Nur noch die Orthodoxie kann Deutschland retten!
~ Zur Diskussion gestellt. ~
_ Dr. Hans-Thomas Tillschneider, MdL (AfD). Gastbeitrag für das Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). Querfurt, der 24.12.2025
Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen
- Angesichts der philosophischen und politischen Irrwege des 20. und 21. Jahrhunderts, wie Martin Heidegger 1966 erkannte, kann allein der christliche Gott den Deutschen und Europäern letzte Orientierung spenden – eine Einsicht, die sich heute umso dringlicher aufdrängt, weil menschliche Vernunft allein nicht mehr ausreicht, um die mannigfachen Haltlosigkeiten der Gegenwart zu überwinden.
- Die beiden großen deutschen Kirchensteuerkirchen – die Evangelische Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz – sind nicht mehr bloß schwach oder lax, sondern aktiv pervertiert: Sie erklären Sünde zur Rechtleitung und Rechtleitung zur Sünde, indem sie die „Ehe für alle“ begrüßen oder nachgeben, „geschlechtergerechte Sprache“ als Kampf gegen die gottgegebene Zweigeschlechtlichkeit propagieren, Abtreibung faktisch entkriminalisieren wollen, Völker und Nationen als „völkischen Nationalismus“ verdammen und den Teufel selbst als obsolet oder bloße Projektionsfläche abtun – alles verdichtet im Symbol der Regenbogenfahne, die sie inzwischen als Avantgarde des satanischen Regenbogenimperiums hissen.
- Während die evangelische Kirche bereits unrettbar verdorben und die katholische Kirche zumindest in Deutschland mehrheitlich erlösungsbedürftig ist, bleibt die Orthodoxie – die auf die byzantinische Tradition zurückgehenden Nationalkirchen des Ostens – als einziger großer Strom des Christentums vollkommen frei von diesen Verfallserscheinungen: Dort werden Familie aus Mann und Frau geheiligt, Zweigeschlechtlichkeit fraglos vorausgesetzt, die eigene Nation geehrt, der Teufel ernsthaft bekämpft und Gott in würdiger, uralter Liturgie die Ehre erwiesen, ohne jede Regenbogenfahne oder westliche Perversion.
- Die einzigartige Stärke der Orthodoxie liegt in ihrer Synthese aus universaler christlicher Botschaft und partikularer Nationalkirche: Jede orthodoxe Kirche ist zugleich ganz eigene Weg eines Volkes zu Gott in dessen Sprache und Kultur, wodurch Glaube und Nation sich gegenseitig stärken und gegen Atheismus, Nihilismus und Regenbogenkult immunisieren – eine Synthese, die der luftige Universalismus der westlichen Kirchen nie erreicht hat und die auch an die ursprüngliche griechisch-europäische und sogar frühe germanische christliche Tradition anknüpft.
- Deshalb kann nur noch die Errichtung einer eigenständigen deutschen Orthodoxie Deutschland retten: Sie muss an die vor-lateinischen germanischen Wurzeln (etwa die gotische Wulfilabibel) anknüpfen, eine reife deutsch-orthodoxe Liturgie entwickeln und die bisherige Ausländerkirchen-Struktur überwinden; diese nationale und zugleich rechtgläubige Synthese aus Deutschtum und Christentum ist die einzige Kraft, die den Schuldkult, den Nationalmasochismus und die gesamte geistige Auflösung unseres Volkes zu überwinden vermag – nicht durch eigene Kraft, sondern allein mit Gottes Hilfe. Alle Anstrengungen, die auf dieses Ziel gerichtet sind, verdienen daher uneingeschränkte Förderung und Unterstützung.
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„Nur ein Gott kann uns noch retten“, bekannte Heidegger 1966 in einem erst zehn Jahre später posthum veröffentlichten Interview mit Rudolf Augstein. Hauptthema des Interviews war Heideggers Verstrickung in den Nationalsozialismus. Der unbestimmte Artikel irritiert, so als könne man zurückfragen „Welcher Gott denn?“ Zögerlich und gleichsam agnostisch scheint darin doch die Ahnung des großen Philosophen angedeutet, dass die Philosophie allein das Leben und erst recht das politische nicht vor Irrwegen bewahren könne. Angesichts der Eingeschränktheit des menschlichen Horizonts und angesichts der Verirrungen des 20. Jahrhunderts drängt sich die Einsicht auf, dass wir auf unseren Wegen Orientierung von dorther brauchen, wo alle Einschränkungen aufgehoben sind, alles überblickt wird und alles in seinem letzten Grunde ruht. Und angesichts der mannigfachen Haltlosigkeiten und Irrwegen unserer eigenen Zeit wird das Drängen dieser Einsicht gewiss nicht schwächer.
