Unternehmertag in Thüringen: Über 100 Unternehmer diskutieren mit AfD und IKW über Auswege aus der deutschen Wirtschaftskrise
_ IKW. Erfurt, 11. Oktober 2026. Bürokratieabbau, bezahlbare Energie, niedrigere Steuern und eine grundlegende Neuordnung der Europäischen Union: Beim Unternehmertag „Wirtschaft trifft Politik“ der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag am 10. Oktober 2026 diskutierten über 100 Unternehmer mit Wissenschaftlern und Politikern über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke, der die CDU-geführte Landesregierung unter Ministerpräsident Mario Voigt scharf kritisierte. Nachdem die TU Chemnitz Voigt wegen wissenschaftlicher Verfehlungen den Doktortitel aberkannt und dieser seine Klage dagegen zurückgezogen hatte, bekräftigte Höcke seine Forderung nach politischen Konsequenzen und Neuwahlen. Zugleich warf er der Thüringer CDU vor, ihre wirtschaftspolitischen Wahlversprechen aufgegeben zu haben und zunehmend linke Politik zu betreiben. Statt eines bürgerlichen Kurswechsels sei die CDU zum Anhängsel einer von der Linken mitgetragenen „Hagebutten-Koalition“ aus Rot-Rot-Rot-Schwarz geworden. Eine solche politische Konstellation, so Höckes Kritik, verhindere die notwendigen Reformen für den Wirtschaftsstandort Thüringen.
Kofner: Deutschland verliert seine industrielle Substanz
In seinem Vortrag „Deutschland als Wirtschaftsstandort – Bürokratie, Energiepreise, Steuer- und Abgabenlast sowie Fachkräftemangel als Treiber der Deindustrialisierung“ zeichnete IKW-Geschäftsführer Christopher Kofner ein kritisches Bild der deutschen Wirtschaftsentwicklung seit 2019. Rund 540.000 Industriearbeitsplätze gingen zwischen 2019 und 2025 verloren, der kumulierte negative Direktinvestitionssaldo erreichte etwa 270 Milliarden Euro. Auch Thüringen ist betroffen: Die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe sank zwischen 2019 und 2025 um mehr als 16.000 Arbeitsplätze.
Als zentrale Ursachen benannte Kofner die Energiepolitik, überhöhte Steuern und Sozialabgaben, regulatorische Belastungen und den zunehmenden Fachkräftemangel. Deutsche Unternehmen zahlen im europäischen Vergleich besonders hohe Energiepreise. Zugleich erreicht der Steuer- und Abgabenkeil eines alleinstehenden Durchschnittsverdieners 49,3 Prozent und liegt damit erheblich über dem OECD-Durchschnitt von 35,1 Prozent.
Besonders scharf kritisierte Kofner die ausufernde Bürokratie. Nach Bundesbank-Erhebungen stiegen die von Unternehmen angegebenen Bürokratiekosten zwischen 2022 und 2024 von durchschnittlich fünf auf sieben Prozent des Jahresumsatzes. Hochgerechnet auf die deutschen Unternehmensumsätze entspricht dies nach IKW-Berechnungen einer Belastung von rund 672 Milliarden Euro jährlich.
Kofner machte vor allem die deutsche und europäische Klima-, Energie- und Regulierungspolitik für die strukturellen Standortnachteile verantwortlich. Während die Europäische Kommission mit Green Deal, CO₂-Bepreisung, Lieferkettenvorgaben und Nachhaltigkeitsberichtspflichten immer neue Belastungen schaffe, setze die Bundesregierung unter Friedrich Merz und Lars Klingbeil den bisherigen wirtschaftspolitischen Kurs weitgehend fort. Statt konsequenter Standortreformen erhalte Deutschland nach dieser Kritik zusätzliche Regulierung und kostspielige staatliche Eingriffe.
Jörg Prophet: Eine AfD-Landesregierung kann die Wirtschaft unmittelbar entlasten
Jörg Prophet, Mitglied des Thüringer Landtags, erläuterte die wirtschaftspolitischen Handlungsmöglichkeiten einer AfD-Landesregierung. Zwar würden wesentliche Rahmenbedingungen der Energie-, Steuer- und Regulierungspolitik auf Bundes- und EU-Ebene festgelegt. Dennoch will die AfD die begrenzten wirtschaftspolitischen Handlungsspielräume der Bundesländer konsequent ausschöpfen, um Unternehmen im Rahmen der bestehenden Landeskompetenzen bestmöglich zu entlasten und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts zu stärken.
Dazu zählen die konsequente Verschlankung von Ministerien und Behörden, die Reduzierung unnötiger Verwaltungsstellen und Berichtspflichten, schnellere Genehmigungsverfahren sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz und des Once-Only-Prinzips, wonach Bürger und Unternehmen ihre Daten gegenüber der Verwaltung grundsätzlich nur einmal übermitteln müssen.
Weitere Ansatzpunkte bilden eine vereinfachte Landesbauordnung, eine gezielte mittelstandsorientierte Wirtschaftsförderung und eine technologieoffene Forschungs- und Innovationspolitik. Steuerpolitisch will die AfD-Thüringen den Grunderwerbsteuersatz verändern und den erstmaligen Erwerb einer betrieblich genutzten Geschäftsimmobilie durch eine gesetzlich entsprechend ausgestaltete Befreiung entlasten.
Der Vortrag verdeutlichte damit: Auch wenn die entscheidenden wirtschaftspolitischen Weichenstellungen auf Bundes- und EU-Ebene erfolgen und die Handlungsspielräume der Länder entsprechend begrenzt sind, kann eine AfD-Landesregierung die bestehenden Kompetenzen konsequent ausschöpfen, um Bürokratie abzubauen, Investitionen zu erleichtern und Unternehmen gezielt zu entlasten. Für eine grundlegende wirtschaftspolitische Kurswende bedarf es jedoch eines Politikwechsels auch in Berlin und Brüssel.
