Humanitärer Extremismus
_ Prof. Dr. Eric Kaufmann, Gastforscher, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). 7. August 2026. *
Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen
- Individuelle Freiheit und Vernunft müssen wieder Vorrang vor radikalisiertem Egalitarismus und Humanitarismus erhalten. Gleichheit und Mitgefühl bleiben wichtige zivilisatorische Errungenschaften, dürfen jedoch nicht zu Prinzipien absolutiert werden, die Meinungsfreiheit, Erkenntnisoffenheit, Leistungsprinzip und rationale Folgenabwägung verdrängen.
- Die historisch produktive Form des Egalitarismus bestand vor allem in gleichen Rechten und gleicher Behandlung vor dem Gesetz. Der Übergang von Rechtsgleichheit zu administrativ erzwungener Ergebnisgleichheit verändert den Charakter des egalitären Projekts und erzeugt neue Formen gruppenbezogener Bevorzugung, institutioneller Abhängigkeit und gesellschaftlicher Polarisierung.
- Der Humanitarismus muss von rationaler Distanz und universalistischen Regeln begrenzt werden. Empathie ist selektiv und kann einzelne Opfergruppen moralisch überhöhen, während andere Bedürftige aus dem Blick geraten. Institutionen sollten Entscheidungen daher anhand allgemeiner Kriterien, tatsächlicher Bedürftigkeit und überprüfbarer Folgen treffen.
- Die seit den 1960er Jahren fortschreitende Sakralisierung von Rasse, Geschlecht und sexueller Identität hat aus einem ursprünglich liberalen Antidiskriminierungsprojekt zunehmend ein System identitätspolitischer Tabus hervorgebracht. Universitäten, Medien, Verwaltungen und professionelle Institutionen müssen wieder Räume schaffen, in denen auch moralisch sensible Fragen ohne Sanktionierung untersucht werden können.
- Der immer weiter expandierende Schadensbegriff muss begrenzt werden. Nick Haslams Konzept des „concept creep“ zeigt, wie Begriffe wie Trauma, Diskriminierung und psychischer Schaden auf immer mehr Situationen ausgedehnt werden. Eine freiheitliche Gesellschaft benötigt Resilienz, Verhältnismäßigkeit und klare begriffliche Grenzen statt einer permanenten Ausweitung geschützter Verletzlichkeit.
- Die westliche Erkenntnisordnung muss auf der von Jonathan Rauch beschriebenen „Constitution of Knowledge“ beruhen: Behauptungen müssen Kritik, Gegenargumenten, Evidenz und institutionalisierter Überprüfung zugänglich bleiben. Moralische Gewissheit oder die behauptete Schutzwürdigkeit einer Gruppe dürfen keine Tatsachenbehauptung gegen Prüfung immunisieren.
- Die Aufklärung kann langfristig nur erhalten werden, wenn ihre Hierarchie der Prinzipien wiederhergestellt wird: Freiheit und Vernunft bilden das Fundament; Gleichheit und Humanität sind wertvolle, aber begrenzungsbedürftige Ergänzungen. Wo die Ergänzungen das Fundament zerstören, schlägt humanitärer Fortschritt in humanitären Extremismus um.
Aufklärung und Schattenaufklärung
Die Aufklärung beruht auf zwei zentralen Prinzipien, die es zu verteidigen gilt: individuelle Freiheit und Vernunft. Aus ihnen entwickelte sich die Abkehr von einem jenseitsorientierten Fatalismus hin zu diesseitigem Handeln mit dem Ziel, die menschlichen Lebensbedingungen zu verbessern. Beide Grundsätze stehen heute unter erheblichem Druck. Die Bedrohung geht jedoch nur teilweise von einer klassischen Gegenaufklärung aus. Zwei weitere Ideen, die nicht zum eigentlichen Kern der Aufklärung gehören, sich jedoch historisch mit ihr verbunden haben, sind Egalitarismus und Humanitarismus. Zusammen bilden sie eine „Schattenaufklärung“.
