UBS-Daten: Reales Medianvermögen der Deutschen seit 2020 um knapp 20 Prozent gesunken

_ Dr. Daniel Hoffmann, Forschungsreferent, Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). Berlin, 22. September 2026.

IKW-Datenimpuls

Kernbotschaften & Handlungsempfehlungen

  • Der UBS Global Wealth Report 2026 beziffert das Median-Nettovermögen eines Erwachsenen in Deutschland Ende 2025 auf lediglich 53.485 US-Dollar beziehungsweise rund 45.500 Euro. Deutschland belegt damit nur Rang 30 der von UBS ausgewiesenen Top-30-Märkte – hinter Griechenland, den USA und Österreich. Beim Durchschnittsvermögen liegt Deutschland dagegen mit 346.613 US-Dollar auf Rang 14. [1]
  • Eine IKW-Datenanfrage bei UBS macht die Entwicklung dahinter exakt sichtbar: Nach der aktuellen, für 2020 bis 2025 einheitlich berechneten UBS-Modellierung sank das reale, also inflationsbereinigte Medianvermögen je Erwachsenem in Deutschland um 19,87 Prozent. Die IKW-Rückrechnung ergibt damit rund 56.800 Euro für 2020 in Kaufkraft von 2025 gegenüber rund 45.500 Euro 2025 – ein realer Verlust von etwa 11.300 Euro. Das IKW bewertet dies als drastische reale Verarmung der deutschen Vermögensmitte. Die von UBS bestätigte Neukalibrierung erklärt die Abweichungen zu früheren UBS-Berichten, nicht jedoch diesen Rückgang innerhalb der neuen, methodisch konsistenten Zeitreihe. [2]
  • Deutschland startet zugleich von einer strukturell schwachen Vermögensbasis: 2024 lebten nur rund 47 Prozent der Bevölkerung im Wohneigentum – niedrigster Wert in der EU. Hinzu kommt eine vergleichsweise defensive Vermögensanlage. Nach Bundesbank-Daten hält insbesondere die weniger vermögende Hälfte ihre Finanzanlagen nahezu ausschließlich in Einlagen und Versicherungsansprüchen und erzielte damit zuletzt negative reale Renditen. Das IKW empfiehlt daher eine Politik, die Wohneigentum und langfristige Kapitalmarktanlage erleichtert sowie Inflation und strukturell hohe Energiepreise begrenzt. [3][4]

Ausgangsbefund

Der UBS Global Wealth Report 2026 untersucht die privaten Nettovermögen in 56 Märkten. Deutschland weist UBS für Ende 2025 ein Medianvermögen von 53.485 US-Dollar aus. Beim ECB-Jahresendkurs von 1 Euro = 1,1750 US-Dollar entsprechen dies rund 45.500 Euro. Damit erreicht Deutschland beim Median lediglich Rang 30 der veröffentlichten Top-30-Tabelle; Frankreich kommt auf rund 103.700 Euro, Italien auf 111.500 Euro und Belgien auf 235.900 Euro. [1][5]

IKW-Auswertung & Einordnung

Der zusätzliche Erkenntnisgewinn der IKW-Datenanfrage liegt in den exakten Werten hinter der im UBS-Bericht nur grafisch dargestellten Entwicklung seit 2020. UBS übermittelte dem IKW die zugrunde liegende Datentabelle: Danach sank das deutsche Medianvermögen zwischen 2020 und 2025 in lokaler Währung und inflationsbereinigt um exakt 19,87 Prozent beziehungsweise durchschnittlich 4,33 Prozent pro Jahr. Aus dem aktuellen Wert von rund 45.500 Euro ergibt die IKW-Rückrechnung für 2020 ein reales Medianvermögen von rund 56.800 Euro in Preisen von 2025. Entscheidend ist dabei die methodische Abgrenzung: Dieser Rückgang entsteht vollständig innerhalb der aktuellen, einheitlich neu kalibrierten UBS-Modellgeneration und stellt daher nach UBS-Berechnung einen realen Kaufkraftverlust dar. Die Neukalibrierung erklärt dagegen, weshalb ältere UBS-Ausgaben zu anderen historischen Ergebnissen kamen. So hatte der Global Wealth Report 2025 für Deutschland noch ein reales Plus des Medianvermögens von 19 Prozent zwischen 2020 und 2024 ausgewiesen; zusätzliche damalige UBS-Daten bezifferten den Median für 2024 auf 69.949 Euro. UBS bestätigte dem IKW, dass 2026 mehrere Modellparameter neu kalibriert wurden und sich daraus gerade für Deutschland erhebliche Revisionen ergaben. Alte und neue Modellgeneration dürfen deshalb nicht direkt miteinander verkettet werden – innerhalb der aktuellen Zeitreihe bleibt der reale Verlust von 19,87 Prozent jedoch bestehen. [2][6][7]

Ein wesentlicher unmittelbarer Mechanismus dieses Kaufkraftverlustes ist die Inflation: Der deutsche Verbraucherpreisindex stieg von 100,0 im Jahr 2020 auf 121,9 im Jahr 2025 – das Preisniveau nahm damit um 21,9 Prozent zu. Energie lag 2025 sogar 43,0 Prozent und Haushaltsenergie 46,9 Prozent über dem Niveau von 2020. [8] Rechnerisch entspricht das neu zurückgerechnete reale Medianvermögen von 56.800 Euro 2020 nominal rund 46.600 Euro. Das nominale Vermögen stagnierte damit in der Größenordnung, während seine reale Kaufkraft deutlich sank.