Söllner und König stellen Steuerreform25 vor
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die grundlegende Reform des deutschen Steuersystems. Prof. Dr. Fritz Söllner von der Technischen Universität Ilmenau, Gastforscher des IKW, und der Bundestagsabgeordnete Jörn König stellten die von der AfD-Bundestagsfraktion entwickelte „Steuerreform25“ vor.
Das Reformkonzept sieht eine Vereinheitlichung der Einkommen- und Körperschaftsteuer mit einem Steuersatz von 22 Prozent vor. Die Gewerbesteuer soll durch einen kommunalen Zuschlag von regelmäßig höchstens drei Prozentpunkten ersetzt werden. Dadurch soll die gesamte Ertragsteuerbelastung im Regelfall auf 25 Prozent begrenzt werden. Gleichzeitig soll der Solidaritätszuschlag vollständig entfallen.
Besonders Familien würden profitieren: Vorgesehen sind Grundfreibeträge von 15.000 Euro je Erwachsenen und 12.000 Euro je Kind. Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern erhielte damit Freibeträge von insgesamt 54.000 Euro jährlich.
Die Reform zielt auf niedrigere Belastungen, ein erheblich einfacheres Steuerrecht und stärkere Anreize für Arbeit, Investitionen und Unternehmertum. Sie versteht sich als Gegenentwurf zu einem Steuersystem, das wirtschaftliche Leistung durch hohe Grenzbelastungen und komplizierte Vorschriften zunehmend erschwert.
Unternehmer Fliegl: EU-Regulierung bedroht den industriellen Mittelstand
Aus der unternehmerischen Praxis berichtete Helmut Fliegl vom mittelständischen Fahrzeugbauunternehmen Fliegl Trailer. Er übte deutliche Kritik an der zunehmenden europäischen Regulierung, insbesondere an den CO₂-Emissionsvorgaben für Nutzfahrzeuge und den damit verbundenen Belastungen für mittelständische Hersteller.
Im Mittelpunkt stand die Wettbewerbsverzerrung zwischen großen Konzernen und familiengeführten Unternehmen. Während Großunternehmen umfangreiche Rechts-, Compliance- und Verwaltungsabteilungen unterhalten können, treffen komplexe EU-Vorschriften mittelständische Betriebe besonders hart.
Die Kritik richtete sich gegen eine europäische Regulierungspolitik, die mit immer detaillierteren technischen und ökologischen Vorgaben in unternehmerische Entscheidungen eingreift und dabei die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas gefährdet.
René Aust: Grundlegende Neuordnung Europas statt Brüsseler Zentralismus
René Aust, Mitglied des Europäischen Parlaments und Vorsitzender der ESN-Fraktion, stellte Ansätze für eine fundamentale Neuordnung der europäischen Zusammenarbeit vor. Grundlage der Debatte bildete das am 29. September 2026 in Brüssel abgestimmte europapolitische Positionspapier „Souveräne Nationen, gemeinsames Europa“.
Dessen Ziel ist eine grundlegende Überwindung der heutigen zentralistischen EU-Strukturen zugunsten eines Bundes souveräner europäischer Nationen. Die Europäische Kommission soll ihre politische Gestaltungsmacht weitgehend verlieren und auf koordinierende sowie ausführende Aufgaben zurückgeführt werden. Nationale Parlamente sollen gestärkt, europäische Zuständigkeiten drastisch begrenzt und der EU-Haushalt erheblich verkleinert werden.
Wirtschaftspolitisch stehen die Abschaffung des Green Deals, der Rückbau von CO₂-Zertifikatepflichten und Lieferkettenvorgaben, Technologieoffenheit sowie die Wiederherstellung nationaler Entscheidungsfreiheit in der Energiepolitik im Mittelpunkt.
Das Konzept sieht eine umfassende Neuverhandlung der EU-Verträge, verbindliche nationale Opt-out-Regelungen und die konsequente Nutzung deutscher Vetorechte bei EU-Finanzierungsentscheidungen vor. Sollte eine substanzielle Neuordnung scheitern, soll die Bevölkerung über Deutschlands weiteren europapolitischen Weg entscheiden.
An die Stelle supranationaler Zentralisierung soll eine Europäische Wirtschafts- und Interessengemeinschaft (EWIG) treten, deren Zusammenarbeit sich auf gemeinsame Interessen wie den Binnenmarkt, Forschung, Sicherheit und grenzüberschreitende Infrastruktur konzentriert.
Fazit: Mittelstand braucht einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel
Der Unternehmertag verdeutlichte: Die AfD verfügt über ein umfassendes wirtschaftspolitisches Reformprogramm und sieht sich auch dank der wissenschaftlichen Beratung durch das Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW) fachlich und personell gut auf eine Regierungsübernahme vorbereitet. Ihre Reformvorschläge reichen von der Landes- über die Bundes- bis zur europäischen Ebene.
Aus Sicht des IKW braucht Deutschland dringend eine wirtschaftspolitische Wende: weniger Bürokratie, niedrigere Steuern und Abgaben, bezahlbare Energie und mehr unternehmerische Freiheit. Die AfD beansprucht, als einzige politische Kraft einen konsequenten Kurswechsel auf allen drei Ebenen zu vertreten. Ihr Ziel ist es, industrielle Wertschöpfung, Mittelstand und Wettbewerbsfähigkeit wieder in den Mittelpunkt staatlichen Handelns zu stellen.

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