Ölpreiskrise und Irankonflikt: Schwere Belastung für Deutschlands Wirtschaft

_ Prof. Dr. Ulrich van Suntum Gastforscher, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). 12.03.2026.*

Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen

  • Der Irankonflikt hat zu einem dramatischen Anstieg der Öl- (zeitweise +40 %) und Gaspreise (Verdopplung) geführt, was Deutschland in einer Phase geschwächter Industrie und leerer Staatskassen besonders hart trifft und das Risiko einer selbstverstärkenden Krise birgt.
  • Fossile Brennstoffe (Mineralöl ca. 36 %, Erdgas ca. 27 %) decken fast zwei Drittel des Primärenergiebedarfs; erneuerbare Energien erreichen nur etwa ein Fünftel und können die Importabhängigkeit nicht kompensieren, insbesondere nicht in energieintensiven Industrien wie Chemie und Stahl.
  • Der Atomausstieg hat die Abhängigkeit von Importen verstärkt (vor 2011: ca. ⅓ der Stromerzeugung aus Kernenergie); eine weitere Fokussierung allein auf Erneuerbare ignoriert die Marktverflechtungen und führt bei fossiler Knappheit zu höheren Strompreisen.
  • Anhaltende Preisanstiege (20–30 %) dämpfen das globale Wachstum um ca. 1 Prozent und treffen die stagnierende deutsche Exportwirtschaft (Stagnation seit Jahren) katastrophal; kurzfristige Effekte wären moderat (ca. -0,2 Prozentpunkte Wachstum, +0,5 Prozentpunkte Inflation).
  • Dringende Maßnahmen umfassen temporäre Senkung von Energiesteuern/Abgaben, Lockerung der EU-CO₂-Rechte (EU-Anteil globale Emissionen nur ca. 6 %), sowie umfassende Reformen zur Stärkung der wirtschaftlichen Resilienz, um Deindustrialisierung und Zweitrundeneffekte abzuwenden.

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Seit Ausbruch des Irankonflikts haben sich die Preise für Öl und Gas dramatisch erhöht. Der Ölpreis ist zeitweise um etwa 40 Prozent gestiegen, während der Gaspreis sich sogar verdoppelt hat. Diese Preisentwicklung trifft Deutschland in einer ohnehin vulnerablen wirtschaftlichen Situation. Im Unterschied zu früheren Energiekrisen ist die industrielle Basis bereits erheblich geschwächt, und die öffentlichen Haushalte sind weitgehend erschöpft. Es erscheint daher geboten, die Energiepolitik grundlegend zu überdenken.

Die Dauer des Konflikts bleibt ungewiss. Zwar führte die Ankündigung eines baldigen Endes zu einer vorübergehenden Entspannung beim Ölpreis, doch je länger sich der Krieg hinzieht und wichtige Handelsrouten blockiert bleiben, desto höher ist das Risiko einer sich selbst verstärkenden Wirtschafts- und Finanzkrise. Präventive Maßnahmen sind daher unerlässlich.

Die Annahme, dass eine verstärkte Fokussierung auf erneuerbare Energien die Lage entschärfen könnte, erweist sich als naiv. Zwar profitieren einzelne Haushalte mit Wärmepumpen oder Photovoltaikanlagen kurzfristig, doch die enge Verflechtung der Energiemärkte führt bei Knappheit von Öl und Gas zwangsläufig zu steigenden Strompreisen. Dies resultiert insbesondere daraus, dass bei mangelnder Wind- und Sonneneinstrahlung fossile Brennstoffe zur Stromerzeugung herangezogen werden müssen.

Abhängigkeit von fossilen Importen nach dem Atomausstieg

Deutschland hat sich von der Kernenergie als kostengünstiger und CO₂-neutraler Option verabschiedet. Vor dem endgültigen Ausstieg 2011 trug sie etwa ein Drittel zur Stromerzeugung und rund elf Prozent zur Primärenergiebereitstellung bei. Seitdem ist die Abhängigkeit von teuren Energieimporten massiv gestiegen.

Der Ausbau erneuerbarer Energien hat diese Lücke nur unzureichend schließen können. Trotz erheblicher staatlicher Subventionen decken sie derzeit nur etwa ein Fünftel des Primärenergiebedarfs ab. Mineralöl bleibt mit knapp 36 Prozent der dominierende Energieträger, gefolgt von Erdgas mit rund 27 Prozent. Somit entfallen fast zwei Drittel des deutschen Energieverbrauchs auf fossile Brennstoffe – eine Struktur, die sich mittelfristig kaum grundlegend verändern wird.