Warum Deutschland bereits beim Vermögensniveau so weit zurückliegt, ist strukturell zu erklären. UBS nennt hierfür keinen einzelnen Deutschland-spezifischen Faktor, betont jedoch allgemein, dass die Zusammensetzung der Vermögenswerte sowie der Zugang zu investierbaren und diversifizierten Anlagen entscheidend für die Vermögensbildung sind; für viele Haushalte ist Wohneigentum der dominante Sachwert. [1] Gerade hier weist Deutschland eine Besonderheit auf: 2024 waren rund 53 Prozent der Bevölkerung Mieter und nur rund 47 Prozent Eigentümer – Deutschland war damit das einzige EU-Land mit einer Mietermehrheit. [3] Gleichzeitig lagen Ende 2024 rund 3,41 Billionen Euro beziehungsweise 37,6 Prozent des deutschen Geldvermögens in Bargeld und Einlagen; Aktien, Beteiligungen und Investmentfonds kamen zusammen auf rund 31,6 Prozent. [9] Für die Vermögensmitte ist die Differenz noch ausgeprägter: Die Bundesbank stellt fest, dass die weniger vermögende Hälfte ihr Finanzvermögen fast ausschließlich als Einlagen und Versicherungsansprüche hält und 2025 weiterhin negative reale Renditen erzielte, während insbesondere Aktien und Investmentfonds positive Renditebeiträge lieferten. [4] Zum Vergleich entfielen in Finnland 2024 rund 51,4 Prozent der finanziellen Haushaltsvermögen auf Aktien und Investmentfonds; in den USA machten Unternehmensaktien Ende 2025 rund 45 Prozent der finanziellen Haushaltsvermögen aus, während Einlagen und Geldmarktfonds lediglich etwa 14 Prozent ausmachten. [10][11]

Das IKW sieht die reale Vermögensentwicklung seit 2020 vor diesem Hintergrund insbesondere als Folge des Inflations- und Energiepreisschocks und bewertet die deutsche Wirtschafts- und Energiepolitik als zusätzlichen Belastungsfaktor. Dazu zählt das Institut insbesondere strukturell hohe Energiekosten im Zuge der Energiewende, die Folgen der Abkehr von russischen Energieträgern sowie hohe Steuer-, Abgaben- und Regulierungsbelastungen. Diese Kausalbewertung ist eine Einordnung des IKW und kein Ergebnis des UBS Global Wealth Report. Die UBS-Daten selbst belegen den realen Vermögensrückgang, identifizieren aber nicht dessen politische Ursachen.

Datenanhang: Medianvermögen der UBS-Top-30

Rang Markt Median 2025, ca. Euro Median 2020, real in 2025-Euro* reale Veränderung 2020–2025
1 Luxemburg 335.323 338.812 −1,03 %
2 Belgien 235.886 273.283 −13,68 %
3 Australien 179.390 192.825 −6,97 %
4 Neuseeland 175.844 165.069 +6,53 %
5 Dänemark 173.422 169.028 +2,60 %
6 Hongkong SAR 159.973 178.845 −10,55 %
7 Kanada 125.797 129.195 −2,63 %
8 Schweiz 123.877 144.999 −14,57 %
9 Norwegen 119.151 118.563 +0,50 %
10 Japan 115.528 76.166 +51,68 %
11 Italien 111.490 107.945 +3,28 %
12 Niederlande 108.431 146.838 −26,16 %
13 Vereinigtes Königreich 106.668 139.694 −23,64 %
14 Frankreich 103.743 118.156 −12,20 %
15 Malta 97.049 92.015 +5,47 %
16 Taiwan 96.287 89.459 +7,63 %
17 Spanien 94.957 98.604 −3,70 %
18 Südkorea 86.586 77.174 +12,20 %
19 Irland 83.756 89.377 −6,29 %
20 Singapur 82.071 86.070 −4,65 %
21 Katar 81.276 76.237 +6,61 %
22 Finnland 76.336 80.416 −5,07 %
23 Schweden 71.523 89.459 −20,05 %
24 Israel 71.356 81.336 −12,27 %
25 Slowenien 69.248 73.384 −5,64 %
26 Portugal 65.513 68.512 −4,38 %
27 Österreich 60.747 84.424 −28,05 %
28 Vereinigte Staaten 58.722 73.073 −19,64 %
29 Griechenland 50.351 61.735 −18,44 %
30 Deutschland 45.519 56.810 −19,87 %