Es versteht sich von selbst, dass für uns Europäer und Deutsche nur der christliche Gott und die christliche Tradition in Frage kommen. Das Problem des christlichen Anspruchs auf weltumspannende Universalität und Missionierung wollen wir beiseitelassen, denn es geht uns um unser Verhältnis zum Christentum, nicht um das Verhältnis des Christentums zur ganzen Welt. Zwar mag der Gläubige einwenden, wer den Missionsanspruch nicht für alle Welt gelten lasse, der könne auch auf seinem Fleckchen Erde kein rechter Christ sein, jedoch ist die Perspektive dieser Zeilen schlicht eine andere, und zwar die Perspektive einer vorsichtigen, von der Politik ausgehenden, ersten Annäherung an den Glauben. Wir fragen, ob das Christentum uns selbst als deutschen und europäischen Menschen Orientierung spenden könne, und woher sie der Inder und Chinese nimmt, sei dahingestellt.
Seit der Christianisierung Europas während der ersten nachchristlichen Jahrhunderte herrscht in Europa das Christentum. Angesichts der fundierenden Bedeutung des antiken Griechenlands für die europäische Kultur erscheint sodann die innige Verbindung von Griechentum und Urchristentum in den Gemeinden Kleinasiens und durch die spätere geistige wechselseitige Durchdringung wie eine Präfiguration der späteren Christianisierung Europas, die so nichts Zufälliges an sich hat, sondern als Ausdruck reiner Wesensnotwendigkeit verstanden werden muss. Der Islam wiederum ist nicht nur aufgrund militärischer Unterlegenheit an der Ausbreitung nach Europa hinein gescheitert, er musste daran scheitern, weil sein Wesen dem europäisch-griechischen Wesen zutiefst fremd ist. Selbst die viel zitierte Aristoteles-Rezeption islamisch-arabischer Philosophen wie Ibn Sina (Avicenna) und Ibn Rusd (Averroes) ist kein Argument gegen, sondern nur noch ein weiteres Argument für die Fremdheit des Islams, hat die Philosophie im Islam doch eine völlig andere Stellung und ein anderes Verhältnis zur Theologie als im christlichen Europa, so denn bezüglich des Islams mit seiner völlig anderen Einteilung des Wissens überhaupt von „Theologie“ und „Philosophie“ gesprochen werden kann.
Religiöse Orientierung kommt für uns also nur vom Christentum. Aber welche Kirche soll sie uns bieten? Ein Christentum ohne Kirche, ohne im Glauben geeinte Gemeinschaft, ist nichts. Zumindest wäre es eine Angelegenheit subjektiver Überzeugungen ohne jede soziale Wirkung, die ganz im forum internum verbliebe und dem politischen Handeln so kaum letzten Rückhalt bieten könnte. Die beiden großen Kirchen, in die sich seit der Reformation das deutsche Christentum teilt, aber kommen dafür nicht nur nicht mehr in Frage, ein solcher Versuch muss sich mittlerweile sogar offensiv gegen diese „Kirchen“ richten.