Besondere Vulnerabilität der Industrie

Öl und Gas dienen nicht allein der Raumwärme und Mobilität, sondern sind unverzichtbare Rohstoffe und Prozessenergieträger in der Industrie. Die chemische Industrie benötigt große Mengen Erdöl als Ausgangsstoff für Produkte wie Lacke und Kunststoffe. Hochöfen in der Stahlproduktion lassen sich wirtschaftlich nicht durch Solar- oder Windenergie ersetzen.

Die deutsche Industrie leidet bereits unter den weltweit höchsten Energiekosten. Jede weitere Preissteigerung beschleunigt den bereits eingesetzten Deindustrialisierungsprozess. Hinzu kommen im internationalen Vergleich hohe Unternehmenssteuern sowie eine übermäßig bürokratische Verwaltung. Die deutsche Wirtschaft ähnelt einem schwer angeschlagenen Boxer, der nach den Belastungen durch Zollmaßnahmen unter US-Präsident Donald Trump und den Folgen des Ukrainekriegs nun einen weiteren schweren Schlag einstecken muss.

Inflations- und Zweitrundeneffekte

Bei anhaltender Teuerung drohen gefährliche Zweit- und Drittrundeneffekte. Höhere Energiepreise wirken sich unmittelbar auf die Inflationsrate aus. Die steigenden Lebenshaltungskosten führen zu Lohnforderungen der Gewerkschaften, die – obwohl die Mehreinnahmen primär an ausländische Produzenten fließen – eine Kompensation verlangen. Für den Staat erhöhen sich ebenfalls die Ausgaben, was bei leeren Kassen zu höheren Steuern und Sozialabgaben führt – ein Teufelskreis entsteht.

Ein längerfristiger Ölpreisanstieg um 20 bis 30 Prozent würde das globale Wirtschaftswachstum um etwa ein Prozent dämpfen. Dies trifft die exportabhängige deutsche Wirtschaft besonders hart. In Kombination mit den binnenwirtschaftlichen Effekten ergäbe sich ein katastrophales Szenario, zumal die deutsche Wirtschaftsleistung bereits seit mehreren Jahren stagniert.

Bei einer Begrenzung des Preisanstiegs auf wenige Monate bliebe der Schaden vermutlich moderat: Die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren in diesem Fall nur einen Wachstumsverlust von etwa 0,2 Prozentpunkten und eine Inflationswirkung von maximal einem halben Prozentpunkt.

Dringender Reformbedarf in der Krisensituation

Die Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Konflikts – insbesondere mögliche anhaltende Blockaden der Straße von Hormus oder des Suezkanals – gebietet nach dem Vorsorgeprinzip sofortige Gegenmaßnahmen. Die gegenwärtige Krise sollte der letzte Anlass sein, die illusionäre Energiepolitik der vergangenen Jahre zu korrigieren.

Ein Wohlstandsverlust durch höhere Importpreise lässt sich nicht vollständig vermeiden, doch er kann gemindert werden. In Deutschland machen Steuern und Abgaben etwa die Hälfte des Tankstellenpreises aus; eine vorübergehende Senkung wäre sinnvoll, um Zweitrundeneffekte abzumildern. Auf EU-Ebene sollten CO₂-Emissionsrechte nicht weiter verknappt, sondern zeitweise vermehrt in den Markt gebracht werden. Dies würde Energie- und Rohstoffkosten dämpfen, ohne nennenswerte Klimaschäden zu verursachen – der EU-Anteil an globalen Emissionen beträgt mittlerweile nur noch etwa sechs Prozent. Es wäre unverantwortlich, die eigene Wirtschaft durch rigides Festhalten an Klimazielen in eine existenzbedrohende Lage zu manövrieren.

Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen gewinnt die Umsetzung aller aufgeschobenen inlandswirtschaftlichen Reformen an Dringlichkeit. Wie bei einem Boxer hängt die Widerstandsfähigkeit gegen weitere Schläge entscheidend von der grundlegenden Konstitution ab.

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* Mit Zustimmung des Autors basiert dieser Beitrag auf dessen Originalveröffentlichung in der Jungen Freiheit (10.03.2026); er wurde lediglich zur besseren Strukturierung, Sachlichkeit und Verständlichkeit überarbeitet und um aktuelle Quellen ergänzt, wobei KI-gestützte Methoden unterstützend eingesetzt wurden.

Haftungsausschluss

Die in dieser Veröffentlichung vertretenen Ansichten geben ausschließlich die Auffassung des Autors wieder und spiegeln nicht notwendigerweise die Positionen des Instituts für konservative Wirtschaftspolitik (IKW) wider. Das Titelbild dieser Veröffentlichung wurde KI-generiert (Art. 50 EU AI Act).