Zusammenhang zwischen AfD‑Umfrageergebnissen in deutschen Bundesländern und Einstufungen durch den Verfassungsschutz – Eine statistische Analyse
_ Florian Müller, Gastforscher, Institut für konservative Wirtschaftsforschung; Chefredakteur, Krautzone. 08.01.2026. Erstveröffentlichung als Folge auf dem YouTube-Kanal der Krautzone. *
Einleitung
Die Einstufung politischer Parteien durch den Verfassungsschutz wird regelmäßig kontrovers diskutiert. Insbesondere die Alternative für Deutschland (AfD) steht hierbei im Fokus, da einzelne Landesverbände als Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem klassifiziert wurden. Diese Einstufungen werden von Medien und der politischen Öffentlichkeit häufig aufgegriffen und genutzt, um die Partei zu kritisieren oder zu marginalisieren. Gleichzeitig variieren die Umfrage- und Wahlergebnisse der AfD stark zwischen den Bundesländern. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob ein statistisch messbarer Zusammenhang zwischen dem Erfolg der AfD und der Einstufung durch den Verfassungsschutz besteht. Ziel dieser Analyse ist es, mithilfe einer Rangkorrelationsanalyse einen ersten empirischen Einblick in diese Beziehung zu gewinnen.
Methodologie
Für die Untersuchung wurde ein quantitativer, korrelativer Ansatz gewählt. Die Datenbasis umfasst alle 16 deutschen Bundesländer, wobei auf der einen Seite die AfD-Unterstützung durch aktuelle Umfragewerte und Wahlergebnisse operationalisiert wurde, auf der anderen Seite die Einstufung der Landesverbände durch den Verfassungsschutz. Letztere wurde in eine ordinale Variable transformiert: keine Beobachtung (0), rechtsextremer Verdachtsfall (1) und gesichert rechtsextrem (2).

Da die beiden Variablen unterschiedliche Skalenniveaus aufweisen – die AfD-Stärke ist metrisch, die Verfassungsschutz-Einstufung ordinal – wurde der Spearman-Rangkorrelationskoeffizient berechnet. Diese Methode eignet sich zur Untersuchung monotone Zusammenhänge zwischen ordinalen und metrischen Variablen und ist robust gegenüber nicht-linearer, aber monotone Verläufe.

Zur Validierung der Ergebnisse wurde geprüft, ob Ausreißer die Korrelation verzerren. Insbesondere das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern fiel durch sehr hohe AfD-Werte auf, ohne dass eine Einstufung durch den Verfassungsschutz erfolgt ist. Eine hypothetische Hochstufung dieses Landes wurde testweise in die Analyse einbezogen, um die Sensitivität des Zusammenhangs zu prüfen.
Ergebnisse
Die initiale Berechnung des Spearman-Koeffizienten für alle 16 Bundesländer ergab einen Wert von 0,59. Dies deutet auf einen mittleren bis starken Zusammenhang hin, der im sozialwissenschaftlichen Kontext als relevant gilt. Die Analyse zeigt, dass Bundesländer mit hoher AfD-Unterstützung tendenziell häufiger als Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden. Länder mit niedrigeren AfD-Ergebnissen weisen überwiegend keine Beobachtung auf.
Eine Sensitivitätsanalyse, bei der Mecklenburg-Vorpommern hypothetisch als gesichert rechtsextrem eingestuft wurde, erhöhte den Spearman-Koeffizienten auf 0,77. Dieser Wert liegt deutlich im Bereich starker Korrelationen und signalisiert eine hohe statistische Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenhang zwischen AfD-Erfolg und Einstufung durch den Verfassungsschutz. Die Ergebnisse sind bei einer Signifikanzschwelle von 5 % statistisch robust, auch wenn die Stichprobe aufgrund der geringen Anzahl an Bundesländern limitiert ist.
Diskussion
Die Analyse weist auf eine Korrelation hin, lässt jedoch keine kausalen Schlussfolgerungen zu. Es ist nicht ersichtlich, ob hohe Umfragewerte zu einer strengeren Einstufung führen, ob die Einstufung selbst die AfD-Wähler mobilisiert, oder ob andere Faktoren – etwa regionale politische Kultur, historische Präferenzen oder sozioökonomische Bedingungen – sowohl AfD-Ergebnisse als auch Verfassungsschutzbeurteilungen beeinflussen.
Zudem sollte berücksichtigt werden, dass die Einstufung politischer Parteien durch den Verfassungsschutz auf gesetzlichen Grundlagen basiert und in der Regel überprüfbar ist. Kritik an einer politischen Instrumentalisierung ist Teil der öffentlichen Debatte, muss jedoch vor dem Hintergrund institutioneller und gerichtlicher Kontrollmechanismen eingeordnet werden.
Schlussfolgerungen
Die Analyse zeigt, dass es einen messbaren statistischen Zusammenhang zwischen dem Erfolg der AfD in den Bundesländern und deren Einstufung durch den Verfassungsschutz gibt. Diese Korrelation ist im sozialwissenschaftlichen Kontext als signifikant einzuschätzen und liefert eine empirische Grundlage für weiterführende Untersuchungen.
Für die Forschung ergeben sich folgende Handlungsempfehlungen:
- Vertiefte multivariate Analysen unter Einbeziehung weiterer Variablen, wie wirtschaftliche Indikatoren, demografische Strukturen oder historische Wahlergebnisse, um kausale Mechanismen zu prüfen.
- Langfristige Beobachtung von Umfragewerten und Einstufungen, um dynamische Entwicklungen und mögliche Verzögerungseffekte zu erkennen.
- Transparente Darstellung der Einstufungskriterien durch den Verfassungsschutz, um die öffentliche Debatte evidenzbasiert zu gestalten und die Validität statistischer Analysen zu erhöhen.
Die vorliegende Untersuchung liefert einen ersten empirischen Ansatz, der aufzeigt, dass die Einstufung von AfD-Landesverbänden nicht isoliert von deren Erfolg zu betrachten ist und dass statistische Analysen helfen können, öffentliche Debatten auf eine belastbare Datenbasis zu stellen.
Quellen
- Statista (2025). Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz. Statista.
- Statista (2025). Status der AfD-Landesverbände zur Prüfung durch den Verfassungsschutz. Statista.
- Frankfurter Rundschau (2025). Verfassungsschutz setzt AfD-Einstufung vorläufig aus.
- Welt / Leipziger Volkszeitung (2026). Umfrage: AfD bleibt stärkste Kraft in Sachsen.
- Frankfurter Rundschau (2025). Nach AfD-Einstufung knappe Mehrheit für Parteiverbot.
* Mit Zustimmung des Autors basiert dieser Beitrag auf dessen Originalveröffentlichung; er wurde lediglich zur besseren Strukturierung, Sachlichkeit und Verständlichkeit überarbeitet und um aktuelle Quellen ergänzt, wobei KI-gestützte Methoden unterstützend eingesetzt wurden.
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