Die sog. Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sind selbst vom Verfall Deutschlands und Europas erfasst. Er zeichnet sich an ihnen sogar deutlicher ab als anderswo. Nicht nur werden offensichtliche Verstöße gegen göttliche Gebote und göttliche Ordnung zu schwach getadelt oder gar hingenommen, was immer noch Zeichen einer Laxheit wäre, die sich durch Strenge und Anstrengung heilen ließe; die EKD und die Bischofkonferenz geben die Sünde als Rechtleitung aus und die Rechtleitung als Sünde, leiden also nicht an Schwäche, sondern an Perversion – ein Übel, dem nicht durch Anstrengung, sondern nur durch Umkehr, nicht durch Strenge, sondern nur durch Rückbesinnung abgeholfen werden könnte. Wenn die Kirchensteuerkirchen Schwäche zeigen, ist das deshalb sogar begrüßenswert, denn es ist besser, die Perversion trete schwächlich auf als stark. Weder die Bereitschaft noch die Fähigkeit zu Umkehr und Rückbesinnung sind in den beiden Kirchensteuerkirchen erkennbar, sondern seit Jahren und Jahrzehnten nur eine stete Vertiefung der Perversion und ein stetes Voranschreiten in die Verkehrung aller Dinge. Ich greife nach Art eines Überblicks das Offensichtlichste heraus.
– Angesichts der Eindeutigkeit, mit der die Familie aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen, sowohl im Alten als auch im Neuen Testament wie auch in aller christlichen Tradition als die Lebensform des Menschen erscheint, die Gottes Schöpfungswillen entspricht, sollte jede christliche Kirche sich ohne Wenn und Aber zu dieser Familie als normativer Normalität bekennen. Die EKD und die Bischofkonferenz aber bekennen sich nicht mehr nur nicht in der gebotenen Selbstverständlichkeit zur Familie aus Mann und Frau. Die EKD begrüßt ausdrücklich die „Ehe für alle“, die nichts anderes ist als ein Angriff auf die Exklusivität der Ehe gegenüber allen anderen Formen des Zusammenlebens, eine Entwertung der Ehe, die gleich gültig neben allen erdenklichen Sexualgemeinschaften gestellt wird. Die Deutsche Bischofskonferenz hat zwar 2017 die „Ehe für alle“ noch klar kritisiert, schon 2024 aber zeigt sie sich nachgiebiger und erklärt: „Herausfordernd für das christliche Verständnis von Ehe und Familie gestalten sich bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen, wie die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.“[1] Eine Herausforderung ist etwas, was man annimmt und meistert. Es ist also keine Frage, ob die katholische Kirche die gleichgeschlechtliche Ehe annimmt, sondern nur wann und mit welcher Begründung. Jetzt schon segnet die katholische Kirche trotz päpstlichen Tadels homosexuelle Paare und verspottet damit den göttlichen Segen.[2]
– Das sog. Gendern, irreführend als „geschlechtergerechte Sprache“ umschrieben, ist nichts anderes als der Versuch, den Unterschied zwischen den Geschlechtern in der Sprache aufzuheben, um so letztlich eine Aufhebung der Zweigeschlechtlichkeit in der Gesellschaft zu erreichen. Ist die Sprache Ausdruck gesellschaftlicher Normen, so soll sie im Gendern in einer manipulativen Wendung zum Instrument und Hebel zur Veränderung dieser Normen werden. Sie soll das, wovon sie Ausdruck ist, deformieren. Das Gendern zielt auch und gerade in seinen unauffälligsten Formen direkt auf die durch Gott im Akt der Schöpfung gesetzte Zweigeschlechtlichkeit des Menschen. Indem die EKD sich offen zur „geschlechtergerechten Sprache“ bekennt, stellt sie sich gegen Gott und beteiligt sich am Versuch, einen neuen Menschen zu schaffen, der sich in leerer Selbstvergötzung von Gott abwendet und meint, nicht mehr an das gottgegebene Geschlecht gebunden zu sein. Nicht minder deutlich bekennt die katholische Kirche sich in einer Broschüre der bischöflichen Kommission für Erziehung und Schule im Namen der Gerechtigkeit zur „geschlechtergerechten Sprache“.[3] Die deutschen Bischöfe kritisieren darin, dass das „statistische Faktum“, wonach die weitaus meisten Menschen heterosexuell sind, „ohne Weiteres als normatives Leitbild für die ‚richtige‘ sexuelle Orientierung oder die ‚richtige‘ geschlechtliche Identität ausgewiesen wird“ und sehen darin sogar eine Form der „Diskriminierung“. Dabei müssten sie entsprechend dem Zeugnis der Bibel diese Voraussetzung von Normalität als Ausdruck der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, der als Mann und Frau erschaffen wurde, gutheißen.