Egalitarismus und Humanitarismus besitzen starke biblische Wurzeln. Das Christentum enthält eine ausgeprägte moralische Hinwendung zu Schwachen, Armen und Unterdrückten. Karl Marx verspottete christliche und utopische Sozialisten sowie liberale Sozialreformer im Manifest der Kommunistischen Partei als „bourgeois socialists“ und subsumierte darunter Philanthropen, Humanitäre, Wohltätigkeitsorganisatoren, Tierschützer und Temperenzler. Die entsprechende Passage findet sich tatsächlich im dritten Teil des Kommunistischen Manifests. Friedrich Nietzsche griff die christliche Moral aus entgegengesetzter Richtung an. In Zur Genealogie der Moral analysierte er die christliche Moral als eine aus Ressentiment hervorgegangene „Sklavenmoral“, die Stärke und vornehme Selbstbehauptung moralisch zurückdränge.
Der moderne egalitär-humanitäre Komplex entstand, als die Aufklärung christliche Moralvorstellungen säkularisierte, politisierte und institutionell neu interpretierte. Jonathan Haidts The Righteous Mind bietet dafür eine moralpsychologische Entsprechung: Die politische Linke legt besonders starkes Gewicht auf Fürsorge und die Vermeidung von Schaden sowie auf Gleichheitsvorstellungen. Diese moralischen Impulse förderten über lange Zeit erheblichen menschlichen Fortschritt. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts überschritten sie jedoch zunehmend ihre produktiven Grenzen und begannen, die Freiheit und Rationalität zu beeinträchtigen, denen die moderne westliche Zivilisation einen erheblichen Teil ihrer Entwicklung verdankt.
Die produktive Phase des Egalitarismus
Die Spannung zwischen Freiheit und Gleichheit sowie zwischen Humanitarismus und Vernunft bestand von Beginn an. Radikale Strömungen der Aufklärung und der utopische Sozialismus stellten Privateigentum und traditionelle Familienstrukturen infrage. Robert Owens sozialistische Experimente, insbesondere New Harmony in Indiana, verkörperten den Versuch einer planmäßigen egalitären Gemeinschaft, scheiterten jedoch als dauerhaftes Gesellschaftsmodell. Owens grundlegende sozialreformerische Vorstellungen finden sich bereits in A New View of Society.
Für die liberalen Hauptströmungen der Aufklärung blieben diese Konflikte zunächst zweitrangig. Das Ancien Régime mit seinen rechtlichen Privilegien, ständischen Hierarchien und politischen Ausschlüssen bildete einen gemeinsamen Gegner. In einer hochgradig ungleichen, vielfach inhumanen, illiberalen und irrational organisierten Gesellschaft konnten Freiheit, Vernunft, Gleichheit und Humanität gleichzeitig erhebliche Fortschritte erzielen, ohne unmittelbar miteinander in einen fundamentalen Zielkonflikt zu geraten.
Im späten 18. und im 19. Jahrhundert konzentrierte sich der Egalitarismus wesentlich auf die Herstellung gleicher staatsbürgerlicher Rechte und die Beseitigung rechtlicher Geburts- und Standesprivilegien. T. H. Marshall rekonstruierte in Citizenship and Social Class die historische Entwicklung ziviler, politischer und sozialer Bürgerrechte. Politische Autorität verlagerte sich vom Monarchen zur Nation, Aristokratie und Klerus verloren Sonderstellungen, Feudalismus und Leibeigenschaft verschwanden zugunsten kapitalistischer Wirtschafts- und Lohnarbeitsverhältnisse, und rechtliche Statusunterschiede wurden schrittweise beseitigt.