*Die Werte für 2020 sind keine von UBS separat veröffentlichten historischen Euro-Werte, sondern eine IKW-Rückrechnung. Ausgangspunkt sind die UBS-Medianwerte für Ende 2025, zum ECB-Jahresendkurs von 1,1750 US-Dollar je Euro umgerechnet, sowie die von UBS dem IKW bereitgestellten realen Veränderungsraten 2020–2025. Die 2020-Werte sind deshalb als Kaufkraftwerte in Preisen und Wechselkursrelationen von Ende 2025 zu verstehen und dienen ausschließlich dem realen Vergleich innerhalb der aktuellen UBS-Modellgeneration. [1][2][5]

Quellen & Literatur

[1] UBS (2026): Global Wealth Report 2026 – „Global Wealth Report 2026: Globale Vermögen stiegen 2025 um über 10 %“, Zürich, 30.06.2026. URL: https://www.ubs.com/global/de/media/display-page-ndp/de-20260630-gwr-2026.html

[2] UBS (2026): Datenantwort auf Anfrage des Instituts für konservative Wirtschaftspolitik (IKW), einschließlich der zugrunde liegenden Datentabelle zu Abb. S. 16 des Global Wealth Report 2026 („Average and median wealth per adult in local currency, net of inflation, 2020–2025“), Juli 2026; unveröffentlichte Korrespondenz und Datentabelle. UBS erläuterte dabei, dass das Modell 2026 neu kalibriert und mehrere Parameter angepasst wurden; die kumulierten Auswirkungen waren für Deutschland besonders ausgeprägt.

[3] Eurostat (2026): „68% of people living in EU households own their home“, Datenjahr 2024, 05.02.2026. URL: https://ec.europa.eu/eurostat/en/web/products-eurostat-news/w/ddn-20260205-1

[4] Deutsche Bundesbank (2026): „Geldvermögensbildung und Außenfinanzierung in Deutschland im vierten Quartal 2025“, Pressemitteilung, 16.04.2026. URL: https://www.bundesbank.de/de/presse/pressemitteilungen/geldvermoegensbildung-und-aussenfinanzierung-in-deutschland-im-vierten-quartal-2025-993586

[5] Europäische Zentralbank (2025): Euro Foreign Exchange Reference Rates, USD/EUR, Jahresendwert 31.12.2025: 1 EUR = 1,1750 USD. URL: https://data.ecb.europa.eu/data/datasets/EXR/EXR.A.USD.EUR.SP00.E

[6] UBS (2025): Global Wealth Report 2025, Entwicklung des durchschnittlichen und medianen realen Vermögens je Erwachsenem vom 01.01.2020 bis 31.12.2024; Deutschland: Median +19 %. URL: https://www.ubs.com/content/dam/assets/wm/static/noindex/wm-germany/2024/doodownload/GWR-2025-FullReport.pdf

[7] Euronews (2026): Servet Yanatma, „Europe’s wealth divide mapped: Where are adults richest and poorest?“, 23.02.2026; auf Grundlage des UBS Global Wealth Report 2025 und zusätzlicher von UBS bereitgestellter Länderdaten; Deutschland 2024: Medianvermögen 69.949 Euro. URL: https://www.euronews.com/business/2026/02/23/europes-wealth-divide-mapped-where-are-adults-richest-and-poorest

[8] Statistisches Bundesamt (Destatis) (2026): Verbraucherpreisindex für Deutschland, Sondergliederungen, Basisjahr 2020=100; Gesamtindex 2025: 121,9; Energie: 143,0; Haushaltsenergie: 146,9. URL: https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Konjunkturindikatoren/Basisdaten/vpi102a.html

[9] Deutsche Bundesbank (2025): „Private Haushalte – Transaktionen und Bestände“, Finanzierungsrechnung, Stand 31.12.2024; Geldvermögen insgesamt 9.049,9 Mrd. Euro, Bargeld und Einlagen 3.406,1 Mrd. Euro, Aktien und sonstige Anteilsrechte 1.693,4 Mrd. Euro, Investmentfondsanteile 1.167,4 Mrd. Euro. URL: https://www.bundesbank.de/resource/blob/956224/ace5b3ae9d94b262d819e73c4b6e7368/472B63F073F071307366337C94F8C870/2025-04-25-geldvermoegen-anlage-data.pdf

[10] Eurostat (2025): „Households – statistics on financial assets and liabilities“, Datenjahr 2024; Anteil von Aktien und Investmentfonds am finanziellen Haushaltsvermögen in Finnland: 51,4 %. URL: https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/SEPDF/cache/57942.pdf

[11] Board of Governors of the Federal Reserve System (2026): Financial Accounts of the United States, Condensed Household Balance Sheet, Datenjahr 2025; finanzielle Vermögenswerte 142,1 Bio. US-Dollar, Unternehmensaktien 64,5 Bio. US-Dollar, Einlagen und Geldmarktfonds rund 19,9 Bio. US-Dollar. URL: https://www.federalreserve.gov/releases/z1/current/recent_developments.htm

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