– Abtreibung ist die durch nichts zu rechtfertigende Tötung des ungeborenen Lebens, die aber heute durch die nichtigsten Gründe gerechtfertigt wird, ja faktisch freigestellt ist. Während die katholische Kirche an der aktuell geltenden gesetzlichen Regelung, die auf einer weitestgehend folgenlosen Feststellung der Strafbarkeit des Schwangerschaftsabbruchs beruht, festhält und den Schwangerschaftsabbruch zumindest symbolisch verurteilt wissen will, strebt die Evangelische Kirche eine Regelung „außerhalb des Strafrechts“[4] an. Eine aus christlichem Lebensschutz gebotene Verschärfung der aktuellen Regelungen aber fordert keine der beiden Kirchen.
– Noch gleichgültiger als die Kirchen dem ungeborenen Leben gegenüberstehen, stehen sie den Völkern gegenüber. Der Turmbau zu Babel erklärt die Vielfalt der Völker zwar als Strafe für eine gotteslästerliche Vereinigung aller Menschen, erkennt diese Vielfalt damit aber zugleich an. Die Vielfalt der Völker ist eine existentielle Strafe vergleichbar der Geburt unter Schmerzen und damit untrennbarer Teil der conditio humana. Der Mensch an sich existiert nur im Paradies und im Himmel. Auf Erden aber ist der Mensch immer nur als Angehöriger eines Volkes gegeben, weshalb der Missionsbefehl sich auch auf „alle Völker“ und nicht auf einzelne Menschen bezieht. Jeder Mensch hat ein Vaterland und eine Muttersprache. Die Bischofskonferenz und die EKD aber verdammen jedes Bekenntnis zu den Völkern und jede Kritik am gotteslästerlichen Globalismus als „völkischen Nationalismus“.
– Das mag schon genügen, um zu zeigen, dass die beiden Kirchensteuerkirchen nicht mehr einer göttlichen, sondern einer gegengöttlichen Macht verpflichtet sind. Doch um das Maß voll zu machen, demonstriert die Kirche ihre ganze Teufelsergebenheit, indem sie seine Existenz leugnet. Wie der französische Dichter Baudelaire treffend formuliert hat, besteht der beste Trick des Teufels darin, einen glauben zu machen, er existiere nicht. So kann er sich ungestört auswirken und ausbreiten. Die EKD hat den Glauben an den Teufel offiziell für obsolet erklärt.[5] Während die katholische Kirche in hochoffiziellen Texten noch an seiner Existenz festhält, mehren sich Stimmen, die ihn als eine „Erklärung für das Böse“ wegerklären wollen.[6]
– All diese Motive: die Relativierung der Ehe, die Aufhebung der Zweigeschlechtlichkeit, die Hinnahme der massenweisen Tötung des ungeborenen Lebens, die Aufhebung der Völker in einer babylonischen Menschheits-Alleinheit und die Leugnung der Existenz des Teufels verdichten sich in der Regenbogenfahne als dem Symbol dieser Perversionen. Und die Regenbogenfahne gehört mittlerweile zum Standardinventar der Kirchensteuerkirchen. Die katholischen Kirchen in Deutschland hissen die Regenbogenflagge unter anderem explizit als Protest gegen das vatikanische Verbot der Segnung von Homosexuellen.[7] In der Evangelischen Kirche ist eine solche Beflaggung zwar verboten, weil angesichts der Korrumpierung der evangelischen Kirchen durch den Nationalsozialismus ein Kirchengesetz von 1947 jede Art der Beflaggung außer mit Kreuzfahnen untersagt. Allerdings beherzigt schon lange niemand mehr diese Regel, weshalb sie nun auch aufgehoben werden soll.[8] Um die Perversion zu vollenden, soll das Verbot aber nur zugunsten der Regenbogenflagge, nicht zugunsten der Deutschlandfahne aufgehoben werden.[9]
Die Kirche, die dem satanischen Regenbogenimperium Widerstand leisten sollte, fungiert als seine Avantgarde. Dass die EKD ganz und gar der Sünde verfallen ist und von satanischen Mächten beherrscht wird, bedarf keines Beweises mehr. Zwar halten sich in der katholischen Kirche noch starke Nester des Widerstandes wie etwa die ehrwürdige Piusbruderschaft, aber diese Kreise sind zumindest in Deutschland in der Minderheit und in stetem Rückzug begriffen. Wer Hilfe von der katholischen Kirche erhoffte, müsste ihr zuerst selbst helfen. Während die evangelische Kirche so verdorben ist, dass sie nicht mehr errettet werden kann, muss die katholische Kirche selbst errettet werden, kann also bei der Errettung unseres Vaterlandes nicht helfen.