Demokratische Partizipation weitete sich von kleinen politischen Eliten auf immer größere Bevölkerungskreise aus. In den angelsächsischen Gesellschaften wurden gleiche Rechte zunächst auf bislang ausgeschlossene religiöse Gruppen, später auf ethnische Minderheiten und Frauen ausgedehnt. Das Wahlrecht entwickelte sich von einem Privileg von Eigentümern über ein allgemeineres Männerwahlrecht hin zum allgemeinen Wahlrecht. Die weitgehende rechtliche Entkriminalisierung homosexueller Beziehungen markierte schließlich einen Höhepunkt jener positiven Phase des Egalitarismus, in der Gleichberechtigung grundsätzlich mit klassischer Freiheit und rationaler Rechtsordnung vereinbar blieb.
Parallel entwickelte sich der Humanitarismus. Grausame Strafpraktiken, Folter und Hexenverfolgung verschwanden, Duelle verloren ihre gesellschaftliche Akzeptanz und abolitionistische Bewegungen machten die moralische Bekämpfung der Sklaverei zu einem politischen Großprojekt. Im 19. Jahrhundert folgten Bewegungen gegen Kinderarbeit, für Armenfürsorge, Tierschutz und Frieden. Norbert Elias untersuchte diesen langfristigen Wandel gesellschaftlicher Verhaltensnormen in The Civilizing Process; Steven Pinker griff die langfristige Abnahme zahlreicher Formen zwischenmenschlicher Gewalt in The Better Angels of Our Nature auf. Kaufmanns ursprünglicher Beitrag behandelt diese Phase ausdrücklich als einen erheblichen Gewinn für die Menschheit.
Vom Progressivismus zum kosmopolitischen Humanitarismus
Seit dem späten 19. Jahrhundert versuchte die Progressive Bewegung in den Vereinigten Staaten, christliche egalitäre und humanitäre Moral auf die sozialen Probleme von Industrialisierung und Urbanisierung anzuwenden. Wirtschaftliche Ungleichheit, Armut und gesellschaftliche Desintegration sollten politisch korrigiert werden. Die frühen Progressiven besaßen allerdings erhebliche blinde Flecken gegenüber Einwanderern, Nichtprotestanten und Schwarzen. Im frühen 20. Jahrhundert wurden diese Positionen durch einen stärker kosmopolitischen liberalen Progressivismus abgelöst. Mina Carsons Settlement Folk dokumentiert die Entwicklung des amerikanischen Settlement Movement und seines sozialreformerischen Denkens.
Parallel verschob sich der Mainline-Protestantismus nach 1910 in eine ökumenische und kosmopolitisch-humanitäre Richtung. Religiöse Begründungen verloren anschließend schrittweise an Bedeutung, während die daraus hervorgegangenen moralischen Kategorien erhalten blieben. Kaufmann hat diesen Prozess in The Rise and Fall of Anglo-America ausführlich analysiert. Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung der 1940er bis frühen 1960er Jahre bildete den letzten großen Zusammenschluss religiöser und säkularer Formen dieses Humanitarismus. Fabianischer Sozialismus und Sozialdemokratie institutionalisierten gleichzeitig egalitär-humanitäre Vorstellungen im Wohlfahrtsstaat, in den USA im New Deal und in Europa vor allem nach 1945.
Rassentabu und kulturelle Radikalisierung
Der entscheidende Wandel erfolgte mit dem Aufstieg der Rassenfrage zum zentralen moralischen Konflikt der westlichen Gesellschaften. Die gesellschaftliche Wahrnehmung rassischer Ungleichheit veränderte die moralischen Normen der amerikanischen Elite innerhalb kurzer Zeit grundlegend. Rassismus wurde zum höchsten sakralisierten Tabu. Damit begann die destruktive Phase der Schattenaufklärung, in der die illiberalen Kosten des progressiven Egalitarismus und Humanitarismus zunehmend größer wurden als seine zusätzlichen humanitären Gewinne. Kaufmann entwickelt diese These ausführlich in The Third Awokening beziehungsweise Taboo.
