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[12] Köhne-Finster S., Tiedemann J. (2023).
[13] Anger C. et al. (2022). MINT-Herbstreport 2022. URL: https://www.iwkoeln.de/studien/christina-anger-julia-betz-enno-kohlisch-axel-pluennecke-mint-sichert-zukunft.html
[14] Destatis (2021). Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse des Mikrozensus 2021. URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Migration-Integration/Publikationen/_publikationen-innen-migrationshintergrund.html
[15] Destatis (2023). Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland 1991 bis 2021. URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Wanderungen/Tabellen/wanderungen-alle.html
[16] The large number of immigrants categorised as “unknown abroad” symbolises the practice of many asylum seekers throwing away their passports before crossing the border illegally in order to avoid being returned.
[17] Destatis (2023a). Wanderungen zwischen Deutschland und dem Ausland: Deutschland, Jahre, Nationalität, Geschlecht. URL: https://www-genesis.destatis.de/genesis/online?operation=previous&levelindex=0&step=0&titel=Statistik+%28Tabellen%29&levelid=1678972187644&acceptscookies=false#abreadcrumb
[18] BAMF. (2023). Anzahl der Asylanträge (insgesamt) in Deutschland von 1995 bis 2023. Statista. URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/76095/umfrage/asylantraege-insgesamt-in-deutschland-seit-1995/
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[20] Here and further: Destatis (2021).
[21] Brücker H. et al. (2020). Integration in Arbeitsmarkt und Bildungssystem macht weitere Fortschritte. IAB. URL: http://doku.iab.de/kurzber/2020/kb0420.pdf
[22] Plünnecke A. (2023). Inder, Nordeuropäer und Österreicher verdienen in Deutschland am meisten. IW Köln. URL: https://www.iwkoeln.de/studien/axel-pluennecke-inder-nordeuropaeer-und-oesterreicher-verdienen-in-deutschland-am-meisten.html
[23] See, for example, the following study: Holger H., Zimmermann K.F. (2014). Does the Calculation Hold? The Fiscal Balance of Migration to Denmark and Germany. IZA. URL: https://www.iza.org/en/publications/pp/87/does-the-calculation-hold-the-fiscal-balance-of-migration-to-denmark-and-germany
[24] Finansministeriet (2021). Økonomisk Analyse: Indvandreres nettobidrag til de offentlige finanser i 2018. URL: https://fm.dk/udgivelser/2021/oktober/oekonomisk-analyse-indvandreres-nettobidrag-til-de-offentlige-finanser-i-2018/
[25] van de Beek J. et al. (2021). Grenzeloze Verzorgingsstaat; De Gevolgen van Immigratie voor de Overheidsfinanciën. University of Amsterdam. URL: http://www.demo-demo.nl/files/Grenzeloze_Verzorgingsstaat.pdf
[26] Ruist J. (2019). The fiscal lifetime cost of receiving refugees. CREAM. URL: https://www.cream-migration.org/publ_uploads/CDP_02_19.pdf
[27] Mediendienst Integration (2022). Wie viele Menschen mit Migrationshintergrund sind arbeitslos? URL: https://mediendienst-integration.de/integration/arbeitsmarkt.html
[28] Brückner H. et al. (2023). Zuwanderungsmonitor. Februar 2023. IAB. URL: https://doku.iab.de/arbeitsmarktdaten/Zuwanderungsmonitor_2302.pdf
[29] Junge Freiheit (2022). So viel gibt Deutschland für ausländische Hartz-IV-Empfänger aus. URL: https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2022/hartz-iv-auslaender/
[30] Brückner H. et al. (2023).
[31] Moldenhauer J. (2018). Die Kosten der Zuwanderung in die BRD und nach Westeuropa – eine Meta-Analyse. Friedrich-Friesen-Stiftung. URL: https://www.friedrich-friesen-stiftung.de/wp-content/uploads/2018/01/Die-Kosten-der-Zuwanderung-in-die-BRD-und-nach-Westeuropa.pdf
[32] See the meta-study: Peri G. (2014) Do immigrant workers depress the wages of native workers?. IZA. URL: https://wol.iza.org/articles/do-immigrant-workers-depress-the-wages-of-native-workers/long
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[61] Ragnitz J. (2023). Modernisierungsschub durch Fachkräftemangel. ifo Institut. URL: https://www.ifo.de/publikationen/2023/aufsatz-zeitschrift/modernisierungsschub-durch-fachkraeftemangel
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[63] Deutsche Bundesbank (2021). The slowdown in euro area productivity growth. URL: https://www.bundesbank.de/resource/blob/858448/144b27fb6dae9364eff8c7e6a4a74fb4/mL/2021-01-produktivitaetswachstum-data.pdf
[64] Mann K., Pozzoli D. (2022). Automation and Low-Skill Labor. IZA. URL: https://docs.iza.org/dp15791.pdf
[65] Danzer A. et al. (2020). Does cheap labour supply slow automation innovation? KU Eichstaett-Ingolstadt. URL: https://miwi-institut.de/archives/691
[66] Kofner Y. (2021). Blue Deal: Fiscal and economic effects of the AfD’s economic program. MIWI Institute. URL: https://miwi-institut.de/archives/1284
[67] Acemoglu D., Restrepo (2018) Demographics and Automation. Boston University. URL: https://economics.mit.edu/files/15056
[68] Author’s calculations based on: Destatis (2022). Anteil von Deutschen und Ausländern in verschiedenen Berufsgruppen in Deutschland am 30. Juni 2021. Statista. URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/167622/umfrage/auslaenderanteil-in-verschiedenen-berufsgruppen-in-deutschland/ | IAB (2021). Job Futuromat. URL: https://job-futuromat.iab.de/
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