Es gibt aber einen großen Strom der christlichen Tradition und einen starken Zweig der Christenheit, der von diesem Verfall nicht betroffen ist. In diesen Kirchen sind Regenbogenfahnen undenkbar. Würde sie jemand hissen, würden sich sofort beherzte Gläubigen finden, die sie herunterreißen. Dort wird die Familie geheiligt, die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen fraglos vorausgesetzt, die eigene Nation geehrt, der Teufel bekämpft, dort werden die Heiligen verehrt und dort wird Gott die Ehre erwiesen. Ich meine die Orthodoxie, also die auf die byzantinische Kirche zurückgehenden Nationalkirchen des Ostens. Wie durch ein Wunder sind diese Kirchen frei von allen Verfallserscheinungen, die wir in der katholischen und evangelischen Kirche finden.
Dies betrifft nicht nur die Kirchen, sondern auch ihre Völker. Die Bulgaren, die Serben, die Rumänen, die Georgier, die Russen und die Weißrussen, sie alle sind anders als die Völker des Westens frei von Einflüssen des Regenbogenkults. Wenn sich der Regenbogenkult in diesen Ländern zeigt, dann wird er aus dem Westen finanziert und trifft auf massiven Widerstand. Man sagt, der Fisch stinkt vom Kopfe her. Unser Europa aber stinkt vom Westen her. Es scheint müßig zu fragen, ob die starken östlichen Nationen die Orthodoxie vor dem Verfall bewahrt haben oder ob die orthodoxen Kirchen die Nationen vor dem Verfall geschützt haben. Nationalkultur und Kirche scheinen sich gerade in ihrer innigen Einheit unterstützt und gestärkt zu haben.
Möglicherweise liegt eine Ursache der orthodoxen Widerständigkeit darin, dass nach dem Schisma von 1054 die Westkirche mit dem Papst ein zentrales Weltoberhaupt behielt, während die Ostkirche, nur Christus selbst als Oberhaupt anerkennend, sich in vielen gleichrangig nebeneinanderstehenden Nationalkirchen organisierte. Verbunden durch die eine christliche Botschaft und die biblische Tradition, hat sich das Christentum in der Orthodoxie so sehr der jeweiligen Nationalkultur anverwandelt wie in keiner anderen Glaubensrichtung. Die griechische Tradition hat für die orthodoxe Kirche zwar eine gewisse Bedeutung, das Griechische aber ist keine Kirchen- und Liturgiesprache analog dem Latein der katholischen Kirche. Nach orthodoxer Lehre wird in jeder Kirche als Nationalkirche die Volkssprache gesprochen und soll jedes Volk eine Liturgie in seiner Sprache entwickeln. Jede Sprache ist göttlich und soll in einer eigenen Liturgie zu heiliger Vervollkommnung finden. So bildete sich in Synthese mit dem Glauben eine Nationalidentität, die fest gegründet und eben dadurch vor einem Abgleiten in Nationalwahn und Fanatismus gefeit ist.
Man besuche nur einmal einen rumänisch- oder serbisch- oder russisch- oder irgendeinen anderen orthodoxen Gottesdienst, um zu erfahren, wie stark und friedlich zugleich Rumänentum, Serbentum oder Russentum mit dem Glauben verbunden sind. Durch die nationale Relativierung des katholischen Universalismus scheinen die orthodoxen Kirchen gegen die Ausbreitung jener Fehlentwicklungen immun geworden zu sein, wie sie heute durch die Regenbogenfahne symbolisiert werden. Glaube und Nation stärken sich gegenseitig. Eine im Glauben verankerte Nation lässt sich nicht ausreißen und auflösen und ein in die Nation eingebetteter Glaube ist doppelt gegen Atheismus und Nihilismus geschützt. Beides konvergiert in der Institution der normalen Familie, die für den Fortbestand des Volkes wie auch für den rechten Glauben wesentlich ist.