Die New Left verband die moralische Energie des Antirassismus mit romantischem Antirationalismus, Identitätspolitik und wachsender Feindseligkeit gegenüber weißen Mehrheiten. Affirmative-Action-Quoten und frühe Formen der Cancel Culture überführten diese Entwicklung in institutionelle Praktiken. Auch die politische Rechte passte sich dem kulturellen Druck zunehmend an. William F. Buckley und neokonservative Kräfte bemühten sich um eine klare Distanzierung der Republikanischen Partei von Positionen, die als rassistisch etikettiert werden konnten, darunter Forderungen nach stärkerer Einwanderungsbegrenzung oder nach Abschaffung von Affirmative Action. Die politische Elite übernahm zugleich immer stärker Multikulturalismus und eine weitgehende Akzeptanz illegaler Migration. Diese Entwicklung schuf langfristig die Voraussetzungen für die Trump-Reaktion.
Seit den späten 1960er Jahren übernahmen immer mehr Bewegungen das moralpolitische Instrumentarium der Bürgerrechtsbewegung. Feministen, homosexuelle Aktivisten sowie nordirische und Québecer Nationalisten präsentierten sich als neue unterdrückte Gruppen und ersetzten universelle Argumentation zunehmend durch eine identitätspolitische Berufung auf historische Viktimisierung. Humanitäre Moral wurde damit zu einer politischen Ressource, die Gruppen einsetzen konnten, indem sie sich über vergangenes oder gegenwärtiges Leid definierten.
Susan Sontags berüchtigte Formulierung, die „white race“ sei der „cancer of human history“, entstand in diesem geistigen Klima. Die Aussage erschien in ihrem Beitrag zu einem Partisan Review-Symposium über Amerika; ihre Existenz und der ursprüngliche Zusammenhang sind dokumentiert. Die moralische Abwertung der traditionellen weißen und männlichen Mehrheitsgesellschaft erreichte damit eine neue ideologische Intensität.
Therapeutische Kultur und die Expansion des Schadensbegriffs
Gleichzeitig verband sich Humanitarismus mit der neuen psychotherapeutischen Kultur. Carl Rogers entwickelte in On Becoming a Person eine klientenzentrierte Psychotherapie, die Selbstentfaltung, subjektive Erfahrung, Akzeptanz und empathisches Verstehen in den Mittelpunkt rückte. In ihrer gesellschaftlich popularisierten Form verdrängte diese therapeutische Sensibilität ältere protestantische Vorstellungen von Selbstbeherrschung sowie die freudianische Skepsis gegenüber spontanen Emotionen. Verletzte Gefühle erhielten einen immer höheren moralischen Stellenwert.
Seit den 1980er Jahren wurden Begriffe wie Trauma, Vorurteil und Mobbing zunehmend ausgeweitet. Nick Haslam bezeichnet diesen Prozess als „concept creep“: psychologische Schadensbegriffe erweitern sich semantisch und erfassen immer mehr Erfahrungen und Verhaltensweisen. Sein einschlägiger Aufsatz Concept Creep: Psychology’s Expanding Concepts of Harm and Pathology erschien 2016 in Psychological Inquiry.
Die Selbstwertbewegung der 1980er und 1990er Jahre entwickelte sich so zur Kultur emotionaler Sicherheit und der Mikroaggressionen der 2010er Jahre. Resilienz wich einer institutionalisierten Opferkultur. Spätstadien des Humanitarismus erzeugen damit den Emotionalismus der Cancel Culture, verstärken narzisstische und neurotische Elemente der psychischen Krise junger Menschen und nähren antweiße, antimännliche und antinationale Ressentiments innerhalb einer umfassenden Critical-Race- und Gender-Ideologie.
Die Grenzen der Empathie
Empathie eignet sich nur begrenzt als Grundlage einer rationalen Moral. Paul Bloom zeigt in Against Empathy, dass Empathie selektiv, emotional verzerrend und auf besonders sichtbare Personen oder Gruppen fixiert sein kann, während rationale Anteilnahme universalere und konsistentere Entscheidungen erlaubt. Das moralische Weltbild zerfällt andernfalls in emotional privilegierte Opfer und vermeintliche Täter.