So bildet jede orthodoxe Nationalkirche ein fest verwurzeltes Bollwerk gegen den Ansturm des Regenbogenkults, während dem luftigen Universalismus der katholischen Kirchen die Bodenständigkeit fehlt, um den satanischen Mächten des Regenbogenimperiums standzuhalten. Im alten Streit zwischen Universalismus und Partikularismus haben die orthodoxen Kirchen eine vorbildliche Synthese geschaffen. Die orthodoxen Nationalkirchen sind die Form, in der sich das Christentum jeder Nation in ihrer Sprache zeigt, sind der ganz eigenen Weg jeder Nation zu Gott. Zugleich sind sie stärker als die katholische Kirche mit dem Griechentum als dem Urgrund Europas wie auch des Christentums verbunden. Vergessen wir nicht, dass der Auslöser des Schismas von 1054 n.Chr. eine Neuerung der Westkirche war. Die Westkirche hat dem nizänischen Glaubensbekenntnis von 381 an der Stelle, wo es heißt, dass der Heilige Geist aus dem Vater hervorgeht („ex Patre procedit“), die Phrase „filioque – und vom Sohn“ hinzugefügt, um zum Ausdruck zu bringen, dass der Heilige Geist von Vater und Sohn gleichermaßen ausgeht. Ohne näher auf die trinitätstheologischen Implikationen dieses Streits einzugehen, zeigt er doch, dass die orthodoxe Kirche in jedem Fall das ursprüngliche Bekenntnis bewahrt hat. Und dies gilt auch für das Ritual und weite Teile der Tradition.
Von der Orientierung am Julianischen Kalender bis hin zur Verehrung der Ikonen, die an die älteste Bilderverehrung anschließt, haben die orthodoxen Kirchen viel Urchristliches und Urkirchliches bewahrt, was in den anderen Kirchen verloren gegangen ist. Speziell die Ikonen sind in ihrer jedem historischen Wandel trotzenden kunsthandwerklichen Reproduzierbarkeit und in ihrer Zweidimensionalität ein Fenster zur Ewigkeit, das inmitten des unbestreitbaren historischen Wandels Halt bietet und jede Zeit bildlich an das erinnert, was immer gilt.
Die Orthodoxie legt mehr Wert auf die Würde der Kirche, betet mit mehr Ernst und Inbrunst an und verehrt das Verehrungswürdige höher. Mit einem tiefen Sinn für den Respekt, den der Gläubige dem Heiligtum schuldet, wird in der Kirche ein gesetztes und würdevolles, der Bedeutung des Ortes angemessenes Verhalten erwartet. Der Gläubige steht im orthodoxen Gottesdient und vollzieht das Ritual durch zahlreiche Verbeugungen, Bekreuzigungen und weitere Gesten mit, während die Gottesdienste in katholischen und evangelischen Kirchen Theatervorstellungen gleichen, die das Publikum zumeist sitzend verfolgt. Das orthodoxe Heiligtum ist so stärker aus der Welt herausgehoben als eine katholische und erst recht eine evangelische Kirche.
Bezeichnenderweise hat die orthodoxe Kirche nie eine Reformation als Rebellionen gegen eine von ihren Ursprüngen abgekommene, die Ursprünge nicht mehr weiterreichende, sondern verdeckende Tradition durchgemacht. Die orthodoxe Kirche hat sich anders als die katholische Kirche nie so weit von ihrem Urgrund entfernt, dass sie eine Reformation nötig gehabt hätte. Die orthodoxe Kirche ist immer noch in Form. Die orthodoxe Kirche verfügt über eine bis heute intakte Tradition, die Orthodoxie ruht seit tausend Jahren in sich.
In Deutschland, das seit der Übertragung der römischen Macht auf die Franken ganz in den Sog der römisch-katholischen Kirche geraten ist, hat sich keine Orthodoxie entwickelt. Ganz am Anfang der Christianisierung Europas aber dürften die Germanen ein frühes orthodoxes Christentum gepflegt haben, wie etwa die gotische Wulfilabibel zeigt, mit der über 1000 Jahre vor Luther bereits die Bibel in eine germanische Sprache übertragen wurde. Gerade diese vor der Latinisierung liegende Schicht aber bietet einen Ansatz für eine neue deutsche Orthodoxie, Anschluss an deutsch-christliche Ursprünge zu gewinnen. Die Entwicklung einer deutschen Liturgie kann sich mit diesem deutschen Urchristentum einig wissen. An vielen Orten wird an diesem Projekt gearbeitet. Der deutsche Geist manifestiert sich mehr und mehr in einer immer reiferen deutsch-orthodoxen Liturgie.
Noch aber krankt das orthodoxe Christentum in Deutschland daran, in den Kirchen der Einwanderer als eine Ausländerreligion gepflegt zu werden. Deutsche Orthodoxe besuchen notbehelfsmäßig diese Gottesdienste. Es wird Zeit, eine eigene deutsche Orthodoxie zu errichten. Die darauf gerichteten Anstrengungen tun Not und verdienen alle Förderung. Denn eine deutsche Orthodoxie wäre die einzige Möglichkeit, das deutsche Volk für den rechten Glauben wieder zu gewinnen. Die orthodoxe Synthese aus Deutschtum und rechtehrendem Christentum würde deutsche Identität und deutsches Christentum erhalten, das eine im anderen gründen und das heißt auch, die nationale Identität, die durch den Glauben Begrenzung findet, vor Überhöhung bewahren. Allein solcherart Stärkung, die das Gegenteil einer hohlen Hypertrophie im Extremismus ist, könnte unseren Nationalkomplex heilen. Schuldkult und Nationalmasochismus sind nicht rational durch Befolgung politischer Imperative, sondern nur mithilfe der Kraft des Glaubens überwindbar. Nicht am eigenen Schopf, sondern nur mit Gottes Hilfe können wir uns aus diesem Sumpf herausziehen. Nur noch die Orthodoxie kann uns retten.
Literatur & Fußnoten
- DBK (2024). Kommission für Ehe und Familie. DBK. URL: https://www.dbk.de/ueber-uns/bischoefliche-kommissionen/kommission-fuer-ehe-und-familie
- ZEIT (2025). Katholische Kirche: Bischofskonferenz – Bätzing zu Homosexualität und Segnung von Paaren. ZEIT. URL: https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-09/katholische-kirche-bischofskonferenz-baetzing-homosexualitaet-paare-segen
- DBK (2023). Orientierungshilfe zu Fragen von Segensfeiern für Paare. DBK. URL: https://www.dbk-shop.de/media/files_public/166bf6581adb9d49f8f6460292162a6f/DBK_1258.pdf
- DOMRADIO (2025). Evangelische Kirche konkretisiert Reformvorschläge zu Abtreibungen. DOMRADIO. URL: https://www.domradio.de/artikel/evangelische-kirche-konkretisiert-reformvorschlaege-zu-abtreibungen
- EKD (o. J.). Der Teufel – Basiswissen Glauben. EKD. URL: https://www.ekd.de/Teufel-Basiswissen-Glauben-11270.htm
- DOMRADIO (2024). Theologe sieht im Teufel vor allem eine Projektionsfläche. DOMRADIO. URL: https://www.domradio.de/artikel/theologe-sieht-im-teufel-vor-allem-eine-projektionsflaeche
- Bistum Würzburg (2023). Den Teufel als Person gibt es nicht. Bistum Würzburg. URL: https://www.bistum-wuerzburg.de/glaube-leben/impulse/detail/ansicht/den-teufel-als-person-gibt-es-nicht/
- DOMRADIO (2024). Fingerspitzengefühl gefragt – Wer entscheidet, ob Kirchen Regenbogenflaggen hissen? DOMRADIO. URL: https://www.domradio.de/artikel/fingerspitzengefuehl-gefragt-wer-entscheidet-ob-kirchen-regenbogenflaggen-hissen
- BILD (2024). Evangelische Kirche streitet um Regenbogenfahne. BILD. URL: https://www.bild.de/politik/inland/evangelische-kirche-streitet-um-regenbogenfahne-691218560166cd59ef99b116
- kath.net (2025). Bericht zu innerkirchlicher Debatte um Segnungen und Morallehre. kath.net. URL: https://www.kath.net/news/88893
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