Diese Selektivität erzeugt konkrete Verteilungseffekte. DEI-Programme können Ressourcen bevorzugt nach Rasse und Geschlecht verteilen und dadurch andere Bedürftige, etwa Behinderte oder sozial Schwache, zurückstellen. Untersuchungen von Erin Cooley und Jazmin Brown-Iannuzzi zeigen zudem, dass die Hervorhebung von „White Privilege“ Einstellungen gegenüber armen Weißen beeinflussen und die Zuschreibung persönlicher Verantwortung für ihre Armut erhöhen kann.
Dasselbe Muster zeigt sich gegenüber weniger mobilen Angehörigen weißer Mehrheitsgesellschaften, die massive Einwanderung und ethnischen Wandel als Verlust vertrauter sozialer Strukturen erleben. Der kosmopolitische Humanitarismus bringt weit entfernten Gruppen häufig größere Empathie entgegen als ökonomisch und kulturell unter Druck stehenden Teilen der eigenen Bevölkerung. Gleichzeitig fördern Affirmative Action, ritualisierte Schuldbekenntnisse und „Land Acknowledgments“ eine dauerhafte Opferidentität, schwächen individuelle Handlungsfähigkeit und können historisch benachteiligte Gruppen psychologisch an eine Vorstellung permanenter Abhängigkeit binden.
Gad Saad fasst die extreme Form dieses Mechanismus unter dem Begriff „suicidal empathy“ zusammen. In Verbindung mit egalitären Quotenregimen und neomarxistisch geprägter Critical Race Theory entsteht jene ideologische Formation, die als „woke“ bezeichnet wird. Saads Suicidal Empathy behandelt die politische Gefahr einer Empathie, die Selbsterhaltung, Gegenseitigkeit und rationale Folgenabwägung verdrängt. Kaufmann verbindet diese Entwicklung mit der institutionellen Kontrolle progressiver Akteure über wesentliche Bereiche kultureller Produktion und Weitergabe. Die Folgen sind politische Polarisierung, kulturelle Stagnation und verschwendetes menschliches Potential.
Wenn die Schattenaufklärung die Aufklärung verdrängt
Egalitarismus und Humanitarismus waren ursprünglich ergänzende Bestandteile eines größeren aufklärerischen Komplexes, dessen tragende Prinzipien Freiheit und Vernunft bildeten. In ihrer radikalisierten Form haben die Nebenprinzipien jedoch begonnen, die Hauptprinzipien zu verdrängen. Politische und institutionelle Loyalität richtet sich zunehmend auf moralisch sakralisierte Gruppen statt auf universelle Regeln der Erkenntnis, der freien Gewissensbildung und der individuellen Freiheit.
Die Behauptung, biologisches Geschlecht müsse als beliebiges Spektrum behandelt werden, stark verzerrte Darstellungen polizeilicher Gewalt gegen unbewaffnete schwarze Männer, die pauschale Gleichsetzung der kanadischen Residential-School-Geschichte mit einem Genozid sowie die moralische Umdeutung von Abschiebung oder Inhaftierung zu Ausdrucksformen „weißen Nationalismus“ folgen demselben Muster: moralische Zugehörigkeit zu sakralisierten Gruppen wird höher bewertet als eine freiheitliche und evidenzbasierte Erkenntnisordnung.
Jonathan Rauch bezeichnet die institutionellen Regeln, durch die offene Gesellschaften Wahrheit aus Kritik, Wettbewerb, Evidenz und wechselseitiger Überprüfung erzeugen, als „Constitution of Knowledge“. Sein gleichnamiges Werk verteidigt diese Ordnung gegen Desinformation, ideologische Einschüchterung und Cancel Culture. Genau diese Verbindung von Freiheit und Vernunft muss wieder zum normativen Zentrum westlicher Gesellschaften werden. Die Schattenaufklärung muss auf jene dienende Funktion zurückgeführt werden, in der Gleichheit und Humanität menschlichen Fortschritt fördern, ohne individuelle Freiheit, rationale Erkenntnis und gesellschaftliche Selbstbehauptung zu zerstören.
Quellen & Literatur
- Marx K., Engels F. (1848). Manifesto of the Communist Party. Kapitel III: Socialist and Communist Literature. URL: https://www.marxists.org/archive/marx/works/1848/communist-manifesto/
- Nietzsche F. (1887/1989). On the Genealogy of Morals. New York: Vintage. Vgl. zur „Sklavenmoral“ auch die dokumentierte Penguin-Ausgabe.
- Haidt J. (2012). The Righteous Mind: Why Good People Are Divided by Politics and Religion. New York: Pantheon/Vintage.
- Owen R. (1813–1816). A New View of Society; or, Essays on the Principle of the Formation of the Human Character. London.
- Johnpoll B. K., Johnpoll L. (1981). The Impossible Dream: A Century and a Half of the American Left. Westport, CT: Greenwood Press.
- Marshall T. H. (1950). Citizenship and Social Class and Other Essays. Cambridge: Cambridge University Press.
- Elias N. (1939/1994). The Civilizing Process. Oxford: Blackwell.
- Pinker S. (2011). The Better Angels of Our Nature: Why Violence Has Declined. New York: Viking.
- Carson M. (1990). Settlement Folk: Social Thought and the American Settlement Movement, 1885–1930. Chicago: University of Chicago Press.
- Kaufmann E. (2004). The Rise and Fall of Anglo-America: The Decline of Dominant Ethnicity in the United States. Cambridge, MA: Harvard University Press.
- Steele S. (2006). White Guilt: How Blacks and Whites Together Destroyed the Promise of the Civil Rights Era. New York: HarperCollins.
- Kaufmann E. (2024). The Third Awokening: A 12-Point Plan to Roll Back Progressive Extremism. Bombardier Books.
- Vallières P. (1971). White Niggers of America. Übers. J. Pinkham. Toronto: McClelland and Stewart.
- Johnston H. (1994). “New Social Movements and Old Regional Nationalisms”. In: Laraña E., Johnston H., Gusfield J. R. (Hrsg.). New Social Movements: From Ideology to Identity. Philadelphia: Temple University Press, S. 267–287.
- Sontag S. (1967). Beitrag zum Symposium What’s Happening to America? Partisan Review. Die dort enthaltene Aussage zur „white race“ ist in zeitgenössischen und späteren Dokumentationen nachgewiesen.
- Rogers C. R. (1961). On Becoming a Person: A Therapist’s View of Psychotherapy. Boston: Houghton Mifflin.
- Haslam N. (2016). “Concept Creep: Psychology’s Expanding Concepts of Harm and Pathology”. Psychological Inquiry, 27(1), S. 1–17. DOI: 10.1080/1047840X.2016.1082418.
- Bloom P. (2016/2017). Against Empathy: The Case for Rational Compassion. New York: Ecco/Random House. Vgl. Autoren- und Verlagsnachweis.
- Cooley E., Brown-Iannuzzi J. L. et al. (2019). “Wealthy Whites and Poor Blacks: Implicit Associations between Racial Groups and Wealth Predict Explicit Opposition toward Helping the Poor”. Journal of Experimental Social Psychology, 82.
- Cooley E., Brown-Iannuzzi J. L. (2019). “Liberals Perceive More Racism than Conservatives when Police Shoot Black Men—But, Reading about White Privilege Increases Perceived Racism, and Shifts Attributions of Guilt, Regardless of Political Ideology”. Journal of Experimental Social Psychology, 85, 103885.
- Saad G. (2026). Suicidal Empathy. HarperCollins.
- Rauch J. (2021). The Constitution of Knowledge: A Defense of Truth. Washington, D.C.: Brookings Institution Press. URL: https://www.brookings.edu/books/the-constitution-of-knowledge/
- Kaufmann E. (2026). “Humanitarian Extremism: How the ‘Shadow Enlightenment’ Consumed the Enlightenment”. Academic Questions, 39(1), S. 43–47. DOI: 10.51845/39.1.9.
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